Eckersmühlen (Roth)


Eckersmühlen (Roth)
Eckersmühlen
Stadt Roth
Koordinaten: 49° 13′ N, 11° 9′ O49.21694444444411.145277777778398Koordinaten: 49° 13′ 1″ N, 11° 8′ 43″ O
Höhe: 398 m ü. NN
Einwohner: 2846 (9. Jan. 2009)
Eingemeindung: 1978
Postleitzahl: 91154
Vorwahl: 09171

Eckersmühlen ist seit dem 1. Mai 1978 ein Stadtteil der Kreisstadt Roth des mittelfränkischen Landkreises Roth.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der 2733 Einwohner zählende Ort[1] liegt auf 398 m über NN. Bei Eckersmühlen vereinigt sich die Roth, ein rechter Nebenfluss der Rednitz mit der aus Allersberg kommenden Kleinen Roth. Zwischen Eckersmühlen und dem Rothsee liegt der Main-Donau-Kanal mit der Schleuse Eckersmühlen.

Geschichte

Gemeindewappen Eckersmühlen aus dem Jahr 1959

Es ist sehr selten, dass Urkunden und Akten für ein Dorf so zahlreich und ab 1300 so zusammenhängend vorgefunden werden, wie es für Eckersmühlen der Fall ist. Der Kenner vermag sogar Rückschlüsse auf Bamberger Lehen aus dem 11. Jahrhundert zu ziehen.

Einem Ortsritter Oegger, Otger oder Oker, nach dem der Ortsname entstanden sein dürfte, kann man vielleicht um 1100 die Errichtung einer Eigenmühle an schwieriger Stauwehranlage und möglicherweise auch den Bau eines Ritterkirchleins zum heiligen Georg zuschreiben. Da die ältesten Lesarten für den Ortsnamen Oecgersmul lauten, mag diese Erklärung als schlüssig gelten. Doch tauchten im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neue Schreibweisen des Ortes Eckersmühlen auf.

Der Standplatz der Wasserschutzburg jenes Ritters Oegger ist im Burgstall als Flurname, gleichzeitig als Grundstück zur Mühle erhalten. Die Ursiedlung, etwa aus der Zeit der Bamberger Verwaltung, gruppierte sich um eine Hügel-Turmburg auf nördlicher Anhöhe an der Roth, an dem eine erste kleine Mühle und später eine Mühle (mit Mühlbach) erbaut worden waren.

Eine dritte Turmburg hatten die Herren von Stein vermutlich in der „kaiserlosen Zeit“, dem sogenannten Interregnum (1250-1273) zur Beherrschung des Dorfes in der Leithen errichtet. Abgaben und Verkauf dieser Burg an den Deutschen Orden sind bekannt.

Etwa um 1300 dürfte die eichstättische Willibaldskirche erbaut worden sein. Um diese Zeit waren die Höfe und Gütlein des Dorfes in Händen Nürnberger Patrizier, der Holzschuher, Ebner, Küdorfer und Stromayer.

Zwischen 1376 und 1448 kam der größte Teil dieser Besitzungen an das Elisabethenspital des Deutschen Ordens in Nürnberg, während andere durch Stiftung oder Kauf in das Eigentum der Marienkirche in Roth übergingen. Ebenso taucht um diese Zeit Eckersmühlen in bayerischen Urkunden als Edelsitz mit Schloss auf, das in der Hand der Herren Propst lag und von diesen auf das Geschlecht der Haarlacher überging.

Das gute Gefälle der Roth führte um 1420 (fast gleichzeitig mit Nürnberg und Roth) zur Einführung des mechanischen Eisen-Drahtzuges bei der Mühle im Dorf und 100 Jahre später zur Einrichtung eines Messinghammers. So wird aus dem Jahr 1562 berichtet, dass Michael Peßmüller von Markgraf Georg Friedrich dem Älteren von Brandenburg erbrechtsweise den Messing- und Zainhammer von Eckersmühlen empfing. Der Zainhammer war ein Hammerwerk, mit dem Eisen, Messing oder Kupfer zu Zainen (Stäben) geschmiedet wurden. Diese Zainschmieden ermöglichten die Metallverarbeitung und gaben Arbeit und Brot im damaligen Eckersmühlen.

