Empörung (Philip Roth)


Empörung (Philip Roth)

Empörung (englischer Originaltitel Indignation) ist ein 2008 erschienener Roman des amerikanischen Schriftstellers Philip Roth. Die deutsche Übersetzung von Werner Schmitz erschien 2009 im Münchener Hanser Verlag.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der 19-jährige Ich-Erzähler Marcus Messner, Sohn eines jüdischen Metzgers und Jurastudent, entzieht sich der plötzlich ausbrechenden paranoischen „Sorge“ seines Vaters, indem er vom College des heimatlichen Newark auf das in Winesburg, Ohio, wechselt. Nun noch mehr auf Lernen und Bestnoten fixiert, sieht er sich zwei Mal zu einem Zimmerwechsel genötigt, worauf er vom Dean eine Vorladung erhält. In ihrem Disput entlarvt sich die Scheinheiligkeit der „Sorge“ des Dean durch Marcus‘ argumentative und moralische Überlegenheit Schritt für Schritt als das, was sie wirklich ist: ein perfides, den Zeitgeist des McCarthyismus spiegelndes Verhör, das darauf abzielt, jeglichen Ansatz nonkonformen Verhaltens zu brechen. Das gelingt im Fall von Marcus nicht – und letzten Endes doch. Die höchst reale und begründete Angst, bei einem Verweis vom College in den Koreakrieg einberufen zu werden, verfehlt ihre Wirkung nicht. Marcus wird verunsichert, beginnt zu lavieren, verrät sogar seine erste Liebe – und scheitert schließlich an einem vergleichsweise lapidaren Fehler. Ihm widerfährt, was der Leser von Beginn an befürchtet und nach einem Viertel der Lektüre mit Sicherheit weiß: ein schneller, grausamer und sinnloser Tod.

Gestaltung

Struktur und Erzählidee

Der knapp 200-seitige Text teilt sich in zwei Kapitel (Unter Morphium, Aus und vorbei) von höchst unterschiedlicher Länge, ergänzt durch eine Historische Anmerkung. Im zweiten, ganze 5 Seiten umfassenden Kapitel erfährt man – nunmehr durch einen auktorialen Erzähler –, dass das erste als eine Art rauschhafte Erinnerung zu lesen ist, die das Hirn des bewusstlosen, todgeweihten Marcus unter dem Einfluss von Morphiumspritzen leistet, welche nicht nur als Schmerzdämpfer, sondern zugleich wie Gedächtnistreibstoff wirken.

Genre und Titel

Empörung erfüllt im Grunde alle typischen Merkmale einer Novelle. Das betrifft u.a. die starke Fokussierung – auf den Protagonisten, den zentralen Konflikt und ein dominierendes, dicht gefügtes Motivgeflecht (Schlachtbank-Tod-Blut-Messer/Klinge...) – sowie die dramatische Grundstruktur. In Anlage und Wirkung entfaltet sich das Werk wie eine antike Tragödie. Sie resultiert aus der Fallhöhe des Helden, einer gewissen Mitschuld an seinem eigenen Untergang und aus der Schicksalhaftigkeit des konstruierten Geschehens. Diesbezüglich wird, neben dem Ödipus-Motiv (Flucht vor dem väterlichen „Fluch“, der sich genau dadurch umso tragischer erfüllt), vor allem das titelgebende, ebenso stolze wie verhängnisvolle Wort Empörung mit Bedeutung aufgeladen: Marcus lernt es in der Grundschule als Teil der chinesischen Nationalhymne – benutzbar gegen den gemeinsamen Kriegsfeind Japan – kennen und singen; der rebellische Geist des Liedes trägt ihn durch die zweite und für ihn letzte der christlichen Predigten (zu insgesamt 50 sind die Studenten zwangsverpflichtet) wie auch durch die sich anschließende Auseinandersetzung mit dem Dean; und am Ende seines kurzen Lebens hört er es aus dem Munde derer, die es schufen und nun gegen einen neuen Feind wenden.

Wertung

Die Empörung, die sich auf den mitfühlenden und –rebellierenden Leser überträgt, bezieht ihre Stärke gerade daraus, dass sie – obwohl nur Vergangenes erzählt und keinerlei Aktualisierung gesucht wird – im Kern auf Heutiges und potenziell immer wieder Mögliches zielt. Nach Verschwörung gegen Amerika – so eine der Kritiken[1] – sei dies das zweite Buch, in dem Philip Roth seine Bilanz der Ära Bush zieht, hier nun, indem er das zweite Grundgebrechen seiner Präsidentschaft verhandelt: die totalitär gewordene, zum sozialen Zwang werdende Frömmigkeit; verschärfend komme hinzu, dass über dem aktuellen Obama-Rausch nicht vergessen werden dürfe, dass mit der Welt der Sarah Palin der religiöse Irrsinn [...] überraschend nah am Griff nach der Macht war.


Quellen

  1. Gustav Seibt: Amerika in der Hölle. In: Süddeutsche Zeitung vom 3. Februar 2009 [1]

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