Dobel (Tobel)


Dobel (Tobel)
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Begründung: Hier müssen die Begriffe noch besser gegeneinander abgegrenzt werden (Ortsname ggfs. auslagern). Definition Tobel nicht sehr gut dargestellt. Stilistische Überarbeitung wäre in Teilen auch nicht schlecht. --Jo, 5. Dez. 2008

Ein Tobel ist ein tiefer, schluchtartiger Einschnitt in einem Steilhang oder ein stark eingetieftes Tal eines Gebirgsbaches. Daneben steht das Wort auch als Orts- und Flurname.

Inhaltsverzeichnis

Namenkunde

Vielerorts wird anstatt Tobel auch Dobel geschrieben. Der Ausdruck Tobel/Dobel wird häufig im westlichen Alpenvorland verwendet, insbesondere in der Ostschweiz, in Oberschwaben, im Allgäu und westlichen Tirol. Sehr zahlreich ist der Name im Schwarzwald vertreten, wo auch mehrere Siedlungen den Namen tragen; dagegen ist er auf der Schwäbischen Alb nur vereinzelt anzutreffen.

Der Artikel von Tobel/Dobel ist in Süddeutschland maskulin („Der Tobel“), in der Schweiz, in den südlichen Walsertälern des Piemont, in Vorarlberg sowie teilweise in anderen Gebieten Österreichs neutrum („Das Tobel“).

Der schweizerische Flurnamensforscher Paul Zinsli leitet in seinem Buch Ortsnamen die Herkunft des Namens von tubale aus lateinisch tubus („Röhre“) ab. Die alemannischen Einwanderer sollen diesen vulgär-lateinischen Namen von der ansässigen romanischen Bevölkerung als Lehnwort übernommen haben.

Auf Rätoromanisch wird der Tobel auch als Tavon bezeichnet, woher sich der Name Montafon für eine große Talschaft in Vorarlberg ableitet.

Entstehung und Phänomene

Ein Tobel ist durch groben Gesteinsschutt oder Steinblöcke geprägt und entstand oft durch kurzzeitige, aber heftige Erosion entlang einer wasserführenden Runse oder durch einen Wildbach. Manche Tobel gehen auch auf plötzliche Schmelzwasserbäche aus eiszeitlichen Gletschern zurück, bzw. finden sich im Oberlauf von Bächen der Molassezone zwischen Hochrhein und Donau.

Ein Tobel entsteht typischerweise in Lockergestein und ist V-förmig ausgebildet, wobei die gegenüberliegenden Flanken je nach Gesteinshärte unterschiedliche Neigungen haben können. Mit dem Tobel verwandt sind die Schlucht und die Klamm, doch sind diese meist Einschnitte in ein Hartgestein. Dadurch sind sie sehr schmal und haben von oben bis unten keine große Breitenänderung.

Im Hochgebirge stellen Tobel häufig die Leitbahnen für Abgänge von Muren bzw. Lawinen dar, oder sie bilden sich als Graben unter einem Wasserfall aus. Wenn sie in ein größeres Tal einmünden, lagert sich das Geröll bzw. das Material von Erdrutschen meist als Schwemmkegel ab. Zusätzlich haben manche Tobel/Dobel die Tendenz, sich durch rezente Erosion immer mehr einzutiefen, was sogar durch moderne Wildbachverbauung nur schwer zu verhindern ist.

Beispiele größerer Tobel

Orte namens Tobel

Tobelhocker

Nach Überlieferungen aus der Hexenverfolgungszeit sind die „Tobelhocker“, auch „Brenner“, Einwohner verschiedener Familien von Triesen, auch Triesenberg, in Liechtenstein, welche durch eine wahrscheinlich einzigartige Umkehr der Hexenverfolgungsmotive symbolisch geächtet wurden. Die Seelen der Menschen, welche die angeblichen Hexen angezeigt hatten, wurden tief in das Lawenatobel zwischen Triesen und Balzers verbannt. Dieser „Fluch“ gilt nicht nur für die Täter, sondern auch für deren Nachfahren bis zur 9. Generation. Die „Tobelhocker“ wurden in den Lawenatobel verbannt und mussten dort auf Steinen an einem großen Steintisch sitzen und in einer Steinhöhle schlafen.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Paul Zinsli: Ortsnamen (Siedlungs- und Flurnamen der Deutschen Schweiz). Huber, Frauenfeld 1971

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Manfred Tschaikner: Von den Tobelhockern - ein Vortrag auf Tuass. In: Terra plana. Zeitschrift für Kultur, Geschichte, Tourismus und Wirtschaft. 1/2005, S. 13–18, Webdokument, hexenforschung.historicum-archiv.net –



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