Das Jahr 1615 brachte die Errichtung einer Schule. Christof Dreher war der erste Schulmeister, der am 12. März 1616 seinen Dienst antrat. Seine Aufgaben werden im Schwur, den er zu leisten hatte, umschrieben: „Ein Schulmeister soll den Amtsleuten zu Roth mit handgebender Treue angeloben und einen leiblichen Eid leisten, dass er der Herrschaft Brandenburg des Dorfs, Gotteshaus und Almosen Frommen und Nutz fördern und desselben Schaden verhüten helfe, den Schul- und Mösnerdienst mit allem Fleiß obwarte, die ihm anvertrauten Kinder zur Gottesfurcht, Ehr, Kunst, Zucht und rühmlichen Willen unterrichten mit Lesen, Schreiben und Rechen, sonderlich im Katechismus Augsburger Konfession unterweisen, die Wohnung im baulichen Wesen erhalten, auch den Ornat und was ihm in der Kirche vertraut wird, fleißig in acht nehmen und verwahren, auch jährlich darum Beicht und Rechenschaft geben, ebenfalls soll er die Uhr mit Fleiß richten und versehen, sowohl sich Gott und weltlich Obrigkeit verantworten muss. Das helfe Gott der Allmächtige“.

In den Jahren 1631/32 verwüsteten Tillys Reiter den Ort und das Schlösschen im Dorf und noch zwei Jahrzehnte danach lagen einige Höfe in Schutt und Asche.

In den Jahren 1709/10 ließ der Markgraf von Brandenburg-Ansbach die überaus baufällige Kirche abreißen und durch einen barocken Neubau ersetzen (Kosten 3609 Gulden und 24 Kreuzer). Der Baumeister war der Graubündner Lorenzo Salle. Zuerst war nur daran gedacht, den schadhaften Turm zu ersetzen, dann wurde aber auch das Langhaus ganz abgetragen, sonst hätte man - wie der damalige Pfarrer schreibt - „über einige Jahre wieder und also immer ausflicken müssen“.

Als der Deutschordens-Messinghammer unterhalb der Mühle im Dorf durch Nürnberger Handelsleute zum Kupferschmieden eingerichtet wurde, ging das Oberamt Roth nach Verwarnung energisch vor und ließ den Betrieb 1742 gründlich zerstören. Daraus entwickelte sich ein umständlicher Prozess beim Reichskammergericht Wetzlar zwischen der Deutschordensverwaltung Mergentheim und dem Fürstentum Ansbach-Brandenburg, der nach 65 Jahren bei der Auflösung dieser fürstlichen Stände noch nicht beendet war.

Von den Söhnen des Pfarrdorfes Eckersmühlen widmete sich Lorenz Friedrich Vogtherr dem „Studium der Gottesgelehrtheit“. Er besuchte 1776 die Universität Altdorf und 1778 die Universität Erlangen und starb 1826 als Pfarrer von Haundorf.

Das Ortsverzeichnis von Franken aus dem Jahr 1799 bezeichnet Eckersmühlen als evangelisches Pfarrdorf nahe der pfalz-neuburgischen Grenze im ansbachischen Kameraloberamt Roth.

Nach dem Verkauf der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach 1791 kam auch Eckersmühlen kurzweilig an das Königreich Preußen – der letzte Markgraf Karl Alexander zog sich als „Rentner“ nach England zurück. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 kam Eckersmühlen zum Königreich Bayern. Seit der Bildung der Gemeinde Eckersmühlen (1818: 319 Einwohner) im vorletzten Jahrhundert gehören dazu die Orte Hofstetten (1818: 81 Einwohner) und Haimpfarrich (1818: 46 Einwohner) und die Einöden Leonhardsmühle (1818: 18 Einwohner), Brückleinsmühle (1818: 8 Einwohner), Wallersbach (1818: 17 Einwohner), Kupferhammer (1818: 7 Einwohner) und Eisenhammer (1818: 5 Einwohner).

Am 24. Dezember 1882 wurde eine Freiwillige Feuerwehr mit Anschluss von Hofstetten und Haimpfarrich unter den Namen "Freiwillige Feuerwehr Eckersmühlen" im Liegel'schen Gasthaus (heute Gugel)gegründet. Es gab damals 65 Gründungsmitglieder. Bereits 1883 erwarb die Wehr eine Bottichspritze mit 45 Druckschläuchen. Erster Vorstand war damals der Hammerbesitzer des Eisenhammer Michael Schäff, Kommandant wurde der Werkmeister Joh. Eisenhöfer. Zur Alarmierung hatten Wehrangehörige 4 Fahrräder zur Verfügung gestellt um ein schnelles Erreichen der Mannschaften in Hofstetten und Haimpfarrich zu gewährleisten.

