D’Artagnan


D’Artagnan
D'Artagnan-Statue von Gustave Doré in Paris

Charles de Batz de Castelmore, comte d'Artagnan (* zwischen 1611 und 1615 bei Lupiac (Gers); † 25. Juni 1673 in Maastricht) machte unter Ludwig XIV. eine brillante Karriere bei den französischen Musketieren der Garde. Er fiel im Französisch-Niederländischen Krieg bei der Belagerung von Maastricht. Sein ereignisreiches Leben inspirierte unter anderem Alexandre Dumas (den Älteren), der bekanntlich sehr frei mit der historischen Wahrheit umging, zu dem berühmten Roman Die drei Musketiere und seinen beiden Fortsetzungen.

Inhaltsverzeichnis

Verwandtschaft und Jugend

D'Artagnan wurde auf Schloss Castelmore bei Lupiac in der Gascogne (Gers) geboren. Er war der Sohn des Bertrand de Batz-Castelmore, dessen Familie zum jungen Adel zählte, und der Françoise de Montesquiou, Tochter des Herren von d'Artagnan aus der Bigorre, einem Mitglied der einflussreichen Familie Armagnac. Er hatte acht oder neun Geschwister, von denen er einer der jüngsten war. Nach dem Tod seines ältesten Bruders erhielt er den Grafentitel Comte d'Artagnan. Er heiratete 1659 die wohlhabende Witwe Charlotte-Anne de Chanlecy, Dame de Sainte-Croix, jedoch wurde die Ehe bereits 1665 wieder aufgelöst. Seine Frau zog sich auf ihre Güter in Burgund zurück, wo sie 1683 starb. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, die beide nach dem König Louis hießen. Louis Comte d’Artagnan (1660-1709) und der zweitgeborene Louis Chevalier d’Artagnan (1661-1714). Letzterer hatte auch einen Sohn Louis Gabriel (1710-1783), Marquis de Castelmore d’Artagnan, der aber keine Nachkommen hatte[1].

Sein Vater soll der Anführer der Leibgarde von Heinrich IV. gewesen und bei dem Versuch, dessen Leben zu retten, getötet worden sein.

Einige seiner Brüder waren ebenfalls bei den Musketieren. Der älteste Charles diente seit 1633 dort und starb wenige Jahre später, vielleicht bei einem Duell. Paul, der darauf das Erbe antrat, diente dort ebenfalls und wurde 1640 bei der Belagerung Turins schwer verwundet.

D’Artagnan

Soldatenlaufbahn

D'Artagnan wollte wie seine Brüder bei den Musketiers aufgenommen werden. Also reiste er um 1640 unter dem in höfischen Kreisen bekannteren Namen der Familie seiner Mutter nach Paris, wo sein Anliegen aufgrund der Tatsache, dass er nie einen militärischen Dienst geleistet hat, vorerst abgelehnt wurde. Monsieur de Treville, ein enger Freund der Familie, nutzte seinen Einfluss, um ihn zunächst in der Compagnie des Essarts des Gardes Françaises in Fontainebleau unterzubringen (1640). Mit dieser nahm er an der Kampagne des Roussillon und an den Feldzügen in Flandern unter Turenne teil.

Im Jahr 1644 trat er der Haustruppe der Musketiere bei. In dieser Eigenschaft führte er Missionen für den Kardinal Mazarin durch, den Paten des jungen Königs und Berater der Königinmutter und Regentin Anna von Österreich, der ihn 1646 zum Kurier ernannte (teils Bote und Diplomat, teils Geheimagent). Wegen seiner zuverlässigen Dienste, unter anderem im Rahmen der Bekämpfung des Fronde-Aufstandes (außerdem begleitet er Mazarin 1651 ins Exil nach Brühl), wurde er 1652 zum Leutnant befördert. Sein Vorgesetzter war Philippe-Julien Manzini, der Neffe Mazarins, der aber lieber als Kunstliebhaber in Italien lebte und d’Artagnan alle Geschäfte überließ. 1656 wurde er Capitaine des gardes, wobei ihm die zum Kauf der Stelle notwendigen 80.000 Livre von Colbert, einem weiteren Vertrauten Mazarins, zur Verfügung gestellt wurden. Als die erste Kompanie der Musketiere (auch nach der Robe „graue Musketiere“ genannt) 1657 reformiert wurde, wurde er Unterleutnant. Er eskortierte im Jahr 1660 den jungen Ludwig XIV. zu seiner Eheschließung mit der Infantin Maria Theresia von Spanien nach Saint-Jean-de-Luz. Die Reise durch den Süden Frankreichs dauerte fast ein Jahr, und d’Artagnan konnte dabei am 26. April das Grab seiner Eltern in Castelmore besuchen.

