Ellipse (Sprache)


Ellipse (Sprache)

Als eine Ellipse (grch. έλλειψις élleipsis „Fehlen“, „Aussparung“, „Auslassung“, besonders inmitten von etwas) bezeichnet man

  1. ein Verfahren der Wortbildung, bei dem ein Baustein eines zusammengesetzten Wortes getilgt wird (z. B. das Weizen < das Weizenbier), im Gegensatz zum Clipping, bei dem eine Lautfolge getilgt wird, die keinen Baustein ergibt (z. B. Omnibus > Bus).
  2. ein sprachliches Stilmittel (rhetorische Figur), bei dem durch die Auslassung von Wörtern oder Satzteilen grammatikalisch „unvollständige“ Sätze gebildet werden. Diese werden in der Sprachwissenschaft als Satzellipsen bezeichnet. Bisweilen erinnert das Ergebnis an den Telegrammstil. Durch den Kunstgriff der Satzellipsen wird in der Literatur versucht, eine eindringliche Wirkung zu erzielen und Wichtiges hervorzuheben.

Eine Satzellipse kann man mit Auslassungspunkten oder durch einen Gedankenstrich (–) kennzeichnen. Elliptische Sätze sind überall in der alltäglichen Kommunikation zu finden und zeichnen sich durch weggelassene Elemente aus, die im Geiste sinnvoll ergänzt werden können. Aus diesem Grund sind Satzellipsen in der Sprachwissenschaft und Wahrnehmungspsychologie ein paradigmatischer Untersuchungsgegenstand, wie das hinreichende Verständnis und die Interpretierbarkeit von fragmentarischen Informationen möglich ist.

Elliptische Konstruktionen können sich nach und nach konventionalisieren bzw. zu fest gefügten Phrasen werden. So ist der einfache Ausruf Raus! in jedem vorstellbaren Kontext eindeutig interpretierbar, obgleich er nicht vollständig ist.

Ellipsen können auch bewirken, dass sich der Text schneller liest, um z.B. Hektik zu vermitteln.

Beispiele

  • Ende gut, alles gut!
  • Was nun?
  • Sonst noch was?
  • Noch jemand ohne Fahrschein?
  • Ohne Wenn und Aber.
  • Es war nach Mitternacht. Kein Laut. Kein Lichtschimmer. Stille Ahnung in der Luft. Er fasst Thomas' Arm. Wenigstens nicht allein.
  • Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde … (aus Johann Wolfgang Goethes „Willkommen und Abschied“, 1789).
  • Du willst doch wohl nicht …!
  • Je eher, desto besser.
  • Mir nichts, Dir nichts.
  • Nichts passt.
  • Alles ruhig.
  • Keine Musik mehr.

Siehe auch

Literatur

  • Wolfgang Müller: Die real existierenden grammatischen Ellipsen und die Norm. Eine Bestandsaufnahme, in: Sprachwissenschaft 15, 1990, S. 241–366.

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