Empfinden


Empfinden

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Eine Emotion (v. lat.: ex „heraus“ und motio „Bewegung, Erregung“), ist ein psychophysiologischer Prozess, der durch die bewusste und/oder unbewusste Wahrnehmung und Interpretation eines Objekts oder einer Situation ausgelöst wird und mit physiologischen Veränderungen, spezifischen Kognitionen, subjektivem Gefühlserleben und einer Veränderung der Verhaltensbereitschaft einhergeht. Emotionen treten beim Menschen und bei höheren Tieren auf.

Mit Emotionen beschäftigen sich unter anderem Biologie, Neurologie und Hirnforschung, Philosophie, Physiologie Psychiatrie, Psychologie, Religion, Soziologie und Verhaltensforschung.

Inhaltsverzeichnis

Begriffliche Abgrenzungen

Eine Emotion ist ein komplexer Prozess, der auf verschiedenen psychischen Funktionsebenen abläuft. Davon zu unterscheiden ist der Begriff Gefühl, der nur das subjektive Erleben der Emotion bezeichnet, wie z. B. Freude, Lust, Geborgenheit, Liebe, Trauer, Ärger, Wohlbehagen. Gefühle werden gewöhnlich als verschieden von Wahrnehmungen, Empfindungen und Denken, aber auch vom Wollen angesehen, können sich jedoch mit allen anderen Erfahrungsweisen verbinden. Vielfach wird angenommen, dass Gefühle Lust- und Unlustcharakter haben und durch ihr Angenehm- oder Unangenehmsein den Erfahrungen ein Wertprofil aufprägen (vgl. Wert).

Im Vergleich zu Stimmungen sind Emotionen relativ kurz und intensiv. Während Stimmungen und deren Auslöser oft unbemerkt bleiben, sind bei Emotionen das auslösende Objekt und die psychologischen und physiologischen Emotionskomponenten üblicherweise im Fokus der Aufmerksamkeit.

Betreffen Emotionen Handlungsintentionen oder lösen sie Handlungen aus, die nicht mehr oder in geringerem Maße kontrollierbar sind, dann spricht man von Affekten („Affekthandlung“). Während beim Gefühl der kognitive Aspekt durchaus fehlen kann – um beispielsweise Schmerz zu fühlen, muss man nicht verstehen, was passiert –, beinhalten Emotionen immer auch irgendeine Art von Verständnis. Dies trifft auch auf Affekte zu, die dann meist mit einem Werturteil wie „richtig“, „falsch“, „gut“ oder „böse“ verbunden sind.

Stimmungen unterscheiden sich von Gefühlen, Emotionen und Affekten u. a. dadurch, dass sie als zeitlich länger ausgedehnt erlebt werden („gute Laune“, „Depression“). Ähnlich wie meist nur kurzzeitige Gefühlseindrücke vermögen Stimmungen die Wahrnehmung „einzufärben“, als erlebe man die Wirklichkeit durch eine Gefühlsbrille. Was dabei erlebt wird, ist in erster Linie nicht eine kognitive Klassifizierung (z. B. „Ich bin gut gelaunt.“), sondern diese folgt normalerweise erst dem Erlebnis des Gestimmtseins. Entscheidend ist wie beim Gefühl und der Emotion, aber auch dem Affekt das jeweilige Angenehm- und Unangenehmsein. Insofern gleichen sich alle Arten des Fühlens. Ohne Unangenehmsein des Fühlens ist beispielsweise keine schlechte Stimmung erlebbar.

