Die Tote in der Bibliothek


Die Tote in der Bibliothek

Die Tote in der Bibliothek (Originaltitel The Body in the Library) ist der 31. Kriminalroman von Agatha Christie. Er erschien zuerst im Februar 1942 in den USA bei Dodd, Mead and Company [1] und im Mai desselben Jahres im Vereinigten Königreich im Collins Crime Club. [2] Die deutschsprachige Erstausgabe wurde 1943 in der Übertragung aus dem Englischen von Anna Katharina Rehmann im Scherz Verlag (Bern) [3] veröffentlicht. 2001 gab der Fischer-Taschenbuch-Verlag Frankfurt am Main, der die Rechte seit der Übernahme des Scherz-Verlages bis heute hält, eine Neuübersetzung von Barbara Heller [4] heraus. Diese Übersetzung erschien im selben Verlag 2004 unter dem Titel Das Rätsel der Tänzerin [5]. Derzeit ist das Werk bei Fischer wieder unter dem alten Titel im Programm [6]

Es ermittelt Miss Marple in ihrem zweiten Roman, nach ihrem ersten Auftritt in Mord im Pfarrhaus.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

In der Bibliothek des Landhauses des Ehepaares Bantry wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, die, auffällig mit Make-up hergerichtet, erwürgt wurde. Da es keinen Hinweis auf eine Verbindung zwischen der Toten und dem Ehepaar gibt, ermittelt man anhand von Vermisstenmeldungen den Namen der Toten: Es ist die Waise Ruby Keene, die von ihrer Cousine Josie Turner identifiziert wird. Ruby und Josie arbeiten als Eintänzerinnen in einem nahegelegenen Hotel.

Dolly Bantry zieht ihre alte Freundin Miss Marple hinzu, da sie einerseits befürchtet, dass, wenn der Mord nicht aufgeklärt würde, ihr Mann hinter vorgehaltener Hand immer als Verdächtiger gelten würde und sie zudem der Auffassung ist, "...wenn schon ein Mord im eigenen Haus passiert, sollte man auch seinen Spaß daran haben".

Während der Ermittlungen werden die Polizeibeamten und Miss Marple mit allerlei Verdächtigen konfrontiert: zum einen mit den verwitweten Schwiegerkindern des vermögenden Mr. Jefferson, zum anderen mit einem nervösen jungen Mann namens Bartlett und dem im Filmgeschäft tätigen Basil Blake. Mr. Jeffersons Schwiegertochter (Mrs. Jefferson) und Schwiegersohn (Mr. Gaskell) hätten zwar ein Motiv (Mr. Jefferson wollte Ruby Keene adoptieren und ihr sein Vermögen hinterlassen), verfügen jedoch über wasserdichte Alibis in Bezug auf die Tatzeit. Bartlett macht sich zwar verdächtig, doch hat er kein Motiv, und Blake war mit dem Mädchen kaum bekannt.

Als die Leiche einer weiteren jungen Frau in einem ausgebrannten Wagen gefunden wird, glaubt die Polizei, es mit einem wahnsinnigen Frauenmörder zu tun zu haben. Daher rückt Basil Blake, der sich exzentrisch gibt und in einer (nach außen hin) unmoralischen Liaison mit seiner Freundin lebt, wieder in den Fokus der Ermittlungen.

Miss Marple entdeckt (ebenso wie die Polizei), dass die Leiche Ruby Keenes von Blakes Haus in Bantrys Bibliothek geschafft wurde. Blake behauptet, die Leiche nur gefunden und dann in angetrunkenem Zustand weggeschafft zu haben. Der Fall scheint geklärt, doch Miss Marple hat Zweifel.

