Die Reifeprüfung


Die Reifeprüfung
Filmdaten
Deutscher Titel Die Reifeprüfung
Originaltitel The Graduate
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1967
Länge 102 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Mike Nichols
Drehbuch Calder Willingham,
Buck Henry
Produktion Lawrence Turman
Musik Dave Grusin,
Paul Simon
Kamera Robert Surtees
Schnitt Sam O’Steen
Besetzung

Die Reifeprüfung (engl. The Graduate) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Mike Nichols aus dem Jahr 1967, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Charles Webb.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Benjamin Braddock hat gerade erst das College abgeschlossen und noch keine Vorstellung davon, welche berufliche Karriere er einschlagen will. Um seinen Abschluss zu feiern, geben seine Eltern ihm zu Ehren eine Überraschungs-Party, zu der neben anderen auch das geschäftlich befreundete Ehepaar Robinson eingeladen ist.

Mrs. Robinson bittet Benjamin, der den Partygästen zu entfliehen versucht und lieber die nachdenkliche Stille und Einsamkeit sucht, sie nach Hause zu fahren. Dort versucht sie, ihn zu verführen, wird aber vom plötzlichen Auftauchen ihres Ehemanns daran gehindert. Angetrieben durch Benjamins Neugier und Langeweile und Mr. Robinsons gut gemeinten Ratschlag, seine Jugend und das Leben zu genießen, entwickelt sich aber schon bald eine sexuelle Beziehung zwischen Mrs. Robinson und Benjamin. Sie treffen sich dabei regelmäßig in einem Hotel. Ihr Umgang miteinander bleibt dennoch sehr oberflächlich – Benjamin spricht sie stets mit „Mrs. Robinson“ an, und Mrs. Robinson unterbindet Benjamins Versuche, sie besser kennenzulernen. Ein kläglicher Versuch, miteinander zu reden, endet im Streit und beinahe im Zerwürfnis. Mrs. Robinson erzählt, dass sie ihren Mann nur deshalb geheiratet hat, weil sie damals von ihm schwanger war; sie haben getrennte Schlafzimmer. Benjamin beschreibt später seine Beziehung zu Mrs. Robinson, nachdem deren Ehemann Wind von der Affäre bekommen hat, mit den Worten: „Wir hätten uns genauso gut die Hände schütteln können.“

Auf Bitten seiner Eltern geht Benjamin mit Elaine, der Tochter von Mrs. Robinson, aus und verliebt sich in sie. Mrs. Robinson versucht dagegen, diese Liebe von Anfang an zu unterbinden. Sie verkuppelt Elaine mit dem Medizin-Studenten Carl und arrangiert eine Hochzeit.

In dem dramatischen Höhepunkt des Filmes findet Benjamin heraus, wo diese Hochzeit stattfindet – doch er kommt zu spät. Die Ehe ist gerade geschlossen, das Paar küsst sich. Ein verzweifelter Auftritt Bens auf der verglasten Kirchenempore verändert dennoch alles: Elaine wendet sich ihm zu (Mrs. Robinson: „Es ist zu spät.“ – Elaine: „Nicht für mich.“). Nach kurzem Kampf mit den Anwesenden fliehen Ben und Elaine aus der Kirche und fahren in einem vollbesetzten Linienbus davon.

Hintergrund

  • Der Film wirkte für damalige Verhältnisse revolutionär. Das erste Mal wurde publikumswirksam und vorurteilsfrei die Beziehung einer verheirateten Frau zu einem jüngeren Liebhaber geschildert.
  • Der Film rückte die starren Moralvorstellungen der amerikanischen Gesellschaft und die Weltfremdheit der damals jungen Generation in den Fokus.
  • Für die Entstehungszeit durchaus ungewöhnlich wurde Popmusik gezielt eingesetzt, um die Stimmung einer Szene zu transportieren. Der von Simon & Garfunkel eingespielte Soundtrack (mit The Sound Of Silence, Mrs. Robinson und Scarborough Fair; siehe auch Sounds of Silence) wurde für das Duo zu einem ihrer größten Erfolge.
  • Die Schlusssequenz – gehetzte Fahrt zur Kirche und Entführung der Braut aus der Trauungszeremonie – geht auf das Finale des Harold Lloyd-Stummfilmes Girl Shy zurück. Lloyd wirkte bei den Dreharbeiten als Berater mit.[1]
  • Der deutsche Filmtitel Die Reifeprüfung ist im Kontext des Films nicht die korrekte Übersetzung des Originaltitels The Graduate. Unter „Reifeprüfung“ wird im Deutschen das Abitur bzw. die Matura verstanden. Im amerikanischen Englisch heißt sowohl der Abschluss der High School als auch der Abschluss des College „graduation“; Benjamin hat nicht etwa die Schule, sondern das College abgeschlossen.
  • Die Hotelszenen wurden im Ambassador Hotel in Los Angeles (Kalifornien) gedreht, in dem im Jahre 1968, weniger als sechs Monate nach der Premiere des Films, Robert F. Kennedy ermordet wurde. Das Hotel diente als Kulisse weiterer Filme wie z. B. für Die fabelhaften Baker Boys und Catch Me If You Can.
  • Der Film unternahm die erste professionelle Produktplatzierung in Form eines Alfa Romeo 1600 Duetto Spider, womit der Film in seiner Finanzierungsstrategie Neuland betrat. Die betreffende Baureihe wird in den USA heute noch vielerorts Graduate Spider genannt. Insoweit war der Film eine Reaktion auf die sich ankündigenden gesellschaftlichen und moralischen Umbrüche und somit Vorbote von New Hollywood.
  • Die Rolle des Ben war die erste große Rolle von Dustin Hoffman, der danach zu einem Hollywood-Star aufstieg. Die Rolle erhielt er trotz seines damaligen zu hohen Alters von 30 Jahren, da er beim Vorsprechen sehr unsicher und nervös wirkte. Der Altersunterschied zwischen ihm, der einen College-Absolventen Anfang Zwanzig darstellte, und Anne Bancroft, die als Mutter einer erwachsenen Tochter agierte, betrug lediglich knapp sechs Jahre.
  • Anne Bancrofts Rolle der Mrs. Robinson war zunächst Doris Day angeboten worden, die jedoch absagte.[2]
  • In der berühmten Szene, die auch für das Original-Kinoplakat verwendet wurde, in welcher Dustin Hoffman im Türrahmen steht und auf die Beine von Mrs. Robinson starrt, sind nicht die Beine von Anne Bancroft, sondern die der damals 26-jährigen Linda Gray zu sehen, welche später in der TV-Serie Dallas berühmt wurde.
  • In den letzten Jahren erlebte der Film durch erfolgreiche Theater-Aufführungen ein Comeback, so in London, wo Mrs. Robinson mit großem Erfolg von Jerry Hall dargestellt wurde.

