Enns

Enns
Enns (Stadt)
Wappen von Enns (Stadt)
Enns (Österreich)
Enns
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Linz-Land
Kfz-Kennzeichen: LL
Fläche: 33,29 km²
Koordinaten: 48° 13′ N, 14° 29′ O48.21666666666714.475281Koordinaten: 48° 13′ 0″ N, 14° 28′ 30″ O
Höhe: 281 m ü. A.
Einwohner: 11.275 (1. Jän. 2011)
Bevölkerungsdichte: 338,69 Einw. pro km²
Postleitzahl: 4470
Vorwahl: 07223
Gemeindekennziffer: 4 10 05
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 11
4470 Enns
Website: www.enns.at
Politik
Bürgermeister: Franz Stefan Karlinger (SPÖ)
Gemeinderat: (2009)
(37 Mitglieder)
12 ÖVP, 16 SPÖ, 5 FPÖ,
4 Grüne
Lage der Stadtgemeinde Enns (Stadt) im Bezirk Linz-Land
Ansfelden Asten Eggendorf im Traunkreis Enns Hargelsberg Hofkirchen im Traunkreis Hörsching Kematen an der Krems Kirchberg-Thening Kronstorf Leonding Neuhofen an der Krems Niederneukirchen Oftering Pasching Piberbach Pucking Sankt Florian (Linz-Land) Sankt Marien Traun (Stadt) Wilhering Allhaming Linz OberösterreichLage der Gemeinde Enns im Bezirk Linz-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Blick über den Hauptplatz nach Süden (Wiener Straße)
Blick über den Hauptplatz nach Süden (Wiener Straße)
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Enns ist eine Stadt mit 11.275 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2011) im Bezirk Linz-Land in Oberösterreich. Sie liegt auf 281 m Seehöhe am Fluss Enns, der hier die Grenze zu Niederösterreich bildet.

Enns bezeichnet sich, nicht unumstritten, als älteste Stadt Österreichs, die Stadtrechtsurkunde aus dem Jahr 1212 kann im Ennser Museum besichtigt werden. Wahrzeichen der Stadt ist der 60 m hohe Stadtturm. Außerdem war Enns die erste Cittàslow-Stadt Österreichs.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Enns liegt auf 281 m Höhe im Oberösterreichischen Zentralraum. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 7,5 km, von West nach Ost 8,6 km. Die Gesamtfläche beträgt 34,3 km². 12,8 % der Fläche sind bewaldet, 64,1 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.

Nachbargemeinden

Asten Langenstein
(Bezirk Perg)
Mauthausen
(Bezirk Perg)
St. Florian Nachbargemeinden Ennsdorf
(Bezirk Amstetten, NÖ)
Hargelsberg Kronstorf St. Valentin
(Bezirk Amstetten, NÖ)

Stadtgliederung

Ortsteile der Gemeinde sind: Einsiedl, Enghagen, Enghagen am Tabor, Enns, Ental, Erlengraben, Hiesendorf, Kottingrat, Kristein, Kronau, Lorch, Moos, Neu Gablonz, Rabenberg, Volkersdorf.

Wappen

Siegel von Enns / Sigillum Civitatis Anasensis

Offizielle Beschreibung des Gemeindewappens: Geteilt; oben in Grün ein silberner, rot gewaffneter, wachsender Panther; unten von Silber und Rot geteilt. Die Gemeindefarben sind Grün-Weiß-Rot. Das Wappen erinnert an die 1186 in Enns ausgestellte Georgenberger Handfeste, den 1192 wirksam gewordenen Erbvertrag zwischen den Herzögen Ottokar IV. (Steiermark) und Leopold V. (Österreich) aus dem Hause Babenberg. Der obere Teil des Wappenschildes stellt die obere Hälfte des steirischen Wappens, des steirischen Panthers, dar, der untere die untere Hälfte des österreichischen Bindenschildes Rot-Weiß-Rot.

Geschichte

Erste Siedlungen im Mündungsgebiet der Enns finden sich vor etwa 4000 Jahren. Um 400 v. Chr. besiedelten Kelten das Land. Deren Königreich Noricum wurde 15 n. Chr. dem Römischen Reich angegliedert und im Jahr 45 zur römischen Provinz Noricum erhoben. Vor 205 errichteten die Römer nördlich des heutigen Stadtzentrums, nahe der Donau, die die Reichsgrenze bildete und gegen germanische Stämme verteidigt werden musste, für die 2. Italische Legíon das Militärlager Lauriacum mit bis zu 6400 Soldaten und Ausmaßen von 539x398 m. Die Römer übernahmen den Ortsnamen und den Flussnamen Anisa (= Enns) von den Kelten. Lauriacum erhielt 212 von Kaiser Caracalla das Stadtrecht; damals lebten mit der südwestlich des befestigten Lagers gelegenen Zivilstadt etwa 30.000 Menschen hier.

