Eni (Unternehmen)

Eni (Unternehmen)
Eni S.p.A.
Eni-Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN IT0003132476
Gründung 1953
Sitz Rom, Italien

Leitung

Mitarbeiter 79.941 (2010)
Umsatz 98,360 Mrd. EUR (2010)
Branche Öl und Gas
Website www.eni.it

Eni S.p.A. ist ein italienischer Erdöl- und Energiekonzern, der in den Bereichen Erdöl, Erdgas, Stromerzeugung, Petrochemie, Ingenieurwesen und Services auf Ölfeldern tätig ist.

Inhaltsverzeichnis

Kennzahlen

Eni ist das größte Unternehmen Italiens und ist mit einem Jahresumsatz von € 87,3 Mrd. und einem Nettogewinn von € 10,0 Mrd. das zwölftgrößte Unternehmen Europas. Die Börsenkapitalisierung beträgt rund € 92 Mrd. Eni ist in 70 Ländern tätig und beschäftigt über 75.000 Personen.

Das Tankstellennetz wird unter dem Markennamen Agip geführt und umfasst in Italien 4.356 Servicestationen, mit denen Eni einen Marktanteil von 29,3 % hält und damit größter Tankstellennetz-Betreiber des Landes ist. Im Rest Europas betreibt Agip weitere 1.938 Tankstellen und Shops, davon rund 240 in der Schweiz, 600 in Deutschland und über 300 in Österreich (seit dem 2. Quartal 2011 unter dem Markennamen ENI).

Der Unternehmensname Eni ist ein Akronym des vollständigen Namens Ente Nazionale Idrocarburi.

Unternehmensdaten

(Zahlen in Mrd. €) 2004 2005 2006 2007 2008
Konzernumsatz 57,545 73,728 86,105 87,256 108,148
operativer Gewinn 12,399 16,827 19,327 18,868 18,641
Nettogewinn nach Steuern 7,059 8,788 9,217 10,011 8,825
Eigenkapital 35,540 39,217 41,199 42,867 48,510
Börsenkapitalisierung 69,4 87,3 93,8 91,6 60.6

Besitzverhältnisse

(Stand: 2008[1])

30,30 % Italienischer Staat davon 20,31 % direkt und 9,99 % indirekt über die Cassa Depositi e Prestiti S.p.A.
9,56 % Eigene Aktien
61,59 % Streubesitz

Eni hatte Ende 2006 insgesamt 345.798 Aktionäre; 97,5 % davon in Italien ansässig. Diese hielten einen Aktienanteil von 62,4 %, während die im Ausland ansässigen Aktionäre einen Aktienanteil von 37,6 % besaßen.

Geschäftsfelder und Kerngeschäfte

Die Geschäftsfelder von Eni umfassen Erdöl, Erdgas, Stromerzeugung, Entwicklung und Bau von Anlagen sowie Petrochemie. Diese sind in die drei Kerngeschäfte Exploration & Produktion, Gas & Energie und Raffination & Marketing aufgegliedert.

Exploration & Produktion

Eni betreibt Exploration und fördert Erdöl und Erdgas in Italien, nördlichen und westlichen Afrika, Nordsee, Golf von Mexiko und Australien sowie in Gebieten mit hohem Potenzial wie Kaspisches Meer, Naher und Ferner Osten, Indien und Alaska.

Die Produktion belief sich 2006 auf 1,77 Mio. Barrel of Oil Equivalent (boe) pro Tag. Die gesicherten Reserven betragen per Ende 2006 rund 6,44 Mrd. boe, was bei gleichbleibender Produktion und ohne Neuentdeckungen einer Lebenszeit von zehn Jahren entspricht.

Der Bereich Exploration & Produktion hat 2006 einen Umsatz von 27,2 Mrd. Euro erwirtschaftet, was rund 32 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht.

Gas & Energie

Als ehemaliger Staatsmonopolist ist Eni der größte Gasversorger Italiens und im Bereich Lieferung, Transport, Vertrieb und Verkauf von Erdgas tätig. Im Gegensatz zu anderen großen Erdölgesellschaften bildet dies das zweite starke Standbein von Eni, was es weit weniger abhängig vom Erdölmarkt macht. Der Verkauf von Erdgas belief sich 2006 auf 97,48 Mrd. Kubikmeter, 52 Prozent davon im italienischen Heimatmarkt und 36 Prozent im restlichen Europa.

