Eduard VI. (England)


Eduard VI. (England)
Eduard VI. (Porträt von Hans Eworth)

Eduard VI. (* 12. Oktober 1537 im Hampton Court Palace; † 6. Juli 1553 in Greenwich) war von 1547 bis 1553 König von England und Irland. Eduard stammt aus dem Hause Tudor und war der dritte Monarch dieser Dynastie. Die Regierungszeit des im Jugendalter verstorbenen Eduard wurde maßgeblich durch die Herzöge von Somerset und Northumberland bestimmt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Frühe Jahre

Eduard im Alter von sechs Jahren (Hans Holbein der Jüngere).

Die Geburt Eduard Tudors am 12. Oktober 1537 im Hampton Court Palace war ein großes Ereignis, denn König Heinrich VIII. wurde der lang ersehnte männliche Nachkomme geboren. Eduard war das dritte Kind und der einzige legitime Sohn Heinrichs und dessen dritter Gemahlin Jane Seymour.

Der junge Thronerbe wurde bereits zwölf Tage nach der Geburt zum Halbwaisen, da seine Mutter dem Kindbettfieber erlag. Seine ältere (Halb-)Schwester Maria wurde seine Taufpatin.

Bereits durch die Geburt erlangte Eduard den Titel Herzog von Cornwall. Heinrich VIII. wollte ihn auch zum Prince of Wales, dem traditionellen Titel des englischen Thronfolgers, ernennen, bevor es jedoch dazu kam, verstarb Heinrich und Eduard folgte ihm auf den Thron nach.

Die Thronbesteigung

König Eduard VI. Tudor mit der Tudorrose

Nach dem Tod von Heinrich VIII. am 28. Januar 1547 wurde Eduard als Eduard VI. König von England und Irland. Die Thronbesteigung verlief unproblematisch, da Heinrich ihn in seinem letzten Testament vom 30. Dezember 1546 ausdrücklich zum Nachfolger bestimmte. Zusätzlich ernannte er einen zehnköpfigen Thronrat, der während Eduards Minderjährigkeit die Regierungsgeschäfte wahrnehmen sollte, und stellte eine Liste mit weiteren zwölf bedeutetenden Persönlichkeiten auf, die den Staatsrat während Krisenzeiten unterstützen sollten.

Der Rat bestand überwiegend aus Personen, die bereits unter dem alten König an Einfluss gewonnen hatten. Die wichtigsten Mitglieder des Rates waren Eduard Seymour, Earl of Hertford, ein Bruder der verstorbenen Jane Seymour und Onkel Eduards, sowie John Dudley, Viscount Lisle und Sir William Paget.

Herrschaft

Die Mitglieder des Rates waren zum größten Teil Reformer im Sinne einer unabhängigen englischen Staatskirche. Ihre ärgsten Kontrahenten - Stephen Gardiner, Bischof von Winchester, Thomas Howard, 3. Herzog von Norfolk und Thomas Thirlby - allesamt strenggläubige Katholiken - wurden vom Rat ausgeschlossen. Der verstorbene König hatte Eduard Seymour in seinem Testament zum Earl of Hertford erhoben und ihn als Eduards Vormund bestimmt. Die Mitglieder des Rates ersuchten den neuen König Eduard VI. nun um eine Bestätigung der Ernennung, um damit den Zweiflern an der Rechtmäßigkeit des letzten Willens König Heinrichs den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Am 13. März 1547 bestätigte Eduard VI. die Mitglieder des Rates (außer dem Lordkanzler Thomas Wriothesley, 1. Earl of Southampton). König Eduard ernannte seinen Onkel Eduard Seymour zum Herzog von Somerset und gab ihm das Amt des Lordprotektors. Seymour wurde das Recht zuerkannt, den Rat nach eigenem Ermessen zu verändern.

