Dominante

Dominante

Dominante (von lat. dominare: beherrschen), auch Oberdominante[1] heißt die fünfte Stufe einer Tonleiter, also die Quinte über der Tonika und die Funktion der darauf basierten Akkorde.

Als Dominante wird in der Harmonielehre in der Regel ein Akkord bezeichnet, dessen Erscheinen die Tonika ankündigt. Jean-Philippe Rameau, der als Begründer der Funktionsharmonik gilt, fand heraus, dass Akkorde, die andere Akkorde vorbereiten, meistens eine Quinte über oder eine Quarte unter dem Zielakkord liegen. Er nannte den vorbereitenden Akkord Dominante.

Später wurde der Begriff nur auf den Akkord angewendet, der den Akkord der Haupttonart Tonika vorbereitet.

Inhaltsverzeichnis

Dominantspannung

Dur

Dur-Tonleiter: Halbtonschritte zwischen 3. und 4. sowie 7. und 8. Ton

Wenn eine Tonart (z.B. C-Dur) durch den harmonischen Kontext eindeutig feststeht, so baut der Quint-Schritt von der Tonika zur Dominante eine Spannung auf. Diese Wirkung erklärt sich aus der Tatsache, dass (auf C-Dur bezogen) das g (genauer dessen obere Oktave) in der Obertonreihe der Tonika c enthalten ist. So wie der Anstieg vom Grundton zu einem Oberton als Spannungsaufbau empfunden wird, wirkt der umgekehrte Weg vom Oberton zum Grundton als Lösung dieser Spannung. Der Quint-Schritt vom Grundton der Dominante g zum Grundton der Tonika c ist deshalb eine dem Ohr vertraute Bewegung mit angenehmer Wirkung. Sie bestätigt gewissermaßen eine Erwartung, läßt eine Art Abschluss erkennen. Zudem ist in der Dur-Tonleiter der Akkord auf der 5. Stufe ebenfalls ein Dur-Akkord, dessen Terz als charakteristischer Leitton zum Grundton der Tonika führt.

Moll

Im natürlichen Moll ist dieser Leitton nicht leitereigen. Auf der 5. Stufe der Moll-Tonleiter steht ein Moll-Akkord, dessen Terz g einen Ganztonschritt unter dem Tonikagrundton a steht. (Bsp. bezogen auf A-Moll)
Um auch hier die von Dur vertraute Strebewirkung zu erhalten, wird stattdessen auch in Moll als Dominante ein Dur-Akkord verwendet. Dazu erhält die zugrunde liegende Tonleiter einen künstlichen Leitton durch Erhöhung des g zum gis und wird zum harmonischen Moll. Wird dieser künstliche Leitton nicht verwendet, spricht man verdeutlichend von einer „Moll-Dominante“.

Verstärkung der Dominantspannung

Dominantseptakkord

Die Dominant-Spannung kann durch das Hinzufügen eines weiteren Leittons zum Dominant-Akkord deutlich verschärft werden. Durch Hinzunahme einer weiteren Terz erhält man einen Dominantseptakkord. Dieser enthält nun mit dem vierten Tonleiterton der zugrunde liegenden Tonleiter das f, welches seinerseits bestrebt ist, sich in einem Halbtonschritt in den unter ihm liegenden Ton e aufzulösen(Bsp. bezogen auf C-Dur).
Da der Akkord (wieder bezogen auf C-Dur) jetzt die Töne h und f enthält, die - gleichzeitig - nur in C-Dur (und deren Parallelen) vorkommen können, „beherrscht" er in besonderer Weise den harmonikalen Kontext. Diese Spannungsverschärfung lässt sich auch durch den Tritonus erklären, der zwischen Terz und Septime des Dominantseptakkordes entsteht.
Der Dominantseptakkord ist von sich aus so spannungsreich (und durch Hörerfahrung so geläufig), dass er automatisch in der Funktion einer Dominante wahrgenommen wird.

Weitere dominantische Akkorde

Dominant-Funktion im erweiterten Sinn haben alle Akkorde, die einen hohen Spannungsgehalt in sich tragen und in einen nachfolgenden, spannungsärmeren Klang auflösen. Akkorderweiterungen, welche im durmolltonalen System generell dissonant sind, eignen sich besonders gut als Dominante.[2] Neben dem Dominantseptakkord sind hier der Dominantseptnonakkord und deren verkürzte Formen zu nennen.
Auch alterierte Akkorde wirken vornehmlich dominantisch.

Weitere Arten von Dominanten

Prinzipiell kann jeder Dur-Akkord als Dominante gebraucht bzw. gedeutet werden und so in den 5 Stufen unter ihm stehenden Akkord, der dann wie eine Tonika wirkt, weitergeführt werden.
Ausdrücklich auch Akkorde, die in der zugrundeliegenden Tonleiter nicht leitereigen sind! So wäre in C-Dur der D-Dur-Akkord eine Zwischendominante zum G-Dur-Akkord (die so genannte Doppeldominante).

Dadurch ist es z.B. auch möglich, in eine andere Tonart zu führen. (Ausweichung, Modulation, Quintfallsequenz).
Wesentlich eindeutiger ist diese "neue" Dominante aber, wenn hierfür der entsprechend erweiterte Dominantseptakkord steht.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Arnold Schönberg zog die Bezeichnung "Oberdominante" vor, da seiner Meinung nach der Name Dominante der eigentlich "herrschenden" Stufe, der Tonika weit mehr gebührt. Nur um keine neue Terminologie einzuführen, behält er die Bezeichnung Dominante für die V. Stufe bei, schwächt aber ihre Bedeutung etwas ab, indem er sie durch die Umbenennung in Oberdominante wenigstens mit der Unterdominante auf eine Rangstufe bringt. (Arnold Schönberg: Harmonielehre, Universal Edition 1922, S. 36 f)
  2. Reinhard Amon: Lexikon der Harmonielehre. Wien-München 2005, ISBN 3-476-02082-7, S. 114

Literatur


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