Duszniki-Zdrój

Duszniki-Zdrój
Duszniki Zdrój
Wappen von Duszniki Zdrój
Duszniki Zdrój (Polen)
DEC
Duszniki Zdrój
Duszniki Zdrój
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Kłodzko
Fläche: 22,28 km²
Geographische Lage: 50° 24′ N, 16° 23′ O50.416.3833333333337Koordinaten: 50° 24′ 0″ N, 16° 23′ 0″ O
Höhe: 583 m n.p.m
Einwohner: 5.086 (30. Juni 2007[1])
Postleitzahl: 57-340
Telefonvorwahl: (+48) 74
Kfz-Kennzeichen: DKL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E 67 KłodzkoHradec Králové
Schienenweg: Kłodzko–Kudowa Zdrój
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Verwaltung (Stand: 2006)
Bürgermeister: Bolesław Krawczyk
Adresse: Rynek 6
57-340 Duszniki Zdrój
Webpräsenz: www.duszniki.pl

Duszniki Zdrój [duʃˈɲici ˈzdruɪ̯] (deutsch Bad Reinerz) ist eine Stadt im Powiat Kłodzki im Südwesten Polens. Sie gehört zu den ältesten Kurorten Niederschlesiens. Durch die Wirksamkeit der natürlichen Kohlensäurebäder gehörte der Kurort Anfang des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Herzheilbädern Europas.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Duszniki Zdrój liegt an der Reinerzer Weistritz zwischen Heuscheuergebirge, Habelschwerdter Gebirge und Adlergebirge. Nachbarorte sind Dolina und Złotno im Norden, Szczytna und Bystra im Osten, Bobrowniki im Südosten, Zielieniec und Graniczna (Grenzendorf) im Süden, Jawornica und Lewin Kłodzki im Westen sowie Słoszów im Nordwesten. Am nördlichen Stadtrand verläuft die Europastraße 67.

Geschichte der Stadt

Ring (Rynek) mit Rathaus

Das heutige Duszniki Zdrój entwickelte sich aus einem Dorf Dusnik und wurde erstmals 1324 als Reinharcz (oppidum Reinhardi) erwähnt. Es gehörte zur ehemaligen böhmischen Herrschaft Hummel. Im Jahre 1408 verlieh der damalige Herrschaftsbesitzer Dietrich von Janowitz der Stadt verschiedene Privilegien. In den Hussitischen Kriegen wurde Reinerz mehrmals drangsaliert und zerstört. 1477 wurde die Herrschaft Hummel durch Georg von Podiebrads Sohn Herzog Heinrich d. Ä. von Münsterberg, der zugleich Graf von Glatz war, in die Grafschaft Glatz eingegliedert. Ab dieser Zeit ist die politische und kirchliche Zugehörigkeit von Reinerz weitgehend identisch mit der Geschichte der Grafschaft Glatz. Als Ende des 16. Jahrhunderts die Herrschaft Hummel durch Verkauf der einzelnen Dörfer aufgelöst wurde, erwarb Reinerz 1595 das Gellenauer Vorwerk und wurde rentamtliche Kameralstadt. Der Dreißigjährige Krieg, unter dem es viele Plünderungen zu erleiden hatte, brachte eine wirtschaftliche Verarmung. 1648 wurde Reinerz königliche Stadt, 1684 folgte die Landstandschaft. Nach den Schlesischen Kriegen 1742 und endgültig nach dem Hubertusburger Frieden 1763 fiel es zusammen mit der Grafschaft Glatz an Preußen. 1844 vernichtete ein Feuer weite Teile der Stadt. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Reinerz seit 1815 zur Provinz Schlesien und war 1816–1945 dem Landkreis Glatz eingegliedert. Die Eisenbahnstrecke Glatz-Rückers erreichte 1902 Reinerz und wurde 1905 bis nach Kudowa verlängert. 1928 wurde die Stadtgemeinde Reinerz in Bad Reinerz umbenannt.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Bad Reinerz wie fast ganz Schlesien an Polen und wurde in Duszniki Zdrój umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben. Die neuen Bewohner waren zum Teil Heimatvertriebene aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war. In der Folgezeit entwickelte sich Duszniki Zdrój zu einem der beliebtesten Ferien- und Kurorte Polens.

