Dölzschen


Dölzschen
Dölzschen
Stadtteil der Landeshauptstadt Dresden
Koordinaten: 51° 2′ N, 13° 41′ O51.02513.6875140Koordinaten: 51° 1′ 30″ N, 13° 41′ 15″ O
Höhe: 140–265 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Juli 1945
Postleitzahl: 01187
Vorwahl: 0351
Karte

Lage der Gemarkung Dölzschen in Dresden

Dölzschen ist ein Ortsteil der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Er hat 2.100 Einwohner und wird vom Ortsamt Cotta verwaltet.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Stadtteil Dölzschen liegt nahe der westlichen Stadtgrenze teilweise im Weißeritz-Tal (auch Plauenscher Grund genannt) und hauptsächlich auf den Höhen westlich der Elbe, angrenzend an die Stadtteile Plauen, Naußlitz, Löbtau und Roßthal. Im Westen grenzt er an die Fluren von Freital und dessen Ortsteil Pesterwitz. Dölzschen gehört zum statistischen Stadtteil Naußlitz, innerhalb dessen der Ortsteil den statistischen Bezirk 945 Dölzschen bildet. Der Stadtteil ist höhenmäßig stark gegliedert. Industrieansiedlungen sind im Weißeritztal entstanden (Niederdölzschen), die Wohngebiete entwickelten sich um den alten Dorfkern (Altdölzschen), an den Hängen des Plauenschen Grundes und am Hang zwischen dem angrenzenden Stadtteil Löbtau und Altdölzschen (Hohendölzschen). Bis an die westliche Stadtgrenze Dresden reicht ein noch im Bau befindliches Wohngebiet vorwiegend mit Reihenhäusern.

Geschichte

Archäologische Funde belegen eine steinzeitliche und bronzezeitliche Besiedlung der Dölzschener Höhen. Das aus einer slawischen Siedlung hervorgegangene Dorf wird als Deltsan 1144 in einer Urkunde König Konrad III. als Besitzung des Domstifts Meißen erstmals genannt. Eine legendäre Burganlage Thorun, die man zwischen Dölzschen und Pesterwitz vermutet, wird 1206 erwähnt. Bis nach 1559 blieb das Dorf Meißen zugehörig, später wird eine Familie von Nimptsch als Grundbesitzer genannt. Auf einer historischen Karte der Umgebung Dresdens von 1757 heißt der Ort Toltzschen. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert sind um Dölzschen mehrere Bergwerke nachweisbar, die überwiegend im Plauenschen Grund unterhalb des Dorfes angelegt wurden und wenig ertragreich waren. 1813 wurde Dölzschen während des Angriffs der Verbündeten gegen das französisch besetzte Dresden weitgehend zerstört, nur ein Gehöft überstand die Kämpfe.

Mit dem Wiederaufbau begann auch die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie im Plauenschen Grund: eine Brauerei, Steinbrüche, Steinschlagwerke, eine Mühle mit Brotfabrik, ein Eisenhammerwerk. Mit der Anlage der Steinbrüche verschwanden die Weinberge des Plauenschen Grundes. Eine Schule bekam Dölzschen schon 1840, ein größeres Schulhaus wurde 1898 gebaut, die heutige 81. Grundschule. 1889 hat man eine sehr steile Straße als Verbindung des Plauenschen Grundes mit Altdölzschen, die heutige Serpentinstraße, gebaut. Nach 1900 wuchsen die Wohngebiete allmählich die Hänge hinauf. 1923 wurden die Nachbargemeinde Roßthal, zu der auch die ehemalige Gutsarbeitersiedlung Neunimptsch gehörte, zu Dölzschen eingemeindet, mit der Eingemeindung Dölzschens in die Stadt Dresden im Jahr 1945 ist dieser Vorgang hinfällig geworden. Bei den Luftangriffen 1945 entstanden in Dölzschen nur geringe Schäden. Die Industrieansiedlungen im Plauenschen Grund verloren nach dem Krieg zunehmend an Bedeutung, nur das Eisenhammerwerk ist heute noch in Betrieb.