Funktionen des Fühlens

Neben seiner Eigenschaft, Werterfahrungen zu konstituieren, hat das Fühlen weitere Funktionen:

  1. ein bestimmtes Gefühl in einem bestimmten Körperteil zeigt uns an, ob wir uns in dieser bestimmten Situation, an diesem Ort oder mit bestimmten Menschen wohl fühlen oder nicht
  2. Gefühle, Emotionen, Stimmungen und Affekte sind ein Teil zwischenmenschlicher Kommunikation.
  3. Gefühle, Emotionen, Stimmungen und Affekte begleiten das Erkennen, z. B. im Gefühl der Evidenz und bei der Einschätzung, ob etwas als wahrscheinlich oder unwahrscheinlich angesehen wird. Auch die Intuition, der noch die expliziten Erkenntnisschritte fehlen, beruht wesentlich auf positivem und negativem und damit „bestätigendem“ oder „verneinendem“ Gefühl.
  4. Bei gesellschaftlichen Verhaltensnormen und Bräuchen und im moralischen Handeln zeigen Gefühle und Emotionen an, ob unsere individuellen Gefühle mit den geltenden Normen im Einklang sind.
  5. Im Sprachgefühl repräsentiert das negative und positive Gefühl die Einhaltung der Sprachregeln, z. B. entsprechend der Grammatik.
  6. In der Einschätzung der eigenen Gesundheit und in der Medizin deuten Gefühle auf Krankheiten oder auf den Genesungsprozess, und zwar sowohl im körperlichen wie im psychischen Bereich (Phobie, Selbstwertgefühl).
  7. Bei körperlicher und psychischer Belastung zeigen Gefühle Ermüdung, Überlastungen und Stresszustände an.
  8. Bei der Motivation spielt das Gefühl dank seines Wertcharakters eine wichtige Rolle als handlungsauslösendes Moment.
  9. Der individuelle Charakter ist über weite Strecken geprägt durch ein individuelles Gefühlsprofil. Neigungen, aber auch Fähigkeiten werden wesentlich durch Gefühle mitbestimmt.
  10. Gefühle können auch als Warnung agieren.

Klassifikation

Genaueres zur Klassifikation von Emotionen ist im Artikel Emotionstheorie zu finden.

Emotionen lassen sich grob in angenehme (euphorische) und unangenehme (dysphorische) Gefühle einteilen. Sie haben meist eine Qualität („Welche Art von Emotion?“) und eine Stärke („Wie intensiv ist die Emotion?“).

Nach Izard (1994) existieren zehn unterschiedliche Gefühle, die auf der ganzen Welt und in jeder Kultur vorkommen: Interesse, Leid, Widerwillen (Aversion), Freude, Zorn, Überraschung, Scham, Furcht, Verachtung und Schuldgefühl.

Paul Ekman, der auch ein Facial Action Coding System zur Emotionserkennung anhand von Gesichtsausdrücken entwickelte, fand in umfangreichen empirischen Statistiken Beweise für die erbliche Bedingtheit zahlreicher emotionaler Ausdrücke, darunter die von ihm unterschiedenen sieben Basisemotionen Fröhlichkeit, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung, die kulturübergreifend bei allen Menschen in gleicher Weise erkannt und ausgedrückt werden. Diese, von ihm als elementar beschriebenen Gesichtsausdrücke seien nicht kulturell erlernt, sondern genetisch bedingt.

Ältere Theorien teilen die Gefühle in vier Hauptgruppen ein:

Noch für Daniel Goleman („Emotionale Intelligenz“, 1995) sind Freude, Trauer, Wut und Angst die vier Grundgefühle.

Weitere Beispiele für Einzelemotionen sind Enttäuschung, Mitleid, Sympathie, Neid, Stolz und Verliebtheit.

Komponenten der Emotion

Eine Emotion hat üblicherweise eine kognitive, eine physiologische, eine Gefühls- und eine motivationale Komponente. Das bedeutet: Personen, die eine bestimmte Emotion haben,

  • haben bewertende Gedanken
  • bemerken körperliche Veränderungen
  • erleben ein meist definierbares und benennbares Gefühl
  • zeigen in der Folge der Emotion häufig ähnliche Verhaltensweisen.