Wirtschaftliche Entwicklung

Durch seine Lage an der bedeutenden Heer- und Handelsstraße Prag–Náchod–Glatz–Breslau erlebte Reinerz mehrere Perioden des wirtschaftlichen Aufschwungs und Wohlstands. Neben der Entwicklung durch den Badebetrieb und dem Aufstieg zum Kurort erlangen besondere Bedeutung:

Die Eisenerzgewinnung

Die Eisenerzlager von Reinerz und Umgebung waren seit Anfang des 15. Jahrhunderts bekannt. Wegen Abwanderung der protestantischen Bergleute in den Religionswirren nach dem Dreißigjährigen Krieg ging der Bergbau Ende des 17. Jahrhunderts ein. Durch Gründung einer Eisenschmelze und eines Hammerwerks im Schmelzetal (auch Weistritztal oder Grünwalder Tal genannt) versuchte 1822 Nathan Mendelssohn mit finanzieller Hilfe seines Bruders Joseph Mendelssohn den Bergbau wiederzubeleben. Die Grundsteinlegung für den Schmelzofen fand am 18. August 1823 statt, bald danach wurde der Betrieb der Eisenhütte aufgenommen. Das Unternehmen hatte jedoch keinen dauerhaften Erfolg. Vermutlich wegen der schweren Hochwasserschäden von 1827 und 1829 gab Nathan Mendelssohn den Betrieb, der unmittelbar an der Weistritz lag, Ende 1829 auf. Die Eisenhütte ging an den Berliner Maschinenbaumeister Franz Anton Egells über und soll noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestanden haben.

Die Papiererzeugung

Die alte Papiermühle wurde 1562 von dem aus Sachsen stammenden Papierfabrikanten Nikolaus Kretschmer übernommen und 1605 nach einer Überschwemmung neu errichtet. Sie war berühmt für die Herstellung von milbenfreiem Büttenpapier, das u. a. für die Urkunden des Heiligen Römischen Reiches verwendet wurde. Der Gründer Georg Kretschmer wurde von Kaiser Rudolf II. mit dem Zusatz von Schenkendorf geadelt. 1706 verkauften seine Nachkommen die Mühle an die böhmische Familie Heller. Seit 1822 war sie im Besitz der Familie Wiehr. 1937 wurde die Produktion eingestellt.

Weberei und Tuchhandel

Bereits vor 1583 entstand die Gilde der Tuchmanufaktur, die bis Ende des 18. Jahrhunderts Handelsbeziehungen bis nach Russland und China unterhalten haben soll. 1751 waren 106 Tuchmachermeister in der Gilde eingetragen. 1895 gründete Hermann Hanke eine mechanische Leinwandweberei. 1897 wurde eine Stickschule eröffnet.

Die Glasindustrie

Die Gegend von Reinerz war seit ältesten Zeiten ein bevorzugter Standort für Glashütten und Glasveredelungswerkstätten, die mit den Betrieben Friedrichsgrund und Waldstein der Gebrüder Rohrbach weitere Bedeutung erlangten. Zu den bereits existierenden Glasschleifereien eröffnete die Rückerser Firma Kristallglas-Hüttenwerke eine Niederlassung in Reinerz[2]. Sie firmierte unter der Bezeichnung „Reinerzer Kristallglaswerke F. A. Knittel“[3].

