Deutsches Schauspielhaus


Deutsches Schauspielhaus
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Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg-St. Georg ist mit 1192 Zuschauerplätzen das größte deutsche Sprechtheater. Zweite Hauptspielstätte ist der Malersaal (maximal 145 Plätze). Die ehemalige Spielstätte Kampnagel in Hamburg-Winterhude ist mittlerweile selbstständig.

Inhaltsverzeichnis

Architektur

Haupteingang und Fassade zur Kirchenallee
Schnittzeichnung (1901)

Das auf Theaterbauten spezialisierte Wiener Büro Fellner & Helmer (Architekt: Ferdinand Fellner d. J.) erstellte das Hamburger Theater in einem neobarocken Stil in den Jahren von 1899 bis 1900. Es wurde am 15. September 1900 unter der Leitung von Alfred Freiherr von Berger eröffnet. Für das Schauspielhaus dienten dem Architekturbüro als Vorbilder vor allem die eigenen Bühnenbauten in Wien, Prag Wiesbaden und Zürich.

Die Eingangsfassade zur Kirchenallee trägt das Motto: Der Kunst eine Staette - den Musen ein Heim. Ein weiterer Schmuck sind die Porträts von Kleist und Lessing auf der linken Seite sowie Schiller und Goethe auf der rechten Seite. Die Fassade in der Ellmenreichstraße wird durch die Porträts von Shakespeare und Grillparzer geschmückt.

Seit 1981 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte

Eröffnung bis Ende der Weimarer Republik (1900–1932)

Das Schauspielhaus wurde mit Hilfe einer Hamburger Bürgerinitiative erbaut, die zur Finanzierung eine Aktiengesellschaft gründete. Am 15. September 1900 fand die Eröffnungsfeier statt und die erste Premiere stellte Goethes Iphigenie auf Tauris dar. Mit seinen damals noch 1.800 Plätzen war das Haus - wie auch heute noch - schwer zu füllen, und bereits nach drei Jahrzehnten stand das Theater, das damals noch ein Privattheater ohne staatliche Förderungen war, kurz vor dem Bankrott.

Nationalsozialismus und Nachkriegszeit (1933–1947)

1933 wurde das Schauspielhaus verstaatlicht und somit von den Nationalsozialisten vor dem Bankrott gerettet. Diese benannten es in "Staatliches Schauspielhaus in Hamburg" um und veränderten den Innenraum, indem sie jeglichen Prunk und Stuck übermalen ließen. Bis 1944 wurde das Haus hauptsächlich mit deutschen Klassikern bespielt, blieb aber vor Propagandainszenierungen verschont. 1944 wurde es wie alle deutschen Theater geschlossen. Der Bühnenraum wurde als Rüstungswerkstatt verwendet und der Zuschauerraum diente als Lichtspielhaus. Nach dem Kriegsende - das Schauspielhaus blieb größtenteils unversehrt - übernahmen englische Besatzungsmächte das Theater und nutzten es unter dem Namen "Garrick-Theater". Erst nach und nach ging das Haus wieder in deutschsprachige Hände über.

Bundesrepublik bis zur Restaurierung des Hauses (1948–1984)

Von 1948 bis 1955 standen unter der Intendanz von Albert Lippert und unter der Dramaturgie von Ludwig Benninghoff sowohl Stücke aus dem klassischen als auch aus dem zeitgenössischen internationalen Repertoire auf dem Spielplan. Von 1955 bis 1963 erlangte das Theater unter Gustaf Gründgens sein theatergeschichtlich höchstes Ansehen und reichte an dasjenige des Wiener Burgtheaters heran. Schließlich wurde das Deutsche Schauspielhaus vor allem mit seiner berühmten Hamburger Faust-Inszenierung durch Gastspiele weit über Deutschland hinaus bekannt.

In den 1970er Jahren öffnete sich für Werke ausländischer Autoren das Schauspielhaus unter der Intendanz von Ivan Nagel weiter. Nagel holte Regisseure wie Claus Peymann, Luc Bondy, Jérôme Savary und Peter Zadek nach Hamburg. Die Inszenierungen sehr moderner Autoren stießen teilweise auf wenig Akzeptanz beim konservativen Hamburger Theaterpublikum, lockten jedoch ein junges Publikum an. 1976 waren mehr als ein Drittel der Schauspielhausbesucher unter 25 Jahre alt. Zadeks Inszenierung von Shakespeares Othello mit Ulrich Wildgruber und Eva Mattes in den Hauptrollen sorgte 1976 für den größten Hamburger Theaterskandal der Nachkriegszeit.