Ludwig XIV., den d’Artagnan schon als Kind in den gefährlichen Zeiten der Fronde bewachte, vertraute ihm absolut und betraute ihn mit geheimen und heiklen Missionen, die völlige Diskretion erforderten. D'Artagnan gelangte vor allem für die überraschende Festnahme des Oberintendanten der Finanzen Nicolas Fouquet am 5. September 1661 zu Berühmtheit.

Fouquet, bestrebt den Platz des am 9. März verstorbenen Mazarin als erster königlicher Berater einzunehmen, stieß damit auf den Widerstand des ehrgeizigen Colbert. Er war einer der größten Kunstförderer der damaligen Zeit. Mit dem Bau und der Ausschmückung seines Schlosses Vaux-le-Vicomte beauftragte er den Architekten Louis Le Vau, den Maler Charles Le Brun und den Gartenarchitekten André Le Nôtre, die später am Schloss Versailles arbeiten sollten. Nach der Vollendung des Baus ließ er am 17. August 1661 von François Vatel eines der bis dahin größten und extravagantesten Feste ausrichten, das Frankreich je gesehen hatte. Jedem der anwesenden Gäste wurde ein Pferd geschenkt. Der König war auf dieses Ereignis neidisch und vermutete, dass so ein Fest nur bezahlt werden konnte, in dem Fouquet Teile des königlichen Vermögens entwendet hätte. Mit der Festnahme wurde am 5. September 1661 d'Artagnan beauftragt, und er war in den Folgejahren auch mit der Überführung des Gefangenen an die verschiedensten Orte betraut, nach dem Schloss von Angers, Vincennes, der Bastille und schließlich im Jahr 1664 in die Festung von Pignerol, wo ihn sein von ihm dazu empfohlener Kamerad Saint-Mars bewachte. Im Jahr 1671 war er für die Überführung des Herzogs von Lauzun in die gleiche Festung verantwortlich. Wie Madame de Sevigne berichtet, behandelte er seine Gefangenen dabei so taktvoll wie möglich.

Schloss von Castelmore

D'Artagnan wurde weiter 1667 zum Kapitän (capitaine-lieutenant) der ersten Kompagnie der Musketiere und Brigadier der Kavallerie ernannt und zum Grafen erhoben. Er erfuhr die Krönung seiner Karriere in der Ernennung (in Vertretung von Marschall d’Humiéres, der ins Feld zog) zum Gouverneur von Lille 1672, das erst fünf Jahre zuvor an Frankreich gefallen war. Doch lag ihm sein neues Amt nicht, wo er besonders mit den Ingenieuroffizieren Vaubans, die Lille zur Festung ausbauten, in Konflikt geriet. Als d’Humiéres im Winter 1672 zurückkehrte zog er selbst ins Feld im Französisch-Niederländischen Krieg. Während der Belagerung von Maastricht 1673, unter Oberbefehl des Königs selbst, waren die Musketiere d’Artagnans am 24. Juni an der nächtlichen Eroberung einer vorgeschobenen Bastion („Lunette“) vor dem Tongerse-Tor der Festung beteiligt, die jedoch am folgenden Morgen von den Holländern zurückerobert wurde. D’Artagnan ließ sich vom Herzog von Monmouth am selben Tag (Sonntag den 25. Juni) zu einem Gegenangriff überreden, der erfolgreich durchgeführt wurde. D’Artagnan zerriss dabei allerdings eine Musketenkugel die Kehle und er starb kurz darauf, nicht nur von seinen Musketieren, sondern auch vom König betrauert. Die Festung kapitulierte kurz darauf am 30. Juni, wurde aber fünf Jahre später wieder an die Niederlande zurückgegeben, nachdem Wilhelm von Oranien sich durch Heirat mit einer Stuart England angenähert hatte.

