Dichterrivale


Dichterrivale

Rival Poet - Bis heute nicht sicher identifizierte, wahrscheinlich konkrete "Person", die in den Shakespeare Sonetten als Dichterrivale (rival poet) erscheint.

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Shakespeares Sonette

In Shakespeares Sonetten taucht ein Dichterrivale (rival poet) auf, von dem mehrheitlich vermutet wird, dass es sich um eine reale Person handelt[1]. Die Spekulationen, wer damit gemeint sei, führten in den letzten zweihundert Jahren zu zahlreichen, z.T. widersprüchlichen Theorien. Mit der Gruppe von Sonetten, in denen vermutlich ein Dichterrivale bezeichnet ist, der um Gunst, Patronat und Ruhm kämpft, sind vor allem die Sonette 78-86 gemeint.

Vermutete Kandidaten

George Chapman

Chapman war ein bekannter zeitgenössischer Dichter und Übersetzer des Homer. Experten gehen davon aus, dass Shakespeare das Werk Chapmans gekannt und Teile der Übersetzung aus der Ilias für sein Stück Troilus und Cressida verwendete, eine dramatische Umarbeitung von Chaucer's epischem Gedicht. Chapman selbst schrieb Ovid's Banquet Of Sense, ein Gedicht, das als eine Antwort auf die erotischen Verse Venus und Adonis gesehen werden kann, welche im übrigen“ Shakespeares am häufigsten zitierten Dichter Ovid herausstellen. Der eher moralische Tonfall von Chapmans Versen meidet den amourösen Duktus Shakespeares. Chapmans Schutzpatrone bewegten sich in denselben Kreisen wie vermuteterweise Shakespeare. Shakespeare könnte sich in seiner eigenen Einschätzung gegenüber einem talentierten Dichterrivalen unsicher gefühlt haben. Chapman wurde als hochgebildet angesehen, während, wie Ben Jonson notiert, Shakespeare nur wenig Latein und noch weniger Griechisch beherrschte (had small Latin and less Greeke.) [2]

Christopher Marlowe

Der mit Shakespeare gleichaltrige Marlowe wurde bereits zu seinen Lebzeiten als genialer Dichter und Dramatiker beschrieben. Sein poetisches Hauptwerk Hero und Leander wurde von manchen Experten als zu seinem Todeszeitpunkt unvollendet betrachtet und bei dem noch nicht umfangreichen Werk Marlowes zu seinem Tod 1593 (u.a. 6 Theaterstücke - Die Drucklegung von Shakespeares Werken erschien allerdings durchweg erst nach Marlowes Tod ) wurde es als unwahrscheinlich angesehen, dass Shakespeares Sonette auf ihn als Dichterrivalen anspielten. Unter Berücksichtigung der Urheberschaftsdebatte[3] und der von der konventionellen Shakespeare-Forschung abgelehnten Marlowe-Theorie [4]ergäben sich allerdings andere, z. T. plausiblere Interpretationsmöglichkeiten..

Weitere Kandidaten

Neben den oben genannten wurden weitere Dichter wie Samuel Daniel, Michael Drayton, Barnabe Barnes, und Gervase Markham als potentielle Dichterrivalen herausgearbeitet[5].

Mehrere Dichter (Gruppentheorie)

Ebenso wie bei der Urheberschaftsdebatte wurde auch bei der Debatte um einen zeitgenössischen Dichterrivalen eine Gruppentheorie vertreten. Dies wurde insbesondere deshalb diskutiert, weil der Wechsel der Anrede des/der Rivalen zwischen Singular und Plural in den Sonetten erkennbar wird. Diese Diskrepanz hat wohl am meisten die Identifizierung eines spezifischen Dichterrivalen erschwert. [6]

In Sonett 78 bezieht sich der “Verfasser” auf andere Dichter (who have gained inspiration from the Fair Youth), in Sonett 79 hingegen ist der Verfasser nur über einen Rivalen besorgt( “he,” a potentially “worthier pen”). In Sonett 80 erkennt man erneut eine singuläre Bezugnahme, aber in Sonett 82 wendet sich der Verfasser wieder an mehrere Schreiber (“writers”) (225). In Sonett 83 bezieht er sich auf beide Dichter ( “both your poets”), was anzeigen könnte, dass der Verfasser der eine und der Rivale der andere Dichter ist. Nach MacD.P. Jackson erscheint Sonett 86 das signifikanteste und detaillierteste der Gruppe bezüglich der Charakterisierung eines “spezifischen” Dichterrivalen. ("Was it his spirit, by spirits taught to write")

Es erscheint insgesamt schwierig, die genaue innere Einstellung des Verfassers der Sonette gegenüber einem Rivalen festzulegen. Kritiker wie R. Gittings glauben, dass die meisten Anspielungen auf den Rivalen ironisch bzw. satirisch gesehen werden sollten. Jackson geht davon aus, dass die Gefühle gegenüber dem Rivalen in erheblichem Maße zwischen Bewunderung und Kritik wechseln. Dies wiederum könnte auch auf eine Mehrzahl von Rivalen hinweisen.

Eine Verteidigung der Gruppentheorie ergäbe sich aus dem Versuch einer Datierung des Zeitrahmens der Entstehung der Sonette zwischen 1598 und 1600. Allerdings wird der Entstehungszeitraum der Sonette sehr kontrovers diskutiert. Wenn man jedoch die Entstehung der Sonette so eng begrenzt, kommt eine Kontroverse durch Francis Meres Veröffentlichung Palladis Tamia (1598) ins Spiel. In seinem Kapitel “A Comparative Discourse of our English Poets with the Greek, Latin, and Italian Poets” dokumentiert er die Einschätzung der zeitgenössischen Dichter. Während Shakespeare wegen seiner dramatischen Fähigkeiten herausgestellt wird, werden Marlowe und Chapman als die herausragenden Dichter dargestellt. (“two excellent poets”). Dies müsste zur Abfassung der Gruppe von Sonetten beigetragen haben, die dazu beitrugen, Verse eines Dichterrivalen herauszufordern.

Quellen

  • A. Bach, A Companion to Shakespeare's Sonnets. London, Blackwell, 2006.
  • J. Bate,. The Genius of Shakespeare. New York: Oxford University Press, 1998.
  • F. E Halliday,. A Shakespeare Companion 1564&ndash, 1964. Baltimore, Penguin, 1964.
  • K. Muir,. Shakespeare's Sonnets. 1979; reprinted London, Routledge, 2005.
  • J.D.. Wilson, Shakespeare's Sonnets: An Introduction for Scholars and Others. Cambridge, Cambridge University Press, 1963.

Weblinks

Literaturangaben

  1. R. Levin, Another Possible Clue To the Identity of The Rival Poet, Shakespeare Quarterly, Vol. 36, 1985
  2. A. Acheson, Shakespeare and the Rival Poet, John Lane, The Bodley head, London and New York, 1903
  3. http://www.doubtaboutwill.org/
  4. http://www2.prestel.co.uk/rey/
  5. Halliday, pp. 52, 127, 141-2, 303, 463
  6. MacD. P. Jackson, Francis Meres and the Cultural Contexts of Shakespeare's Rival Poet Sonnets, The Review of English Studies 2005, 56(224):224-246

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