Deutschland-Rundfahrt


Deutschland-Rundfahrt
Deutschland Tour 2006 – Fahrerfeld bei Ettal, 6. Etappe

Die Deutschland Tour war das wichtigste deutsche Radsport-Etappenrennen und bis 2008 Teil des Rennkalenders der UCI ProTour, einer Serie der wichtigsten Radrennen des Jahres. Seit der Wiedereinführung 1999 fand die Rundfahrt alljährlich zwischen Ende Mai und Anfang Juni statt. Seit der Einführung der ProTour im Jahr 2005 wurde die Rundfahrt im August ausgetragen. Sie führte dabei in wechselnder Streckenführung durch Deutschland und das nahe Ausland, zumeist Österreich, da die Alpen fester Bestandteil der Streckenführung wurden. Eine Besonderheit der Deutschland Tour ist die parallele Austragung einiger Etappen für Hobby-Fahrer als sogenanntes Jedermannrennen.

Veranstalter ist die Deutschland Tour GmbH in Zusammenarbeit mit dem und auf Grundlage der Regeln des Radsportweltverbandes UCI. Die Deutschland Tour und die Vattenfall Cyclassics waren die einzigen in Deutschland stattfindenden ProTour-Radrennen. Sie waren zudem Teil der neuen Deutschen Meisterschaft, dem TUI-Cup. Am 17. Oktober 2008 gaben die Veranstalter bekannt, dass die Deutschland Tour 2009 aufgrund der Nichtübertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht ausgetragen wird.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Mühevolles Ringen um Kontinuität

Fahrerfeld der Deutschland Tour 2003 in Dippoldiswalde

In der deutschen Radsportgeschichte hatte es zuvor diverse Versuche gegeben, eine Deutschland-Rundfahrt nach dem Vorbild der Nachbarstaaten zu etablieren. Sie fanden unter verschiedenen Namen statt.

Der erste Vorgänger der Rundfahrt startete 1911 unter dem Namen Quer durch Deutschland. Auch bedingt durch den Ersten Weltkrieg ließ die nächste Ausgabe elf Jahre auf sich warten. 1922 fand, unter großer Mithilfe der deutschen Fahrrad-Industrie, die zweite Ausgabe statt. Die dritte Rundfahrt durch Deutschland ließ weitere fünf Jahre auf sich warten. Mit dem Automobilhersteller Opel wurde ein namhafter Sponsor für den Großen Opelpreis von Deutschland gefunden. Herrmann Schwartz, der damalige Werbechef des Unternehmens, kümmerte sich von da an um die Organisation der Rundfahrt bis zu seinem Ableben im Jahr 1953. Die dritte Edition unterschied sich bis heute aber grundlegend von den anderen Ausgaben. Im Gegensatz zu den vorhergegangen Etappenrennen, die zusammenhängend innerhalb weniger Wochen bzw. Tage beendet waren, fanden nun mehrere Rennen über das ganze Jahr verteilt statt. Nachdem wieder drei Jahre verstrichen waren, begann 1930 die vierte Ausgabe und im darauffolgenden Jahr die fünfte. Jedoch hatte man von dem Austragungsmodell von 1927 wieder Abstand genommen. 1931 wirkte die Rundfahrt, nicht nur wegen ihres Namens Internationale Opel-Deutschland-Rundfahrt internationaler. Mit dem zweimaligen Tour-de-France-Sieger Nicolas Frantz nahm ein Star der damaligen Zeit an der Tour teil. Für die nächsten sechs Jahre blieb es aber die letzte Rad-Rundfahrt durch Deutschland.

1937 startete ein neuer Versuch eine Rundfahrt im Stile der großen Vorbilder Tour de France und Giro d'Italia zu organisieren. Nach der sechsjährigen Pause war das Interesse der Industrie und des Publikums groß. So verfolgten die Schlussetappe, die im Berliner Olympiastadion endete, alleine dort über 80.000 Zuschauer. Auch in den beiden folgenden Jahren fand die Rundfahrt unter großem Interesse statt. Vor allem die Großdeutschlandfahrt 1939 war eine Rundfahrt der Superlative. Da die Nationalsozialisten die Größe des Reiches demonstrieren wollten, war sie mit 5.049,6 km länger als die Tour de France und der Giro d'Italia und führte sowohl durch das heutige polnische Staatsgebiet als auch das damals angegliederte Österreich. Zudem führte man erstmals eine Bergwertung ein und die Teamwertung fand auch wieder Beachtung in den Siegerlisten. Durch den Zweiten Weltkrieg musste man mit der Austragung jedoch wieder acht Jahre lang pausieren.

Unter erschwerten Bedingungen wurde die Rundfahrt 1947 wieder aufgenommen. In Form von Kriterien fanden sechs Rennen in der britisch besetzten Zone statt. In den beiden folgenden Jahren fanden ähnliche Austragungen statt, wobei die Tour 1949 durch wieder durch das damalige gesamte Staatsgebiet führte. Einen weiteren Aufschwung gab es 1950. Da die UCI den westlichen Teil Deutschlands als vollständiges Mitglied akzeptiert und aufgenommen hatte, war es deutschen Rennfahrern wieder gestattet, an internationalen Rennen teilzunehmen. Zudem durften bei Rennen in Deutschland auch wieder internationale Fahrer starten. So blieb die Rundfahrt bis 1952 fester Bestandteil des Radsportkalenders. Durch das sinkende Interesse der Sponsoren fand die Rundfahrt 1953 nicht statt, obwohl es bereits Pläne dafür gab. Für die Sponsoren stand jedoch der finanzielle Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zum Werbeeffekt. Nachdem 1955 ein weiterer Anlauf gestartet worden war, gab es die nächste Tour durch Deutschland erst 1960. Durch die Erfolge einer neuen Generationen deutscher Radsportler im Ausland fanden von 1960 bis 1962 weitere Deutschland-Rundfahrten statt. Doch 1962 war die Euphorie bereits wieder verflogen und es dauerte ganze 17 Jahre bis man einen neuen Versuch startete.