Der Stadtteil Dölzschen wird von Wohnsiedlungen mit Villen, Einfamilien- und Reihenhäusern dominiert und ist von Grüngebieten umgeben. An den dörflichen Ursprung erinnert der alte Dorfkern (Altdölzschen) und die Felder im Stadtteil und in der nahen Umgebung, hinzu kommen mehrere Kleingartenanlagen, Felder, Parks und eine Freibadanlage.

Wirtschaft

Blick auf die Hänge Dölzschens mit Weißeritztalbrücke und Begerburg

Die wirtschaftliche Bedeutung Dölzschens ist heute gering, nur das Eisenhammerwerk Dölzschen und landwirtschaftliche Betriebe sind noch nennenswert. Die Einwohner arbeiten größtenteils in den benachbarten Städten Dresden und Freital.

Verkehr

Der Stadtteil ist durch die DVB-Buslinie 62 an die Stadt angeschlossen, diese hat in Altdölzschen ihre Endhaltestelle („Dölzschen“). In 15 Minuten erreicht man das Zentrum Dresdens. Die Buslinie verkehrt über die wichtigen Innenstadthaltestellen der Straßenbahn „Prager Straße“ und „Pirnaischer Platz“ bis in die Johannstadt und zum Universitätsklinikum.

Eine Besonderheit ist die Bundesautobahn 17, die Dölzschen in dem 1.070 m langen Dölzschener Tunnel unterquert, auf einer Tunnel-Brücken-Konstruktion den Plauenschen Grund überwindet und in einem weiteren Tunnel, dem 2.350 m langen Coschützer Tunnel weitergeführt wird. Dölzschener Autofahrer erreichen in wenigen Minuten die nächstgelegene Auffahrt der BAB 17 in Dresden-Gorbitz.

Grabstein Victor Klemperers in Dresden-Dölzschen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Der „Naturheilverein Dresden-Löbtau und Umgegend“ wurde 1870 gegründet und legte in Dölzschen ein Licht- und Luftbad an, das später um ein Wasserbecken erweitert wurde. Heute in einer parkähnlichen sehr gepflegten Anlage gelegen wird dieses Freikörperkultur-Bad gern von Dresdnern besucht. Ein besonderer Aussichtspunkt ist das sogenannte Kanapee, ein Felsvorsprung über dem Plauenschen Grund, auf dem heute die Begerburg oberhalb der Autobahnbrücke der BAB 17 steht. Sie wurde zu einem Wahrzeichen Dölzschens. Von dort kann man weite Teile des Plauenschen Grundes einsehen. Der Dölzschener Gutsbesitzer Beger ließ nach 1852 anstelle mehrerer Vorgängerbauten(u.a. Carlsburg von 1742) im neogotischen Stil eine Villa errichten. An der Villa vorbei führt ein steiler Fußweg durch die früheren Weinberge hinab ins Weißeritztal. Wegen der direkt unter der Begerburg beginnenden Sprengungen beim Autobahnbau ab Oktober 2000 musste die Villa aufwendig gesichert werden, 1997 war es dort zu einem gewaltigen Felssturz gekommen.

Auf dem 1923 angelegten Dölzschener Friedhof ruht der Sprach- und Literaturwissenschaftler Victor Klemperer, der bis 1960 viele Jahre in Dölzschen gelebt hat. In der kleinen Friedhofskirche finden ab und zu Konzerte statt.

Öffentliche Einrichtungen

  • 81. Grundschule mit Hort
  • Sportplatz der SG Dölzschen 1928
  • Luftbad Dölzschen (FKK-Bad)

Literatur

  • Cornelius Gurlitt: Dölzschen. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, 24. Heft: Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1904, S. 37.

Weblinks

 Commons: Dölzschen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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