Physiologische Aspekte

Emotionen werden, entsprechend der Zwei-Faktoren-Theorie der Emotion, durch physiologische Reize ausgelöst (wie z. B. Herzrasen, Erröten usw.), diese werden in der jeweiligen Situation interpretiert und so auf ein bestimmtes Objekt hin ausgerichtet. So würde Herzklopfen beim Sport als Anstrengung wahrgenommen, beim Flirten jedoch auf den Flirtpartner bezogen und so als Emotion interpretiert. Die Intensität der Emotion wird dabei durch die Stärke des physiologischen Reizes determiniert, während die Qualität der Emotion von der Interpretation abhängt. Dies wurde 1962 durch ein Experiment von Schachter und Singer teilweise nachgewiesen. Im Laufe des Experiments stellt sich jedoch heraus, dass die bloße subjektive Wahrnehmung eines physiologischen Reizes genügt, um eine Emotion auszulösen, obgleich dieser Reiz objektiv überhaupt nicht vorhanden ist. Somit ist es möglich, Emotionen hervorzurufen, wenn man bei einer Testperson lediglich physiologische Reize verursacht und dieser dafür einen Interpretationsansatz liefert. Erwähnt sei außerdem, dass es eine Vielzahl von Emotionstheorien gibt und Schachter nicht die einzige Erklärungsmöglichkeit liefert.

Zwei wichtige Theorien zum Verhältnis von körperlichen und emotionalen Vorgängen sind die auf William James und Carl Lange zurückgehende James-Lange-Theorie sowie die auf Walter Cannon und Philip Bard zurückgehende Cannon-Bard-Theorie.

Emotionale Intelligenz

Emotional intelligent ist jemand soweit, wie seine Intelligenz darin liegt, dass er seine eigenen Emotionen richtig gebraucht (nicht unbedingt ausgiebig), und zwar im Denken, Erkennen und sozialen Handeln; oder darin, dass er die Emotionen anderer erkennen kann und richtig mit ihnen umgeht. Emotionale Intelligenz bildet auch ein zweites Modell von Intelligenz im Unterschied zu rationalen Intelligenz des „nüchternen“ Verstandes, der von Emotionen unbeeinflusst bleiben will. Intelligenz nennt man dem entsprechend dann „emotional“, wenn sie Emotionen benutzen soll oder als unersetzlichen Bestandteil haben soll. Die Validität des Konstrukts Emotionale Intelligenz ist in der empirischen Psychologie allerdings umstritten.

Emotionsausdruck im Kulturvergleich

Das Studium verschiedener Kulturen hat gezeigt, dass Gefühle nicht zwangsläufig identisch mit der gezeigten Emotion sind. Die resultierende Unterscheidung betont die „Innerlichkeit“ des Gefühls gegenüber dem beobachtbaren Ausdruck von Emotionen, der von kulturellen Faktoren beeinflusst wird.

Eine Vielzahl an grundlegenden Emotionen existiert in jeder Kultur zu jeder Zeit. Diese Emotionen sind eng mit gleichzeitig auftretenden neuronalen Prozessen gekoppelt. Man geht davon aus, dass die fundamentalen Emotionen einen engen Zusammenhang zum dazugehörigen Gesichtsausdruck aufweisen.

In kulturvergleichenden Studien wurde Wut beispielsweise stets mit einem Senken und Zusammenziehen der Augenbrauen, schlitzförmigen Augen und einem zusammengepressten Mund ausgedrückt. Man geht also davon aus, dass der mimische Ausdruck der Grundemotionen universal ist.

Siehe auch: Cross-Race-Effekt

Emotionale Verhaltenssteuerung

Die Emotionen finden ihren Ursprung in phylogenetisch älteren Teilen des Gehirns (insbesondere im Limbischen System) und haben mit neuralen und neuroendokrinen Prozessen eine Schlüsselstellung für das artspezifische Verhalten. Empfindungen wie Hunger, Kälte, Sorgen, Abneigungen und Ängste bezüglicher bedrohlicher oder nachteiliger Umstände und auch Zufriedenheit, geschlechtliche Attraktion und Liebe zwischen Verwandten sind Mittel der Gene, die von ihnen erzeugten Körper dazu zu bewegen, die Überlebenschancen der Gene und ihrer Kopien zu verbessern. Die vermeintliche Alternative einer Verhaltenssteuerung durch Intelligenz steht und fällt mit dem Nachweis der Einflüsse der Emotionen auf diese Intelligenz.

