Eisenbahnbau- und Betriebsunternehmung LENZ & Co GmbH


Eisenbahnbau- und Betriebsunternehmung LENZ & Co GmbH

Die Eisenbahnbau- und Betriebsunternehmung Lenz & Co GmbH war ein deutsches Verkehrsunternehmen mit Sitz in Stettin.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Unternehmen wurde am 30. Juli 1892 gegründet, zwei Tage nach der Verkündung des Preußischen Kleinbahngesetzes. Sie wuchs mit ihren Tochterbetrieben rasch zum bedeutendsten Neben- und Kleinbahn-Konzern in Deutschland heran und spielte bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts eine große Rolle auf diesem Sektor des Verkehrswesens. Letztlich war sie auch die Basis für die Entwicklung konkurrenzfähiger Privatbahnen im Zuge der Regionalisierung des Eisenbahnwesens in der Bundesrepublik Deutschland.

Kleinbahnbau in Preußen

Die Geschichte des LENZ-Konzerns beginnt Ende des 19. Jahrhunderts, als das Netz der Haupteisenbahnlinien im Deutschen Reich vollendet und auch ein Großteil der Nebenbahnen bereits in Betrieb war. Allerdings waren damals noch immer viele Regionen - vor allem in landwirtschaftlich strukturierten Gegenden - abseits des Schienenstranges geblieben. Vor allem der größte deutsche Gliedstaat, das Königreich Preußen, sah sich nicht in der Lage, alle berechtigten Wünsche der betroffenen Bevölkerung dadurch zu erfüllen, dass die Preußische Staatsbahn selbst als Bauherr und Betreiber fungierte.

Die Preußische Regierung verfolgte daher den Plan, die lokalen Bahnen in einer vereinfachten Betriebsweise durch private Gesellschaften bauen und betreiben zu lassen, an denen sich der Staat, die Provinzen, die Kreise und Städte sowie örtliche Interessenten aus der Wirtschaft beteiligen konnten.

Zu diesem Zweck wurde das Preußische Kleinbahngesetz geschaffen, das am 28. Juli 1892 verkündet wurde. Dieses Gesetz führte in gut zwei Jahrzehnten zum Bau von Neben- und Kleinbahnen im Königreich Preußen in einem Umfang von mehr als 12.000 km. Das Eisenbahnnetz wurde dadurch von 6,99 km auf 13,7 km je 100 km² verdichtet; es hatte sich also fast verdoppelt. Der Anteil der nichtstaatlichen Eisenbahnen am Gesamtstreckennetz in Preußen stieg von 6 % im Jahre 1892 wieder an auf 26 % im Jahre 1914.

An diesen Bauvorhaben war die Firma LENZ & Co GmbH mit rund 100 Bahnen zu einem Drittel beteiligt. Die Gründer dieses Unternehmens hatten offenbar den Trend rechtzeitig erkannt und die Möglichkeiten, die das neue Gesetz bot, voll ausgeschöpft.

Lenz-Konzern

Das Gesellschaftskapital in Höhe von 4 Millionen Mark verteilte sich auf folgende Anteilseigner:

Alleiniger Geschäftsführer war Geheimrat Friedrich Lenz.

Anfangs lag der Schwerpunkt der Bautätigkeit für die Firma LENZ in Mecklenburg, anschließend in der preußischen Provinz Pommern. Nachdem sich die Aktivitäten auf ganz Preußen ausgeweitet hatten, wurde im Jahre 1899 der Sitz des Unternehmens nach Berlin verlegt.

Ferner wurden Bau- und Betriebsabteilungen in Altona, Berlin, Breslau, Halle, Köln und Stettin eingerichtet, damit die Betriebsführung für die Bahnen effektiv durchgeführt werden konnte, zu der sich LENZ & Co. bei den meisten Neubauten für die ersten Betriebsjahre verpflichtet hatte.