Es gibt von d’Artagnan nur ein unsicheres, oben wiedergegebenes Portrait. Das Schloss Castelmore, in dem er geboren wurde, existiert noch in Lupiac, wo sich auch ein ihm gewidmetes Museum befindet. Statuen von ihm befinden sich im Waldeck-Park in Maastricht, in Auch in der Gascogne und am Place du Général Catroux in Paris. Sein Grab ist unbekannt, doch machte die französische Historikerin Odile Bordaz, Autorin einer Biographie von d´Artagnan und Museumsleiterin im Schloss Vincennes 2008 eine Grablegung in der nächstgelegenen katholischen Kirche, St. Peter und Paul in Wolder (heute Teil von Maastricht) wahrscheinlich, da es damals bei gefallenen Offizieren so üblich war. Sie beantragte eine Ausgrabungsgenehmigung[2].

Fiktion

Das Leben D'Artagnans wurde die Grundlage für Gatien de Courtilz de Sandras’ Roman „Les mémoires de M. d'Artagnan“ von 1700. Sandras (1644-1712) war ein ehemaliger Soldat und Autor von Roman-Biographien. Er scheint die Geschichten über d’Artagnan bei einem seiner längeren Aufenthalte in der Bastille gehört zu haben, wo der Gouverneur Besmaux ein ehemaliger Kamerad d’Artagnans war, der im selben Jahr wie er den Musketieren beitrat. Außerdem verarbeitete er alte Zeitungsberichte und Erzählungen, die er selbst als ehemaliger Soldat bei den Musketieren hörte.

Alexandre Dumas benutzte Sandras’ Roman als Hauptquelle für seine drei D'Artagnan-Romane, „Die drei Musketiere“, „Zwanzig Jahre später“ und „Der Vicomte von Bragelonne“, die D'Artagnans Leben von seinem glorreichen Aufstieg bei Gascony bis zu seinen Tod bei Maastricht erzählen.

Literatur

  • Dictionnaire d'Histoire de France. Ed. Perrin, Paris 2002 ISBN 2-262-01321-7
  • de Sandras: Ich d’Artagnan. Kiepenheuer 1994 (mit dem Nachwort des Übersetzers Friedrich Wencker-Wildberg aus der Ausgabe von 1919)
  • Jean-Christian Petitfils: Le Véritable D'Artagnan. Tallandier, 2002 (nouvelle éd.)
  • Jean de Jaurgain: Troisvilles, d’Artagnan et les trois Mousquetaires - Etudes biographiques et héraldiques. Champion, Paris 1910
  • Charles Samaran: D’Artagnan, Capitaine des Mousquetaires du Roi- histoire véridique d’un héros de roman. Calmann levy, Paris 1912
  • Odile Bordaz: Sur les chemins de D‘Artagnan et des Mousquetaires – Lieux et itinéraires, Balzac Éditeur, Collection:L’Envers du décor, 2005
  • Odile Bordaz: D'Artagnan. Mousquetaire du Roy – Sa Vie, son époque, ses contemporains, Balzac Éditeur, 1998, 2001

Film

In den Filmen, die das Thema der Drei Musketiere oder das Leben von d'Artagnan aufgreifen, wurde dieser von folgenden Schauspielern dargestellt:

  • Aimé Simon-Girard, in Les trois mousquetaires (1921)
  • Walter Abel, in The Three Musketeers (1935)
  • Gene Kelly, in The Three Musketeers (1948)
  • Maximilian Schell, in The Three Musketeers (TV Film) (1960)
  • Gerard Barray, in Les trois mousquetaires (1961)
  • Sancho Gracia, Los Tres Mosqueteros (TV Serie) (1971)
  • Michael York, in The Three Musketeers (1973), The Four Musketeers (1974), The Return of the Musketeers (1989), und La Femme Musketeer (TV Miniserien) (2003)
  • Mikhail Boyarsky, in d'Artagnan and Three Musketeers (1978) und die Fortsetzungen (1992, 1993)
  • Louis Jourdan, in The Man in the Iron Mask (TV Film) (1977)
  • Cornel Wilde, in The Fifth Musketeer (1979)
  • Chris O’Donnell, in The Three Musketeers (1993)
  • Philippe Noiret, in „D'Artagnan's Daughter“ (1994)
  • Gabriel Byrne, in The Man in the Iron Mask (1998)
  • Justin Chambers, in The Musketeer (2001)


Weblinks

Quellen

  1. Nachkommen und Verwandtschaft nach Nachwort von Wencker-Wildberg in de Sandras Ich d’Artagnan, Kiepenheuer 1994
  2. Hamburger Abendblatt, 19.11.2008


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