Enigma – Das Geheimnis


Enigma – Das Geheimnis
Filmdaten
Deutscher Titel: Enigma – Das Geheimnis
Originaltitel: Enigma
Produktionsland: Großbritannien
USA
Deutschland
Niederlande
Erscheinungsjahr: 2001
Länge: 119 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Michael Apted
Drehbuch: Tom Stoppard
Produktion: Mick Jagger
Lorne Michaels
Musik: John Barry
Kamera: Seamus McGarvey
Schnitt: Rick Shaine
Besetzung

Enigma – Das Geheimnis ist der Titel eines Films aus dem Jahre 2001. Dieser Film basiert auf dem Roman Enigma des britischen Autors Robert Harris aus dem Jahre 1995. Hauptthema des Filmes ist die von den Briten in Bletchley Park während des Zweiten Weltkriegs durchgeführte Entzifferung der deutschen U-Boot-Funksprüche, die mit Hilfe der ENIGMA-Maschine verschlüsselt wurden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliches Umfeld

Buch und Film beschreiben vor dem Hintergrund des im Nordatlantik tobenden U-Boot-Krieges die mühsame Arbeit der geheimen britischen Dienststelle Bletchley Park bei der Entzifferung der mit der deutschen ENIGMA-Maschine verschlüsselten Funksprüche, die zwischen dem Befehlshaber der U-Boote (BdU) und den deutschen U-Booten ausgetauscht werden. Die Entzifferung gelingt mit Hilfe einer speziellen elektromechanischen Maschine, genannt die Turing-Bombe, die vom englischen Codeknacker (codebreaker) Alan Turing ersonnen wurde, und deutscher Geheimdokumente, wie „Kurzsignalheft“ und „Wetterkurzschlüssel“, die den Engländern bekannt sind. So können die alliierten Geleitzüge (Konvois) den deutschen U-Booten ausweichen und der überlebenswichtige Nachschub an kriegswichtigen Versorgungsgütern nach Großbritannien sichergestellt werden.

Handlung

Der Mathematiker Tom Jericho (fiktive Person) kehrt zu Beginn des Films nach Bletchley Park zurück, nachdem er wegen Erschöpfung vor Monaten entlassen wurde, obwohl er wesentlichen Anteil an einer ersten Entzifferung des von den deutschen U-Booten verwendeten Verschlüsselungsverfahrens Shark (deutsch: „Hai“) hatte. Er erläutert den anwesenden Offizieren (und damit auch den Zuschauern) die Funktionsweise der ENIGMA I und sagt: „Das Problem ist, dass die Maschine 150 Millionen Millionen Millionen Möglichkeiten hat.“ Die Handlung teilt sich nun auf in zwei Stränge:

Für die Engländer völlig überraschend und für sie auch aus unerklärlichen Gründen haben die Deutschen auf das Stichwort „Akelei“ ihren Wettercode (Wetterkurzschlüssel) plötzlich geändert. Dies hat für sie die fatale Folge, dass sie nunmehr die wichtigen Funksprüche der U-Boote nicht mehr „knacken“ können und daher auch nicht mehr deren Pläne und Positionen im Atlantik kennen. Dies geschieht dummerweise gerade in dem Moment, als drei wichtige Konvois (Geleitzüge) mit für Großbritannien überlebenswichtigen Warenlieferungen aus Amerika in Richtung England auf dem Atlantik unterwegs sind. Ohne Kenntnis der Positionen der deutschen U-Boote können die Alliierten ihre Schiffe nicht mehr sicher an ihnen vorbeileiten und laufen Gefahr, dass sie versenkt werden.

Da der Wetterkurzschlüssel als Einbruchsmöglichkeit in die verschlüsselten deutschen Funksprüche nun plötzlich fehlt, ist die Lage für die Briten kritisch. Tom Jericho hat jedoch die rettende Idee, die Standortmeldungen, die die an einem Geleitzug „Fühlung haltenden“ deutschen U-Boote regelmäßig absetzen, als neuen Weg zur Entzifferung auszunutzen. Im Rahmen ihrer Wolfsrudeltaktik meldet nämlich das erste U-Boot, das einen Konvoi entdeckt, dessen Position, Richtung und Geschwindigkeit regelmäßig an den BdU, der so weitere U-Boote heranführen kann, bevor das „Wolfsrudel“ gemeinsam mit dem Angriff beginnt. Für die Deutschen ist fatal, dass die Briten natürlich die Positionen, Richtungen und Geschwindigkeiten ihrer eigenen Schiffe kennen und so durch Vergleich dieser Daten mit den aufgefangenen verschlüsselten Funksprüchen einen neuen Weg zum Einbruch in die Verschlüsselung finden.

Der zweite Handlungsstrang dreht sich um Claire Romilly, die ehemalige Freundin von Tom Jericho. Sie hatte ihn kurz vor seinem Weggang aus Bletchley Park grundlos verlassen. In Rückblenden werden immer wieder Teile der Beziehung der beiden erzählt. Es stellt sich heraus, dass sie mittlerweile spurlos verschwunden ist und verdächtigt wird, eine Spionin zu sein. Tatsächlich findet Jericho in ihrem Haus ein Versteck, in dem sich mehrere Funksprüche befinden, die allerdings noch nicht entschlüsselt sind. Zusammen mit Hester Wallace, ihrer Freundin, Mitbewohnerin und Kollegin, versucht Jericho ihr Verschwinden aufzudecken.

Später im Film entschlüsselt Jericho zusammen mit Hester einen deutschen Funkspruch von der Ostfront. Dabei taucht, ohne von den beiden zunächst als deutscher Klartext erkannt zu werden, der polnische Name „KAZCOR“ gefolgt von einem „X“ als Trennzeichen auf. „Das ist nicht richtig, oder? Das ergibt keinen Sinn.“, sagt Hester enttäuscht. Erst später kommt sie dem Geheimnis auf die Spur.

