Dogen


Dogen
Dōgen beim Betrachten des Mondes

Eihei Dōgen Kigen Zenji (jap. 道元禅師 Dōgen Zenji - Meister Dōgen; * 19. Januar 1200 in Kyōto; † 22. September 1253 in Kyōto) übertrug die Chan-Schule Caodong-zong als Sōtō-shū mit der Hauptübungspraxis (Shikantaza: Nur-Sitzen) aus China in den japanischen Zen-Buddhismus. Er gilt postum als der erste japanische Patriarch des Sōtō. Als zweiter Patriarch neben ihm gilt (seit der Beilegung der Streitigkeiten zwischen den beiden Haupttempeln) auch Keizan Jōkin, zwei Generationen nach Dōgen.

Er war der Sohn eines hohen Hof-Adeligen. Sein Vater starb jedoch, als er zwei Jahre alt war. Mit sieben Jahren wurde er, nach dem Tod seiner Mutter, zum Vollwaisen.

Im Alter von zwölf Jahren trat er als Mönch in das Kloster Enryaku-ji ein. In diesem berühmten Tempelzentrum der Tendai-Richtung auf dem Berg Hiei nahe der Stadt Kyōto studierte er die buddhistischen Schriften und die religiösen Grundfragen des Buddhismus. Jedoch konnte dies seinen spirituellen Hunger nicht stillen. Besonders für die Frage von ursprünglicher Buddhanatur und Streben nach Erleuchtung schien ihm das traditionelle Training am Hiezan keine Hilfe zu sein. (siehe auch andere Mönche des Hiezan: Hōnen, Shinran, Nichiren)

Im Jahre 1215 oder 1217 wechselte er in das Kloster Kennin-ji in Kyōto, das zu dieser Zeit von Eisai (1141–1215) bzw. seinem Dharma-Nachfolger Myōzen (1184–1225) geleitet wurde. Eisai hatte als einer der ersten das Zen (chin. Chan) vom Kaiserreich China nach Japan gebracht und gilt postum als Patriarch der Rinzai-shū des Zen in Japan.

Als Schüler von Myōzen reiste er mit diesem zusammen 1223 für vier Jahre nach China, dem Ursprungsland des Chan/Zen, um dort zu studieren. Myōzen starb dort 1225.

Dōgen erfuhr Satori (Erleuchtung) unter Tendō Nyojō (chin. Tiandong Rujing 天童如浄 1163–1228) einem Meister der Caodong-Linie des Chan und wurde dessen Dharma-Nachfolger. Nachdem er 1227 mit der Urne des Myōzen (aber ansonsten „mit leeren Händen“) nach Japan in das Kloster Kennin-ji zurückgekehrt war, wo er angeblich mit einer Schrift „Anleitung zum Zazen“ (Fukan zazengi) begann, die jedoch nicht überliefert ist. Tatsächlich ist aus dieser Zeit selbst nur sehr wenig über Dōgens Schaffen überliefert. 1233 verließ er jedoch Kyōto und gründete abseits der alten Kaiserstadt das Kloster Kōshō-(Hōrin)-ji, mit dem ersten Zendō (Zen-Halle) nach Song-zeitlichem Vorbild in Japan. Er lehrte die Praxis des Zazen (Sitzen im Zen) und betonte besonders die Identität von Übung und Erleuchtung, bzw. von zazen und Buddhaschaft. Hier begann er auch mit der Arbeit an seinem 95 Kapitel umfassenden literarischen Hauptwerk, dem Shōbōgenzō (Die Schatzkammer der Erkenntnis des wahren Dharma), die er bis zu seinem Tod über einen Zeitraum von zwanzig Jahren fortführte.

1243 verließ er aus unbekannten Gründen das Kōshō-ji und übernahm auf Einladung einer lokalen Kriegeradelsfamilie einen anderen Tempel noch tiefer in der Provinz, das Eihei-ji (vorher: Daibutsu-ji) in Echizen, vielleicht um den Intrigen der Hauptstadt und den Verfolgungen durch die Tendai-shu und anderen mächtigen buddhistischen Institutionen zu entgehen. Dass die Gründung neuer buddhistischer Schulen und Gruppen schnell von etablierten Kreisen aus als Häretik betrachtet werden konnte, zeigt das Schicksal der Daruma-shū, die Nōnin (nicht datiert) begründete. Ihr Kloster wurde von Sōhei (Mönchskriegern) vernichtet. Einige der versprengten Daruma-Mönche schlossen sich später Dōgen an und standen so in zwei Dharma-Traditionslinien.

Das Eihei-ji wurde noch während seinen Lebzeiten mit Unterstützung auch seiner Laienanhänger weiter ausgebaut. Außer der Zen-Halle übernahm Dōgen auch andere Bestandteile des Klosteraufbaus und der Mönchsorganisation aus Song-China. Er ordnete z.B. nach chinesischem Vorbild Riten für übernatürliche Wesenheiten des Klosters an.

Der Eihei-ji stellt heute zusammen mit dem Soji-ji einen der beiden heutigen Kopftempel der Sōtō-Schule in Japan dar, die Linie des Eihei-ji ist jedoch immer beträchtlich kleiner gewesen als die des Soji-ji.

Literatur

  • Meister Dōgen: Shobogenzo Band 1, Heidelberg-Leimen (Kristkeitz) 2001, ISBN 3921508908
  • Meister Dōgen: Shobogenzo Band 2, Heidelberg-Leimen (Kristkeitz) 2003, ISBN 3921508916
  • Meister Dōgen: Shobogenzo Band 3, Heidelberg-Leimen (Kristkeitz) 2006, ISBN 3921508924
  • Meister Dōgen: Shobogenzo Band 4 (Kap. 73-95) , Kristkeitz 2008, ISBN 3921508932
    • „Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges“. Das grundlegende Werk Dogens in einer sehr sorgfältigen deutschen Bearbeitung in 4 Bänden, übersetzt aus dem japanischen Urtext und mit ausführlicher Kommentierung, je Band ca. 330 Seiten, in Leinen gebunden.
  • Dōgen Zenji, Shōbōgenzō, Die Schatzkammer des wahren Dharma, Band 3, Angkor Verlag, Frankfurt 2000, ISBN 3-8311-1165-0
  • Dōgen Zenji, Shōbōgenzō, Die Schatzkammer des wahren Dharma, Band 4, Angkor Verlag, Frankfurt 2002, ISBN 3-936018-00-6
  • Meister Dōgen, Shōbōgenzō Zuimonki, Heidelberg-Leimen (Kristkeitz) 1997, ISBN 3932337689
  • Meister Dōgen, Die Schatzkammer der wahren buddhistischen Weisheit (Shinji Shōbōgenzō), O. W. Barth Bei Scherzzzz 2005, ISBN 3502611351

Weblinks


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