Edward Van Halen


Edward Van Halen
Eddie Van Halen (1993)

Edward Lodewijk „Eddie“ Van Halen (* 26. Januar 1955 in Nijmegen, Niederlande) ist einer der stilprägendsten und einflussreichsten Gitarristen des Rocks und verwandter Musikrichtungen. Seine Band trägt seinen Nachnamen: Van Halen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Edward Van Halen wurde 1955 in den Niederlanden als Sohn von Jan und der aus Indonesien stammenden Eugenia Van Halen geboren und kam durch seinen Vater, ein professioneller Saxophonspieler und Klarinettist, schon früh mit Musik in Berührung. Als die Familie 1962 in die USA zog, spielte er bereits Klavier und begann Schlagzeug zu lernen. Inspiriert durch Jimi Hendrix und sein großes Vorbild Eric Clapton von der Gruppe Cream tauschte er bald mit seinem Bruder, dem späteren Schlagzeuger Alex Van Halen die Instrumente und lernte Gitarre. Zusammen gründeten sie eine Band. Als sich später in der High School die spätere Besetzung herauskristallisierte, wurden sie von dem Produzenten Ted Templeman entdeckt. Ihr selbst betiteltes Debütalbum sorgte für einen kometenhaften Aufstieg zur am besten bezahlten Liveband und machte Eddie Van Halen über Nacht zu einem der bedeutendsten Gitarristen. Nach dem Split mit Sänger David Lee Roth entwickelte sich die Band in eine mehr songorientierte Richtung, obwohl der Gitarrenstil von Van Halen stets erstklassig blieb. Zu diesem Zeitpunkt hatte ihn das einflussreiche Guitar Player Magazin bereits öfter zum besten Gitarristen der Welt gewählt als jeden anderen.

Er war mit der amerikanischen Schauspielerin Valerie Bertinelli verheiratet und hat aus dieser Ehe einen Sohn, Wolfgang William Van Halen (* 16. März 1991). Die Ehe wurde im Dezember 2007 geschieden.

Der langjährige Alkoholiker und Kettenraucher Edward Van Halen hat sich in den letzten Jahren von einer Zungenkrebs-Erkrankung und der Implantation einer künstlichen Hüfte erholt. Im Frühjahr 2007 besuchte van Halen eine Alkoholentzugsklinik mit dem Erfolg, dass die Reunions-Tournee im darauffolgenden Herbst stattfinden konnte.

Stil

Tapping

Eddie Van Halen beim Tapping (2007)

Als Ted Templeman dem Guitar Player im Jahr 1977 – angeblich kurz vor Redaktionsschluss – ein Demo der Band vorlegte, stand die Gitarrenwelt Kopf. Der zweite Titel des Tapes, das 1:42 Minuten lange Instrumental Eruption, führte einen völlig neuen Gitarrenstil ein, dem die Zukunft gehören sollte: mit bisherigen Mitteln unspielbare Vibratohebel-Effekte, extreme Modulationseffekte und eine unglaubliche Technik ließ die Redakteure aufhorchen.

Doch den Höhepunkt des Stücks bildete der Schluss: ein derart schnelles Spiel, das zum einen überhaupt nicht nach Wechselschlag klang und zum anderen in dieser Geschwindigkeit auch gar nicht spielbar gewesen wäre.

In ihrem Artikel spekulieren die Redakteure über Keyboardtricks, schneller abgespieltes Band oder über zwei zusammengemischte Gitarren. Später kommen einige Gitarristen wie Randy Rhoads oder Steve Vai hinter das Geheimnis dieser neuen Technik, im Jahr 1982 erklärte Van Halen seine Spielweise öffentlich im Guitar Player. Das Tapping ist Markenzeichen seines Stils geworden und hat wesentlich dazu beigetragen, dass er heute oft als einflussreichster Gitarrist seit Jimi Hendrix bezeichnet wird.

Die Erweiterung des Legatospiels mit der rechten Hand, indem sie nicht anschlägt, sondern selbst auf einen Bund hämmert und dann auf den gegriffenen Ton der linken Hand abrollt, geht in der Rockmusik ursprünglich auf Steve Hackett zurück und wurde in der Folge von vielen Rock-Gitarristen praktiziert, darunter Gary Moore, Brian May, Harvey Mandel, oder Jimmy Webster. Eddie van Halen integrierte diese Technik konsequent in seine Spielweise. Am bekanntesten ist sicherlich die sogenannte Van-Halen-Triole geworden, die am Ende von Eruption zu hören ist:

Die berühmte Van Halen Triole in Notation und Tabulatur, hier ein Ausschnitt aus Eruption.