Sie deckt auf, dass die Leiche in der Bibliothek gar nicht Ruby Keene, sondern eigentlich das Mädchen im ausgebrannten Wagen war, eine Schülerin. Da ihre Cousine Josie sie jedoch identifiziert hat, muss sie mit dem Mord zu tun haben. Miss Marple bleibt von Beginn an beim Anblick der Leiche misstrauisch: Das elegante Abendkleid und die aufgedonnerte Erscheinung scheinen nicht mit der plumpen Figur des Mädchens und ihren ungepflegten Fingernägeln zusammen zu passen. Daher beginnt Marple zu recherchieren. Unterstützt wird sie dabei von Peter Carmody, ein pfiffiger halbwüchsiger Junge und Sohn von Mrs. Jefferson aus einer früheren Ehe. Er liest gerne Kriminalromane und erzählt stolz, sogar ein Autogramm von Agatha Christie zu haben.

Der Mord lief so ab: Josie ist insgeheim mit dem Schwiegersohn von Mr. Jefferson verheiratet. Dieser würde jedoch die finanzielle Unterstützung für Gaskell und das sicher geglaubte Erbe streichen, wenn er von der Heirat erführe. Daher wollte man mit der Öffentlichmachung bis zu Mr. Jeffersons baldigem Tode (er ist schwer krank) warten. Ruby Keene drohte nun alles zum Scheitern zu bringen, weshalb sie beseitigt werden musste. Josie und Gaskell lockten ein naives junges Mädchen mit dem Versprechen an, sie zum Film zu bringen, machten sie wie Ruby zurecht und ermordeten sie. Gaskell brachte die Leiche in das Haus von Blake und kehrte dann ins Hotel zurück. Zu diesem Zeitpunkt war die echte Ruby jedoch noch am Leben und tanzte in aller Öffentlichkeit, so dass die Mörder sich ein Alibi verschaffen konnten. Die echte Ruby wurde erst wesentlich später ermordet und dann im Wagen verbrannt. Da die Polizei annahm, Ruby wäre weit vom Hotel entfernt ermordet worden, war Gaskells Alibi wasserdicht. Die echte tote Ruby sollte, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, für das andere Mädchen gehalten werden, welches ja keine Verbindung zum Hotel hatte.

Personen

  • Miss Jane Marple, die altjüngferliche Amateurdetektivin
  • Arthur Bantry, Colonel a.D.
  • Dolly Bantry, Frau des Colonels und Freundin von Jane Marple
  • Conway Jefferson, ein reicher Invalide
  • Adelaide Jefferson, seine Schwiegertochter
  • Peter Carmody, Sohn von Adelaide Jefferson aus einer früheren Ehe
  • Mark Gaskell, sein Schwiegersohn
  • Ruby Keene, Eintänzerin im Hotel Majestic
  • Basil Blake, Filmproduzent
  • George Bartlett
  • Josephine Turner, Cousine und Kollegin von Ruby
  • Raymond Starr, Eintänzer im Majestic, Tennistrainer und Liebhaber von Adelaide
  • Pamela Reeves, Schülerin
  • Sir Henry Clithering, ehemaliger Chief Superintendent von Scotland Yard und gut befreundet mit Miss Marple
  • Melchett, Polizeichef
  • Harper, Superintendent der Polizei

Kritiken

Maurice Willson Disher vom The Times Literary Supplement zeigte sich in seiner Kritik am 16. Mai 1942 von dem Buch beeindruckt: "Manch eine treue Seele mag sich nach Poirot sehnen, es wird und muss aber andere geben, die froh um seine Ablösung durch Miss Marple in dem neuesten Roman von Agatha Christie sind. Das liegt daran, dass professionelle Detektive den alten (oder nicht so alten) Jungfern, die geübt darin sind, hinter die Kulissen zu schauen, nicht mehr gewachsen sind - und letztere sind daher sehr in Mode. Selbst unter dieser Voraussetzung muss man von der Logik der alten Jungfern beeindruckt sein. Wenn Miss Marple sagt, das Kleid sei ganz falsch, dann hat sie damit eine Tatsache zum Ausdruck gebracht, die einem männlichen Auge verborgen bleibt - dabei aber von großer Relevanz ist. Das Buch 'The Body in the Library' sollte Hendon College (eine Polizeiakademie) von den Vorteilen koedukativer Ausbildung überzeugen."[7]

