Drei Nüsse für Aschenbrödel


Drei Nüsse für Aschenbrödel
Filmdaten
Deutscher Titel: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
(auch: Drei Nüsse für Aschenbrödel)
Originaltitel: Tři oříšky pro Popelku
Produktionsland: ČSSR, DDR
Erscheinungsjahr: 1973 (Filmstart in der DDR: 1974, Filmstart in der ČSSR: 1973)
Länge: 82 Minuten
Originalsprache: Tschechisch und Deutsch (die Schauspieler sprachen ihre jeweilige Muttersprache)
Altersfreigabe: FSK ohne altersbeschränkung (Deutschland)
Stab
Regie: Václav Vorlíček
Drehbuch: František Pavliček
Musik: Karel Svoboda
Kamera: Josef Illík
Schnitt: Miroslav Hájek, Barbara Leuschner
Besetzung
Synchronisation

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (auch: Drei Nüsse für Aschenbrödel) ist einer der bekanntesten Märchenfilme aus der Kooperation ČSSR/DDR und wird seit über 30 Jahren jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr von vielen europäischen Fernsehstationen, beispielsweise in Deutschland, Norwegen und der Schweiz, ausgestrahlt. In der Bundesrepublik Deutschland wurde der Film am 26. Dezember 1975 zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt. Der Film entstand nach Motiven des gleichnamigen Märchens von Božena Němcová, die das Grimmsche Motiv Aschenputtel variiert, in dem sie drei Haselnüsse als Wunschinstrumente integriert.

Bekannt wurden durch diesen Film die Schauspielerin Libuše Šafránková und der Schauspieler Pavel Trávníček.

Gedreht wurde der Film in den Babelsberger Studios der DEFA, rund um Schloss Moritzburg bei Dresden, in den Filmstudios Barrandov in Prag und an verschiedenen Orten in der damaligen Tschechoslowakei, beispielsweise im Wasserschloss Švihov (Schwihau) und im Böhmerwald.

Bekannt wurde auch die Filmmusik des Komponisten Karel Svoboda, die als Soundtrack auf CD erschienen ist. Ende 2008 hat der Britisch-Deutsche DJ & Produzent Shaun Baker aus der ursprünglich instrumentalen Musik ein neues Werk erschaffen, das unter „Maloy - Could You, Would You, Should You“ erschienen ist.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der Schimmel Nikolaus, der Hund Kasperle und eine Schmuckschatulle, die von der Eule Rosalie bewacht wird, sind alles, was Aschenbrödel nach dem Tod ihrer Eltern geblieben ist. Sie lebt bei ihrer Stiefmutter, einer Gutsherrin und deren leiblicher Tochter Dora, die sie nach Kräften erniedrigen und wie eine Dienstmagd behandeln.

Der König und die Königin kommen im Winter auf das Gut der untertänigen Stiefmutter, die sich und ihrer Tochter eine Einladung zum Hofball verdient, wo Dora das Herz des Prinzen gewinnen soll.

Während des königlichen Besuches begegnet Aschenbrödel dem Prinzen das erste Mal im Wald in „eigener“ Gestalt - nämlich verschmutzt und verdreckt. Als der Prinz gerade ein Reh abschießen will, bewirft sie den Prinzen mit einem Schneeball, so dass er das Ziel verfehlt. Der Prinz jagt Aschenbrödel daraufhin mit seinen zwei Gefährten quer durch den Wald, „erwischt“ diese letztendlich auch - nur flieht diese dann auf seinem Pferd, spielt ein wenig Katz und Maus mit den drei Jägern und gelangt ungesehen auf den Hof zurück.

Dora und ihre Mutter gelangen an eine Einladung des Königs zum königlichen Ball. Während Knecht Vinzek für die Herrschaften teure Kleider aus der Stadt mitbringt, fallen ihm drei Haselnüsse in den Schoß (diese werden schicksalhafterweise direkt vom Prinzen dem Knecht aus einem Vogelnest in den Schoß geschossen). Diese bringt er Aschenbrödel mit, da sie sich das wünschte, was ihm auf „dem Weg vor die Nase kommt“.

Die Nüsse sind verzaubert: Die erste Nuss enthält ein Jagdgewand. So ausstaffiert begegnet Aschenbrödel dem Prinzen ein zweites Mal, der mit zwei Freunden übermütig zur winterlichen Vogeljagd ausgeritten ist. Aschenbrödel wird für einen „jungen Jägersmann“ gehalten und überzeugt den Prinzen durch ihre Schießkünste mit der Armbrust, reitet dann jedoch unauffällig weg.