Sehenswürdigkeiten in der Stadt

Pfarrkirche (Ansicht von Norden)
  • Auf dem schräg abfallenden Ring stehen Bürgerhäuser aus der Renaissance- und Barockzeit. Das Rathaus an der Südwestseite des Rings wurde 1804 nach einem Brand neu errichtet.
  • Die barocke Mariensäule mit den Hll. Florian und Sebastian schuf 1725 der Liegnitzer Bildhauer Georg Leonhard Weber.
  • Die Pfarrkirche St. Peter und Paul (Kościół ŚŚ. Piotra i Pawła) wurde 1708–1730 an der Stelle einer früheren Kirche erbaut. Sie verfügt über eine kostbare Innenausstattung:
    • Den architektonischen Hochaltar schuf der Bildschnitzer Michael Kössler. Das Altarbild Abschied der Hll. Petrus und Paulus stammt von dem bekannten böhmischen Maler Peter Johann Brandl.
    • Die Walfischkanzel wurde von Pfarrer Heinel gestiftet und 1735 ebenfalls von Michael Kössler geschaffen. Es ein Kunstwerk mit theatralischer Wirkung: Der Prediger steht im Rachen des Fisches. Unter dem Maul befinden sich Engel und die vier Evangelisten, über dem Maul der Prophet Ezechiel. Darüber sind die vier Kirchenväter zu sehen und, vom Strahlenkranz umgeben, der leidende Christus, dessen Blut in einen Kelch strömt.
    • Der Renaissance-Taufbrunnen von 1560 wurde 1761 mit einem Aufsatz Taufe Christi von Michael Klahr d. J. verziert.
    • Der Nothelferaltar in der Seitenkapelle soll der schönste Altar des Glatzer Landes sein. Sein Schöpfer ist unbekannt.
  • In dem barocken Holzbau der Papiermühle wurde bis 1937 Büttenpapier hergestellt. Seit 1968 befindet sich in den Gebäudes das Museum der Papierherstellung (Museum Papiernictwa).
Gustav-Adolf-Kirche
  • Die evangelische Kirche wurde 1846 vom Gustav-Adolf-Verein errichtet, der den Kauf des Grundstückes, den Bau der Kirche und des Pfarrhauses finanzierte sowie den ersten Pfarrer Ablaß alimentierte. Sie war die älteste Gustav-Adolf-Kirche Deutschlands. Heute dient sie als Gotteshaus den Altkatholiken (Kościół Matki Bożej Różańcowej).
  • Die Dreifaltigkeitskapelle (Kaplica Trójcy Św.) auf dem Kapellenberg (Wzgórze Rozalli) wurde 1688 errichtet.

Geschichte des Bades

Das Kurviertel liegt auf der Gemarkung des früheren Dorfes Vorder-Kohlau, etwa 1 km südwestlich der Stadt Reinerz, mit der es durch eine Allee verbunden ist.

Die erste Quelle wurde 1408 erwähnt; für 1605 ist deren Nutzung für Heilzwecke belegt. Nach Entdeckung weiterer Quellen begann ab Anfang des 19. Jahrhunderts der Bau des Kurbades, das 1822 in städtischen Besitz überging. 1866 diente das Kurbad als Lazarett für die Kriegsverletzten des Deutschen Krieges. Die Kureinrichtungen, Sanatorien und Pensionen an den Hängen des Weistritztales wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts während der Amtszeit des Bürgermeisters Paul Dengler, der gleichzeitig Kurdirektor war, errichtet. Da mit den natürlichen Kohlensäurebäder gute Erfolge bei Koronaren Erkrankungen erzielt wurden, gehörte Reinerz Anfang des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Herzheilbädern Europas.

Die Quellen und ihre Heilwirkung

Die vier arsenhaltigen Kohlensäure-Stahlsprudel entspringen aus dem Glimmerschiefer des Reinerzer Tales. Sie werden als Bade- und Trinkkuren bei Herz-, Kreislauf-, Gefäß- und Stoffwechselkrankheiten sowie Nerven- und Frauenleiden verordnet. Auch das thermisch hochwertige Mineralmoor und eine Molkenkuranstalt wurden in früherer Zeit für Heilzwecke eingesetzt.

