Dewen


Dewen
Namen von Den

Elfenbeinplakette des Den (MacGregor-Plakette)
Thronname
M23
X1
L2
X1
N25
N25
X1
Chasti
ḫ3stj
Der Fremdländische /
Der jagende Nomade [1]
Horusname
G5
D46
N35
Bild:srxtail2.GIF
Den / Dewen
D[w]n
Der seine Flügel ausbreitet
Nebtiname
G16
N25
N25
X1
Chasti
Goldname
G8
I12
S12
[2]
Iaret(?)-nebu
[Jˁr.t](?)-nbw
(Mit) goldener Iaret (?) [A 1]
Königspapyrus Turin (Nr.II./16)
Image:Hiero_Ca1.svg
Aa8
X1 Z4
HASH G7
Bild:Hiero_Ca2.svg
Qenti
Qntj
... (mit Namensideogramm
für einen König, das den
Horusfalken darstellt)
Königsliste von Abydos (Sethos I.) (Nr.5)
Image:Hiero_Ca1.svg
N24 N24
Bild:Hiero_Ca2.svg
Sepati
Sp3t.j
Der, der beiden Großen Gaue
griechisch
bei Manetho

lateinisch bei Eusebius
Usaphaidos
Kenkenes (?)

Usaphais
Cencenis (?)

Den (eigentl. Hor-den), auch Dewen oder Udimu genannt, ist der Horusname eines altägyptischen Königs (Pharao) der 1. Dynastie (Frühdynastische Zeit), welcher von um 2870 bis um 2820 v. Chr.[3] regierte.

Den regierte sehr lange und bescherte seinem Land inneren Frieden und Wohlstand. Unter seiner Herrschaft wurden viele Neuerungen eingeführt.

Inhaltsverzeichnis

Name und Identität

Die Lesung von Dens Horus- und Nesut-biti-Namen erweist sich bisher als problematisch. Während beispielsweise die Ägyptologen Kurt Sethe und Alan Henderson Gardiner den Horusnamen Den mit „Der Wasserbringer“ und den Nesut-biti Namen Chasti mit „Der Beduine“ übersetzen [4], bevorzugen andere wie Hermann Schlögl die Übersetzungen „Der seine Flügel ausbreitet“ (Horusname) und „Der jagende Nomade“ beziehungsweise „Der Fremdländische“ (Nesut-biti Name) mit Bezug auf Dens Triumph über mehrere Wüstenvölker.[5]

Manetho nennt Den einmal Usaphâidós und ein ander Mal Kênkenés. Der Name Usaphaidos ist schlicht eine Übersetzung des Titels Nesut-Biti, den König Den ja eingeführt hatte. Der Name Kenkenes hingegen könnte die Umschreibung für Chastj sein. [6]

Herkunft und Familie

Die moderne Forschung sieht Den als Sohn des Wadji, allerdings ergibt sich diese These bisher nur aus dem Umstand, dass Wadji sein Vorgänger war. Seine Mutter war Meritneith. Verheiratet war Den mit Semat, Nachtneith und möglicherweise auch mit einer gewissen Qa-Neith. Letzteres ist allerdings umstritten. Als mögliche Nachkommen werden die Pharaonen Anedjib und Semerchet angesehen.

Regentschaft

Den führte den Königstitel Nesut-biti ein. Damit legitimierte er sich als „Herr über Ober- und Unterägypten“.[7] Parallel dazu fand sich in seinem Grab die erste Darstellung eines ägyptischen Herrschers mit Doppelkrone.[8]

Auch ist unter Den erstmalig die Jahreszählung mit Zahlen-Hieroglyphen belegt, nachdem zuvor die Regierungsjahre nur mit der Nennung des wichtigsten Ereignisses versehen waren.[9] Die Begehung des Horusgeleits in Verbindung einer regelmäßig-zweijährigen Steuererhebung kann erst bei den Nachfolgern von König Anedjib festgestellt werden.[10]

Elfenbeintäfelchen des Den (British Museum)

In den ersten Jahren seiner Herrschaft teilte der vermutlich noch minderjährige Den die Herrschaft mit seiner Mutter Meritneith, die als Königin später in Abydos ein Grab königlichen Ausmaßes erhielt.[11]

In Dens Herrschaft fällt ein nahezu einmaliges Ereignis: Eine landesweite Volkszählung. Im 31. Regierungsjahr, festgehalten auf dem Palermostein wird das „Zählen aller Diener des Nordens, des Ostens, des Südens und des Westens“ erwähnt.[12]

