EOKA


EOKA

Die EOKA (griechisch: Εθνική Οργάνωσις Κυπρίων Αγωνιστών, Ethniki Organosis Kyprion Agoniston , nationale Organisation zypriotischer Kämpfer) war eine griechisch-zypriotische militärische Widerstandsorganisation, die Ende der 1950er Jahre für die Selbstbestimmung und den Anschluss an Griechenland (Ενωσις) kämpfte. Seit Zypern britisch okkupiert war, erstrebte es die Souveränität mit allen Mitteln. Dazu zählten Sabotage und terroristische Gewalt gegen britische Einrichtungen und gegen türkischen Zyprioten, bewaffnete Angriffe auf britische Truppen und passiver Widerstand des Volkes. Großbritanniens konservative Regierung hatte Anfang der 1950er Jahre beschlossen, seine Militärstützpunkte aus dem Sues-Gebiet nach Zypern zu verlegen, so dass dort eine starke britische Militärpräsenz entstanden war.[1]

Inhaltsverzeichnis

Ausgangslage

Viele griechische Zyprioten sahen die EOKA als heroische Bewegung zur Befreiung Zyperns von der britischen Vorherrschaft an. Gleichwohl behaupten einige andere, besonders die kommunistische Partei Zyperns AKEL, dass sie für das Zustandekommen der Zürich-Londoner Verträge verantwortlich gewesen seien. Außerdem prangerte die AKEL ihre Aktivitäten bei der Ermordung von Zyprioten mit anderen politischen Ansichten oder anderer (türkischer) ethnischer Zugehörigkeit öffentlich an. Trotz der Übereinstimmung im Ziel, den Anschluss an Griechenland, widersetzte sich die AKEL der Militanz der EOKA und bevorzugte Streiks und Demonstrationen. Die kommunistische Partei Griechenlands enthüllte den realen Namen des EOKA Führers Georgios Grivas über ihre Radiostation in Osteuropa. Andererseits wird behauptet, die Briten hätten von Anfang an über Georgios Grivas Bescheid gewusst, ihn aber wegen seiner Morde an griechisch-zypriotischen Kommunisten nicht inhaftiert.

Es ist behauptet worden, dass ein Teil des EOKA-Programms einen Angriff auf die türkischen Zyprioten darstelle, von denen die meisten einen griechischen Anschluss Zyperns nicht akzeptieren wollten, und dass der Aufstand der EOKA eine Verschlechterung der Beziehungen auf kommunaler Ebene ausgelöst habe. Gegen diese Behauptung steht die Tatsache, dass es solange zu keinen Gewaltausbrüchen auf kommunaler Ebene kam, bis die Briten Spezialpolizeieinheiten zur Bekämpfung der EOKA aufstellten, die vollständig aus türkisch-zyprischen epikourikoi bestanden.

Tatsächlich stand die Insel im Sommer 1958 am Rande eines Bürgerkriegs, als die türkischen Zyprioten sich gegen die griechischen Zyprioten wandten. Es richteten EOKA-Kämpfer ihre Angriffe gegen Zyprioten, die sowohl Griechen als auch Türken waren und die britische Präsenz unterstützten oder darüber hinaus Namen und Verstecke ihrer Mitglieder verrieten. Die britische Kolonialregierung schien eine Politik des „Teile und Herrsche“ zu betreiben.

An Stelle einer überlegten Politik stellten sie Spezialpolizeieinheiten allein mit türkischen Zyprioten zusammen, um die zyperngriechische Bewegung mit Gewalt zu brechen. Dadurch und durch die große Zahl britischen Militärs auf der Insel sowie der Fähigkeit Großbritanniens, mehr zu holen, sah die EOKA ihre Unternehmungen als Angriff auf die britische Regierung, während die türkischen Zyprioten sie häufig als direkten Angriff gegen die türkisch-zypriotische Gemeinschaft ansahen (obgleich die türkischen Zyprioten auch eine ihrer eigenen Organisationen – T.M.T – TAKSIM – Abteilung Zypern - aufgestellt hatten) und so begann die zwischengemeindliche Aufspaltung.

