Dom St. Blasius


Dom St. Blasius
Kuppelkirche St. Blasien
Luftaufnahme des Doms

Der Dom St. Blasius steht in St. Blasien im Schwarzwald. Die Abteikirche wurde 1783 eingeweiht und misst 62 Meter in ihrer Gesamthöhe. Zu diesem Zeitpunkt war sie die drittgrößte Kuppelkirche Europas.[1] Mit einer Spannweite von 36 Metern gehört sie gegenwärtig immer noch zu den größten Kirchenkuppeln in Europa. Der frühklassizistische Kuppelbau wurde vom Architekten Pierre Michel d’Ixnard nach dem Vorbild des Petersdoms in Rom und des Invalidendoms in Paris erbaut. Die Kirche wird von der römisch-katholischen Pfarrgemeinde St. Blasius genutzt und ist gleichzeitig eine häufig besuchte Sehenswürdigkeit im Südschwarzwald. Die Kuppelkirche ist Veranstaltungsort einer einmal jährlich im Sommer stattfindenden internationalen Domkonzertreihe.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bereits im 8. Jahrhundert sollen nach nicht belegten Quellen Mönche ins Albtal gezogen sein, um die cella alba (lateinisch für Klosterzelle auf der Alb) zu gründen und nach den Regeln des Heiligen Benedikt zu leben. Aus dem Jahr 858 wird eine Zugehörigkeit zum Kloster Rheinau berichtet, welches sich in der Nähe von Schaffhausen in der Schweiz befindet. Von dort erhielten die Benediktiner die Reliquie des Blasius. So entstand die cella blasii. Als Stifter des Klosters ist Ritter Reginbert von Seldenbüren überliefert. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts schloss sich das Kloster St. Blasien den Regeln der Benediktinerabtei Cluny an. Die Schirmvogtei über das Kloster übernahmen zunächst die Bischöfe von Basel, später übernahm sie Konrad von Zähringen. Nach dem Aussterben der Zähringer ging das Kloster Mitte des 13. Jahrhunderts in die österreichische Landeshoheit unter den Habsburgern über.

Klosteranlage im Jahr 1783

Mehrere Brandunglücke vernichteten die Klosteranlage und führten dazu, dass der Wiederaufbau meist größer und schmuckreicher als der Vorgängerbau ausfiel. 1322 vernichtete ein Brand in der Abtei alle Schriften und Urkunden aus der Frühzeit. Während der Bauernkriege zerstörten 1526 aufgebrachte Bauern das Kloster. Infolge des Dreißigjährigen Krieges fiel das Kloster 1634 der Plünderung und Verwüstung durch schwedische Truppen anheim. Fürstabt Franz II. von Schächtelin ließ die Klosteranlage 1727 bis 1747 durch den Baumeister Johann Michael Beer um zusätzliche Bauten ergänzen: eine weitläufige Anlage, 195 auf 105 Meter, mit zwei quadratischen Innenhöfen, wie sie bis heute weitgehend erhalten sind. Auf der Nordseite dominierte eine zweitürmige Kirche die Klosteranlage. Am 23. Juli 1768 brach ein Brand aus, der Abtei und Kirche völlig zerstörte. Unter dem damaligen Fürstabt Martin Gerbert wurde der französische Baumeister Pierre Michel d’Ixnard beauftragt, die Abtei weitgehend im alten Stil wieder aufzubauen. Anstelle der alten Klosterkirche entstand innerhalb von nur elf Jahren ein Kuppelbau. D’Ixnard reiste im Dezember 1773 nach Wien, um Kaiserin Maria Theresia eigenmächtig die Baupläne des Bauvorhabens zu zeigen. Darauf wurde sein Vertrag nicht mehr verlängert und der Auftrag für die Schnitzarbeiten an der Orgel an Joseph Hörr aus Blasiwald vergeben. Von 1775 bis 1777 war der französische Architekt Nicolas de Pigage als Berater tätig. In den Folgejahren wurde der aufwändige Kuppelbau fertiggestellt, dessen Holzkonstruktion der St. Blasier Zimmermeister Joseph Müller errichtete. 1778 wurde das Kuppeldach mit Kupferblech eingedeckt und der Hauptstein über dem Hauptportal gesetzt. Nach einem weiteren Jahr wurde die Kuppel ausgemalt und das Chorgitter fertiggestellt. Der Freiburger Künstler Johann Christian Wentzinger stellte das Deckengemälde fertig. Zum selben Zeitpunkt beendete man die Arbeiten an der Rotundenstuckatur. 1781 wurden der Hochaltar und die beiden Kanzelaltäre gebaut und das Gemälde über dem Chorbogen fertiggestellt. Am 11. November dieses Jahres, dem Namenstag von Fürstabt Martin Gerbert, feierte man die erste Heilige Messe in der neuen Kirche. 1782 begann man mit den Arbeiten an den Nebenaltären und am 21. September 1783 weihte schließlich Fürstbischof Maximilian Christof von Rodt aus Konstanz die Kuppelkirche ein.