Das Tappingspiel von Eddie Van Halen hat viele Facetten und Varianten zu bieten, wie etwa das Einbeziehen von leeren Saiten oder die getappten Flageoletttöne, die entstehen, wenn man einen Ton greift und exakt eine Oktave – also zwölf Bünde höher – auf das Bundstäbchen hämmert (vgl. Spanish Fly).

Van Halen spielt teilweise ganze Riffs mit getappten Obertönen, indem er Töne mit der linken Hand greift und durch das Anschlagen auf dem Bundstäbchen im 4., 5., 7., 9. oder 12. Bund über dem Ton harmonische Obertöne erzeugt (vgl. Aftershock). Auch weite, getappte Legatolinien über mehrere Saiten (vgl. Jump) gehören zu seinem Repertoire. Später wurde die Technik durch Gitarristen wie Steve Lynch oder Jennifer Batten noch erweitert, in dem diese nicht nur einen Finger, sondern alle vier Finger der rechten Hand zum Tapping benutzten und somit noch mehr Töne pro Saite anschlagen konnten (Two hand tapping).

Tremoloeinsatz

Eddie Van Halen war ebenfalls auf dem Bereich der Gitarrentechnik innovativ. Eines der Hauptprobleme beim Einsatz des Tremolos – mit dem auch Jimi Hendrix zu kämpfen hatte – war, dass sich die Saiten extrem schnell verstimmten, da die Mechaniken den hohen Belastungsschwankungen durch das Erschlaffen und Anspannen der Saiten nachgaben. Folglich konnten keine großen Vibratoaktionen vollzogen werden – jedenfalls nicht, wenn anschließend wieder ein geregeltes Spiel folgen sollte. Eddie Van Halen baute eine Blockierung auf seine Fender Stratocaster – die er Ende der 1970er Jahre noch spielte – und zwar unmittelbar auf den Sattel, also zwischen Kopfplatte und Griffbrett, sodass die Spannungsschwankungen die Mechaniken nicht erreichten. Diese Technik ist absolut wegweisend und findet sich als Grundkonzept in vielen Locking Tremolosystemen verschiedener Hersteller. Mit dieser technischen Grundlage konnte Van Halen extreme Formen des Tremoloeinsatzes in seinen Stil integrieren. Später lieferte die hannoversche Firma Rockinger - über den amerikanischen Gitarrenbauer Kramer - mit dem Tru Tune Tremolo das erste Fine Tuning Tremolo der Welt unter anderem auch an Eddie Van Halen aus. Die Messerkantensysteme von Floyd Rose zogen nach.

Als Beispiel sei hier seine Gitarrenarbeit im Solo des Michael-Jackson-Songs Beat it (wobei das Solo nicht am Stück eingespielt wurde) genannt: Der ungestüme Rhythmus, der überraschende Einsatz von Harmonics sowie der unvermittelte, aber dennoch fließende Gebrauch des Vibratohebels machen Van Halens Stil so unberechenbar. Sein Repertoire in dieser Technik ist vielschichtig. Am Anfang dieses Solos imitiert er eine sich öffnende Tür, auch Melodiephrasierungen (vgl. Baluchitherium) oder der Einsatz in der Rhythmusarbeit (vgl. Ain’t talkin’ ’bout love) sind typische Spielweisen von Eddie Van Halen.

Rhythmusarbeit

Da er – ebenso wie Jimi Hendrix in seiner Band Experience – lange Zeit der einzige Gitarrist in der Band war (zwischendurch spielte Sänger Sammy Hagar eine zweite Gitarre), verband auch Van Halen das Rhythmusspiel mit der Sologitarre. Er verwendete alle oben besprochenen Techniken auch im Rhythmusspiel und schuf somit einen fließenden Übergang zwischen seinen rhythmischen Pentatonikriffs und dem Soloteil, der meistens kurze Gesangspausen ausfüllt (vgl. Panama). Van Halen setzte das Rhythmusspiel somit auf eine technisch viel anspruchsvollere Stufe: er spielte die ersten beiden Alben fast ohne Overdubs ein.

Weblinks

 Commons: Eddie Van Halen – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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