Drogenpsychose

Drogenpsychose
Klassifikation nach ICD-10
F10.- Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol
F11.- Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide
F12.- Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide
F13.- Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika
F14.- Psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain
F15.- Psychische und Verhaltensstörungen durch alternative Stimulanzien, inklusive Koffein
F16.- Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene
F17.- Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak
F18.- Psychische und Verhaltensstörungen durch flüchtige Lösungsmittel
F19.- Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Eine Drogenpsychose (medizinisch: drogeninduzierte Psychose, psychiatrisch: klassifiziert unter exogene Psychosen) ist eine Psychose, die durch manche Drogen, beispielsweise Amphetamin und Kokain, vor allem aber durch halluzinogene Substanzen wie LSD, psilocybinhaltige Pilze und Meskalin ausgelöst werden kann. Auch Alkohol und Cannabis können Psychosen auslösen.[1] Drogenpsychosen können irreversibel, also unheilbar sein.[2]

Eine spezielle Form der Drogenpsychose wird, ursprünglich im US-amerikanischen Raum, als Hallucinogen persisting perception disorder oder HPPD bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Einordnung nach ICD-10

Nach ICD-10 ist eine drogeninduzierte Psychose (F10.5-F19.5) von einem psychotischen Drogenverlauf für die Dauer der pharmakologischen Wirkung der Droge, vom schädlichen Gebrauch (F1x.1), von der akuten Intoxikation (F1x.0), Abhängigkeitssyndrom (F1x.4), von Entzugssyndromen (F1x.3) oder Delir, vom amnestischen Syndrom (F1x.6) sowie sogenannten Flashbacks (F1x.7) zu unterscheiden. Letztere treten aber vor allem nach tiefen traumatischen Erlebnissen ohne psychoaktive Stimuli auf, wie nach Katastrophen. Es gibt folgende Formen der Drogenpsychose:

  • schizophrenieform (F1x.50)
  • vorwiegend wahnhaft (F1x.51)
  • vorwiegend halluzinatorisch (F1x.52)
  • vorwiegend polymorph (F1x.53)
  • vorwiegend affektiv (F1x.54-56)

Ursachen/Auslöser

Unter Umständen reicht ein einmaliger Rausch, um eine über den eigentlichen Rauschzustand hinausgehende Psychose auszulösen. Vermutlich lösen Drogen eine vorhandene, latente Schizophrenie aus. Die genauen Vorgänge sind noch nicht bekannt.

Nach neuerer Definition ist zwischen Drogenpsychosen und Schizophrenie zu unterscheiden. Bei Depressionen können auch ähnliche Zustände auftreten. Die Diagnose Schizophrenie soll bei ausgeprägten depressiven oder manischen Symptomen nicht gestellt werden, es sei denn, schizophrene Symptome wären der affektiven Störung vorausgegangen. Ebenso wenig ist eine Schizophrenie bei eindeutiger Gehirnerkrankung, während einer Intoxikation oder während eines Entzugssyndroms zu diagnostizieren. Ähnliche Störungen bei Epilepsie oder anderen Hirnerkrankungen sollen unter F06.2 kodiert werden, die durch psychotrope Substanzen bedingten psychotischen Störungen unter F10-F19, vierte Stelle. 5.

Psychoaktive Substanzen können bereits geheilte Psychosen wieder auslösen und die Betroffenen dauerhaft in akute psychotische Zustände versetzen.

Insbesondere bei LSD und halluzinogenen Pilzen können die Rauschzustände den Phänomenen einer Psychose ähneln. Es kann zu optischen Halluzinationen kommen. Dabei werden nicht von der Sinneswahrnehmung stammende Farben, Formen bis hin zu Bildern wahrgenommen. Im Gegensatz zum psychisch Erkrankten können Konsumenten dieser Drogen bei niederen bis mittleren Dosierungen erkennen, dass die von ihnen wahrgenommenen Phänomene nicht äußeren, sondern inneren Ursprungs sind und damit im Gegensatz der Halluzinationen bei Schizophrenie lediglich Pseudohalluzinationen darstellen. Bei schizophrenen Formenkreisen dominieren akustische Halluzinationen und nur gelegentlich können optische Phänomene auftreten.

Da es schwierig abzuschätzen ist, wer eine verborgene Psychose in sich trägt, birgt der Konsum halluzinogener Substanzen die Gefahr einer dauerhaften Schädigung in sich.