1806 erhielt Kurfürst Karl Friedrich als Gegenleistung für seine Unterstützung Badens von Napoléon im Krieg gegen Österreich den sanktblasischen Besitz. Damit nahm ein rund tausendjähriges Wirken der Mönche innerhalb des Klosters sein Ende. Den Mönchen war es gelungen, rechtzeitig vor der Übernahme des Klosters durch das Großherzogtum Baden den größten Teil des Kirchenschatzes, die Bibliothek und die Kunstsammlung in die Schweiz und von dort nach Österreich zu schaffen. 1808 und 1809 ließ der Großherzog die Kirche plündern, die Silbermann-Orgel wurde in die Stephanskirche nach Karlsruhe gebracht, Glocken wurden entfernt und die Einrichtung zum Teil sinnlos zerschlagen.

Nach der Aufhebung des Klosters errichteten mehrere Unternehmer in den Gebäuden Fabriken. Der damals 23-jährige Schweizer Caspar Bodmer betrieb ab 1809 eine Fabrik zur Herstellung von Baumwollspinn- und Webmaschinen. Ab 1810 installierte Heinrich Düggli, ebenfalls aus der Schweiz, eine Waffenfabrik. 1811 beteiligte sich der Bankier David Seligmann, der sich später selbst Freiherr von Eichtal nannte, an der Fabrik Bodmers, richtete in der ehemaligen Klostermühle eine Spinnerei ein und erweiterte die ehemalige Wachsbleiche des Klosters zur Garnbleiche.

Das Einweihungsjahr im Marmorfußboden

Am 7. Februar 1874 brach in der Spinnerei ein Feuer aus, das den Ostflügel der Klosteranlage niederbrannte. Die Kirchenkuppel stürzte ebenfalls ein, die Innenausstattung wurde durch das Feuer verwüstet. Zwischen 1878 und 1883 ließ der Großherzog von Baden die Außenkuppel wieder errichten. Dabei wurde das Holzgebälk durch 20 Eisenbogenrippen ersetzt, die auf einem Mauerwerk lagern und nach oben zusammenlaufen. Aus Gründen der Statik wurde die Kuppelform leicht modifiziert. Die Öffnung zwischen Rotunde und Chorraum wurde zugemauert und im Chor das Gotteshaus der Gemeinde eingerichtet. 1888 wurde die restaurierte Chorkirche geweiht. 1910 begann man mit dem Bau der Innenkuppel, welche drei Jahre später fertiggestellt war. Am 1. Juni 1913 weihte Erzbischof Thomas Nörber die wiedererrichtete Kirche ein. Im Zweiten Weltkrieg wurden 1942 vier Glocken beschlagnahmt und von den Türmen entfernt. Eine fünfte Glocke blieb zwar vor Ort, durch ein gerissenes Seil war sie jedoch nicht benutzbar. Nachdem sich der Stadtpfarrer um Ersatz bemüht hatte, wurden am 2. August 1951 von Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg fünf neue Glocken gegossen und am 16. September desselben Jahres geweiht. 1961 goss man vier weitere Glocken, die am 9. Juli geweiht wurden.[2] Von 1969 bis 1971 dauerte die Renovation des Chorraums, der Altäre und des Chorgitters durch den Kölner Bildhauer Elmar Hillebrand. Am 27. Mai 1977 brach erneut ein Großbrand aus, der weite Teile des West- und Südflügels zerstörte. Durch den Feuerwehreinsatz konnte wenigstens die Kirche gerettet werden. 1981 begannen im Auftrag des Landes Baden-Württemberg umfassende Renovierungsarbeiten an der Kirche, welche bis 1983 andauerten. Die zerstörten Bauteile wurden aus Kostengründen jedoch teilweise nur in vereinfachter Form wiedererrichtet. Der damalige Freiburger Erzbischof Oskar Saier weihte am 11. September 1983 die Kirche. 1988 wurde der Vorplatz neu gestaltet und der Blasiusbrunnen eröffnet, der an den Namensgeber der Kirche erinnert. Am 28. März 1993 wurden 14 von Elmar Hillebrand und Theo Heiermann gestaltete Kreuzwegstationen geweiht. 1995 bis 1997 wurde für rund eine Million DM die Schwarz-Orgel generalsaniert. Im Ostturm wurde die Peter-und-Paul-Kapelle im Februar 2000 geweiht.

