Die weisse Massai

Die weisse Massai
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Die weiße Massai ist der erste Teil einer autobiographischen Trilogie, in der Corinne Hofmann ihre Lebensgeschichte erzählt. Sie verliebte sich im Kenia-Urlaub in einen Samburu-Krieger und gab ihr erfolgreiches und zivilisiertes Leben in der Schweiz auf, um in Kenia mit ihrem Samburu zu leben. Das im August 1998 erschienene Buch wurde bisher (Stand Dezember 2007) allein in der deutschsprachigen Ausgabe über drei Millionen mal verkauft und in 30 Sprachen übersetzt.

Das Buch wurde auch verfilmt und kam im Jahre 2005 in die deutschen Kinos.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

1. Teil: „Die weiße Massai“

Corinne Hofmann, 1960 als Tochter einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters in der Schweiz geboren, fährt 1986 mit ihrem Freund Marco nach Mombasa in Urlaub. Auf einer Fähre verliebt sie sich in den Krieger Lketinga vom Stamm der Samburu - ein Augenblick, der ihr Leben verändert. Nach einem langen halben Jahr in der Schweiz kehrt sie nach Kenia zurück, um ihn zu heiraten und bei seiner Familie im Dorf Barsaloi im Samburu-Land (Nordkenia) zu leben.

Eindrucksvoll beschreibt die Autorin ihre Erlebnisse in einfacher Sprache. Die Dorfbewohner, der italienische Missionar Pater Giuliano, ihre Freunde sowie ihre eigene Familie trauen der Erzählerin anfangs nicht zu, das Leben in der fremden Kultur länger als wenige Wochen durchzuhalten. Doch mit Tatkraft und Mut lässt sich Corinne auf die für sie völlig fremde Welt ein. Durch ihren unermüdlichen Einsatz für ihre neue Familie, die Einrichtung und Betrieb des ersten Lebensmittelgeschäfts im Dorf, die Adaption an für Europäer kaum vorstellbare Wohnverhältnisse, fehlende Infrastruktur und Logistik gewinnt sie den Respekt aller. Sie lebt beengt in einer Lehmhütte (Manyatta), das nächstgrößere Städtchen (Maralal) ist mehrere Stunden entfernt entweder über eine gefährliche Piste durch den Regenwald oder einen langen Umweg durch ein Flussbett zu erreichen. Ein ständiger Überlebenskampf liegt darin, sein Fahrzeug repariert zu bekommen, Benzin oder einfache Lebensmittel wie Zucker oder Mais zu beschaffen. Auch die Bürokratie ist ein Hindernis: Mehrmals muss Corinne eine mehrtägige beschwerliche Reise in die mehr als 500 km südlich liegende Hauptstadt Nairobi unternehmen, um Ausweise und Genehmigungen zu beantragen und an ihr Bankkonto zu kommen. Andererseits hält der Zauber des erdverbundenen einfachen Lebens in Reduktion auf die elementaren Dinge, die die Natur und ihre Tiere hergeben, die Autorin immer wieder gefangen. Obwohl sie die Maa-Sprache der Massai und Samburu nur unzureichend lernt, gelingt ihr eine intuitive menschliche Verständigung mit den Bewohnern.

Eine immense Energie wächst Corinne durch ihre große Liebe zu; auch als sie mehrfach an Malaria erkrankt, völlig unterernährt ihre Tochter Napirai unter lebensfeindlichen Bedingungen zur Welt bringt und erzieht, gibt sie nicht auf. Nur unterschwellig nimmt sie wahr, dass ihre europäischen Vorstellungen von Partnerschaft, Sexualität und Erziehung völlig unvereinbar mit denjenigen der traditionellen Samburu-Kultur sind. Vielehe, weibliche Genitalverstümmelung, Bildungsnotstand und die unzureichenden hygienischen Verhältnisse im Busch beunruhigen sie, erschüttern jedoch lange Zeit nicht ihren Glauben an eine Lösung.

Erst als Lketinga die Autorin mit massiven Eifersuchtsszenen bedroht und beschimpft und am Ende die Vaterschaft für seine Tochter in Frage stellt, verändert sich etwas in ihren Gefühlen. Ihre Ansätze zu einem selbstbestimmten Leben, insbesondere ihr freundlich-kommunikativer Umgang mit Kunden und Lieferanten im Geschäft, sind im Stamm missverstanden worden. „Eine Frau gilt hier nicht viel“, hatte eine Freundin sie anfangs gewarnt. Die Samburu-Gesellschaft kennt nur strikte Aufgaben- und Alltagsteilung zwischen Männern und Frauen bei der Versorgung der Ziegen, beim Kochen und Essen, bei der Aufzucht der Kinder, bei Ritualen und Festen.