Unter Somerset

Edward Seymour, Herzog von Somerset

Der Herzog von Somerset wurde dadurch zum eigentlichen Machthaber von England und die Rolle von König Eduard VI. beschränkte sich auf eine rein repräsentative. Der Herzog beeinflusste seinen Neffen, den König, in dessen Entscheidungen maßgeblich. Der junge König stand ebenfalls stark unter dem Einfluss des Erzbischofs von Canterbury, Thomas Cranmer. Zusammen mit dem Herzog von Somerset begann der Erzbischof, das Protestantentum in England zu verbreiten. Per königlichem Erlass ersetzte Thomas Cranmer verschiedene katholische Riten durch protestantische. Eine Verfolgung der Gegner dieser Religionspolitik verweigerte der Herzog von Somerset dem Erzbischof jedoch. Der Lordprotektor Somerset fürchtete die mächtigen katholischen Monarchen des europäischen Festlandes, speziell den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Karl V., und wollte diese nicht durch Ketzerverfolgungen verärgern. Hinter diesem Verbot der Verfolgung stand die Überlegung, Englands Stellung in der Weltpolitik nicht weiter zu schwächen, war diese doch schon wegen der Auld Alliance zwischen Schottland und Frankreich, zwei katholischen Ländern, gefährdet.

Der Herzog von Somerset hing der Idee an, England und Schottland zu vereinen. Er beeinflusste König Eduard, diesem Ziel nachzugehen. Noch zu Lebzeiten Heinrichs hatte man vergeblich versucht, die schottische Königin Maria Stuart mit dem englischen Thronfolger Eduard zu verheiraten, sie heiratete jedoch schließlich den französischen Thronfolger Dauphin Franz. Eine militärisch erzwungene Vereinigung mit Schottland kam durch dessen Bündnis mit Frankreich ebenfalls nicht in Frage.

Die Unterstützung für Eduard Seymour, Herzog von Somerset, schwand auch zunehmend im eigenen Land. Sein eigener Bruder, Thomas Seymour, versuchte, Somerset als Vormund des Königs zu stürzen. Das Komplott wurde 1549 aufgedeckt und Thomas Seymour des Hochverrats an der Krone angeklagt. Er wurde am 20. März des Jahres hingerichtet. Die Autorität des Vormunds sank in den folgenden Monaten weiter und die auftretenden Probleme ließen ihn auch in der Gunst des Königs sinken. Schließlich begannen die einfachen Bauern, sich zu erheben und erschütterten das Land mit Unruhen. Die zunehmenden innerpolitischen Probleme Englands nutzte Frankreich aus, um dem geschwächten England den Krieg zu erklären. Unter dem Lordprotektorat Seymours entstand auch jenes Statut betreffend die „Vagabunden“ („vagrants“), welches blutige Verfolgungsmaßnahmen wie Brandmarkungen und Versklavung vorsah. Der Erlass wird im ersten Band des Werks „Das Kapital“ von Karl Marx (S. 763) auszugsweise wie folgt zitiert: „Alle Personen haben das Recht, den Vagabunden ihre Kinder wegzunehmen und als Lehrlinge, Jungen bis zum 24. Jahr, Mädchen bis zum 20. Jahr, zu halten. Laufen sie weg, so sollen sie bis zu diesem Alter die Sklaven der Lehrmeister sein, die sie in Ketten legen, geißeln etc. können, wie sie wollen. Jeder Meister darf einen eisernen Ring um Hals, Arme oder Beine seines Sklaven legen, damit er ihn besser kennt und seiner sicherer ist.“

Unter Warwick

Der Herzog von Somerset war für König Eduard VI. untragbar geworden und wurde durch John Dudley, Earl of Warwick ersetzt. Dieser hatte mit dem jungen König ein enges Verhältnis aufgebaut, und beeinflusste ihn stark. Geschickt köderte John Dudley den minderjährigen König mit der Versprechung, ihn bereits mit sechzehn Jahren für volljährig zu erklären. John Dudley wurde Lord President of the Council (Staatsratsvorsitzender) und 1551 zum Herzog von Northumberland ernannt. Er führte seit 1549 fast unumschränkt die Regierungsgeschäfte.