Anwendungen der Emotionsforschung

Emotion spielt in vielen angewandten Bereichen eine herausragende Rolle. Bei psychischen Störungen sind emotionale oder affektive Symptome oft das zentrale Problem. In der Psychotherapie sind Emotionen wichtig für die längerfristige Veränderung von Erleben und Verhalten. Die Werbepsychologie und Verkaufspsychologie versuchen manipulativ v.a. positive Emotionen im Zusammenhang mit den angepriesenen Produkten zu erzeugen, um eine bessere Bewertung durch den Kunden zu erreichen. Allgemein ist das gezielte Hervorrufen von Emotionen ein Mittel, das Erleben und Verhalten von Menschen und Tieren zu verändern. Umgekehrt kann emotionale Manipulation durch intensives psychisches sowie physisches Training stark beeinflusst, ja sogar unterbunden werden.

Mit dem Begriff Emotionsregulation (oder Affektregulation) werden allgemein alle Prozesse bezeichnet, die der mentalen Verarbeitung emotionaler Zustände dienen (z. B. „Impulskontrolle“, „Desensibilisierung“).

Geschichte des Gefühlsbegriffs

Bereits im Altertum bezeichneten die Philosophen Aristippos von Kyrene (435–366 v. Chr.) und Epikur (341–270 v. Chr.) „Lust“, bzw. (je nach Übersetzung Epikurs) auch „Freude“, „Vergnügen“ (hêdonê) als wesentliches Charakteristikum des Fühlens. Als „unklare Erkenntnisse“ und vernunftlose und naturwidrige Gemütsbewegungen wurden die Gefühle von den Stoikern (etwa 350–258) bestimmt; das Lustprinzip der Epikureer wird in Frage gestellt. Die ältere Philosophie und Psychologie behandelt das Thema Emotionen und Gefühle vorzugsweise unter dem Begriff der „Affekte“ (lat. affectus: Zustand des Gemüts, griech.: pathos; vgl. Affekt), bzw. auch der „Leidenschaften“ und hier vor allem unter dem Gesichtspunkt der Ethik und Lebensbewältigung. „Die Bestimmung des Begriffs der Affekte hat vielfach geschwankt. Bald sind die Affekte enger nur als Gemütsbewegungen gefasst worden, bald sind sie weiter auch als Willensvorgänge gedacht, bald sind sie als vorübergehende Zustände, bald auch als dauernde Zustände definiert und dann mit den Leidenschaften vermischt worden.“ (Friedrich Kirchner, 1848–1900). Für die Kyrenaiker (4. Jahrh. v. Chr.) sind zwei Affekte wesentlich: Unlust und Lust (ponos und hêdonê). Auch Aristoteles (384–322) versteht unter Affekten seelisches Erleben, dessen wesentliche Kennzeichen Lust und Unlust sind.

Descartes (1596–1650) unterscheidet sechs Grundaffekte: Liebe, Hass, Verlangen, Freude, Traurigkeit, Bewunderung. Für Spinoza (1632–1677) sind es dagegen drei Grundaffekte: Freude, Traurigkeit und Verlangen. Auch Immanuel Kant (1724–1804) sah das Fühlen als seelisches Grundvermögen der Lust und Unlust: „Denn alle Seelenvermögen oder Fähigkeiten können auf die drei zurückgeführt werden, welche sich nicht ferner aus einem gemeinschaftlichen Grunde ableiten lassen: das Erkenntnisvermögen, das Gefühl der Lust und Unlust und das Begehrungsvermögen“.