Obwohl Corinne ihre neue Heimat lieben gelernt hat, erkennt sie, als Europäerin dauerhaft keine Zukunft beim Stamm der Samburu zu haben und eine solche insbesondere ihrer Tochter nicht zumuten zu können. Ein halbes Jahr versucht sie noch, in Mombasa mit einem Massai-Shop für Touristen glücklich zu werden; beide werden jedoch nicht heimisch, und so geht sie im Oktober 1990 zurück in die Schweiz.

Im Film endet die Geschichte an dieser Stelle.

2. Teil: „Zurück aus Afrika“ / Entstehungsgeschichte des 1. Teils

Zurück in der Schweiz, muss Corinne versuchen, für sich und ihre Tochter eine neue Existenz aufzubauen. Nach einigen Wochen bei ihrer Mutter findet sie eine neue Wohnung und Arbeit im Vertrieb im Außendienst. Dabei lässt sie ihre Vergangenheit in Kenia nicht los. Nach wie vor fühlt sie sich verantwortlich für die Familie, die sie zurückgelassen hat; sie interessiert sich für ihr Wohlergehen und unterstützt sie finanziell. Das Bindeglied ist Lketingas Bruder James, der als Einziger des Lesens und Schreibens kundig ist.

1995 kommt Corinne die Idee, ihre Erlebnisse aufzuschreiben. Zu jenem Zeitpunkt hatte sie eine Veröffentlichung noch nicht geplant. Zwei Jahre später bietet sie den Bericht diversen Verlagen an, die abschlägig reagieren. Im Februar 1998, nachdem Corinne eine neue Stelle im Außendienst für dentalmedizinische Produkte angetreten und nach eigenem Bekunden gar nicht mehr an das Manuskript gedacht hat, erreicht sie überraschend die Nachricht, ein Münchner Verlag habe es angenommen. Der Erfolg des Buches überrollt sie. Die erste Auflage von 10.000 Exemplaren ist schnell vergriffen. Interviews, Autorenlesungen und Fernsehauftritte machen die Autorin bald bekannt. Eine Fülle von Leserzuschriften erreicht sie mit der Frage, wie es ihr nach der Rückkehr in die Schweiz weiter ergangen sei. Anfangs versucht sie noch, alle diese Briefe und E-Mails persönlich zu beantworten. Im Jahr 2003 beschließt sie dann, ein zweites Buch über ihr Leben in der Schweiz und die Entstehungsgeschichte des Buches „Die weiße Massai“ zu schreiben, dieses zweite Buch tituliert sie „Zurück aus Afrika“.

Die meisten Rezensionen haben äußerst positiv auf „Die weiße Massai“ reagiert. Gelegentlich werden Kritik am Sprachstil und der Vorwurf der Selbstvermarktung hörbar. Bei einigen Autorenlesungen sah sich die Autorin auch Anfeindungen und Protesten von in Europa lebenden Afrikanern ausgesetzt, die ihr vorhielten, das Leben der Samburu zu verfälschen und zu verunglimpfen. Es gelang ihr, sich gegen diese Vorwürfe erfolgreich zur Wehr zu setzen. Über Lketingas Bruder James konnte sie auch die Betroffenen in Barsaloi überzeugen, in ihrem Buch realistisch und respektvoll mit ihrer afrikanischen Familie und der Samburu-Kultur insgesamt verfahren zu sein.

3. Teil: „Wiedersehen in Barsaloi“

Die Idee, ihre afrikanische Familie noch einmal wiederzusehen, hat die Autorin nicht los gelassen. 2004 wagt sie in Begleitung ihres Verlegers und eines Fotografen eine Rückkehr. Von ihrer Familie wird sie mit großer Herzlichkeit wieder aufgenommen, und auch ihr Ex-Mann Lketinga bereitet ihr keine Probleme. Er hat inzwischen zwei weitere Frauen geheiratet und ist Vater einer zweiten Tochter. In 14 Jahren hat sich im Samburu-Land kaum etwas verändert. Die Manyattas auf den Bergen sind allerdings nach einer kriegerischen Auseinandersetzung mit einem verfeindeten Stamm an anderer Stelle wieder aufgebaut; das Dorf Barsaloi verfügt inzwischen über eine Schule und mehrere Shops; in den Räumlichkeiten von Corinnes früherem Shop befindet sich eine mit "Hotel" titulierte Absteige. Die abenteuerliche Piste durch den Regenwald ist nicht mehr befahrbar und durch eine handlichere ersetzt.