Tod und Nachfolge

König Eduard, von eher schwächlicher körperlicher Konstitution, starb am 6. Juli 1553 in Greenwich, vermutlich an Tuberkulose. Da er und vor allem seine Berater verhindern wollten, dass der englische Thron im Falle seines vorzeitigen Todes an seine katholische Halbschwester Maria fiele, bestimmte er an ihrer Stelle seine Nichte 2. Grades Jane Grey, eine Urenkelin König Heinrichs VII., zur Thronerbin. Hinter diesem Plan stand wohl auch Lord Warwick, dessen Schwiegertochter Jane Grey war. Einer Legende nach soll John Dudley dem im Sterben liegenden Monarchen die Krone gestohlen haben, um sie seiner Schwiegertochter Lady Jane zu geben.

Die Herrscher
des Hauses Tudor 1485–1603
1485–1509 Heinrich VII.
1509–1547 Heinrich VIII.
1547–1553 Eduard VI.
1553–1553 Lady Jane Grey
1553–1558 Maria I.
1558–1603 Elisabeth I.

Der Tod des Königs wurde für einige Tage geheim gehalten, damit für die Vorbereitungen der Thronfolge Lady Janes genügend Zeit verblieb. Hohe Beamte der Regierung und der Behörden schworen der neuen Königin privat ihre Ergebenheit und Treue. Am 10. Juli 1553 wurde Jane offiziell zur Königin proklamiert und übernahm damit tatsächlich für neun Tage die Herrschaft über England. Bereits am 19. Juli wurde sie von Marias Anhängern gestürzt und Maria zur Königin ernannt. Die Thronfolge Lady Janes wurde als eine unter Zwang herbeigeführte Tat widerrufen und ihre Erbfolge für ungesetzlich erklärt. Jane musste die Krone an Maria abtreten. Demzufolge war Maria I. Königin von England die De-jure-Nachfolgerin von Eduard VI., aber de facto folgte ihm Lady Jane Grey nach.

Nach dem Tod des erst fünfzehn Jahre alten Eduard kursierten Gerüchte, der König habe überlebt. Die Hoffnungen des Volkes nutzen einige Betrüger aus und gaben sich als König Eduard aus und forderten ihren rechtmäßigen Anspruch auf den Thron ein. Bis in die Herrschaft Elisabeths hinein tauchten immer wieder solche Prätendenten auf. Die Geschichte um die falschen Eduards inspirierte einige Autoren zu Romanen, darunter Mark Twain („The prince and the pauper“ – deutsch „Der Prinz und der Bettelknabe“).

Edward VI. wurde in der Westminster Abbey vor einem Altar begraben. Lediglich eine kleine Grabplatte mit seinem Namen ziert die Ruhestätte des Königs.

Nachwirkungen

Unter Eduard wurde die anglikanische Kirche erstmals auf einen inhaltlich dem protestantischen Bekenntnis nahestehenden Kurs gebracht. Seine Nachfolgerin Maria I. Königin von England machte allerdings im Zuge der Rekatholisierung Englands viele Reformen rückgängig.

Titel

Seit Geburt trug Eduard den Titel des Herzogs von Cornwall, mit der Thronbesteigung änderte sich sein Titel und er wurde mit demselben Titel zum König proklamiert wie sein Vater Heinrich VIII. vor ihm:
Eduard der sechste, von Gottes Gnaden, König von England, Frankreich und Irland, Verteidiger des Glaubens und Oberhaupt der Kirche von England und Irland.

Literatur

  • Peter Wende (Hrsg.): Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VII. bis Elisabeth II. C.H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-43391-X

Weblinks

Vorgänger Amt Nachfolger
Heinrich VIII. König von England
1547–1553
Lady Jane Grey
König von Irland
1547–1553


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