Auch Cannabiskonsumenten weisen ein leicht erhöhtes Risiko auf: 1,2% der in einer australischen Erhebung erfassten Konsumenten wiesen psychotische Symptome auf. Der Durchschnitt in der Bevölkerung liegt bei 1%. [3] Gefährdet sind nach neueren Untersuchungen vor allem junge Konsumenten, welche eine bestimmte Mutation des COMT-Gens in ihren Zellen tragen. Hierbei begünstigt vor allem ein früher Konsumbeginn den Ausbruch der Störung.

Es gibt Kliniken, die sich auf die Erkennung verborgener Psychosen spezialisiert haben.

Alkoholpsychose

Neben organischen Schäden an Magen, Herz und vor allem der Leber wird auch das Gehirn durch regelmäßigen Alkoholkonsum beeinträchtigt. Es gibt vier verschiedene psychische Folgeleiden: das Delirium tremens (eine lebensgefährliche Erkrankung mit wahnhafter Wahrnehmung kleiner Tiere, wie Spinnen, Eidechsen, „weiße Mäuse“, mit heftiger Erregung, Schlaflosigkeit, Angst und Desorientierung); das Korsakow-Syndrom (mit einer Geistesschwäche, die auf einem Versagen des Gedächtnisses beruht); den Alkoholwahn (meist in der Form eines Eifersucht-Wahns) und die Alkohol-Halluzinose (Wahnvorstellungen verfolgen den Kranken: er wird von „Stimmen“ beschimpft und angeklagt).

Kokainpsychose

Eine Kokainpsychose ist gekennzeichnet durch paranoid wahnhafte Wahrnehmungsstörungen sowie durch optische, akustische und taktile Wahrnehmungsstörungen. Dermatozoenwahn ist ein charakteristisches Symptom, hierbei glaubt der Betroffene, Insekten krabbelten unter seiner Haut. Diese Zustände können chronisch bleiben. [4]

Cannabispsychose

Nach akutem, hochdosiertem sowie nach chronischem höherdosiertem Cannabiskonsum sind länger anhaltende psychotische Episoden mit meist schizophreniformer Symptomatik beschrieben. Die Symptomatik dauert dabei länger als 48 Stunden und tritt unmittelbar während oder innerhalb von zwei Wochen nach dem Cannabisgebrauch auf.

Die Symptombildung solcher Psychosen ist in der Literatur weitgehend inhomogen beschrieben, so dass eine Abgrenzung zu schizophreniformen oder schizophrenen Psychosen aufgrund der Symptomatik nach derzeitigem Kenntnisstand nicht möglich ist. Ähnlich den schizophreniformen Psychosen können affektive Symptome auch bei Cannabis-assoziierten, länger anhaltenden psychotischen Störungen eine wichtige Rolle spielen und bei der Behandlung besondere Berücksichtigung finden.

Im Sinne des heute allgemein akzeptierten Vulnerabilitäts-Stress-Modells schizophrener Psychosen muss davon ausgegangen werden, dass akuter oder, wesentlich häufiger und wahrscheinlicher, chronischer Cannabis-Konsum bei vulnerablen Personen im Sinne eines Stressors zu verstehen ist, der eine länger anhaltende Cannabis-assoziierte psychotische Episode mit bedingen kann. Diagnostisch ist bei diesen Störungen eine differenzierte zeitliche Erfassung des Substanzkonsums im Verhältnis zu prodromalen Symptomen einer schizophrenen Psychose und der aktuelle Nachweis von Delta-9-THC und Metaboliten relevant. Auch die Zusammensetzung der konsumierten Cannabis-Präparationen, die sich zumindest näherungsweise aus einer Beschreibung von Herkunft und Anbaubedingungen ermitteln lässt, sowie Dosierung dieser Präparationen und Zeitdauer des Konsums können einen Hinweis auf die Intensität des Stressors geben.

Behandlung

Drogenpsychosen werden wie andere Psychosen behandelt. Wie die klassische Psychose kann auch eine Drogenpsychose für die Betroffenen dazu führen, dass auf Dauer ein Leben ohne Betreuung nicht mehr möglich ist. Drogenpsychosen können aber auch nach einer einmaligen Episode und darauf folgender strikten Abstinenz ausheilen. Dies gilt insbesondere für cannabisinduzierte Psychosen.

Drogenpsychosen in Medien

Quellen

  1. Schmidbauer, vom Scheidt: Handbuch der Rauschdrogen München: Herbig Verlagsbuchhandlung, 2004. ISBN 3-596-16277-7 Seite 67 ff
  2. http://www.bzga.de/pdf.php?id=92cfd6f2805a5fab3ad7777188416bf6
  3. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/076-005.htm Uni-Düsseldorf - Australische Erhebung
  4. http://www.bzga.de/pdf.php?id=92cfd6f2805a5fab3ad7777188416bf6

Siehe auch

Weblinks

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