Ebenfalls ist Eni in der Produktion und Verkauf von Strom tätig, wo Eni in den letzten Jahren ein enormes Wachstum verzeichnet hat. Der Verkauf von Strom belief sich 2006 auf 24,82 Terawattstunden (TWh), was mittlerweile bereits rund einem Viertel der Produktion des ehemaligen Strommonopolisten und Konkurrenten Enel bzw. einem heimischen Marktanteil von acht Prozent entspricht.

Der Bereich Gas & Energie hat 2006 einen Umsatz von € 28,4 Mrd. erwirtschaftet, was rund 33 % des Gesamtumsatzes entspricht.

Refining & Marketing

Der Bereich Raffination und Vermarktung von Erdölprodukten beinhaltet die Raffinerien, die Lager und der Transport, sowie das Vertriebsnetz von Agip. Der Umsatz in diesem Bereich beläuft sich 2006 vor Bereinigung der Doppelzählungen aus den anderen beiden Bereichen auf 38,2 Mrd. €.

Geschichte

Die Ursprünge von Eni liegen in der 1926 gegründeten Agip (Azienda Generale Italiana Petroli), mit der Italien seine Erdöl- und Gaspolitik lancierte und die Exploration von Kohlenwasserstoffen in Italien und die Zusammenarbeit mit Rumänien, Albanien und dem Irak einleitete. In den darauf folgenden Jahren wurde das Vertriebsnetz Agip eingerichtet, während die Exploration mit wenig Erfolg fortgesetzt wurde, sodass der zum Insolvenzverwalter bestellte Enrico Mattei 1945 beauftragt wurde, die Gesellschaft zu liquidieren. Kurz darauf wurden verschiedene große Erdgasvorkommen in der Poebene entdeckt und die Liquidation der Agip eingestellt.

1953 wurde Eni (Ente Nazionale Idrocarburi) gegründet und Enrico Mattei als erster Vorstandsvorsitzender eingesetzt, gleichzeitig wurde Agip in Eni integriert. Mattei kippte das Monopol der größten erdölproduzierenden Gesellschaften und führte eine neue Vertragsformel mit den produzierenden Ländern ein. Diese Formel, die zum ersten Mal Mitte der 1950er Jahre in Ägypten und im Iran eingesetzt wurde, bot den örtlichen staatlichen Behörden eine 50-prozentige Beteiligung an und damit, am Profit aus der Entwicklung der Gas- und Erdölproduktion teilzuhaben.

In den 1950er und 1960er Jahren wurden bedeutende Erdgasvorkommnisse in der Adria entdeckt und in Tunesien mit "El Borma" eines der größten Erdölvorkommnisse Afrikas. Die Expansion erfolgte nebst in Italien v. a. in Afrika, wo in Libyen, Äthiopien und Somalia Tankstellennetze aufgebaut und im Golf von Sues und in Nigeria bedeutende Erdölvorkommnisse entdeckt wurden. In Marokko nahm Eni seine erste Raffinerie in Afrika in Betrieb. 1960 unterzeichnete Eni mit der Sowjetunion einen Vertrag über den Erdölimport nach Italien. Weitere große Erdölvorkommnisse wurden im Iran und im Persischen Golf entdeckt.

In den 1970er Jahren erkennt Eni Erdgas als alternative Energiequelle, um der durch das erste Ölembargo ausgelösten Krise entgegenzutreten, und unterzeichnete Vereinbarungen über den Import von Gas aus der Sowjetunion und den Niederlanden. Von da an wurde Erdgas zum zweiten bedeutenden Standbein, was Eni von den anderen weltgrößten Mineralölunternehmen noch heute unterscheidet. So führte Eni in Italien Tiefbohrungen durch und baute bedeutende internationale Gaspipelines nach Tunesien und Algerien, welche die Gaslieferungen nach Italien sicherten.