Dabei stoßen die beiden auf eine Wehrmachteinheit in Osteuropa, deren Funksprüche laut Befehl des britischen Geheimdienstes inzwischen nicht mehr notiert und entziffert werden sollen. Als es Jericho und Wallace gelingt, Claires Funksprüche, die von besagter Einheit stammen, zu entschlüsseln, finden sie heraus, dass die deutsche Wehrmacht gerade die Spuren des von der Roten Armee verübten Massakers von Katyn gefunden hat. Da das Bündnis der westlichen Alliierten mit der Sowjetunion auf keinen Fall gefährdet werden darf, müssen diese Informationen auf jeden Fall geheim gehalten werden und dürfen unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit gelangen. Wie sich weiterhin herausstellt, hatte Jozef Pukowski, ein polnischer Kollege Jerichos, dessen Bruder bei dem Massaker ermordet wurde, durch Claire, mit der auch er ein Verhältnis hatte, davon erfahren und deshalb versucht, zur deutschen Seite überzulaufen. Alle gehen davon aus, dass er Claire ermordet hat.

Das Ende des Films weicht in einigen Punkten von der Romanvorlage ab: Puck schafft es, mit dem Zug zu entkommen, wird allerdings an der schottischen Küste mitsamt dem U-Boot, das ihn aufnehmen sollte, versenkt. Jericho hat sich in Hester verliebt und sie bekommt ein paar Jahre später ein Kind von ihm. Er sieht Claire auf der Straße, geht aber trotzdem zu Hester.

Kritiken

Video Woche schreibt: „Die verzwickte Romanverfilmung von Robert Harris zielt auf ein anspruchsvolles Publikum, dem intelligente Unterhaltung wichtiger ist als bloße Action.“

Blickpunkt Film schreibt: „… Den frühen Filmen Alfred Hitchcocks, etwa 'Eine Dame verschwindet' oder 'Die 39 Stufen', verpflichtet, kommt 'Enigma' mit einem Minimum an physischer Action aus. Da wirkt die (eigentlich überflüssige) kurze Torpedo-Sequenz auf hoher See eher störend und aufgesetzt, während es dagegen wirklich spannend ist, dem gut harmonierenden Helden-Duo Winslet/Scott bei dessen gefährlichen Schnüffeleien zuzusehen … “

Speziell von polnischer Seite wurde kritisiert, dass in Roman und Film ausgerechnet ein polnischer Codeknacker zum Verräter wird. In der Realität gab es keine Verräter in Bletchley Park, die den Deutschen Geheimnisse verraten hätten, insbesondere keine polnischen. Ganz im Gegenteil hätten polnische Kryptoanalytiker wie Marian Rejewski bereits vor dem Krieg wesentliche Beiträge zur Entzifferung der ENIGMA geleistet, ohne die es den Briten während des Zweiten Weltkriegs vermutlich nicht gelungen wäre, die ENIGMA zu entziffern.

Auszeichnungen

Kate Winslet erhielt einen Empire Award als beste britische Darstellerin und als beste Darstellerin den Evening Standard British Film Award. Auf dem Hamptons International Film Festival (HIFF) 2001 erhielt der Film den Preis in der Kategorie Feature Film Prize in Science and Technology.

Trivia

Besonders beeindruckend im Film sind die vielen authentischen Requisiten, bei denen es sich um Original-Schaustücke aus dem Bletchley-Park-Museum handelt. Die diversen Funksprüche sind speziell für den Film nach den Original-Vorschriften und Verfahren wirklichkeitsgetreu erzeugt und verschlüsselt worden.[1] Die (nach 77 Min.) zu sehende ENIGMA-M4 stammt aus dem Privatbesitz des Produzenten Mick Jagger, der übrigens selbst (nach 34 Min. und 50 Sek.) während eines kurzen Cameo-Auftritts zu sehen ist. Außer authentischen ENIGMA- und (nach 45 Min.) TypeX-Maschinen sowie (nach 13 Min. und nach 56 Min.) dem erbeuteten „Kurzsignalheft 1941“ und dem „Wetterkurzschlüssel“ sind im Film (nach 16 Min. und nach 83 Min.) auch realitätsnahe Nachbauten der Turing-Bombe in Aktion zu sehen.[2] Speziell die Arbeit der Codeknacker bei der Erstellung der für die Bombe notwendigen „Menüs“ wird (nach 79 Min.) sehr gelungen dargestellt.

Der Film wurde nicht am Original-Schauplatz gedreht, sondern in Chicheley Hall,[3] einem vielleicht etwas attraktiver wirkenden Anwesen, ebenfalls im englischen Borough Milton Keynes gelegen wie auch Bletchley Park.

Weitere wissenswerte Kleinigkeiten sind der Name des polnischen Mathematikers und Codeknackers Zygalski in einem der Funksprüche und die Tatsache, dass Jericho während des Films scheinbar wahllos mit einem Bleistift auf den Tisch klopft, in Wahrheit aber den Namen Claire als Morsecode schreibt.

Literatur

Robert Harris: Enigma. Weltbild, Augsburg 2005, ISBN 3-89897-119-8 und andere

Weblinks

Belege

  1. Tony Sale: Making the Enigma ciphers for the film „Enigma“. Abgerufen: 26. März 2008.
  2. Weblink: Filming of the novel „Enigma“. Abgerufen: 1. Juli 2008.
  3. Chichely Hall WWII secret intelligence activities around Milton Keynes. Abgerufen: 26. März 2008.

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