Aufstand

Organisator der Bewegung war Georgios Grivas, ein Oberst der griechisch- zypriotischen Armee. Grivas gab sich den Kampfnamen Digenis (Zwei Menschen) zu Ehren der Heldenlegende Digenis Akritas, der im Mittlelalter Byzanz vor Eindringlingen geschützt hatte. Die EOKA wurde insgeheim unterstützt durch die griechische Regierung mit Waffenlieferungen, Geld und Athener Rundfunkpropaganda.

Der Aufstand der EOKA begann am 1. April 1955. Über 30.000 britische Soldaten wurden zur Bekämpfung der Organisation eingesetzt, die nach offizieller Verlautbarung das Leben von 104 britischen Soldaten gefordert hatte.

Ende der Kampagne

Die Aktionen der EOKA wurden offiziell am 9. März 1959 in Reaktion auf die Unterzeichnung der Zürich- Londonverträge eingestellt, die am 19. Februar 1959 mit der Gründung der Unabhängigen Republik Zypern erfolgte.

Die tatsächliche Unabhängigkeit wurde offiziell am 16. August 1960 erklärt. Jedoch wurde speziell die Regelung gestrichen, die die von der EOKA gesuchte Enosis – den Anschluss an Griechenland betraf. Dies führte bei einem Teil der griechischen Zyprer zu Unzufriedenheit, die die Ereignisse der folgenden Jahre prägte. Siehe Geschichte Zyperns.

EOKA-B

Die EOKA-B war eine griechisch-zypriotische, rechte, pro Enosis ausgerichtete, paramilitärische Organisation, die 1971 gegründet und durch die griechische Junta gefördert wurde. Als Georgios Grivas nach Zypern 1971 zurückkehrte, schlug er sich auf die Seite der EOKA-B in Reaktion auf Präsident Makarios' scheinbarer Absage an die Enosis.

Während die EOKA (1955-59) bei der Mehrheit der griechischen Zyprioten als antikoloniale Freiheitskämpfer in Ansehen stand, fand die EOKA-B nicht die gleiche überwältigende Unterstützung. Die griechisch-zypriotische Bevölkerung war durch die unübersehbare Verstrickung der EOKA-B mit der unpopulären griechischen Junta skeptisch, und nach elf Jahren Unabhängigkeit kühlte das Enosis-Gefühl ab, unter anderem durch die neutrale Führung der unabhängigen Republik durch Makarios. Die Popularität der EOKA-B erreichte einen weiteren Tiefpunkt nach Angriffen auf griechisch-zypriotische Sozialisten und Unabhängigkeitskämpfer, sowie dem Mord am Regierungsminister Polycarpos Georgadjis und einem missglückten Attentat auf Makarios selbst.

Als Grivas im Januar 1974 an einem Herzinfarkt gestorben war, geriet die neue Führung der EOKA-B zunehmend unter direkten Machteinfluss der Athener Militärjunta. Am 15. Juli 1974 begann die EOKA-B – unter Zustimmung des griechischen Diktators Ioannidis und Hilfe der Nationalgarde - einen Militärputsch, stürzte Makarios und machte Nikos Sampson zum Präsidenten von Zypern. Diese Aktion wurde Auslöser der türkischen Militärinvasion am 20. Juli, die zur fortwährenden türkischen Besetzung von über einem Drittel des Inselgebietes führte.[2]

Einzelnachweise

  1. Niels Kadritzke, Wolf Wagner: Im Fadenkreuz der Nato. Ermittlungen am Beispiel Cypern. Berlin 1976, S. 33–44
  2. Niels Kadritzke, Wolf Wagner: Im Fadenkreuz der Nato. Ermittlungen am Beispiel Cypern. Berlin 1976, S. 57–98

Literatur

  • Charles Foley: Legacy of Strife. Cyprus from Rebellion to Civil War. London 1964
  • Niels Kadritzke, Wolf Wagner: Im Fadenkreuz der Nato. Ermittlungen am Beispiel Cypern. Berlin 1976, ISBN 3-88022-147-2, mit Bibliographie
  • Willy Klawe: Zypern. Ein politisches Reisebuch. Hamburg 1988, ISBN 3-87975-443-8

Siehe auch


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