Des Weiteren ist auf mehreren Elfenbeinplaketten der Sieg über eine fremde Streitmacht festgehalten, die in den Inschriften als „Erste Niederschlagung des Ostens“ bezeichnet wird.[13] Aus Dens Epoche haben die meisten Elfenbeinplaketten überdauert. So stammen allein aus seinem Grab rund 68 Exemplare.[14]

Auf dem neben dem Kairostein (C1 / K1) auch zur Sammlung des Ägyptischen Museums von Kairo gehörenden Kairo-Fragment (C5 / K5) eines Annalensteins sind fünf Jahre von Den komplett erhalten (18-22) [15]; auf dem Palermostein, dem zweiten größeren Fragment desselben Steins, sind vierzehn weitere Jahre festgehalten (28-41)[16]:

Jahr Ereignisse
18. Jahr Besuch des Gottes Wer-Wadjet... (Rest fehlt)
19. Jahr Zerschlagung der Setiet[A 2]
20. Jahr Geburt (Herstellung) des Mafdet-Fetisch; Errichten der Senti-Pfeiler
21. Jahr Zerschlagung des Volkes der Tesem[A 3]
22. Jahr Besuch der Residenz Semer-Netjeru; Begehung des 1. Sed-Festes
23-27. Jahr [Keine Informationen erhalten]
28. Jahr Besuch im Tempel des Gottes Ptah... (Rest fehlt)
29. Jahr Zerschlagung der Iuntiu
30. Jahr Erscheinen des Königs von Ober- und Unterägypten; Begehung des Sed-Festes
31. Jahr Landesweite Volkszählung
32. Jahr Begehung des 2. Djet-Festes
33. Jahr Strecken der Schnur[A 4] für die Götterfestung Sitz der Götter (Isut-Netjeru)
34. Jahr Strecken der Schnur für den Palast der Götterfestung Isut-Netjeru durch den Priester der Göttin Seschat
35. Jahr Einweihung der Teichanlage der Götterfestung Isut-Netjeru; königliche Nilpferdjagd
36. Jahr Aufenthalt in Herakleopolis und auf dem See des Gottes Herischef
37. Jahr Fahrt nach Sah-setni (?), Zerstörung der Stadt Wer-Ka
38. Jahr Geburt (Herstellung) einer Statue des Gottes Sed
39. Jahr Erscheinen des Königs von Unterägypten, 1. Begehung des Apis-Laufs
40. Jahr Geburt (Herstellung) einer Statue der Göttin Seschat und der Mafdet
41. Jahr Erscheinen des Königs von Ober- und [Unterägypten]... (Rest fehlt)

Gefäßfragmente aus Dens Grabanlage in Abydos bestätigen die Begehung des zweiten Sed-Festes.[17]

Aus der Zeit von Dens Herrschaft sind zahlreiche hohe Beamten überliefert, insbesondere Ipka, Anchka, Hemaka, Nebitka, Amka und Ka-Sa sind archäologisch gut belegt.

Spätere Überlieferungen

Aus ramessidischer Epoche stammt der Medizinische Papyrus Berlin, in welchem Behandlungsmethoden und Therapien beschrieben werden, von denen einige auf Den (hier „Semti“ genannt) zurückgehen sollen. Damit wollte man jedoch nur die Verlässlichkeit bestimmter Diagnosen und Therapien untermauern. [18]

Im 64. Kapitel des Totenbuch des Ani wird Dens Thronname ebenfalls erwähnt, auch hier wird er Semti geheißen.[19]

Das Grab des Den

Das Grab des Den in Umm el-Qaab

Das Grab des Den befindet sich in der Nekropole Umm el-Qaab bei Abydos unter der Bezeichnung Tomb T.[20] Das Grab ist insgesamt eine Weiterentwicklung der Königsgräber durch Einführung einer von außen hinunterführenden, 24 m langen Treppe, die sich nach oben verbreitert. Weiter unten, im Eingangsbereich, befinden sich Schlitze für den Fallstein im seitlichen Mauerwerk. Der Boden der Grabanlage ist mit rotem Assuan-Granit ausgelegt. Grab T hat keine Nebenkammern, jedoch zahlreiche Nebengräber und einen großen Talbezirk, in dem wohl der Totenkult des Herrschers stattfand.[21]