Gestaltung

Domplatz

Blasiusbrunnen auf dem Domplatz

Vor der Kuppelkirche auf der Mitte des Domplatzes steht der Blasiusbrunnen. Die Bischofsfigur trägt die Jahreszahl 1714 und stammt vom Bildhauer Anton Josef Schupp. Die Skulptur des Heiligen Blasius, nach dem die Kirche und der Ort benannt sind, wird für gewöhnlich mit Bischofsstab, Mitra und einer oder mehreren Kerzen dargestellt. Die Brunnenskupltur stellt statt der Kerze ein Buch dar. Der Domplatz – wie der Dom selbst auch – wird Abends über verschiedene Lichtinstallationen beleuchtet.

Architektur

Der im frühklassizistischen Zopfstil erbaute Dom selbst bildet die städtebauliche Dominante des Ortes St. Blasien. Fährt man von den benachbarten Ortschaften Bernau oder Todtmoos auf den Ort zu, so fällt die insgesamt 62 Meter hohe Kuppelkirche unmittelbar auf. Das Bauwerk besteht aus drei Hauptteilen: Vorhalle mit Türmen, rotundenförmiges Laienhaus und langgestreckter Chor. Die Flügel des nördlichen Klostertraktes fassen die Rotunde ein.

Hauptportal mit Holzreliefs und Erlöserbild

Eine breite Freitreppe führt zur Vorhalle, diese wird von zwei wuchtigen Glockentürmen flankiert. Das Dach des Eingangsportals wird von vier freistehenden und zwei eingemauerten dorischen Säulen von je 15 Metern Höhe getragen. Auf dem Dach über dem Eingangsportal befindet sich ein großes Kruzifix, welches um 1928 von einem nicht bekannten Künstler geschaffen wurde. Am Eingangstor der Vorhalle hängen die Holzreliefs, zwei Brustbilder von Maria und Josef, welche um 1778 der Bildhauer Joseph Hörr geschnitzt hat. Der über dem Hauptportal 1778 gesetzte Hauptstein ist ein Ovalmedaillon des Erlöserbildes „Salvator mundi“, umgeben vom Schriftzug „Hic factus est in caput anguli, psalm 117“ („Dieser ist zum Eckstein geworden“). Die quadratischen Glockentürme von jeweils zwölf Meter Breite und 30 Meter Höhe bilden gemeinsam mit der Vorhalle die Frontseite der Kirche. Jeder Glockenturm trägt ein Zifferblatt, hinter dem sich insgesamt neun Glocken befinden. Abgeschlossen werden die beiden Türme durch kleine Kuppeln, deren Ansatz von einer Balustrade verdeckt wird.

