Energiestandard (Gebäude)


Energiestandard (Gebäude)

Der Energiestandard eines Gebäudes legt fest, wie hoch der Energiebedarf des bewerteten Hauses pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr sein darf.

Generell wird ein bestimmter Energiestandard durch bauliche Maßnahmen und Haustechnik erreicht. Das Nutzerverhalten hat keinen Einfluss auf den Standard, beeinflusst aber den wirklichen Verbrauch.

Inhaltsverzeichnis

Energiestandards

In der Bauwirtschaft gibt es eine Vielzahl von Energiestandards und Bezeichnungen. Diese sind bisher nicht durch Normen festgelegt. Es gibt aber übliche und allgemein anerkannte Standards, die mittels Zertifizierungs- und Qualitätssicherungsangeboten dokumentiert werden.

Niedrigenergiehaus

Um den Standard Niedrigenergiehaus zu erreichen, dürfen 70 kWh/(m²a) Heizwärmebedarf nach der seit 1. Februar 2002 in Deutschland geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV) nicht überschritten werden. Diese Verordnung ist seit dem 1. Januar 2009 überholt, da der Energiestandard auf KfW-60-Basis gesenkt wurde.

Passivhaus

Der Standard Passivhaus oder Minergie-P-Standard, legt einen Heizwärmebedarf von maximal 15 kWh/(m²a), Primärenergiebedarf, einschließlich des Haushaltstroms, von unter 120 kWh/(m²a) fest. Der Flächenbezugswert ist die beheizte Wohnfläche. Der Schweizer Minergie-P-Standard weicht leicht von den Anforderungen des Passivhauses ab.

Nullenergiehaus

Der Nullenergiehaus-Standard kommt im Jahresmittel ohne Netto-Energiebezug von außen aus.

Plusenergiehaus

Beim Plusenergiehaus-Standard erfolgt im Jahresmittel eine Netto-Energielieferung nach außen. Ein solches Haus ist dazu mit zahlreichen Solarzellen zur Stromerzeugung ausgestattet; weitere Anlagen sind Sonnenkollektoren, Wärmerückgewinnung und Erdwärmeübertrager. Ein erster Prototyp von Rolf Disch, das „Heliotrop“, wurde 1994 in Freiburg im Breisgau errichtet. Seit 2000 plante und realisierte Disch darüber hinaus eine Siedlung mit 59 Plusenergiehäusern, ebenfalls in Freiburg, in der sogenannten Solarsiedlung.

KfW-40

Der Jahres-Primärenergiebedarf für Warmwasser und Heizung Qp" liegt bei weniger als 40 kWh/(m²a), der Flächenbezugswert ist die Gebäudenutzfläche. Bei KfW-40-Häusern muss der spezifische Transmissionswärmeverlust (HT´) immer mindestens 45 Prozent unter dem in der Energieeinsparverordnung (EnEV) angegebenen Höchstwert liegen. Der Standard ist nach der KfW-Förderbank benannt.

KfW-60

Der Jahres-Primärenergiebedarf für Warmwasser und Heizung Qp" liegt bei weniger als 60 kWh/(m²a), der Flächenbezugswert ist die Gebäudenutzfläche. Bei KfW-60-Häusern muss der spezifische Transmissionswärmeverlust (HT´) künftig – unabhängig von der Wahl der Heizungsanlage – immer mindestens 30 Prozent unter dem in der Energieeinsparverordnung (EnEV) angegebenen Höchstwert liegen.

X-Liter-Häuser

Hier wird der Heizöl-Bedarf definiert. Eine sehr konkrete und plakative, allerdings auch unpräzise Bezeichnung. Oft wird für Niedrigenergiehäuser als 3-Liter-Haus geworben, dieser Wert ist aber nur mit sorgfältiger Planung und umfangreichen Maßnahmen zu erreichen. Ein Passivhaus kommt im Jahr mit weniger als 1,5 l/m² für die Heizung aus.

Schweizer Minergiestandard

Für neue Wohnbauten gilt in der Schweiz der Minergiestandard. Dieser schreibt ein Maximum von 42 kWh/(m²a) Heizwärmebedarf vor. Als Energiebezugsfläche gilt die Bruttogeschossfläche.

Aktuelle Situation in Deutschland

Wohnhäuser aus den 1960er und 1970er Jahren benötigen etwa 300 kWh/(m²a). Der Heizwärmebedarf der deutschen Wohnhäuser lag 2002 durchschnittlich bei etwa 160 kWh/(m²a). [1] Die bis 31. Januar 2002 geltende Wärmeschutzverordnung (WSVO 95) Deutschlands schrieb für Neubauten einen Heizwärmebedarf von 54 bis 100 kWh/(m²a) vor. Die Sanierung eines Altbaus mit Passivhaus-Komponenten kann mit wirtschaftlichem Aufwand einen Heizwärmebedarf von 30 kWh/(m² a) erreichen (sog. Umbau zum "3-Liter-Haus"). Im Rahmen des ersten Konjunkturpakets der Bundesregierung hat die KfW Förderbank ihre Programme für energieeffizientes Bauen und Sanieren seit Januar 2009 deutlich ausgeweitet.

Siehe auch

Weblinks

Quellen

  1. Bine - Fachinformationszentrum Karlsruhe

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