In die 1990er Jahren wurden eine Reihe wichtiger strategischer Entscheidungen getroffen. So wurde 1992 Eni von einer öffentlich-rechtlichen Anstalt in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und 1995 mit einer IPO die Teilprivatisierung eingeleitet. In vier Tranchen wurden in den Jahren 1995 bis 1998 gesamthaft 63 % des Aktienkapitals am Markt platziert. Die internationale Tätigkeit wurde durch Zukäufe in Algerien, China, Angola, der Nordsee und Ägypten stark ausgebaut. Mit Kasachstan, Aserbaidschan, Nigeria und Angola wurden wichtige Vereinbarungen unterzeichnet. 1999 besiegelte Eni mit Gazprom eine Vereinbarung über den Bau der 1'250 km langen Blue Stream Gaspipeline, die Russland über das Schwarze Meer mit der Türkei verbindet.

Eni expandierte nach der Jahrtausendwende mit den Zukäufen der im Bereich Exploration und Produktion tätigen British Borneo und Lasmo weiter. Ebenfalls wurde die Konzernstruktur reorganisiert. Weitere Projekte waren die Wiederaufnahme der Exploration und Produktion in Saudi Arabien, die Förderung aus dem kürzlich entdeckten großen Vorkommens Kashagan und der Start des Western Libya Gas Project. Weiter hat sich Eni Explorations-Lizenzen in Nord Alaska und Indien gesichert und 2006 mit Gazprom ein Abkommen unterzeichnet, das Eni die Gaslieferung aus Russland bis 2035 garantiert und Gazprom den Eintritt in den italienischen Markt erlaubt. Neben Erdöl und Erdgas wächst die Sparte Energiegewinnung zum dritten starken Standbein von Eni.

1999 wurde EniChem in Syndial umbenannt, wobei die Bereiche, die nicht zur Petrochemie gehörten, im Jahr 2002 an Polimeri Europa übertragen wurden. Syndial trägt bis heute an den Altlasten des Chemiekonzerns. So verurteilte 2008 ein Turiner Gericht das Unternehmen zu einer Geldbuße von 1,9 Milliarden Euro wegen der Einleitung von DDT in den Lago Maggiore in den Jahren 1990 bis 1996.[2]

Aus einer noch anfangs der 90er Jahre defizitären geltenden öffentlich-rechtlichen Anstalt ist ein profitabler Weltkonzern geworden. Umsatz und Gewinn haben sich von 1997 bis 2006 von € 31,3 Mrd. auf € 86,1 Mrd. beziehungsweise von € 2,6 Mrd. auf € 9,2 Mrd. etwa verdreifacht, womit Eni in die Top-20 der umsatzstärksten Weltkonzernen aufgestiegen ist und trotz der rund 30-prozentigen Staatsbeteiligung eines der profitabelsten Unternehmen der Welt wurde. Die Aktien von Eni haben zwischen dem Börsengang Ende 1995 bis 2007 unter Berücksichtigung der ausgeschütteten Dividenden über zwölf Jahre hinweg im Plus geschlossen, der Wert der Aktien inklusive der ausgeschütteten Dividenden in dieser Zeit versechsfachte sich. Mit der Finanzkrise wurde dem ein Ende gesetzt.

Öffentliche Wahrnehmung

Umweltverschmutzung in Drittweltländern

Wie alle in Drittweltländern tätigen Erdölkonzerne ist auch Eni mit Vorwürfen konfrontiert, bei der Förderung von Erdöl nur einen geringen Wert auf den Umweltschutz und den Lebensraum der lokalen Bevölkerung zu legen. So kam es v. a. in Nigeria, dem größten Öllieferanten Afrikas, immer wieder zu Auseinandersetzungen und Entführungen von Mitarbeitern verschiedener westlicher Erdölkonzerne, weil die dort lebenden Menschen durch die Ölförderung und die damit verbundene Umweltverschmutzung ihre Lebensgrundlage bedroht sehen. Laut Angaben von Eni sind in Nigeria 67 % der Ölverschmutzung durch Ölverluste auf Sabotage, Diebstahl und Terrorismus zurückzuführen.