Das Laienhaus mit seinem runden Grundriss wird von der Kuppel überwölbt. Auf dem Kuppelscheitel ist eine goldfarbene Kugel mit einem krönenden vergoldeten Kreuz angebracht. Die für damalige Zeiten ungewöhnliche Idee einer Kuppelkonstruktion geht auf Fürstabt Martin Gerbert zurück. Nach dem großen Brand von 1768 ging der Auftrag zum Wiederaufbau an die Architekten Pierre Michel d’Ixnard und Nicolas de Pigage. Nach ihren Plänen konstruierte Zimmermeister Joseph Müller aus St. Blasien 1724 die Kuppel. Die Konstruktion aus Eichenbalken trägt das äußere Kuppeldach, an deren Inneren die Zierkuppel aufgehängt ist. Die Rotunde wurde 1772 nach Plänen des Baumeisters Franz Josef Salzmann erbaut und zwischen 1981 und 1983 bei dessen Renovierung rekonstruiert. Die Dachkuppel wird durch einen Knauf abgeschlossen, welcher eine goldene Kugel und ein Kreuz trägt. Durch den Fabrikbrand am 7. Februar 1874 fing auch die Holzkonstruktion der Kuppel Feuer, das sie zum Einsturz brachte. Das Großherzogtum Baden errichtete von 1884 bis 1885 die Kuppel wieder neu. Statt des Holzgebälks verwendete man 20 Eisenbogenrippen, welche auf dem Mauerwerk fußten und nach oben zusammenliefen. Aus statischen Gründen wurde die Kuppelform leicht verändert. Die Innenkuppel wurde im Herbst 1910 von der Firma Dyckerhoff & Widmann wieder errichtet. Auch hier bediente man sich neuer Materialien und verwendete Spannbeton statt Holz. An die Spannbetondecke wurde eine innere Zierkuppel aufgehängt.

Innenraum und Deckengemälde im Dom von St. Blasien.

Mit einer Spannweite von 36 Metern gehört die Kuppel des Doms von St. Blasien im Vergleich zu anderen Kuppelkirchen in Europa zu den größten.[3] Der Scheitelpunkt der äußeren Kuppel ist 50 Meter hoch, inklusive des Knaufs und des Kreuzes erreicht die Kirche eine Gesamthöhe von 62 Metern und ist damit der höchste Kirchenbau im Landkreis Waldshut. Weitere Maße sind:

  • Außenwand zu Außenwand: 43 Meter
  • Höhe der Säulen: 18 Meter
  • Länge des Chorraums vom Chorgitter bis zum Raumende: 36 Meter

Die große Innenkuppel ruht auf 20 kreisförmig angeordneten korinthischen Säulen und wölbt sich bis zu einer Höhe von 36 Meter. An der zweigeschossigen Außenwand des Umgangs befinden sich in Entsprechung zu den Säulen Pilaster. Über den Säulen befindet sich eine begehbare Galerie mit 17 Fenstern. Die Innenkuppel ist mit stark strukturierten Stuckteilen ausgestattet.

Der nach hinten langgestreckte Chor bildet einen Gegensatz zur Laienrotunde. Die Längsseiten werden von freistehenden ionischen Säulen geprägt, die auf einer Sockelwand stehen und ein Tonnengewölbe mit halbrundem Querschnitt tragen. Die Wand der Seitengänge hinter den Säulen ist durch Pilaster gegliedert. Den Abschluss des Chorraums bildet ein eingezogenes Joch, in dem die Orgel steht.

Innenausstattung

Der Innenraum des Doms wird, in Abwandlung der ursprünglich farbigen Ausmalung, heute von der Farbe Weiß dominiert. Innensäulen, Innenkuppel, Fußboden und die Bestuhlung des Doms tragen zum hellen Gesamtbild bei. Zentraler Mittelpunkt der Kirche ist die Rotunde. Der 1981 bis 1983 rekonstruierte Marmorfußboden geht auf die Pläne von Franz Josef Salzmann von 1772 zurück.