Von 1981 bis 1984 erfolgte eine Restaurierung am Schauspielhaus zur "Wiedergewinnung der originalen Raumfassung in der ursprünglichen Konzeption seiner Wiener Architekten Helmer und Fellner". Die Aufführungen wichen in das Operettenhaus und in die ehemalige Kampnagel-Fabrik aus. Unter der Intendanz von Frank Baumbauer wurde das Deutsche Schauspielhaus erneut zu einer der wichtigen Bühnen Deutschlands. Er gab Christoph Marthaler, Frank Castorf und Christoph Schlingensief die Möglichkeit, „neue Theatersprachen“[2] zu entwickeln. Die Kritiker der Fachzeitschrift Theater heute wählten es allein viermal zum Theater des Jahres. Viele Inszenierungen wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Heute (seit 2000)

Die Intendanz von Tom Stromberg (2000-2005) wurde zunächst von Zuschauern und Kritikern nicht so gut angenommen. Zwei Spielzeiten lang blieben die Zuschauer aus und wichtige Mitarbeiter verließen das Haus. Erst danach lockten die Regisseure Jan Bosse, René Pollesch, Stefan Pucher und Ingrid Lausund mit originellen Inszenierungen von Traditionsstücken wie Faust und Othello ein junges Publikum an. Als Produktionen der Ära Stromberg wurde "Deadline", eine der frühen dokumentarischen Inszenierungen von Rimini Protokoll 2004 und Othello 2005 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Die damalige Kultursenatorin Dana Horáková verlängerte seinen 2005 auslaufenden Vertrag nicht. Theater heute wählte das Schauspielhaus neben drei anderen Bühnen zum Theater des Jahres.

Intendant ist seit 2005 Friedrich Schirmer. Das Junge Schauspielhaus bespielt auch das Foyer des zweiten Ranges (ca. 80 Plätze) und den Marmorsaal. Weitere Spielorte sind die Kantine und die Probebühne. Außerhalb des Hauptgebäudes werden die Deichtorhallen und die Hamburger Botschaft (ein Club im Schanzenviertel) bespielt. Schirmers Vertrag wurde am 7. Oktober 2008 bis 2015 verlängert, damit soll ihm ermöglicht werden "über längere Zeit einer großen Bühne ein Profil zu geben", so die Kultursenatorin Karin von Welck.[3] Außerdem soll 2010/11 die Obermaschinerie erneuert und ausgebaut werden. Insgesamt tut sich das Haus seit dem Ende der 1970er Jahre schwer, den Platz als erste Schauspielbühne Hamburgs zu behaupten. Mitte September 2010 kündigte Schirmer an, zum 30. September 2010 vorzeitig als Intendant zurückzutreten und seinen Vertrag zu kündigen.[4]

Seit Oktober 2010 leitet Jack F. Kurfess kommissarisch das Schauspielhaus. Die künstlerische Leitung liegt bei Florian Vogel. Neue Intendantin wird zur Spielzeit 2013/2014 die bisher in Köln agierende Karin Beier.[5]

Das Schauspielhaus wird in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung geführt und firmiert als Neue Schauspielhaus GmbH. Geschäftsführer sind Friedrich Schirmer und Jack. F. Kurfess. Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Senator Reinhard Stuth.

Intendanten

Literatur

  • Rosemarie Clausen, Theater. Gustaf Gründgens inszeniert, Braunschweig: Georg Westermann 1960
  • Manfred Brauneck u.a. (Hrsg.): 100 Jahre Deutsches Schauspielhaus Hamburg. Hamburg; München: Dölling und Galitz, 1999. (Buch mit CD-ROM) ISBN 3-933374-34-0
  • Das neue deutsche Schauspielhaus in Hamburg. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Jg. 21 (1901), Nr. 1, urn:nbn:de:kobv:109-opus-34017, S. 2–5. (Fünf Abbildungen)
  • Über den Neubau des deutschen Schauspielhauses. In: Deutsche Bauzeitung. Jg. 34 (1900), Nr. 29, urn:nbn:de:kobv:co1-opus-20835, S. 182–184. (Vortrag von Ferdinand Fellner vor dem Hamburger Architekten und Ingenieurs-Verein am 2. März 1910)

Weblinks

 Commons: Deutsches Schauspielhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Denkmalschutzamt in der Behörde für Kultur, Sport und Medien (Hrsg.): Denkmalliste der Freien und Hansestadt Hamburg, Stand 13. April 2010. Hamburg 2010, S. 99, Denkmallisten-Nr. 618.
  2. Kathrin Bettina Müller: Nase voll vom Sparen, tageszeitung, 16. September 2010
  3. http://www.abendblatt.de/daten/2008/10/08/949197.html
  4. Schauspielhaus-Intendant Schirmer tritt zurück - Signal fatal Gerhard Stadelmaier in FAZ.NET vom 14. September 2010 abgerufen am 15. September 2010
  5. Neue Intendantin fürs Schauspielhaus, NDR, 17. Februar 2011

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