Die goldene Gans


Die goldene Gans

Die goldene Gans ist ein Märchen (ATU 571, 513B). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 64 (KHM 64).

Die Gänse-Kette

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Ein Mann hat drei Söhne, davon heißt der jüngste Dummling, welcher bei jeder Gelegenheit verachtet wird. Der älteste Sohn wird vom Vater in den Wald geschickt, um Holz zu hacken. Dazu bekommt er von der Mutter guten Eierkuchen und Wein mit. Er begegnet einem grauen Männchen, das ihn bittet, ihm davon etwas abzugeben. Er lehnt ab und verletzt sich daraufhin bei der Arbeit. Die Verletzung kommt durch magische Kräfte des grauen Männchens zustande.

Genau das gleiche geschieht anschließend auch dem zweiten Sohn. Nun überredet Dummling seinen Vater, ihn Holz hauen zu lassen. Die Mutter gibt ihm hierfür Aschenkuchen und saures Bier mit. Auch Dummling begegnet dem grauen Männchen und geht auf die Bitte ein, ihm etwas abzugeben. Beim Herausholen hat sich der Aschenkuchen in guten Eierkuchen und das saure Bier in guten Wein verwandelt. Als Dankeschön bekommt Dummling vom grauen Männchen einen besonderen Baum gezeigt. Als Dummling diesen fällt, findet er darunter eine goldene Gans. Mit dieser übernachtet er in einem Wirtshaus. Die Wirtstöchter möchten der Gans eine Feder stehlen und bleiben daran kleben.

Jeder, der die Gans anfasst, bleibt an ihr hängen. Und auch jeder, der jemanden aus der Klebe-Kette anfasst, bleibt an ihm hängen. Dummling geht mit der Gans weiter und nach und nach bleiben ein Pfarrer, ein Küster und zwei Bauern hängen. Bei diesem Anblick muss die Königstochter, die noch nie lachen konnte, überlaut lachen. Der König hatte das Gesetz erlassen: „Wer meine Tochter zum Lachen bringt, darf sie heiraten“. Dummling verlangt sie zur Braut.

Doch dem König gefällt der Schwiegersohn nicht und er stellt weitere Bedingungen. Dummling soll einen Mann finden, der einen Keller Wein trinken und einen Berg Brot essen muss. Und dann soll Dummling mit einem Schiff ansegeln, das zu Land und zu Wasser fahren kann. Das graue Männchen hilft Dummling, all diese Bedingungen zu erfüllen. Und so heiratet Dummling die Königstochter.

Nach dem Tod des Königs erbt Dummling das Reich und lebt lange Zeit vergnügt mit seiner Gemahlin.

Herkunft

Grimms Anmerkung notiert: Nach einer Erzählung aus Hessen und einer anderen aus dem Paderbörnischen. In Letzterer bekommt der Dummling vom Männchen einen Schlitten, davor ist ein Vöglein gespannt. Drei Mädchen greifen nach dem Vöglein und bleiben hängen, denn das Vöglein ruft "Riki" und der Dummling "Reifes", dann Waschfrauen, die die Mädchen schlagen, dann Geistliche mit Weihwasser. Vgl. Bei Meier die goldene Ente Nr. 17. Bei Pröhle Märchen für die Jugend Nr. 27, KHM 106 Der arme Müllersbursch und das Kätzchen; Bzgl. des Hängenbleibens Loke (jüngere Edda, Dämes. 51); bzgl. der Kuchenprobe Engelhart (im Gedicht Konrads von Würzburg), der von seinem Vater drei Äpfel bekommt, sie Fremden zu reichen, und nur als Freund anzunehmen, wer ihm die Hälfte zurückgibt. Vergl. Johann Rudolf Wyss Volkssagen S. 321 und S. 22 die Anmerkung zur Apfelprobe.[1]; Bzgl. eines, der viel essen oder trinken kann, das Volksbuch der pommerschen Kunigunde, KHM 71 Sechse kommen durch die ganze Welt, KHM 134 Die sechs Diener.

Die goldene Gans stand mit Die Bienenkönigin, Die drei Federn und Die weiße Taube in der Erstauflage unter dem Obertitel 64. Von dem Dummling. Sinngemäß gehören hierzu auch KHM 57 Der goldene Vogel, KHM 54 Der Ranzen, das Hütlein und das Hörnlein, KHM 97 Das Wasser des Lebens, KHM 165 Der Vogel Greif.

Vgl. Schwan, kleb an in Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch.

Verfilmung

weitere

  • Die goldene Gans (1932), US-amerikanischer Zeichentrick
  • Die goldene Gans (1944), deutscher Zeichentrick von Lotte Reiniger
  • Die goldene Gans (1994), deutscher Spielfilm von Franz Seitz

Theater

  • Im Sommer 2006 wurde unter der Regie von Marc Urquhart das Musical "Die goldene Gans" bei den Brüder Grimm Märchenfestspielen in Hanau uraufgeführt, das Buch stammt von Dieter Stegmann, die Musik von Alexander S. Bermange

Literatur

  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 126-127, 471. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-003193-1)

Weblinks

 Wikisource: Die goldene Gans – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Wyß, Johann Rudolf: Idyllen, Volkssagen und Legenden aus der Schweiz. Bern/Leipzig 1815. S. 321.

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