Der Berliner Schriftsteller Friedrich Nicolai, der als Vertreter der Aufklärung gilt, sagte über den St. Blasier Dom:

„Hier ist reiche Architektur ohne Verkröpfung, ohne Schnirkel, ohne alle Vergoldung und andere überhäufte oder komplizierte Ziraten.“

Christoph Friedrich Nicolai, 1781

Links zur Innenseite des Hauptportals steht das Chorgitter, welches zwischen 1777 und 1779 vom baden-durlachischen Hofschlosser Carl Hugenest[4] gefertigt wurde. Die zwei Heiligen Petrus und Paulus werden durch zwei in Metall getriebene Medaillons dargestellt. Am linken Seiteneingang erreicht man die Peter-und-Paul-Kapelle. Diese Sakramentskappe wurde am Blasiustag (3. Februar) 2000 eingerichtet. Mittelpunkt bildet ein von einem unbekannten Künstler erstelltes Gemälde der beiden Heiligen. Auf der Rückseite der Kapelle befinden sich weitere Heiligendarstellungen vom Heiligen Antonius, Blasius und Josef. Geschaffen wurden diese Bilder von Hans Schrödter.

Blasiusgruppe

Zwischen Innensäulen und der Ostwand des Doms findet man eine plastische Darstellung des heiligen Blasius zusammen mit einer Frau und ihrem Kind. Die Figurengruppe stellt Blasius von Sebaste dar, der 316 den Märtyrertod erlitt und Schutzheiliger und Namensgeber des Doms ist, der bei seinem bekannten Wunder gezeigt wird, welches ein Kind vor dem Erstickungstod errettet. Die Darstellung stammt vermutlich von 1740 aus einem Wiener Ursulinenkloster, welche 1968 vom St. Blasier Stadtpfarrer Wilhelm Schuh im Kunsthandel erworben wurde. Über der Blasiusgruppe ragt ein kleiner Balkon, als „Konventchörle“ bezeichnet, welches früher der Zugang vom Kloster zur Kirche war. Auf der gegenüberliegenden Seite war das „Abtschörle“, der frühere Zugang von der Wohnung des Abtes.

Seitenaltar mit Bildnis des hl. Benedikts

Nach der Blasiusgruppe folgen drei Seitenaltäre, die der Heiligen Elisabeth von Thüringen, Nikolaus von Myra und Benedikt von Nursia geweiht sind. Auf der gegenüberliegenden Seite der Rotunde sind die Altäre des Ordensstifters Ignatius von Loyola und der spanischen Mystikerin Teresa von Ávila und eines namentlich nicht genannten Märtyrers. Die Altarbilder von Nikolaus und vom Märtyrer stammen von Johann Christian Wentzinger aus der Bauzeit des Domes. Die übrigen vier Bilder stammen vom Innsbrucker Maler Wolfram Köberl aus dem Jahr 1987, die stilistisch den beiden ersten angepasst sind.

Im Alterraum befand sich der ehemalige Mönchschor, der zur Klosterzeit durch ein blickdichtes Gitter von der Rotunde, dem Gebetsraum des Volkes, abgetrennt war. Diese Raumteilung wird heute durch ein transparentes Gitter angedeutet. In diesem Chorgitter sind vier Medaillons mit Darstellungen vom Heiligen Blasius, Benedikt, Scholastika und Vincentius integriert sowie ein von Elmar Hillebrand geschaffenes Kruzifix, welches zu Weihnachten 2004 eingeweiht wurde.

An der Rückwand des Chores dominiert die Orgel, welche im dunklen Naturholz einen farblichen Kontrast zum weißen Innenraum bildet. Fürstabt Martin Gebert wählte den berühmten Straßburger Johann Andreas Silbermann aus, diese für die Kirche zu bauen.[5] Die Orgel wurde 1807 ausgebaut und in die Karlsruher Stephanskirche überführt, die 1944 durch Bomben zerstört wurde. 1911 bis 1913 wurde die heutige Orgel von der Werkstatt Wilhelm Schwarz & Sohn in Überlingen gefertigt. 1997 bis 1998 wurde die Orgel von der Bonner Orgelbaufirma Klais einer grundlegenden Sanierung unterzogen.[6] Auf der Balustrade vor der Orgel befinden sich zwei Puttengruppen, die ehemals zur Silbermann-Orgel gehörten.