Die Erfolge von Dietrich Thurau bei der Tour de France 1977 weckten in Deutschland wieder das Interesse am Radsport und so organisierte man für das Jahr 1979 eine Rundfahrt. Thurau ging auch prompt als Sieger hervor. Auch in den folgenden drei Jahren fand die Rundfahrt statt, doch mit dem untergehenden Stern Dietrich Thuraus ging auch der Stern der Deutschland-Rundfahrt für die nächsten 17 Jahre unter.

Diesmal war der Radsport-Boom den Erfolgen Jan Ullrichs und Erik Zabels anzurechnen. So rief man 1999 die Deutschland Tour ins Leben, die auch gleich mit einem großzügigen Budget an den Start ging. Zwar stand die Deutschland Tour 1999 unter keinem guten Stern, doch sie etablierte sich im internationalen Radsportkalender. Seit der Einführung der ProTour im Jahr 2005 findet die Rundfahrt zwar nicht mehr im attraktiven Frühsommer vor der Tour de France statt, sondern nun im August kurz nach der Frankreich-Rundfahrt, jedoch erhöhte sich die Anzahl der Etappen von sieben auf neun. Inzwischen steht die Rundfahrt auf einer Stufe mit der traditionsreichen Tour de Suisse und dem Critérium du Dauphiné Libéré. Langfristig, so Tour-Chef Kai Rapp, ist das Ziel der Organisatoren, die Nummer 2, nach der Tour de France, im internationalen Radsport zu werden.

Auch im Osten Deutschlands, in der DDR, wurde eine Rundfahrt durchgeführt. Sie wurde erstmals 1949 durchgeführt und fand mit einigen kurzen Unterbrechungen bis 1989 statt. Letzter Sieger war Uwe Ampler.

Am 17. Oktober 2008 gaben die Veranstalter bekannt, dass die Deutschland Tour nicht ausgetragen wird.[1] Grund hierfür ist, dass die Verantwortlichen von ARD bekanntgaben, dass die Tour de France 2009 nicht live im Ersten übertragen wird. Auch das ZDF konnte nicht versichern, dass es die Tour übertragen wird (Stand: Oktober 2008). Die dadurch ausfallenden TV-Werbekosten sind letztendlich der Grund für die Absage der Deutschland Tour 2009.[2]

Die verschiedenen Namen der Rundfahrt

Die Tabelle zeigt die verschiedenen Namen der Rundfahrt im Verlauf von 1911 bis heute. In nicht aufgeführten Jahrgängen ist die Rundfahrt nicht ausgetragen worden.

Jahr Name
1911 Quer durch Deutschland
1922 Großer Preis von Deutschland
1927 Großer Opelpreis von Deutschland
1930 Deutschlandrundfahrt
1931 Internationale Opel-Deutschland-Rundfahrt
1937–1938 Internationale Deutschland-Rundfahrt
1939 Großdeutschlandfahrt
1947 Grünes Band vom Rhein
1948–1949 Grünes Band der IRA
1950–1955 Deutschland-Rundfahrt
1960–1962 Internationale Afri-Cola-Deutschland-Rundfahrt
1979 Internationale Vitamalz-Rundfahrt
1980–1982 Deutschland-Rundfahrt
1999–2008 Deutschland Tour

Sieger der Deutschland Tour

Hauptartikel: Liste der Sieger der Deutschland Tour

Gesamtwertung

Die Trophäe der Deutschland Tour

Bei den bisher insgesamt 31 Ausgaben gab es 30 verschiedene Gesamtsieger. Einzig der für den dänischen Radrennstall CSC fahrenden deutsche Profi Jens Voigt konnte die Tour zweimal gewinnen, nämlich in den Jahren 2006 und 2007. Unter den 30 Siegern waren 18-mal deutsche Fahrer. 12-mal nahmen ausländische Fahrer den Sieg mit in ihr Heimatland. Hier führen die Niederländer mit drei Siegen, gefolgt von den Belgiern, Italienern und Spaniern mit jeweils zwei Siegen. Zudem konnten sich jeweils ein US-Amerikaner, Kasache und Australier den Gesamtsieg sichern.

Bergwertung

Der Bergpreis wurde bisher 17-mal vergeben. Auch hier konnte kein Fahrer die Wertung zweimal gewinnen. Fünfmal siegten deutsche Fahrer. Je zweimal ein Italiener, Schweizer und Belgier. Mit einem Sieg folgen ein Österreicher, US-Amerikaner, Niederländer, Spanier, Schwede und Australier.

Punktewertung

Die Punktewertung wurde bisher 13-mal vergeben. Unangefochtener Spitzenreiter ist der Deutsche Erik Zabel, der zwischen 1999 und 2007 die Wertung insgesamt siebenmal gewinnen konnte. Er ist auch der einzige, der die Wertung mehrmals gewinnen konnte. Deutsche Fahrer siegten insgesamt zehnmal. Zudem waren ein Belgier und ein Italiener erfolgreich.

Nachwuchswertung

Die Wertung, die erst seit 2006 ausgetragen wird, gewann im Premierenjahr der Russe Wladimir Gussew, im Jahr darauf der Niederländer Robert Gesink.

Einzelnachweise

  1. Offizielle Absage der Austragung 2009
  2. Focus-online: http://www.focus.de/politik/schlagzeilen?day=20081016&did=929048&gn=0 | Nach Dopingwelle und TV-Ausstieg Deutschland-Tour 2009 abgesagt

Weblinks


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