Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif

Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif
Wappen des EG MeS

Das Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif ist ein temporärer Verband der Bundeswehr, der im Rahmen der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) in der Nähe des Ortes Masar-e Scharif in Afghanistan stationiert ist.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Feldlager Camp Marmal in der Nähe von Masar-e Scharif

Die Indienststellung des Einsatzgeschwaders Mazar-e Sharif (EinsG MeS) erfolgte am 1. Mai 2006. Zuvor hatte seit dem 3. November 2005 ein Aufbaukommando, das insbesondere aus Sicherungskräften, Kampfmittelbeseitigern und Luftwaffenpionieren bestand, vor allem die Infrastruktur und die Flugbetriebsflächen instandgesetzt. Zunächst bestand der Auftrag des Geschwaders darin, den Luftumschlag für Passagiere und Fracht für die Bundeswehr und Kräfte der ISAF sicherzustellen und den militärischen Teil des Flugplatzes zur Verlegung der Transporthubschrauber und -flugzeuge von Termez nach Mazar-e Sharif vorzubereiten. Entgegen der ursprünglichen Planung wurden nach dem Bundestagsbeschluss vom 9. März 2007[1][2] jedoch am 5. April 2007 erst sechs Aufklärungs-Tornados stationiert, die Verlegung der Transporter wurde aufgeschoben. Mit Eintreffen der Tornados verfügte das Einsatzgeschwader über seine ersten Luftfahrzeuge und neben der logistischen Unterstützung der Operationen in Afghanistan über einen neuen Auftrag, die Luftaufklärung im Auftrag des ISAF-Hauptquartiers in Kabul.

Zum 1. November 2007 wurden sechs Sikorsky-CH-53-GS-Hubschrauber und im August 2008 acht Transall C-160 aus dem usbekischen Termez nach Mazar-e Sharif verlegt. Mit der Nutzung von unbemannten Luftfahrzeugen vom Typ Heron 1 ab März 2010 hatte das Geschwader seinen größten Umfang.

Organisation und Auftrag

Das Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif setzt sich aus Personal und Material mehrerer Teilstreitkräfte und militärischer Organisationsbereiche zusammen und war in seiner zeitweisen Mischung aus Transport- und Kampfflugzeugen sowie unbemannten Luftfahrzeugen ein Novum in der Geschichte der Bundeswehr. Es untersteht national dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam und wird durch einen Kommodore im Dienstgrad Oberst geführt, der durch einen Stab unterstützt wird. Das Geschwader gliedert sich in eine Einsatzgruppe, eine Einsatzunterstützungsgruppe und eine Objektschutzgruppe, die jeweils durch einen Kommandeur im Dienstgrad Oberstleutnant geführt werden.

Einsatzgruppe

Die Aufgaben der Einsatzgruppe sind grundsätzlich mit denen einer Fliegenden Gruppe eines deutschen Geschwaders vergleichbar. Kernauftrag ist die Planung und Durchführung von Einsatzaufträgen. Im Bereich der Tornados umfasste dies Einsatzplanung und Durchführung von Aufklärungsflügen und anschließende Auswertung der Filme und Bilder. Dem Luftbildauswertepersonal stand hierfür eine Auswerteanlage (Recce Ground Station) zur Verfügung, die es ermöglichte, innerhalb kürzester Zeit erste Ergebnisse an den jeweiligen Auftraggeber über das ISAF-Hauptquartier bereitzustellen.

Die unbemannten Heron 1 werden aus einer Bodenstation, der sogenannten Advanced Ground Control Station (AGCS), durch einen Piloten, dem Air Vehicle Operator (AVO), und dem Sensorbediener, dem Payload Operator (PO), geführt. Die unbemannten Luftfahrzeuge übertragen Bilder und Filme in Echtzeit an die Einheiten vor Ort im Einsatzgebiet.[3]

Transall C-160
CH-53

Der Auftrag der CH-53 GS und C-160 umfasst in erster Linie die Sicherstellung der MedEvac-Fähigkeit rund um die Uhr, primär mit zwei Hubschraubern CH-53 GS und sekundär mit einer Transall C-160. Zusätzlich werden Personal- und Materialtransporte durchgeführt. Zur Unterstützung des Flugbetriebs bietet der Einsatzführungsdienst der Luftwaffe mit dem Luftraumüberwachungsradar (LÜR), einem originären Bestandteil eines Heeresflugabwehrsystems, einen radarunterstützten Fluginformationsdienst für An- und Abflüge an. Gemeinsam mit afghanischem Flugsicherungspersonal koordinieren und überwachen Fluglotsen den Flugbetrieb auf dem Flugplatz und innerhalb der Kontrollzone.