Der Tag des Hofballs rückt heran. Als Schikane vermischt die Stiefmutter Linsen mit Mais, verteilt das Ganze auf dem Boden und lässt Aschenbrödel die Linsen und den Mais sortieren. Dank der tatkräftigen Hilfe von Tauben, die die Arbeit für das Mädchen übernehmen, hat Aschenbrödel genügend Zeit und öffnet die zweite Nuss. Mit dem darin enthaltenen Ballkleid sucht sie den Hofball auf. Der König will unbedingt seinen Sohn verheiraten. Der Prinz, der bisher alle ihm vorgestellten Damen verschmäht hat, tanzt mit dem später erschienenen Aschenbrödel und verliebt sich auf der Stelle. Aschenbrödel trägt einen Gesichtsschleier.

Sie stellt ihm auf dem Ball ein Rätsel, das zeigt, dass sie gerne erkannt werden möchte:

Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht.
Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
Ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht.

Damit spielt sie auf ihre bisherigen drei Begegnungen an, aber der Prinz kann es nicht lösen und so entzieht sie sich ihm abermals durch Flucht, verliert aber auf der Schlosstreppe ihren Schuh.

Dem Prinzen gelingt es aber, Aschenbrödel zu verfolgen und erreicht so schließlich den Hof der Stiefmutter. Doch keinem der hier lebenden Mädchen und Frauen passt der Tanzschuh der Unbekannten. Schließlich fällt einem der Knechte Aschenbrödel ein, das aber spurlos verschwunden scheint. Nachdem auch der letzte Versuch der Stiefmutter, ihre Tochter Dora mit dem Prinzen zu vermählen, scheitert, findet der Prinz Aschenbrödel, welcher der Schuh passt. Das Brautkleid Aschenbrödels zur folgenden Hochzeit mit dem Prinzen entstammt der dritten Haselnuss.

Die Schlussszene zeigt, wie Aschenbrödel und der Prinz über die verschneiten Felder zum Schloss reiten und der Prinz den Präzeptor mitsamt seiner Historienstunde ignoriert.

Synchronisation

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand in den Ateliers der DEFA Filmstudios, Babelsberg. [1]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Aschenbrödel Libuše Šafránková Dorothea Meißner
Prinz Pavel Trávníček Peter Reusse
Stiefmutter Carola Braunbock Carola Braunbock
König Rolf Hoppe Rolf Hoppe
Königin Karin Lesch Karin Lesch
Dora Dana Hlaváčová Illeolore Kuhnert
Präzeptor Jan Libíček Ivan Malré
Knecht Vinzek Vladimír Menšík Kurt Böwe
Jäger Miloš Vavruška Joachim Pape
Kamil Vítězslav Jandák Joachim Siebenschuh
Vítek Jaroslav Drbohlav Gerd Blahuschek
Wirtschafterin Míla Myslíková Waltraut Kramm

Kritiken

  • "Regisseur Vaclav Vorlicek (…) gelang mit dieser frischen Variante eine der schönsten Märchenadaptionen der Filmgeschichte. Die Autorin der literarischen Vorlage, Božena Němcová, ist in Tschechien so bekannt wie hierzulande die Brüder Grimm. Libuse Safránková verkörpert vollkommen glaubhaft die grimmsche Märchengestalt Aschenputtel und war von dieser Zeit an nicht mehr aus tschechischen Märchen- und Kinderfilmen wegzudenken." - Prisma (Online-Filmdatenbank) [2]
  • "Die tschechische Version des bekannten Märchens bemüht sich nicht nur um Witz und Humor, sondern läßt Aschenbrödel auch aktiv und engagiert werden." - Ronald M. Hahn, Volker Jansen, Norbert Stresau: Lexikon des Fantasy-Films, 1986. [3]
  • "Auch in Böhmen ist das Aschenbrödel bekannt und beliebt, dort darf es schießen, reiten und auf Bäume klettern. Originelle Bearbeitung eines Märchenklassikers." (Wertung: 2½ von 4 möglichen Sternen = überdurchschnittlich) - Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz: 'Lexikon „Filme im Fernsehen“ [4]

Auszeichnungen

Der Film hat weltweit diverse Filmpreise gewonnen, unter anderem den „Goldenen Eisvogel“ (Tschechien). Er ist in Tschechien zum besten Märchenfilm des 20. Jahrhunderts gewählt worden.

Literatur

  • Božena Němcová: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2006, 29 S., ISBN 978-3-359-01653-3 oder ISBN 3-359-01653-X

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel in der Deutschen Synchronkartei; abgerufen am 1. November 2008
  2. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel bei prisma-online.de; abgerufen am 1. November 2008
  3. Ronald M. Hahn, Volker Jansen, Norbert Stresau: Lexikon des Fantasy-Films. 650 Filme von 1900 bis 1986. Heyne, München 1986, ISBN 3-453-02273-4, S. 110
  4. Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 170

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