Deutsches Meisterschaftsrudern


Deutsches Meisterschaftsrudern

Als Deutsches Meisterschaftsrudern bezeichnet der Deutsche Ruderverband traditionell die Wettbewerbe zur Ermittlung der Deutschen Meister im Rudern. Sie werden über die international übliche Wettkampfdistanz von 2000 m ausgetragen. 2011 werden die zuvor für einige Jahre getrennten Meisterschaften für Kleinboote und Großboote wieder auf einer Veranstaltung ausgetragen.[1] Die Meisterschaften in den Kleinbooten (Einer und Zweier ohne) sind dabei weiterhin ein wichtiges Qualifikationskriterium für die Besetzung der Nationalmannschaften.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Allgemeines

Achilles Wild von der Frankfurter RG Germania, Deutscher Meister im Einer 1882 und von 1884 bis 1888

Die heutige Form des Rennruderns entwickelt sich im 18. Jahrhundert in England. Im Jahr 1715 veranstaltet ein Ire erstmals ein Wettrudern für Skullboote auf der Themse. Die erste bekannte Regatta findet im Jahr 1775 bei Putney ebenfalls auf der Themse statt. 1829 gibt es das erste Achterrennen zwischen den Universitäten Oxford und Cambridge.

Der erste deutsche Ruderverein, „Der Hamburger Ruderclub“, wird im Jahr 1836 gegründet. Die erste deutsche Ruderregatta wird 1844 in Hamburg ausgetragen. Im süddeutschen Raum wird im Jahr 1865 der erste Ruderverein aus der Taufe gehoben, der Frankfurter Ruderverein.

Die erste Deutsche Rudermeisterschaft wird 1882 in Frankfurt am Main veranstaltet, jedoch wird der „Meister von Deutschland“ ausschließlich im Einer ermittelt. Für den besten deutschen Ruderer stiftet die Frankfurter RG Germania 1883 einen Herausforderungspreis. Nachdem Achilles Wild in den Jahren 1884 bis 1886 die Meisterschaft im Einer dreimal hintereinander gewinnt, geht der Preis schon nach wenigen Jahren in sein Eigentum über. Darauf stiftet der noch junge, im Jahr 1883 gegründete Deutsche Ruderverband im Jahr 1887 einen neuen Preis für den „Meister von Deutschland“, eine Goldkette mit Brillantstern und Plaketten, auf denen der jeweilige Gewinner eingraviert wird. Es ist ein Wanderpreis, der nur ein Jahr im Besitz des jeweiligen Siegers bleibt. Bei der Deutschen Meisterschaft im Einer wird auch heute noch die im Jahr 1887 gestiftete Meisterschaftskette mit Brillantstern übergeben, allerdings nur für die kurze Zeit der Siegerehrung.

Bis zum Jahr 1905 werden Meisterschaften nur im Einer, immer am Ort des Titelverteidigers, ausgerudert. Erst ab dem Jahr 1906 gibt es das Deutsche Meisterschaftsrudern auch für weitere Bootsgattungen.

Zwischenzeitlich wird Rudern olympisch. Aufgrund schlechten Wetters fällt die olympische Ruderregatta 1896 in Athen jedoch aus, so dass erstmals im Jahr 1900 in Paris sogar mit deutscher Beteiligung um olympische Medaillen gerudert wird. Olympische Bootsgattungen sind zunächst Einer, Zweier-mit, Vierer-mit und Achter.

Die Streckenlänge beim Deutschen Meisterschaftsrudern beträgt heute 2000 m. Die Sieger heißen „Deutscher Meister“ und erhalten die Meisterschaftsmedaille des DRV.

In den Jahren 1969 bis 1975 sind generell und in den Jahren 2005 bis 2010 mit Ausnahme des Zweiers-ohne keine Renngemeinschaften sondern nur Vereinsmannschaften beim Deutschen Meisterschaftsrudern startberechtigt.

In den Jahren 1954 bis 1957 wird das Deutsche Meisterschaftsrudern als „Gesamtdeutsche Meisterschaft“ ausgetragen. Von 1949 bis 1990 finden zusätzlich DDR-Rudermeisterschaften statt.

Ab dem Jahr 1997 gibt es im Deutschen Ruderverband neben dem Deutschen Meisterschaftsrudern auch Deutsche Sprintmeisterschaften, bei denen die Streckenlänge mindestens 300 m und höchstens 500 m beträgt. Startberechtigt sind nur Vereinsmannschaften. Die Sieger heißen „Deutscher Sprintmeister“ und erhalten die Meisterschaftsmedaille des DRV.