Preispolitik an den Tankstellen

In Italien werfen Konsumentenschutzverbände den Erdölgesellschaften oft vor, eine besonders gewinnorientierte Preispolitik zu betreiben, bei der Preiserhöhungen sofort, Preissenkungen hingegen nur zögerlich weitergegeben werden. Diesbezüglich fand im August 2007 nochmals eine Sitzung zwischen den führenden Erdölgesellschaften und der Regierung statt, bei der über die Preisunterschiede der Treibstoffe in Italien gegenüber den anderen EU-Ländern diskutiert wurde. Dies, nachdem die Preisdifferenz in Italien zu den anderen EU-Ländern gerade vor Beginn der Sommerferien Höchstwerte erreicht hat und so Vermutungen einer systematischen Preisabsprache unter den Tankstellennetz-Betreibern laut geworden sind. Diverse Studien zeigen, dass, unter Ausschluss der Treibstoffsteuern, die Treibstoff-Preise in Italien v. a. aus strukturellen Gründen höher sind als im europäischen Ausland. So ist das italienische Tankstellennetz mit über 22.000 Verkaufspunkten das größte in Europa, beim durchschnittlichen Treibstoffverkauf pro Tankstelle allerdings nur an fünfter Stelle unter den EU-15 Ländern. In Bezug auf Selbstbedienungs-Tankstellen und bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten beim Tanken liegt Italien gar an letzter Stelle.

Interessenkonflikt des Staates

Mit einer Quote von 30,3 % ist der italienische Staat weiterhin größter Einzelaktionär von Eni, gleichzeitig ist Eni der größte Tankstellennetz-Betreiber und Gasversorger des Landes. Dies führt zwangsläufig zu einem heiklen Interessenkonflikt, da der Staat auf der einen Seite als Aktionär ein unternehmerisches Interesse an einer Gewinnmaximierung von Eni hat, zugleich als Staat für eine faire Treibstoff- und Gasversorgung des Landes besorgt sein muss. Dies umso mehr, weil Gas die mit Abstand meistverwendete Energiequelle in den italienischen Küchen ist. Dem italienischen Staat wird deshalb immer wieder vorgeworfen, Eni de facto als versteckte Steuereinnahmequelle zu missbrauchen. So sind dem italienischen Staat 2006 alleine an Dividenden auf seinem 30,3-prozentigen Aktienanteil 1,423 Mrd. € zugeflossen und weitere 832 Mio. € aus Quellensteuern auf den an die anderen Aktionäre ausbezahlten Dividenden.

Preisabsprachen unter den Chloropren-Kautschuk-Herstellern

2007 hat die Europäische Kommission gegen die Konzerne Bayer, Denka, DuPont, Dow Chemical, Eni und Tosoh eine Geldbuße von insgesamt 243,2 Mio. Euro verhängt, weil sie sich an einem Chloropren-Kautschuk-Kartell beteiligt haben. Diese hatten sich laut Kommission zwischen 1993 und 2002 den Markt für Chloropren-Kautschuk untereinander aufgeteilt und Preisvereinbarungen getroffen. Den mit Abstand größten Teil der Kartellbuße wurde Bayer auferlegt, welche eine Kartellstrafe von 201 Mio. Euro hätte zahlen müssen. Dank der 2002 eingeführten Kronzeugenregelung wurde allerdings Bayer die gesamte Geldbuße erlassen, obwohl der Konzern bereits früher an ähnlichen Zuwiderhandlungen beteiligt war und somit ohne Kronzeugenregelung mit einer erhöhten Kartellstrafe hätte rechnen müssen. Nach Berücksichtigung der aufgrund der Kronzeugenregelung gewährten Ermäßigungen entfiel der größte Teil der Geldbuße mit 132,1 Mio. Euro auf Eni, welche neben Bayer bereits in früheren Kommissionsentscheidungen wegen Kartellaktivitäten mit Geldbußen belegt wurde. Von der restlichen Geldbuße entfielen 59,2 Mio. Euro auf DuPont, davon 48,6 Mio. Euro auf Dow (beide 25 % Ermäßigung), 47 Mio. Euro auf Denka und 4,8 Mio. Euro auf Tosoh (50 % Ermäßigung).

Einzelnachweise

  1. Annual Report 2008
  2. Il Ddt costa caro all' Eni maxi-multa ambientale da 2 miliardi, in: La Repubblica, 17. Juli 2008

Weblinks


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