Ein feste Burg ist unser Gott


Ein feste Burg ist unser Gott
Ein feste Burg in Martin Luthers Handschrift (Fälschung von Hermann Kyrieleis)[1]
Noten in einem frühen Liederbuch

Ein feste Burg ist unser Gott ist ein Kirchenlied, das von Martin Luther wohl vor 1529 geschrieben und komponiert wurde. Gedruckt erschien es erstmals 1533 im Klugschen Gesangbuch. Das Lied ist für den Protestantismus von großer Symbolkraft. Es ist im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 362 zu finden, im Evangelisch-reformierten Gesangbuch unter der Nummer 32, im mennonitischen Gesangbuch unter der Nummer 430 und im Adventistischen Gesangbuch unter der Nummer WLG 332.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Der Text ist angelehnt an den Psalm 46 Lut, „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke“. Die Frage, ob Luther auch die Melodie tatsächlich komponiert hat, spaltete im 19. Jahrhundert die Musikwissenschaftler. Die Autorschaft Luthers gilt heute jedoch als gesichert.

Die älteste überlieferte Quelle stellt das Gesangbuch von Andreas Rauscher (1531) dar. Da das Lied jedoch in der Ausgabe des Klug’schen Gesangbuchs von 1533 enthalten ist, wird vermutet, dass es bereits in der verlorengegangenen Erstausgabe dieses Gesangbuchs von 1529 veröffentlicht wurde, möglicherweise auch schon 1528 im ebenfalls verlorengegangenen Gesangbuch von Hans Weiss. Über den genauen Zeitpunkt und Anlass der Entstehung gehen die Angaben auseinander. Die Spanne reicht dabei von 1521 bis 1530.[2] Nach einer Auffassung entstand das Lied bereits 1527, möglicherweise unter dem Eindruck der nahenden Pest.[3] Nach anderer Meinung wurde das Lied von Luther möglicherweise ursprünglich als Kampflied gegen die osmanischen Invasoren verfasst.[4] Wieder andere meinen, dass sich das Lied gegen die Altgläubigen richte, die sich der Reformation und – aus Sicht Luthers und seiner Anhänger – dem Wort Gottes verweigerten, und weisen darauf hin, dass 1529 die „Protestanten“ auf dem Reichstag zu Speyer eine eigene Religionspartei geworden seien.[5]

Musikalische Fortentwicklung

Ältere [6] und neuere [7] Fassung des Titels

Bis zum 18. Jahrhundert wurde der lebendige und unberechenbare Rhythmus der früheren Fassungen aus dem 16. Jahrhundert zunehmend geglättet (siehe Notenbeispiel). Die Melodie ist dadurch ruhiger und eingängiger geworden. [8]

Johann Sebastian Bach legte das Lied seiner Choralkantate Ein feste Burg ist unser Gott, BWV 80, zugrunde, und Georg Friedrich Händel in An occasional oratorio (HWV 62) in der Arie To God, our strength. Felix Mendelssohn Bartholdy verwendete sie im letzten Satz seiner 5. Sinfonie, der „Reformations-Sinfonie“, und Richard Wagner in seinem Kaisermarsch (WWV 104). Otto Nicolai verarbeitete sie in seiner Kirchlichen Festouvertüre, einer großen Orchesterfuge. In Giacomo Meyerbeers Oper Die Hugenotten ist die Melodie als Kampflied ein häufig wiederkehrendes Motiv. Auch in Richard Strauss’ Oper Friedenstag, die am Ende des Dreißigjährigen Kriegs spielt, klingt sie an. Max Reger verwendet die Melodie in der Choralfantasie über Ein feste Burg ist unser Gott op. 27 (1898) und seinem Choralvorspiel Ein feste Burg ist unser Gott op. 135 a, Nr. 5.

Benutzung als Kampflied

Ein feste Burg ist unser Gott, Version des Erstdrucks (EG 362, erste Form)?/i

Aufnahme: Ein feste Burg ist unser Gott

Das Lied ist für den Protestantismus von großer Symbolkraft; Heinrich Heine bezeichnete es als „Marseiller Hymne der Reformation,[9] Friedrich Engels als Marseillaise der Bauernkriege.[10]

Immer wieder wurde das Lied in Zeiten äußerer Bedrängnis oder zum Bekenntnis des eigenen Glaubens von Protestanten gesungen. So berichtet Michael Hirschfeld davon, dass evangelische Vertriebene in den 1940er Jahren gezielt Luthers Lied gesungen hätten, als sie erstmals in einer katholischen Kirche des Oldenburger Münsterlandes, in das sie von Behörden zugewiesen worden waren, einen Gottesdienst hätten feiern dürfen.[11]

Text und Melodie

Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind
mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit’ für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaot,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht’:
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Das Wort sie sollen lassen stahn
und kein’ Dank[12] dazu haben;
er ist bei uns wohl auf dem Plan[13]
mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib,
Gut, Ehr, Kind und Weib:
lass fahren dahin,
sie haben’s kein’ Gewinn,
das Reich muss uns doch bleiben.

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Vgl. Max Herrmann: Ein feste Burg ist unser Gott. Vortrag mit sechs Tafeln und einem bibliographischen Anhang, Berlin: Behr 1905.
  2. Friedrich Klippgen (Hrsg.): Martin Luther. Sämtliche deutsche geistliche Lieder - In der Reihenfolge ihrer ersten Drucke. Niemeyer, Halle 1912, S. 17–18.
  3. Friedrich-Karl Hildebrand: Gemeindebrief „brücken bauen“, 2003.
  4. Salomon Korn: Zu schwach, um Fremdes zu ertragen?. In: FAZ vom 27. Oktober 2008, S. 8
  5. Michael Fischer: Ein feste Burg ist unser Gott (2007). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon des Deutschen Volksliedarchivs
  6. Noten nach Andrew Wilson-Dickson: Geistliche Musik – Ihre großen Traditionen – Vom Psalmengesang zum Gospel; Brunnen Verlag, Gießen, 1994; Seite 63
  7. Noten nach Neues Choralbuch zum Evangelischen Kirchengesangbuch, Bärenreiter, Kassel und Basel, Ausgabe 440, 1956, Seite 55
  8. Andrew Wilson-Dickson: Geistliche Musik - Ihre großen Traditionen - Vom Psalmengesang zum Gospel, Brunnen Verlag, Giessen, 1994, Seite 63
  9. Heinrich Heine: Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland. In: Der Salon. Zweiter Band. Hoffmann und Campe, Hamburg 1834, S. 80 (online in der Google Buchsuche).
  10. Brief an Schlüter, 1885. In: Karl Marx und Friedrich Engels über Kunst und Literatur. Berlin 1948, S. 241 f. Zitiert nach: Wolfgang Steinitz: Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten. Band 1. Akademie-Verlag, Berlin-DDR 1955, S. XXXV.
  11. Michael Hirschfeld: Katholisches Milieu und Vertriebene. Eine Fallstudie am Beispiel des Oldenburger Landes 1945-1965. Köln / Weimar / Wien. Böhlau. 2002. S. 299
  12. Vgl. mittelhochdeutsch dank = Gedanke, Wille; sinngemäß bedeute die Zeile: ob sie wollen oder nicht.
  13. Vgl. mittelhochdeutsch plan = Ebene, Kampfplatz.

Weblinks

 Wikisource: Ein feste Burg ist unser Gott – Quellen und Volltexte
 Commons: Ein feste Burg ist unser Gott – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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