Friedrich Nietzsche (1844–1900) trennte nicht zwischen emotionalem und kognitivem Aspekt: „Hinter den Gefühlen stehen Urteile und Wertschätzungen, welche in der Form von Gefühlen (Neigungen, Abneigungen) uns vererbt sind.“

Ein viel beachteter Versuch der Gegenwart war die mehrgliedrige Begründung der wesentlichen Faktoren des Gefühls von Wilhelm Wundt (1832–1920) durch sein System zur Beschreibung der Emotionen in drei Dimensionen Lust / Unlust, Erregung / Beruhigung, Spannung / Lösung.[1] Ein anderer, einflussreicher Erklärungsversuch stammt von dem amerikanischen Psychologen und Philosophen William James (1842–1910). James glaubte, ohne körperliche Reaktionen entstünden Gefühle bzw. Emotionen gar nicht erst (ideomotorische Hypothese). Emotionen sind für ihn nichts anderes als das Empfinden körperlicher Veränderungen. Nach James weinen wir nicht, weil wir traurig sind, sondern wir sind traurig, weil wir weinen. Wir laufen nicht vor dem Bären weg, weil wir uns fürchten, sondern wir fürchten uns, weil wir weglaufen.

Psychologen wie Hermann Ebbinghaus (1850–1909) und Oswald Külpe (1862–1915) vertraten das eindimensionale Modell aus Lust und Unlust. Der Psychologe Philipp Lersch (1898–1972) argumentierte dagegen: „Dass dieser Gesichtspunkt zur Banalität wird, wenn wir ihn etwa auf das Phänomen der künstlerischen Ergriffenheit anwenden, liegt auf der Hand. Die künstlerische Ergriffenheit wäre dann ebenso ein Gefühl der Lust wie das Vergnügen am Kartenspiel oder der Genuss eines guten Glases Wein. Andererseits würden Regungen wie Ärger und Reue in den einen Topf der Unlustgefühle geworfen. Beim religiösen Gefühl aber – ebenso auch bei Gefühlen wie Achtung und Verehrung – wird die Bestimmung nach Lust und Unlust überhaupt unmöglich.“

Franz Brentano (1838–1917) nahm an, die Zuordnung von Gefühl und Objekt sei nicht kontingent, sondern könne richtig sein („als richtig erkannte Liebe“). Ähnlich sahen Max Scheler (1874 – 1928) und Nicolai Hartmann (1852 – 1950) Gefühle im so genannten „Wertfühlen“ als zutreffende Charakterisierungen von Werterfahrungen an (vgl. „Materiale Wertethik“, „Werte als ideales Ansichsein“).

Auch für Sigmund Freud (1856–1939) sind Gefühle im Wesentlichen gleichzusetzen mit Lust und Unlust („Lust-Unlust-Prinzip“), mit der Variante, dass jede Lustempfindung im Kern sexuell ist. Freud war der Meinung: „Es ist einfach das Programm des Lustprinzips, das den Lebenszweck setzt – an seiner Zweckdienlichkeit kann kein Zweifel sein, und doch ist sein Programm im Hader mit der ganzen Welt.“

Carl Gustav Jung (1875–1961) betonte ebenfalls die Rolle von Lust und Unlust, bezweifelte jedoch, dass jemals eine Definition „in der Lage sein wird, das Spezifische des Gefühls in einer nur einigermaßen genügenden Weise wiederzugeben“. Der amerikanische Hirnforscher Damasio (geb. 1944) definiert Gefühle und Emotionen vorwiegend kognitiv und als Körperzustände: „Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Gefühl sich zusammensetzt aus einem geistigen Bewertungsprozess, der einfach oder komplex sein kann, und dispositionellen Reaktionen auf diesen Prozess“ (…). – „Nach meiner Ansicht liegt das Wesen des Gefühls in zahlreichen Veränderungen von Körperzuständen, die in unzähligen Organen durch Nervenendigungen hervorgerufen werden.“