Maurice Richardson war in seiner Kritik im Observer vom 17. Mai 1942 nicht so begeistert wie von den anderen Christies bisher und schließt seine Rezension: „Genial, natürlich, aber die Handlung ist etwas konfus und die Ablenkungsmanöver haben ihre Leuchtkraft verloren. "[8]

Bezüge zu anderen Werken

Im achten Kapitel lässt Christie ihren Namen fallen und zwar aus dem Munde des Jungen Peter Carmody. Er erklärt, dass er gern Detektivromane lese und dass er schon die Autogramme von Dorothy L. Sayers, Agatha Christie, John Dickson Carr und H. C. Bailey habe.

In Cards on the Table (Mit offenen Karten), kennt Anne Meredith Ariadne Oliver als eine Schriftstellerin die ein Buch mit dem Titel ‚‘The Body In the Library‘‘ (Die Tote in der Bibliothek) geschrieben hat, den Titel, den sie dann selbst später benutzte.

Dolly Bantry taucht weiterhin gelegentlich in Miss Marple-Büchern auf, so in Mord im Spiegel und in Der Dienstagabend-Klub.

Wichtige englischsprachige und deutschsprachige Ausgaben

  • 1942 Erstausgabe: Dodd Mead and Company (New York) - der Roman erschien zuerst in den USA
  • 1942 Erstausgabe im Vereinigten Königreich: Collins Crime Club
  • 1943 Deutschsprachige Erstausgabe: Die Tote in der Bibliothek. Übertragung aus dem Englischen von Anna Katharina Rehmann Scherz Verlag Bern [3]
  • 2001 Neuübersetzung: Die Tote in der Bibliothek. Aus dem Englischen von Barbara Heller Fischer-Taschenbuch-Verlag Frankfurt am Main [4]
  • 2004 ungekürzte Ausgabe unter neuem Titel: Das Rätsel der Tänzerin: Aus dem Englischen von Barbara Heller Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag [5]

Hörbücher

  • 2001 Die Tote in der Bibliothek (4 Tonkassetten oder 5 CDs): Einzige ungekürzte Lesung. Sprecherin: Ursula Illert. Regie: Hans Eckardt. Übersetzung von Barbara Heller. Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen Beltershausen [9]
  • 2005 Die Tote in der Bibliothek (3 CDs): Mit der original Miss-Marple-Filmmelodie. Gelesen von Traudel Sperber. Regie: Sven Stricker. Aus dem Englischen von Tanja Handels. Autorisierte Lesefassung. Der Hörverlag, München [10]

Fernsehfilme

Für das Fernsehen wurde der Roman bisher zweimal verfilmt

  • Die erste Adaption ist eine BBC-Produktion aus dem Jahr 1984 mit Joan Hickson in der Rolle der Miss Marple. Der Film wurde in drei Teilen vom 26. bis 28 Dezember ausgestrahlt und bildet den Auftakte der 12-teiligen Fernsehserie Agatha Christie's Miss Marple.
  • 2004 wurde der Roman erneut verfilmt, für die ITV Fernsehserie Agatha Christie’s Marple mit Geraldine McEwan in der Hauptrolle. Diese Version enthält große Veränderungen gegenüber der Romanvorlage. So wird die Identität des Mörders verändert und ein lesbischer Subplot eingeführt.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. American Tribute to Agatha Christie
  2. Chris Peers, Ralph Spurrier and Jamie Sturgeon. Collins Crime Club – A checklist of First Editions. Dragonby Press (Second Edition) March 1999 (Page 15)
  3. a b Deutsche Erstausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  4. a b Neuübersetzung im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  5. a b Das Rätsel der Tänzerin (2004) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  6. http://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Die-Tote-in-der-Bibliothek-60655377-w/
  7. The Times Literary Supplement May 16, 1942 (Page 249)
  8. The Observer May 17, 1942 (Page 3)
  9. Hörbuch (vollst.) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  10. Hörbuch (gek.) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

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