Zusätzlich hat der Deutsche Ruderverband ab dem Jahr 2009 zusammen mit einer Event-Agentur einen Wettbewerb für Frauen- und Männerachter ausgeschrieben, die Ruder-Bundesliga (RBL). Sie verfolgt das Ziel, das Vereinsrudern und die öffentliche Aufmerksamkeit für den Rudersport zu fördern. Zugelassen sind nur Vereinsachter, wobei jedoch auch Kooperationen zwischen zwei Vereinen erlaubt sind. Die Streckenlänge beträgt grundsätzlich 350 m. Der Wettbewerb wird als Rennserie an mehreren Wochenenden der Regattasaison nach bestimmten Regeln durchgeführt. Die Sieger der Gesamtserie heißen "Deutscher Liga-Champion".

Deutsches Meisterschaftsrudern für Männer

Folgende Bootsgattungen wurden früher oder werden heute beim Deutschen Meisterschaftsrudern für Männer ausgerudert:

  • Männer-Einer - von 1882 bis heute (mit Unterbrechungen 1914 – 1919 und 1945 – 1946)
  • Männer-Doppelzweier - von 1907 bis heute (mit Unterbrechungen 1909 – 1912, 1914 – 1919 und 1945 – 1946)
  • Männer-Zweier ohne Steuermann - von 1906 bis heute (mit Unterbrechungen 1914 – 1919 und 1945 – 1946)
  • Männer-Zweier mit Steuermann - von 1935 bis 2004 (mit Unterbrechung 1942 – 1949)
  • Männer-Doppelvierer - von 1974 bis heute
  • Männer-Vierer ohne Steuermann - von 1906 bis heute (mit Unterbrechungen 1914 – 1919 und 1945 – 1946)
  • Männer-Vierer mit Steuermann - von 1906 bis heute (mit Unterbrechungen 1909 – 1912, 1914 – 1927, 1945 – 1946 sowie 2005 – 2010)
  • Männer-Achter - von 1906 bis heute (mit Unterbrechungen 1914 – 1919, 1945 – 1946)

Deutsches Meisterschaftsrudern für Frauen

Deutsche Meisterschaften für Frauen werden im Jahr 1937 (zunächst als Reichssieger-Wettbewerbe) eingeführt. Folgende Bootsgattungen wurden früher oder werden heute beim Deutschen Meisterschaftsrudern für Frauen ausgerudert:

Deutsches Meisterschaftsrudern für Leichtgewichte

Außerdem gibt es seit dem Jahr 1939 auch Deutsche Meisterschaften für Leichtgewichte (zunächst als Reichssieger-Wettbewerbe) in unterschiedlichen Bootsgattungen. Für Leichtgewichte heute höchstzulässige Einzelgewichte sind bei Frauen 59 kg und bei Männern 72,5 kg sowie Mannschafts-Durchschnittsgewichte sind bei Frauen 57 kg und bei Männern 70 kg. Folgende Bootsgattungen wurden früher oder werden heute beim Deutschen Meisterschaftsrudern für Leichtgewichte bei Frauen und Männern ausgerudert:

  • Lgw.-Männer-Einer - von 1941 bis heute (mit Unterbrechung 1945 – 1947)
  • Lgw.-Männer-Doppelzweier - von 1960 bis heute
  • Lgw.-Männer-Zweier ohne Steuermann - von 1977 bis heute
  • Lgw.-Männer-Doppelvierer - von 1984 bis 2004 sowie ab 2011
  • Lgw.-Männer-Vierer ohne Steuermann - von 1939 bis heute (mit Unterbrechungen 1940 und 1945 – 1946)
  • Lgw.-Männer-Vierer mit Steuermann - von 1940 bis 1976 (mit Unterbrechung 1941 – 1946)
  • Lgw.-Männer-Achter - von 1948 bis 2004 sowie ab 2011
  • Lgw.-Frauen-Einer - von 1984 bis heute
  • Lgw.-Frauen-Doppelzweier - von 1985 bis heute
  • Lgw.-Frauen-Zweier ohne Steuerfrau - von 1998 bis 2004
  • Lgw.-Frauen-Doppelvierer ohne Steuerfrau - von 1997 bis 2004 sowie ab 2011
  • Lgw.-Frauen-Vierer ohne Steuerfrau - von 1986 bis 1996