Auch in Sakkara gibt es Gräber aus der Zeit des Den: S 3506, S 3035 und S 3036. Mastaba Nr. 3506 in Sakkara ist eventuell das Grab des königlichen Sieglers Hemaka, ein hoher Beamter, der auch von anderen Quellen her gut bekannt ist. Der Oberbau ist im „Palastfassadenstil“ errichtet. Wie bei dem Grab von Den in Abydos führt eine Treppe zur Sargkammer.[22]

Literatur

Allgemeines
  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros Verlag, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3, S. 109-110.
  • Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London/New York 1999, ISBN 0-415-18633-1, S. 75-78.
Zum Namen
  • Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit, Bd. 3. Harrassowitz, Wiesbaden 1963, ISBN 3-447-00052-X, S. 54 (202A).
  • W.M.Flinders Petrie: The Royal Tombs of the First Dynastie, Bd. 2. London 1901, S. 7.
  • Jürgen von Beckerath: Handbuch der Ägyptischen Königsnamen. Deutscher Kunstverlag, Berlin, ISBN 3-422-00832-2, S. 46 und 172.
Detailfragen
  • Walter B. Emery: Ägypten, Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200-2800 v. Chr. München 1964, S. 83-90
  • Werner Kaiser: Ein Kultbezirk des Königs Den in Sakkara, (Mitteilungen d. Deutschen Archäologischen Inst. Kairo 41). 1985, S. 47-60
  • Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. (Ägyptologische Abhandlungen, Band 45), Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4, S. 156-162.
  • Gerhard Gordon: Etudes sur l´Horus Den et son temps. 1990
  • Günter Dreyer: Umm el-Qab. Nachuntersuchungen im frühzeitlichen Königsfriedhof, 3./4. Vorbericht, (Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo 46). 1990, S. 72-81.
  • Günter Dreyer: Zur Rekonstruktion der Oberbauten der Königsgraber der 1. Dynastie in Abydos, (Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instutits Kairo 47). 1991, S. 100-104.
  • Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. von Zabern, 1997, ISBN 3-8053-2310-7, S. 15, 26, 39, 56, 166-169, 173-174, 176, 178, 187 (unter Usaphais).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Übersetzung der Redaktion Ägyptologie
  2. Frühe Bezeichnung für ein Volk von Asiaten
  3. Frühe Bezeichnung für ein Beduinenvolk aus der Sahara
  4. Gemeint ist eine Gründungszeremonie

Einzelnachweise

  1. Hermann Schlögl: Das alte Ägypten. Beck, München 2008, ISBN 3-406-48005-5, S. 70.
  2. Der Goldname wurde als offizielle Zusatztitulatur erstmals von Djoser in der 3. Dynastie verwendet.
  3. Jahreszahlen nach Schneider: Lexikon der Pharaonen.
  4. Alan Henderson Gardiner: Egypt of the Pharaos. Oxford-University-Press 1966, ISBN 0195002679, Seite 401-402.
  5. Hermann Schlögl: Das alte Ägypten. Beck, München 2008, ISBN 3-406-48005-5, S. 70.
  6. Nicolas Grimal: A History of Ancient Egypt. Blackwell-Publishing 1992, ISBN 0-631-19396-0, S. 53-54;
  7. Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London/New York 1999, S. 75 ISBN 0-415-18633-1
  8. Francesco Raffaele: Den-labels No. 1 + 9 (englisch)
  9. Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten, Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz/Wiesbaden 1950, S. 52.
  10. Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Wiesbaden 1950, S. 58.
  11. W. Helck: Untersuchungen zur Thintenzeit; Seite 158 - 177; 1987
  12. Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London/New York 1999, ISBN 0-415-18633-1, S. 76
  13. Kaiser: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo 41: 1985, S. 7-19.
  14. Francesco Raffaele: Den´s Ivory-labels (englisch)
  15. http://www.catchpenny.org/thoth/Palermo/c5rectob.htm Vorderseite des Kairo-Fragment C5 Rekonstruktion nach de Cenival
  16. Jahre 28-41: Schäfer: Ein Bruchstück altägyptischer Annalen, S. 18-21.
  17. Günther Dreyer: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo (MDAIK), 46. Ausgabe 1990; Seite 80; Abb. 9
  18. D. Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewusstsein ihrer Nachwelt; Seite 22 - 31; 1969
  19. Walter B. Emery: Ägypten, Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200-2800 v. Chr. München 1964, S. 90
  20. Plan auf Digital Egypt
  21. Walter B. Emery: Ägypten, Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200-2800 v. Chr. München 1964, S. 89ff.
  22. Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London/New York 1999, ISBN 0-415-18633-1, S. 147



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