Die starke Bautätigkeit der Firma LENZ & Co. im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens führte zu einem erheblichen Kapitalbedarf bei ihrer Hausbank. Diese erhielt zwar Aktien der neu gegründeten Bahngesellschaften, konnte diese aber am Kapitalmarkt nicht günstig verwerten, weil es sich hier um ziemlich kleine Unternehmungen handelte, die ganz unterschiedliche Renditen abwarfen. So entschloss man sich, diese Werte in einer Holding-Gesellschaft zusammenzufassen, deren Aktien eine interessante Anlagemöglichkeit für das Publikum bieten würden.

Diese Überlegungen führten zur Gründung der Aktiengesellschaft für Verkehrswesen (AGV) im Juni 1901. Sie übernahm unverzüglich sämtliche Anteile der LENZ & Co GmbH, die dem Konzern seinen (inoffiziellen) Namen gegeben hatte. Fortan war die neue Tochtergesellschaft nur noch eine der Betriebsführungsgesellschaften für Bahnen, an denen die AGV beteiligt war. Andere von Lenz und Co. gegründete Betriebsführungsgesellschaften waren die Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft in Königsberg (1893) und die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (1895), jeweils mit mehreren Tochtergesellschaften.

Allerdings war sie die bedeutendste. Schon im Jahre 1905 umfasste die Betriebsführung Strecken von 2.137,3 km Länge, davon 1.113,0 km in Normalspur. Zwar verursachte die Gründung der Kleinbahnabteilung des Provinzialverbandes Pommern in Stettin, die 1910 den Betrieb von 18 LENZ-Kleinbahnen übernahm, einen starken Rückgang (Pommersche Schmalspurbahnen). Dieser wurde aber durch die Tätigkeit für neue Bahnen alsbald wieder ausgeglichen.

Nach der Umstrukturierung des AGV-Konzerns in den Jahren 1928/29 erreichte der Umfang der Firma LENZ & Co. im Jahre 1931 einen Höhepunkt mit der Gesamtlänge ihrer 30 Betriebsführungs-Strecken von 1.118 km. Das war mehr als ein Viertel aller zum Einflussbereich der AGV gehörenden Bahnlinien. Sie wurden durch Betriebsabteilungen in Berlin, Breslau und Halle verwaltet und nutzten die Werkstätten in Herzfelde und Jauer.

Dieser Zustand änderte sich in den Jahren bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs nicht wesentlich. Zum AGV-Konzern gehörten damals Bahnen im Gesamtumfang von 3.475 km.

Bahnstrecken

Die Firma Lenz & Co betrieb - laut Handbuch der öffentlichen Verkehrsbetriebe 1940 - die folgenden 25 Bahnen mit 914,4 km Streckenlänge: Der größte Teil lag in Mitteldeutschland und in Schlesien.

Mitteldeutschland

Schlesien

Österreichisch Schlesien

Pommern und Mecklenburg

Hessen und Schleswig-Holstein

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 verblieben nur die drei Bahnen in Hessen und Schleswig-Holstein in der Verfügungsgewalt der Firma LENZ.

Ihre Betriebsführung wurde der Deutschen Eisenbahn-Gesellschaft übertragen. Das Unternehmen Lenz & Co GmbH schied aus den Verkehrsaktivitäten der AG für Verkehrswesen aus. Ihm wurden Beteiligungen an Verbrauchermärkten übertragen, deren geschäftliche Entwicklung jedoch nicht den Erwartungen entsprach. Die Gesellschafterversammlung beschloss am 31. Dezember 1970, die Gesellschaft zu liquidieren.

Literatur

  • Henning Wall: Die Geilenkirchener Kreisbahn. Schweers&Wall: Aachen 1987, S. 14-20 ISBN 3-921679-70-2
  • Wolfram Bäumer, Wolf-Dietger Machel: Friedrich Lenz: Ein Pionier der Regionalisierung. In: Die Museums-Eisenbahn; Heft 2/1987 und 3/1987, S. 24-33. ISSN 0936-4609
  • Wolfram Bäumer: Kleinbahn-Pionier. In: Eisenbahn Magazin 1996, Heft 12, S. 43
  • Handbuch der öffentlichen Verkehrsbetriebe 1940. Berlin 1940

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