Sehenswürdigkeiten im Badebezirk

  • Das Kurtheater an der Promenade wurde Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet und 1997–1999 restauriert. 1897 errichtete die Reinerzer Stadtverwaltung vor dem Theater ein Chopin-Denkmal aus blauem Sylnit.
  • Die Trinkhalle mit Badehaus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Anfang des 20. Jahrhunderts um die steinerne Wandelhalle im venezianischen Stil erweitert.
  • Die neugotische Herz-Jesu-Kapelle (Kościół Najswiętszego Serca Pana Jezusa) wurde 1904 nach Plänen des Breslauer Diözesanbaumeisters Joseph Ebers errichtet. Die Innenausstattung lieferte der aus Schlaney gebürtige Architekt und Kirchenausstatter Joseph Elsner aus seinen Münchner Werkstätten.
  • Die Kirche im Franziskaner-Kloster (Kościół Św. Franciszka i Leonarda) wurde 1925 errichtet. Sie dient jetzt als Pfarrkirche für den Badebezirk.

Berühmte Besucher von Stadt und Bad

  • Am 17. August 1669 übernachtete der polnische König Johann II. Kasimir, nachdem er die Krone niedergelegt hatte, auf der Durchreise nach Frankreich im früheren Gasthof Zum Schwarzen Bären am Ring.
  • 1741 und 1778 der preußische König Friedrich der Große
  • 1790 Friedrich Wilhelm II., König von Preußen
  • 1813 und 1815 Zar Alexander von Russland
  • 1820 der Berliner Arzt Christoph Wilhelm Hufeland
  • 1823 besuchte der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy seinen Onkel Nathan Mendelssohn im Schmelzetal und wirkte an einem Konzert im Kurtheater mit. Das Lied Wer hat dich, du schöner Wald soll er hier komponiert haben.
  • 1826 war der polnische Komponist Frédéric Chopin auf Empfehlung seines Lehrers Joseph Xaver Elsner zur Kur in Reinerz und gab als damals Sechzehnjähriger im alten Kurtheater am 26. August sein erstes öffentliches Konzert außerhalb Kongresspolens. Zum Andenken an dieses Ereignis findet in Duszniki-Zdrój seit 1946 jährlich das Internationale Chopin-Klavierfestival statt. Auch der polnische romantische Dichter Zygmunt Krasiński weilte hier zur Kur.
  • 1835 Adalbert von Chamisso
  • 1861 der schlesische Schriftsteller und Schauspieler Carl von Holtei. Da er regelmäßig Bad Reinerz aufsuchte, ernannte ihn die Stadt im Jahre 1867 zu ihrem Ehrenbürger.

Umgebung

  • Unmittelbar am Kurpark beginnt ein weit verzweigtes Netz von Waldspazierwegen.
  • Die Baude Pod Muflonem (früher Stille Liebe) bietet einen schönen Ausblick in die Umgebung.
  • Ein beliebtes Ziel ist das Schmelzetal mit dem ehemaligen Eisenhammerwerk.
  • Das eingemeindete Dorf Zieleniec (Grunwald) an den Nordosthängen des Adlergebirges soll die höchstgelegene Ortschaft der Sudeten sein. Durch seine schneesichere Lage ist es ein bekannter Wintersportort.

Partnerstädte

Verweise

Literatur

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen Schlesien, München / Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 272–273
  • Hugo Weczerka (Hg.): Handbuch der historischen Stätten Schlesien, Stuttgart 1977 , S. 12–13
  • Verlag Aktion Ost-West e.V.: Das Glatzer Land. ISBN 3-928508-03-2, S. 90–92
  • Paul Dengler: Geschichte des Bades Reinerz. Verlag Pohl, Bad Reinerz 1903
  • Paul Preis: Musik- und Theaterleben von Stadt und Kreis Glatz, 2. Teil, Hg. Stadt Lüdenscheid 1969
  • Thomas Lackmann: Das Glück der Mendelssohns – Geschichte einer deutschen Familie; Berlin 2005, ISBN 3-351-02600-5, S. 116
  • Ilse Rabien: Die Mendelssohns in Bad Reinerz. In: Mendelssohn Studien, Band 7, ISBN 3-428-06975-7

Weblinks


Fußnoten

  1. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2007
  2. * Václav Šplichal, Jaroslav Šůla: Bedřichovsko-kaiserwaldský sklářský okruh. In: Kladský Sborník 5-2003, S. 138
  3. Adressenregister der Grafschaft Glatz. Marx-Verlag, Leimen/Heidelberg 1982, S. 20

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