Im westlichen Glockenturm befindet sich die Marien- und Taufkapelle. In deren Mitte steht ein bayrischer Barockalter, davor ein Taufstein aus grauem Marmor. Der Altar stellt eine Madonna im Strahlennimbus unter einem Baldachin dar. Der Altar wurde 1961 von einem Rosenheimer Kunsthändler erworben und von einem Restaurator neu konstruiert und restauriert. Der Taufstein wurde um 1912 in Karlsruhe geschaffen.

Domkuppel mit Fresko

Zentraler Mittelpunkt der Domkirche bildet der weiß und grau melierte rosettenförmig verlegte Marmorfußboden. Zusätzlich wurde eine Warmluft-Fußbodenheizung in den 1980er Jahren installiert. Im Zentrum des Bodens erinnert die Jahreszahl 1983 an die Renovierung. Das weiße Kirchengestühl passt sich der Gesamtgestaltung an.

In der Mitte der Innenkuppel findet sich ein großes Deckengemälde des deutschen Malers Walter Georgi, das 1912 geschaffen wurde. Es stellt die Aufnahme Marias in den Himmel dar. Das Bild ersetzt ein 1874 durch einen Brand zerstörtes Gemälde von Johann Wentzinger, das ursprünglich die Glorifizierung des heiligen Benedikts darstellte.

Über der Galerie zur Seite des Altars befindet sich eine farbige Darstellung aus der Gründungslegende[7] des Klosters. Das Gemälde zeigt Ritter Reginbert von Sellenbüren, wie er dem weltlichen Leben entsagt und die Schenkungsurkunde übergibt.

Glocken

Name Ton Gewicht/kg
1951 gegossen
Elisabeth ges1 876,5
Joseph as1 590
Reginbert b1 400
Nikolaus des2 230
Ignatius es2 158
1961 gegossen
Benediktus es1 1350
Blasius des1 1650
Marien b0 2900
Petrus ges0 6500
2005 gegossen
Stephanus f1 1000

Für die Glocken der Kuppelkirche baute der Glockengießer Benjamin Gründinger 1781 vor Ort ein Gießhaus. Als das Kloster 1806 aufgelöst wurde, holte man mehrere Glocken von den Türmen und verteilte sie auf andere Kirchen. Die größte Glocke gelangte in die Stiftskirche nach Karlsruhe, fünf weitere erhielt die Karlsruher Stephanskirche. Einige kleinere Glocken blieben in den Türmen der Kuppelkirche. Erst 1879 erhielt St. Blasien ein neues Geläut. Zwei alte Glocken behielt man, vier neue wurden gegossen. Im Ersten Weltkrieg, am 3. September 1918 wurden zwei Glocken zerschlagen, allerdings nicht abtransportiert. Aus dem verbliebenen Glockenmetall wurden 1919 in der Firma Grüninger in Villingen zwei neue Glocken hergestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurden bis auf eine sämtliche Glocken zu militärischen Zwecken beschlagnahmt. Die verbliebene konnte aufgrund eines Risses jedoch nicht geläutet werden. Am 13. September 1951 stellte die Heidelberger Firma Schilling fünf neue Glocken fertig, zehn Jahre später kamen vier weitere hinzu. Eine zehnte Glocke mit dem Ton f ergänzt seit 2005 das Geläut, welches dem Pfarrer Wilhelm Schuh (1901–1993) gewidmet ist. Die Widmung soll an den Pfarrer und Ehrenbürger der Stadt St. Blasien erinnern, der sich als Seelsorger wie auch als Initiator der neuen Glocken nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert hat.[8]

Orgel

Fürstabt Martin Gerbert verhandelte 1769 mit Johann Andreas Silbermann aus Straßburg aus der berühmten elsässisch-sächsischen Orgelbaufamilie[9] über den Bau einer Orgel für den Dom. Bis 1775 vollendete Silbermann sein größtes Orgelwerk mit 47 Registern. Nach der Aufhebung des Klosters 1806 schenkte Großherzog Karl Friedrich von Baden als neuer Besitzer neben fünf Glocken eine neue Orgel. Der Orgelbauer Stiefel demontierte die Orgel in St. Blasien und baute sie 1818 in Karlsruhe wieder auf. Bei einem Bombenangriff auf Karlsruhe 1944 wurde die Stephanskirche samt der Silbermannorgel zerstört.