Corinne wird zu den Dreharbeiten des Filmteams eingeladen und besucht auch ihren früheren Beschützer, den italienischen Pater Giuliano, der inzwischen eine wesentlich einfachere Missionsstation in den abgelegenen Ndoto-Bergen führt.

Sie besucht auch ihr Urlaubsquartier Mombasa, wo sie allerdings ihren Massai-Shop nicht mehr wiederfindet und auch sonst alles verändert vorfindet. Eine erneute Begegnung mit einem Massai auf der Likoni-Autofähre kann ihr keine vergleichbaren Gefühle wie 1987 entlocken. Der Abschied von Kenia fällt ihr schwer. Es ist ihr klar, dass sie kein Leben im Busch mehr führen könnte oder wollte. Dennoch betont die Autorin, ihre afrikanische Familie für immer zu achten und zu lieben, keinen Schritt zu bereuen und, im Nachhinein betrachtet, alles noch einmal genau so zu machen.

Ihre Tochter Napirai hat sie zu diesem Besuch noch nicht mitgenommen, da nach kenianischem Recht ihr Vater Lketinga Erziehungsrecht über sie hätte; Corinne hofft jedoch, dass Napirai später von sich aus Interesse an ihren afrikanischen Wurzeln zeigen möge.

Das dritte Buch der Autorin erschien 2005 unter dem Titel: "Wiedersehen in Barsaloi".

Verfilmung

Siehe Hauptartikel: Die weiße Massai (Film)

Die deutsche Regisseurin Hermine Huntgeburth verfilmte 2004 Corinne Hofmanns ersten Teil der Trilogie „Die weiße Massai“; ab September 2005 wurde der Film in den deutschen Kinos gezeigt.

Gedreht wurde nicht in Barsaloi, sondern in einem für den Film aufgebauten Massai-Dorf in der Nähe von Wamba. Im Film-Camp lebten traditionelle Familien als Statisten, die nicht wussten, was ein Film ist und was die Europäer hier veranstaltet haben. Nina Hoss ist Corinne, die im Film Carola heißt, Jacky Ido, ein in Paris lebender Afrikaner, ist Lketinga alias Lemalian.

Der Film reduziert den Buchbericht in einigen Abschnitten. So fällt beispielsweise Corinnes letztes halbes Jahr mit Lketinga und Napirai im Touristenviertel von Mombasa völlig weg. Ferner ist die kulturelle Identität der Samburu im Buch in ihren Hintergründen deutlicher erklärt, als es im Film darstellbar wird. Andere Inhalte, die im Buch nur angedeutet sind, erfahren eine szenische Ausschmückung: Liebesszenen zählen dazu, aber auch dramatische Erlebnisse wie die Beschneidung eines Mädchens oder eine Totgeburt auf der Laderampe eines Landrovers. Kritische Stimmen haben dem Film deshalb eine undifferenziert verkürzende Tendenz zur mythischen „Schwarz-weissen Erotik als Afrika-Exotik“ (Neue Zürcher Zeitung vom 19. September 2005) vorgeworfen.

Lketinga hatte Interesse an den Dreharbeiten bekundet, Corinne Hofmann nahm ihn jedoch nicht zum Set mit. Sie geht davon aus, dass nur der alphabetisierte James verstanden hat, was ein Film ist, und es der Familie erklären kann.

In ihrem Buch „Wiedersehen in Barsaloi“ äußert die Autorin trotz punktueller Skepsis grundlegendes Einverständnis mit der cinematographischen Verarbeitung des Stoffes.

Literatur

  • Hofmann, Corinne: Die weiße Massai : Ihre Geschichte in drei Bänden. München A1 2006, ISBN 3-927743-92-5
  • Hofmann, Corinne: Zurück aus Afrika. München Knaur-Taschenbuch-Verl. 2006, ISBN 3-426-77911-0
  • Hofmann, Corinne: Wiedersehen in Barsaloi. Augsburg Weltbild 2006, ISBN 3-8289-8642-0
  • Hofmann, Corinne: Die Geschichte der weißen Massai. A1-Verlag, ISBN 978-3-927743-92-2

Die drei Bestseller und der Dokumentarfilm im Schuber mit DVD

  • Reiniger, Franziska: Die große Liebe in einer fremden Welt. Die Inszenierungen von Schwarzsein und Weißsein in gegenwärtigen Afrikaromanen am Beispiel Corinne Hofmanns »Die weiße Massai«. VDM-Verlag, ISBN 978-3-639-00549-3

Weblinks


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