Adaptionen

  • Die Eröffnungssequenz inspirierte Quentin Tarantino für den Vorspann in seinem Film Jackie Brown. Das Ende wurde mehrmals im Fernsehen und Kino parodiert, so z. B. in King of Queens, Die Simpsons, Wayne’s World 2 und Shrek 2. Ebenso findet sich eine Anspielung auf die Kirchenszene in dem Film Ein Trauzeuge zum Verlieben und dem Computerspiel The Secret of Monkey Island.
  • Im Film American Pie finden sich ebenso Anspielungen auf die Liebesgeschichte. Während der Begegnung des Charakters des Paul Finsh mit der reiferen Janine Stifler findet auch das Lied Mrs. Robinson Verwendung.
  • Die Szene, in der Dustin Hoffman im elterlichen Swimming-Pool taucht, wozu The Sound of Silence zu hören ist, wurde ebenfalls in dem Film Old School adaptiert.
  • Für einen Werbespot für den damals neuen Audi A6 kehrte Dustin Hoffman 2004 in seine Rolle zurück: Man sah ein Hochzeitspaar, Hoffman auf der Galerie der Kirche, die junge Braut flüchtete mit ihm im Audi. Darauf sie: „Danke Dad!“ – er: „Wie deine Mutter.“
  • Im Film Wo die Liebe hinfällt von 2005 wird die Filmstory in gewisser Weise fortgesponnen: eine junge Frau erfährt kurz vor ihrer Hochzeit, dass ihre Familie das Vorbild für den Film darstellt. Shirley MacLaine übernahm die Rolle von Mrs. Robinson, Kevin Costner gibt Benjamin Braddock.

Auszeichnungen und Preise

  • Mike Nichols erhielt 1968 einen Oscar für die beste Regie. Nominiert war der Film außerdem in den Kategorien Bester Film, Bestes adaptiertes Drehbuch (Calder Willingham und Buck Henry), Bester Hauptdarsteller (Dustin Hoffman), Beste Hauptdarstellerin (Anne Bancroft), Beste Kamera (Robert Surtees) und Beste Nebendarstellerin (Katharine Ross).
  • Den British Film Academy Award gewann der Film in den Kategorien Beste Regie, Bester Film, Bester Schnitt (Sam O'Steen), Bester Newcomer (Dustin Hoffman) und Bestes Drehbuch. Nominiert waren außerdem Anne Bancroft als Beste Hauptdarstellerin und Katharine Ross als Beste Newcomerin.
  • Neben fünf Golden Globes in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Beste Hauptdarstellerin“ (Anne Bancroft) und „Beste Nachwuchsdarsteller“ (Dustin Hoffman und Katharine Ross), erhielt der Film Preise der Gilden der Regisseure und Drehbuchautoren sowie den Regie-Preis der Kritikervereinigung von New York.
  • Hauptdarsteller Dustin Hoffman gewann 1969 den französischen Étoile de Cristal als bester ausländischer Darsteller.
  • 1998 landete er bei einer Wahl zum besten amerikanischen Film des American Film Institute auf dem 7. Platz.

Kritik

„Verwaschener Hollywood-Film, bei dem nicht einmal klar wird, ob die bisweilen auftretende Komik gewollt oder ungewollt ist. Unnötig.“

Evangelischer Filmbeobachter, Kritik Nr. 419/1968

„Temporeiche Gesellschaftssatire, die gleichermaßen die verkalkte Moral des amerikanischen Establishments und die Weltfremdheit der jungen Generation aufs Korn nimmt, die sich aber deutlich auf die Seite der unangepaßten Söhne und Töchter schlägt. Mit musikalischem Elan, schicken Pop-Elementen und spitzem Humor inszeniert.“

Lexikon des internationalen Films

Veröffentlichungen

Belege

  1. Programmheft Internationale Stummfilmtage 14.–24. August 2008, Bonn
  2. Derald Hendry: The Films That Never Were

Weblinks


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