1936 wurde im Rahmen der Aufrüstung der Deutschen Wehrmacht in der Nähe von Eckersmühlen der Fliegerhorst Roth eingerichtet. Roth war bis Kriegsbeginn (1. September 1939) Sitz des Stabes der Luftflotte 3 (Befehlshaber Generalfeldmarschall Hugo Sperrle vom 1. Februar 1939 bis September 1944) mit den unterstellten Verbänden der 5. (Gersthofen/Augsburg) und 6. Flieger-Division (Frankfurt a.M.) sowie den unterstellten Luftgau-Kommandos VII (München), XII (Wiesbaden) und XIII (Nürnberg). Nach Ende des Westfeldzuges bezog die Luftflotte 3 ihr Hauptquartier in Paris und stellte mit ihren Verbänden die deutschen Hauptkräfte bei der „Luftschlacht um England“. Das Einsatz- und Operationsgebiet der Luftflotte 3 blieb während des gesamten Krieges Westeuropa.

Nach Ende des Krieges wurde der Fliegerhorst 1956 von der Bundeswehr übernommen. Roth ist seitdem wieder Garnisonsstadt. Heute sind in der Otto-Lilienthal-Kaserne u. a. das Luftwaffenausbildungsregiment 3, das Kampfhubschrauberregiment 26 Franken und Teile der Flugabwehrraketengruppe 23 stationiert.

Einen Anstieg der Einwohnerzahl erfuhr Eckersmühlen, wie auch andere Gemeinden im heutigen Landkreis Roth, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges durch Flüchtlinge vor allem aus Schlesien, Ungarn und dem Sudetenland zwischen 1945 und 1950.

Ende des 19. Jahrhunderts versuchten sich Blattmetallhämmer in Eckersmühlen, Haimpfarrich und Hofstetten mit wechselnden Erfolgen im Vorbereiten von Material für die Herstellung von Bronze.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts gelang der erfolgreiche Ausbau eines Gold- und Silberbronzewerkes und einer bedeutenden Leonischen Industrie. Seit Jahrzehnten stehen diese Betriebe mit fast allen Ländern der Erde in Geschäftsverbindung.

Begünstigt durch die angesiedelte Industrie, wie auch durch die guten Eisenbahn- und Straßenverbindungen zur nahen Großindustrie in Roth, Schwabach und Nürnberg begann in Eckersmühlen frühzeitig der Bau von Eigenheim-Wohnungen in großem Umfang, so dass die Gemeinde den Bau eines neuen Schulhauses 1950 und 1956, eines Lagerhauses und der Straßennetzes, jetzt sogar eine umfangreiche Wasserversorgungsanlage in Angriff nehmen musste.

Die Selbständigkeit als Gemeinde verlor Eckersmühlen im Zuge der Gebietsreform im Freistaat Bayern von 1972. So wurde 1978, nach langem „sich Erwehrens“, Eckersmühlen zu einem Stadtteil der Stadt Roth.

Herrschaften und Besitzer kamen und gingen, aber nach wie vor steht der Namenszug des Markgrafen Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach über der Kirchentüre zu Eckersmühlen, als wolle er allen Neuerungen der späteren Zeit zum Trotz noch immer von der „onolzbachischen“ Landeshoheit künden.

Verkehr

Die Staatsstraße 2220 führt in einer geschwungenen Linie von Nordwesten nach Südosten durch den Stadtteil.

Seit dem 1. Juni 1888 verfügt Eckersmühlen über einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Roth–Greding, die Nebenbahn verbindet den Ort mit der Bahnstrecke Nürnberg–Augsburg, die Züge wurden nach dem Endbahnhof Gredl benannt. Die Fertigstellung und Einweihung des Bahnhofsgebäudes erfolgte bereits im Herbst 1887.

Zwischen Eckersmühlen und dem Rothsee liegt der Main-Donau-Kanal mit der Schleuse Eckersmühlen.

Quellen

  1. Einwohnerzahlen der Stadtverwaltung Roth (nur Hauptwohnsitze), Stand: 02. Januar 2008

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