Elisabeth Stuart


Elisabeth Stuart
Elisabeth Stuart (Gemälde von Gerrit van Honthorst, 1642)

Elisabeth Stuart (* 19. August 1596 im Falkland Palace, Fife, Schottland; † 13. Februar 1662, Westminster, London) war Prinzessin von England und Schottland, und durch ihre Heirat mit Friedrich V. von der Pfalz, dem Winterkönig, Königin von Böhmen und Kurfürstin von der Pfalz.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Elisabeth Stuart als junges Mädchen, von Nicholas Hilliard, um 1605-1610

Elisabeth war Enkelin der Maria Stuart und Schwester Karls I. von England. Sie wurde 1596 als einzig überlebende Tochter König Jakobs VI. von Schottland, der sieben Jahre nach ihrer Geburt als Jakob I. auch König von England und Irland werden sollte, und der Anna von Dänemark (1574-1619), einer Tochter König Friedrichs II. von Dänemark und Norwegen, geboren.

1613 wurde Elisabeth mit Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz vermählt. Als diesem nach dem Prager Fenstersturz von den dortigen Ständen die Krone Böhmens angeboten wurde, bewog sie ihn zur Annahme. Drei Tage nach ihrem Mann wurde sie am 7. November 1619 im Prager Veitsdom zur Königin von Böhmen gekrönt.[1] Für einen Winter war sie so Königin von Böhmen. Nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg 1620 gegen die Truppen der katholischen Fürsten unter Johann t’Serclaes von Tilly ging sie zusammen mit ihrem Mann ins Exil nach Den Haag. Nach dem böhmischen Abenteuer fand sie auch bei ihrem Vater in England keine politische Unterstützung mehr. Friedrich V. verstarb am 29. November 1632 in Mainz aufgrund eines pestilenten Fiebers, wahrscheinlich der Pest.

anonymes Porträt, 1613

Elisabeth Stuarts Hof in Den Haag wurde geistiger Mittelpunkt der protestantischen Gesellschaft. Sie entsprach dem Schönheitsideal der damaligen Zeit. So wurde sie bewundernd Pearl of Britain (deutsch: Perle Britanniens), Englands Rose und Queen of Hearts (deutsch: Königin der Herzen) genannt. Der Feldherr Herzog Christian von Braunschweig verehrte sie sehr und stattete seine Truppen mit Feldzeichen aus, auf denen in französischer Sprache „Für Gott und für sie“ eingestickt war, was ein Hinweis auf Elisabeth gewesen sein soll. Militärisch aber gelang es auch ihm nicht, sie wieder in der Kurpfalz oder gar in Böhmen einzusetzen.

1660 kehrte Elisabeth nach der Wiedereinsetzung der Stuarts (der Thronbesteigung ihres Neffen Karls II.) nach England zurück.

Aufgrund des 1701 vom englischen Parlament erlassenen Act of Settlement wurde ihre jüngste Tochter Sophie, als einzige zu diesem Zeitpunkt protestantische Nachfahrin der Könige von England und Schottland nach der Thronfolgerin Anna Stuart, zur Thronerbin dieser Länder bestimmt. Sophias Sohn Kurfürst Georg I. von Hannover bestieg daraufhin im Jahr 1714 den britischen Thron. Elisabeth Stuart wurde dadurch zur Stammmutter sämtlicher Monarchen Großbritanniens.

Nachkommen

  1. Heinrich Friedrich (* 11. Januar 1614 in Heidelberg; † 17. Januar 1629 in der Nähe von Haarlem ertrunken, Grabstätte im St. Vinzent-Kloster oder in der Prinzenkirche in s'Gravenhage, Niederlande), Kurprinz von der Pfalz
  2. Karl Ludwig (1617–1680), Kurprinz und nachmaliger Kurfürst von der Pfalz
  3. Elisabeth (* 5. Januar 1619 in Heidelberg; † 21. Februar 1680 im Stift Herford, Grabstätte im Herforder Münster, seit dem 30. April 1667 Äbtissin zu Herford (Westfalen))
  4. Ruprecht (* 27. Dezember 1619 in Prag; † 29. November 1682 in London, Grabstätte in der Westminster-Abtei, London), seit 1643 Herzog von Cumberland, britischer Admiral, Gouverneur von Windsormorganatisch mit Lady Bellamont und später mit Margarete Hewes
  5. Moritz (* 6. Januar 1621 in Küstrin; † Spätherbst 1652, verschollen, wahrscheinlich bei einem Schiffbruch auf hoher See oder als Gefangener in Algier gestorben)
  6. Louise Maria "Luise-Hollandine" (* 18. April 1622 in Den Haag; † 11. Februar 1709 im Kloster Maubuisson, Grabstätte im Zisterzienserinnenkloster Maubuisson in Saint-Ouen-l'Aumône, Dep. Val-d'Oise, Frankreich), seit 1664 Äbtissin zu Maubuisson
  7. Ludwig (* 31. August 1623 in Den Haag; † 24. Dezember 1623 ebd., Grabstätte im St. Vinzent-Kloster oder in der Prinzenkirche in s'Gravenhage, Niederlande)
  8. Eduard (* 16. Oktober 1624 in Den Haag; † 23. März 1663 in Paris, Grabstätte in der Klosterkirche Val de Grace, Paris) ∞ seit 1645 mit Anna Gonzaga (* 1616; † 6. Juli 1684), Prinzessin von Nevers, Mantua und Monferrat
  9. Henriette Marie (* 17. Juli 1626 in Den Haag; † 20. Dezember 1651 in Patak, Grabstätte in der St. Michaels-Kirche, Karlsburg, heute Alba Julia, Rumänien) ∞ seit dem 16. Mai 1651 in Patak mit Sigismund Rákoczy (* 14. Juli 1622; † 4. Februar 1652 in Fogarasch, Grabstätte in der St. Michaels-Kirche, Karlsburg, heute Alba Julia, Rumänien), Graf von Mongatsch
  10. Philipp (* 6. Oktober 1627 in Den Haag; 15. Dezember 1650 in der Schlacht bei Rethel gefallen, Pfarrkirche Saint Charles, Sedan), lothringischer Reiteroberst
  11. Charlotte (* 19. Dezember 1628 in Den Haag; † 24. Januar 1631 in Den Haag, Grabstätte in der Hof- und Kollegiatskapelle, später französische Klosterkirche, Den Haag, Niederlande)
  12. Sophie (* 23. Oktober 1630 in Den Haag; † 8. Juni 1714 in Herrenhausen, Grabstätte in der Fürstengruft der Schlosskirche Hannover); ∞ seit dem 17. Oktober 1658 in Heidelberg mit Ernst August, Kurfürst von Hannover
  13. Gustav Adolf (* 14. Januar 1632 in Den Haag; † 9. Januar 1641, Grabstätte in der Hof- und Kollegiatskapelle, später französische Klosterkirche, Den Haag, Niederlande)

Literatur

  • Miß Benger: Memoirs of Elizabeth Stuart, queen of Bohemia. London, 1825
  • Margret Lemberg (Hrsg.): Eine Königin ohne Reich. Das Leben der Winterkönigin Elisabeth Stuart und ihre Briefe nach Hessen. Marburg (Lahn), 1996

Weblinks

 Commons: Elisabeth Stuart, Königin von Böhmen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. August Ambros: Der Dom zu Prag, Seite 96. Prag 1858, abgefragt am 6. November 2011

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