Die Orgel im langgestreckten Chor

In St. Blasien wurde die Kuppelkirche inzwischen katholische Pfarrkirche der jungen Gemeinde. Diese verfügte über eine deutlich kleinere Orgel. 1822 wurde eine Orgel aus der Franziskanerkirche nach St. Blasien überführt. Nach einem erneuten Brand wurde eine Orgel von der Durlacher Firma Louis Voit eingebaut. Im Rahmen der großen Wiederherstellung 1907 bis 1913 kam das heutige Orgelinstrument in das Gotteshaus. Der Auftrag ging 1912 an den Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Schwarz. Der Karlsruher Ludwig Schmieder beteiligte sich an der Rekonstruktion, deren Gehäuse an die frühere Silbermann-Orgel erinnert. Die Disposition stammte von Pater Suitbert Krämer OSB aus dem Kloster Beuron. Er lehnte sich dem elsässisch-französischen Orgelbaustil an. Das Gehäuse wurde von den Gebrüdern Metzger aus Überlingen aus Eichenholz gefertigt. Die Schmuckteile wie Engel und Putten sind aus Lindenholz geschnitzt. Das Gehäuse ist 12 Meter hoch, misst 7 Meter in der Breite und 4 Meter in der Tiefe. Das Orgelwerk ist in einem dreistöckigen Gerüst eingebaut worden. Im Untergeschoss ist ein Teil der Technik wie Motor und Balg enthalten. Im ersten Stock befindet sich das erste Manual, welches in zwei Laden aufgeteilt ist. Auf der rechten Seite sind die Pedalladen aufgestellt. In der zweiten Etage befindet sich mittig das dritte Manual. Eine weitere Etage höher ist das zweite Manual in gleicher Weise angebracht. Die beiden Manualwerke sind in einem Schwellkasten eingebaut, welcher an der Vorderseite eine Jalousie hat, um die Lautstärke zu variieren.

Der Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Schwarz stellte 1914 folgende Daten zur Orgel auf: 55 Register verteilen sich auf 263 Hilfszüge mit 3891 Pfeifen, darunter 3293 aus Zinn, 300 aus Zink und 293 aus Holz. Die längste Pfeife beträgt 620 Zentimeter, die kürzeste 17 Zentimeter. Die Orgelteile wurden 1912 mittels fünf Eisenbahnwagen von Überlingen nach Titisee transportiert. Insgesamt betrug die Masse des Materials 26 Tonnen. 15 Fuhrwerke wurden eingesetzt, um den Transport von Titisee nach St. Blasien zu ermöglichen. Die Orgel erfuhr im Laufe der Zeit mehrere Veränderungen; unter anderem wurde seitlich der Orgel ein neuer Spieltisch montiert.

Beim Klosterbrand am 27. Mai 1977 entkam die Orgel nur knapp einer Zerstörung. Trotzdem drang Löschwasser über die Rückseite des Mönchschors in das Instrument, welches eine umfassende Restaurierung notwendig machte. Das Land Baden-Württemberg beauftragte die Orgelwerkstatt Klais mit der Instandsetzung. Alle zu ersetzenden Teile wurden mit den gleichen Materialien ersetzt, die Lederbälgchen wurden erneuert, die Metallpfeifen gewaschen sowie verbeulte Pfeifen ausgebeult. Ein neuer Spieltisch musste ebenfalls installiert werden. Diese Instandsetzung dauerte mehrere Jahre, so dass die Wiedereinweihung erst am 19. Oktober 1997 gefeiert werden konnte.