In der Gegenwart ist die Situation hinsichtlich des Gefühls- und Emotionsbegriffs eher unübersichtlich: Zahlreiche Ansätze versuchen Charakter und Gesetzmäßigkeiten des Fühlens zu bestimmen, allerdings ohne eine Übereinkunft zu erzielen: z. B. Marañón 1924, Walter Cannon (1927), Woodworth (1938), Schlosberg (1954), Schachter und Singer (1962), Valins 1966, Burns und Beier (1973), Graham (1975), Marshall u. Philip Zimbardo 1979, Rosenthal (1979), Schmidt-Atzert (1981), Lange (1998). Der amerikanische Philosoph Robert C. Solomon stellte angesichts der Verschiedenartigkeit der Deutungen unlängst fest: „Was ist ein Gefühl? Man sollte vermuten, dass die Wissenschaft darauf längst eine Antwort gefunden hat, aber dem ist nicht so, wie die umfangreiche psychologische Fachliteratur zum Thema zeigt.“ (Robert C. Solomon: Gefühle und der Sinn des Lebens, Frankfurt am Main 2000, S. 109).

Neue Ansätze, die Forschungsergebnisse aus den Neurowissenschaften wie auch der Künstlichen Intelligenz berücksichtigen, sehen Emotionen als "Modulator". Der Psychologe Bas Kast vergleicht in diesem Zusammenhang Emotionen mit einem Equalizer mit verschiedenen "Klangprogrammen" (wie "Rock", "Klassik" usw.). Jede Emotion sei demnach eine Art Klangkonfiguration von Kopf und Körper. Als Beispiel nennt Kast die Emotionen Angst, Liebe und Ekel. Bei Angst ist unter anderem die Hirnstruktur Amygdala aktiviert, bei Liebe ist gerade diese Struktur deaktiviert. Die Amygdala wiederum modifiziert den Erregungszustand anderer Hirnregionen und versetzt den Körper in Alarmbereitschaft, in eine spezifische physiologische Konfiguration. Der Aktivitätszustand soll dabei helfen, mit der bedrohlichen Situation fertigzuwerden. In anderen Situationen benötigt man andere Hirnregionen und andere Körperzustände. Wie bei einem digitalen Equalizer muss beim Wechsel der Situation/Emotion nicht immer jede Frequenz (jeder hirnphysiologische und körperliche Parameter) einzeln von Hand eingestellt werden, sondern dies geschieht praktischerweise als Konfiguration, die wir als "Angst", "Ekel", generell als Emotionen, beschreiben.[2]