Einsatzunterstützungsgruppe

Die Aufgaben der Einsatzunterstützungsgruppe umfassen die Logistik, einschließlich des Kraftfahrzeug-Einsatzes und der militärischen Passagier- und Frachtabfertigung, und die Luftfahrzeugtechnik mit Wartung und Instandsetzung der jeweiligen Waffensysteme. Um hierfür bestmögliche Bedingungen zu schaffen, wurden drei Flugzeughallen neu errichtet, die klimatisiert sind und durch einen leichten Überdruck im Inneren vor eindringendem Wüstenstaub weitestgehend geschützt sind.

Objektschutzgruppe

Die Objektschutzgruppe, die sich hauptsächlich aus Personal des Objektschutzregiments der Luftwaffe zusammensetzt, ist für die Sicherung des Camp Marmal und die Abwehr von Angriffen zuständig. Hierfür werden neben der Bewachung auch Patrouillen im Umfeld des Flugplatzes durchgeführt. Unterstützung wird durch einen kroatischen Infanteriezug geleistet. Zusätzlich stellt die Objektschutzgruppe die Feuerwehrkräfte für den Brandschutz, die Flugplatzschadensbeseitigung/Startbahnschnellinstandsetzung und Kräfte für die Kampfmittelerkennung und -beseitigung.

Strategischer Lufttransportstützpunkt Termez

Die Luftwaffe nutzt für Flüge nach Afghanistan nur Luftfahrzeuge mit Selbstschutzausstattung. Für den Luftfrachtumschlag sowie die Passagierabfertigung nach Landungen von Flugzeugen aus Deutschland (zum Beispiel A-310) und dem anschließenden Weiterflug mit C-160 Transall oder gegebenenfalls mit CH-53 nach Afghanistan betreiben im usbekischen Termez rund 110 Soldaten den Strategischen Lufttransportstützpunkt Termez (Strat LTStp Termez).[4] Dieser ging aus dem am 31. August 2008 aufgelösten Einsatzgeschwader Termez hervor.

Luftfahrzeuge

Das Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif betreibt drei unbemannte Luftfahrzeuge vom Typ Heron 1, acht Hubschrauber CH-53 GS und acht C-160 Transall-Transportflugzeuge.[5] Die sechs Aufklärungs-Tornados wurden am 27. November 2010 abgezogen.[6]

Flughafen Mazar-e Sharif

Der Flughafen von Mazar-e Sharif liegt südöstlich der Stadt. Es handelt sich um einen zivilen Flugplatz, der durch das afghanische Verkehrsministerium betrieben und durch ISAF-Kräfte im Rahmen ihres Auftrags genutzt wird.

Rechtliche Grundlagen

Der Einsatz deutscher Streitkräfte erfolgt auf Grundlage der Resolutionen 1386 (2001), 1413 (2002), 1444 (2002), 1510 (2003), 1563 (2004), 1623 (2005) und 1707 (2006) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Als vorläufiges Enddatum des ISAF-Einsatzes der Bundeswehr wurde durch den Deutschen Bundestag der 13. Dezember 2010 festgelegt.[7]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Antrag der Bundesregierung: „Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an dem Einsatz einer Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe in Afghanistan unter Führung der NATO …“ vom 8. Februar 2007
  2. „Bundestag schickt Tornados nach Afghanistan“, FAZ.net, 9. März 2007; eingesehen am 6. Januar 2009
  3. Pressemitteilung „Heron im Anflug“ vom 6. Mai 2010 auf der Website der Luftwaffe; eingesehen am 29. November 2010
  4. Bundestagsdrucksache 16/1759 vom 6. Juni 2006
  5. „Aufwuchs Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif abgeschlossen“ auf der Homepage der Bundeswehr; eingesehen am 6. Januar 2009
  6. Pressemitteilung „Tornados haben Afghanistan verlassen“ vom 27. November 2010 auf der Webseite der Luftwaffe; eingesehen am 29. November 2010
  7. http://www.tagesschau.de/inland/bundestag328.html, (nicht mehr online verfügbar) abgerufen am 3. Dezember 2009

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