Die Disposition der heutigen Orgel ist nachfolgend dargestellt.[10]

I Hauptwerk C-g3
Prinzipal 16′
Bourdon 16′
Prinzipal 8′
Bourdon 8′
Flûte harmonique 8′
Violincello 8′
Oktave 4′
Flûte harmonique 4′
Oktave 2′
Kornett III–VI 22/3
Mixtur V 2′
Cymbel IV 2/3
Trompete 8′
Clairon 4′
II Positiv
(schwellbar)
C-g3
Quintathön 16′
Flötenprinzipal 8′
Rohrflöte 8′
Dolce 8′
Salicional 8′
Unda maris 8′
M Flöte dolce 4′
Quinte 22/3
Progressio harm. III 22/3
Basson 8′
Klarinette 8′
III Schwellwerk C-g3
Lieblich Gedeckt 16′
Diapason 8′
Nachthorn 8′
Traversflöte 8′
Gamba 8′
Vox celeste 8′
Oktav 4′
Flûte octaviante 4′
Quinte 22/3
Oktavin 2'
Terz 13/5
Plein jeu V 22/3
Basson 16′
Trompete 8′
Oboe 8′
Clairon 4′
Pedal C-f1
Principalbaß 16′
Kontrabaß 16′
Subbaß 16′
Echobaß (aus III) 16′
Quinte 102/3
Bourbon 8′
Flöte 8′
Cello 8′
Terz 62/5
Flöte 4′
Bombarde 16′
Trompete 8′
Clairon 4′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P.
    • Superoktavkoppeln: II (bis g4 ausgebaut), III (bis g4 ausgebaut), III/I, III/II, I/P, II/P, III/P.
    • Suboktavkoppeln: II, III, III/I, III/II.
  • Spielhilfen: Crescendowalze, 256facher Setzer.

Zur Bezeichnung Dom

Die einst als Gotteshaus der Benediktinierabtei verwendete Kirche dient seit der Aufhebung des Klosters der katholischen Gemeinde St. Blasius als Pfarrkirche. Im klassischen Sinn wird das Wort Dom als Bezeichnung einer Bischofskirche verwendet, entstanden aus dem lateinischen „domus ecclesiae“ (Haus der Kirche) oder „domus episcopalis“ (Haus des Bischofs). In der Herleitung „domus canonicorum“ (Haus der Kanoniker) war die Bezeichnung Dom auch für nichtbischöfliche Stiftskirchen üblich. Das neudeutsche Wort Dom ist dem französischen „dôme“ (= Kirche, Kuppel) entlehnt und wird auch zur Benennung anderer bedeutender Kirchen – vornehmlich Kuppelbauten – verwendet. Aus diesem Grund wird auch die Kuppelkirche St. Blasien als Dom bezeichnet. Die Tourismusindustrie spricht auch vom Schwarzwälder Dom.[11]

Siehe auch

Literatur

  • Paul Booz, Marianne Booz: Bau- und Kunstgeschichte des Klosters St. Blasien und seines Herrschaftsbereichs, Schillinger-Verlag, Freiburg (2001)
  • Erich Franz: Pierre Michel d’Ixnard 1723–1795: Leben und Werk. Konrad, Weissenhorn 1985
  • Claus-Peter Hilger: Dom St. Blasien, Südschwarzwald, Kunstverlag Josef Fink, ISBN 3-89870-218-9
  • F. W. Schwarz: Das große Orgelwerk in der Stadtkirche St. Blasien, 1914

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Informationen auf der Seite der Dompfarrei
  2. Artikel der Badischen Zeitung zur Einweihung der Glocken
  3. Claus-Peter Hilger: Dom St. Blasien, Südschwarzwald, Kunstverlag Josef Fink, ISBN 3-89870-218-9, Seite 21
  4. Das Kloster St. Blasien nach dem Wiederaufbau unter Fürstabt Martin II. Gerbert
  5. Geschichte der Silbermann Orgelbaufamilie
  6. Technische Daten der Orgel-Restaurierung
  7. Zur Gründung des Klosters St. Blasien
  8. Pressemitteilung der Dompfarrei St. Blasien zur Stephanusglocke
  9. Silbermann – Geschichte und Legende einer Orgelbaufamilie
  10. Technische Daten zur Schwarz-Orgel von 1913, durch Klais 1997 restauriert
  11. Touristeninformation zum Dom St. Blasien

Weblinks

47.768.137Koordinaten: 47° 45′ 36″ N, 8° 7′ 48″ O


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