Zitat

„Emotionen sind kein Luxus, sondern ein komplexes Hilfsmittel im Daseinskampf.“

Antonio R. Damasio

Siehe auch

Literatur

Grundlegende und allgemeine Fachbücher
  • Bard, P.: (1934) On emotional expression after decortication with some remarks on certain theoretical views. Part II. Psychol. Rev. 41 424–49.
  • Ciompi, L.: Die emotionalen Grundlagen des Denkens. Entwurf einer fraktalen Affektlogik. Vanderhoeck & Ruprecht, Göttingen 1997
  • Darwin, Charles: Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren. (1872) Eichborn, Frankfurt a.M. 2000. ISBN 3-8218-4188-5 (digitalisierte Fassung der ersten dt. Ausgabe von 1877
  • Dutschmann, A. (2000): Aggressionen und Konflikte unter emotionaler Erregung- Deeskalation und Problemlösung. Manual zum Typ B des ABPro. Tübingen: DGVT-Verlag.
  • Flam, H. (2002): Soziologie der Emotionen. Konstanz: UVK.
  • Lange, C. (1887): Über Gemütsbewegungen. Leipzig: Thomas.
  • Lazarus-Mainka, G. & Siebeneick, S. (Hrsg.) (2000): Angst und Ängstlichkeit. Göttingen: Hogrefe.
  • Merten, J. (2003): Einführung in die Emotionspsychologie. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Neckel, S.: Emotion by design. Das Selbstmanagement der Gefühle als kulturelles Programm. In: Berliner Journal für Soziologie. 15. Jg., Heft 3/05. VS, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden. 140 S.
  • Otto, J.H., Euler, H.A. & Mandl, H. (2000): Emotionspsychologie. Ein Handbuch, Weinheim: Beltz.
  • Schachter, S. und Singer, J. (1962): Cognitive, social and physiological determinants of emotional state. Psychol. Rev. 69 379–407.
  • Schmitz, H. (2005): Der Gefühlsraum. Bonn: Bouvier.
  • Schweizer, K. & Klein, K.-M. (2008). Medien und Emotion. In B. Batinic und M. Appel (Hrsg.) Medienpsychologie, Heidelberg: Springer Verlag, S. 149-175.
  • Schwarz-Friesel, M. (2007):Sprache und Emotion. Stuttgart: UTB.
Philosophie der Emotionen
  • Blackburn, Simon (1998): Ruling Passions. Oxford and New York: Oxford University Press.
  • Cannon, W. B. (1927): The James-Lange theory of emotions: A critical examination and an alternative. American Journal of Psychology 39 106–124.
  • Charland, Louis (1995): Feeling and Representing: Computational Theory and the Modularity of Affect Synthese, 105: 273–301.
  • Charland, Louis (1997): "Reconciling Cognitive and Perceptual Theories of Emotion: A Representational Proposal Philosophy of Science, 64: 555–579.
  • Charland, Louis (2002): The Natural Kind Status of Emotion, British Journal for the Philosophy of Science, 53: 511–37.
  • Damasio, Antonio (1999): The Feeling of what Happens: Body and Emotion in the Making of Consciousness, New York: Harcourt Brace and Co.
  • de Sousa, Ronald (1987): The Rationality of Emotion. Cambridge, MA: MIT Press.
  • Goldie, Peter (Hg.) (2002): Understanding Emotions. Aldershot: Ashgate Publishing.
  • Griffiths, Paul (1997): What Emotions Really Are The Problem of Psychological Categories. Chicago: University of Chicago Press.
  • James, W. (1884): What is an emotion? Mind 9 185–205.
  • LeDoux, Joseph (1998): The Emotional Brain The Mysterious Underpinnings of Emotional Life. New York: Simon and Schuster.
  • Lyons, William (1980): Emotion. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Solomon, Robert (1999): The Philosophy of Emotions, in: Handbook of Emotions, hg. Mark Lewis und Jeannette Haviland-Jones, 3–15. New York: Guilford Press.
  • Baruch Spinoza: Ethica, ordine geometrico demonstrata („Ethik, nach geometrischer Methode dargestellt”, 1677 postum erschienen - ISBN 3888511933)
  • Thagard, Paul (2006): Hot Thought: Mechanisms and Applications of Emotional Cognition, Cambridge, MA: MIT Press.
Populärwissenschaftliche Sachbücher
  • Damasio, A.: Descartes' Irrtum. Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. List TB, Berlin 2004. 384 S.
  • Goleman, D.: EQ – Emotionale Intelligenz. dtv, München 1997, 422 S.
  • Hartmann, M.: Gefühle. Wie die Wissenschaften sie erklären. Campus, Frankfurt am Main 2005. 184 S.
  • Hastedt, H.: Gefühle. Philosophische Bemerkungen. Reclam, Stuttgart 2005. 164 S.
  • Kiesow, R.M. & Korte, M.: Emotionales Gesetzbuch. Dekalog der Gefühle. Herausgegeben von Kiesow und a. Böhlau, Köln und Weimar 2005. 320 S.
  • Ochmann, F.: Die gefühlte Moral. Warum wir Gut und Böse unterscheiden können. Ullstein, Berlin 2008. 320 S.
  • Solomon, R. C.: Gefühle und der Sinn des Lebens. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2000.
  • Sonnberger, T.: Die Welt der Emotionen. Gewinn, Wien 2004, 262 S.

Weblinks

Quellen

  1. Ansgar Feist: Kontinuierliche Erfassung subjektiver und physiologischer Emotionsvariablen während der Medienrezeption. Abgerufen am 28. Dezember 2008.
  2. Bas Kast: Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft, Frankfurt am Main 2007

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