Aktuelle Deutsche Meister 2011

Männer

  • Einer Männer: Marcel Hacker – Frankfurter RG Germania
  • Doppelzweier Männer: Rgm. Berliner RC / ORC Rostock von 1956 (Eric Knittel, Stephan Krüger)
  • Zweier-ohne Männer: Rgm. Rostocker RC von 1885 / Lübecker RG von 1885 (Maximilian Munski, Felix Drahotta)
  • Doppelvierer Männer: Rgm. USV TU Dresden / Wurzener Rvg. Schwarz-Gelb / Rendsburger RV / Dresdner RC 1902 (Tim Grohmann, Philipp Wende, Karl Schulze, Lauritz Schoof)
  • Vierer-ohne Männer: Rgm. Hallesche Rvg. Böllberg-Nelson / Mainzer RV von 1878 / Ulmer RC Donau (Florian Eichner, Urs Käufer, Maximilian Reinelt, Sebastian Schmidt)
  • Vierer-mit Männer: Rgm. ORC Rostock von 1956 / DRC von 1884 Hannover / WSV Godesberg / Berliner RC / RK am Baldeneysee Essen (Philipp Karnatz, Milan Dzambasevic, Nicolai Jürgens, Andreas Kuffner, St. Schiwa Omidi)
  • Achter Männer: Rgm. RTHC Bayer Leverkusen / RC Undine Radolfzell / Berliner RC / RC Bergedorf / Ratzeburger RC / RV Treviris 1921 Trier / RC Germania Düsseldorf (Gregor Hauffe, Andreas Kuffner, Eric Johannesen, Florian Mennigen, Richard Schmidt, Lukas Müller, Toni Seifert, Kristof Wilke, St. Martin Sauer)
  • Lgw.-Einer Männer: Jonathan Koch – Mainzer RV von 1878
  • Lgw.-Doppelzweier Männer: Rgm. Friedrichstädter RG von 1926 / RK am Wannsee Berlin (Lars Hartig, Linus Lichtschlag)
  • Lgw.-Zweier-ohne Männer: RV Saarbrücken (Jost Schömann-Finck, Matthias Schömann-Finck)
  • Lgw.-Doppelvierer Männer: Rgm. Mainzer RV von 1878 / Berliner RC / RC Karlstadt 1928 / Frankfurter RG Germania (Jonathan Koch, Christian Hochbruck, Jonas Schützeberg, Michael Wieler)
  • Lgw.-Vierer-ohne Männer: Rgm. RV Saarbrücken / Der Hamburger und Germania RC / RC Allemannia von 1866 Hamburg (Bastian Seibt, Lars Wichert, Jochen Kühner, Martin Kühner)
  • Lgw.-Achter Männer: Rgm. RV Saarbrücken / Der Hamburger und Germania RC / RC Allemannia von 1866 Hamburg / RG Wiking Berlin / RG Treis-Karden 1969 (Lars Wichert, Lukas Oberhausen, Carsten Borchardt, Matthias Schömann-Finck, Jost Schömann-Finck, Bastian Seibt, Jochen Kühner, Martin Kühner, St. Richard Binkau)

Frauen

  • Einer Frauen: Britta Oppelt – RV Hellas-Titania Berlin
  • Doppelzweier Frauen: Rgm. RK am Wannsee Berlin / SV Energie Berlin (Tina Manker, Sophie Dunsing)
  • Zweier-ohne Frauen: Rgm. Crefelder RC 1883 / Ulmer RC Donau (Kerstin Hartmann, Marlene Sinnig)
  • Doppelvierer Frauen: Rgm. RK am Wannsee Berlin / Rvg. Hellas-Titania Berlin / Heilbronner RG Schwaben / Potsdamer RG (Julia Richter, Carina Bär, Stephanie Schiller, Britta Oppelt)
  • Vierer-ohne Frauen: Rgm. ORC Rostock von 1956 / Rostocker RC von 1885 / Schweriner RG 1874/75 (Julia Lepke, Ulrike Sennewald, Nadja Drygalla, Anne-Sophie Agarius)
  • Achter Frauen: Rgm. RV Emscher Wanne-Eickel-Herten / Heilbronner RG Schwaben / Hanauer RG 1879 / Essen-Werdener RC von 1896 / Hannoverscher RC von 1880 / Dresdner RV / ORC Rostock von 1956 / Rvg. Kappeln (Nadine Schmutzler, Katrin Reinert, Lisa Kemmerer, Ronja Schütte, Kathrin Thiem, Anika Kniest, Ulrike Sennewald, Nadja Drygalla, St. Laura Schwensen)
  • Lgw.-Einer Frauen: Marie-Louise Dräger – ORC Rostock von 1956
  • Lgw.-Doppelzweier Frauen: Rgm. RV Saarbrücken / ORC Rostock von 1956 (Marie-Louise Dräger, Anja Noske)
  • Lgw.-Doppelvierer Frauen: Rgm. Frankfurter RG Germania / ORC Rostock von 1956 / RV Weser Hameln (Wiebke Hein, Nora Wessel, Katrin Thoma, Regina Pieroth)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ruderwettkampf-Regeln (RWR) des Deutschen Ruderverbandes. Deutscher Ruderverband, S. 19ff, abgerufen am 17. März 2011.

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