Während einer Christenverfolgung zur Zeit Kaiser Diokletians erlitt, nach der Überlieferung, der Heilige Florian am 4. Mai 304 den Märtyrertod durch Ertränken in der Enns. Um das Jahr 370 wurde auf den Resten eines Tempels eine frühchristliche Basilika erbaut (1344 entstand über dem Fundament der alten Kirche die jetzige Basilika St. Laurentius von Lorch).

In der Zeit der Bedrohung Lauriacums durch die Germanen war der spätere Heilige Severin von Noricum unter anderem hier tätig. 488 zogen sich die römische Verwaltung und viele römische Siedler nach Italien zurück; auch der Bischofssitz wurde aufgegeben. Reste der romanischen Besiedlung blieben aber erhalten, als sich ab 530 Baiern hier ansiedelten. Um 700 wurde der Grenzort von den Awaren verwüstet, später aber vom bayerischen Herzog Tassilo III. wieder unter seine Herrschaft gebracht. Karl der Große nützte Lorch als strategischen Stützpunkt für seine siegreichen Awarenkriege.[1]

War in der Römerzeit der Feind aus dem Norden zu erwarten gewesen, so drohte der Angriff nun aus dem Osten. Daher wurde um 900 auf dem Georgenberg, nahe dem heutigen Stadtzentrum, die Enisiburg (‚Ennsburg‘) zum Schutz gegen die Einfälle der Ungarn errichtet und 976 dem Hochstift Passau übergeben. Aus ihr ging später das Schloss Ennsegg[2] hervor. Die umgebende Siedlung erlebte ab dem 12. Jahrhundert einen Aufschwung, als Graf Otakar II. einen Markt errichtete; das einstige römische Lorch war nun nur mehr ein Dorf.

Auf dem Georgenberg kam es 1186 zur Unterzeichnung der Georgenberger Handfeste, eines Erbfolgevertrages zwischen Otakar IV. (Ottokar IV.) von Steyr (seit 1180 Herzog), der keine männlichen Erben hatte, und dem Babenbergerherzog Leopold V. von Österreich. Nach dem Tod Otakars im Jahr 1192 fiel die Steiermark, die damals viel größer war als das heutige Bundesland und von der Save (Slowenien) bis an die Donau reichte, an die Babenberger.

Stadtturm von Enns mit Wappen und Datum der Stadterhebung

Mit der Verleihung des Stadtrechts durch Leopold VI. im Jahr 1212 wurde Enns zur Stadt[3] und zählt damit zu den ältesten Städten Österreichs.[4]

Nach dem Tod des letzten männlichen Babenbergers, Friedrich des Streitbaren, wurde im Frieden von Ofen 1254 –- neben der Grafschaft Pitten –- auch der Traungau und mit ihm die Stadt Enns von der Steiermark getrennt, ins Herzogtum Österreich einbezogen und damit zur Keimzelle für die Teilung Österreichs in die beiden späteren Erzherzogtümer Oberösterreich und Niederösterreich. Enns war als Landeshauptstadt im Gespräch, doch fiel 1490 die Entscheidung für Linz. Im 16. Jahrhundert wurde Enns protestantisch. 1532 standen die Türken vor Enns. Der Stadtturm, das heutige Wahrzeichen der Stadt, wurde 1564 bis 1568 unter dem Landesherrn Kaiser Ferdinand I. und seinem Sohn Maximilian II. auf Wunsch der Ennser Bürger als Glocken, Wach- und Uhrturm gebaut. 1569 / 1570 wurde die alte Ennsburg, die langsam zerfiel, zum Schloss Ennsegg um- und ausgebaut. Auch die um 1483 errichtete landesfürstliche Burg wurde in diesem Jahr erweitert. Das Siegeln mit rotem Wachs war der Stadt Enns ab 1594 mit der Erlangung des Rotsiegelprivilegs gestattet.

Holzschnitt von Georg Hufnagel aus dem Jahr 1617

Die Ennser hatten unter dem Druck der Gegenreformation zu leiden. Die Einquartierung churbayrischen Kriegsvolkes und Steuerlasten forderten große Opfer von der Bürgerschaft. Dazu kam 1625 die Pest, die jeden 14. Einwohner dahinraffte. Als 1626 die Bauern die Stadt für 30 Tage belagerten, wurden 2/3 der Häuser stark beschädigt. Während des Erbfolgekriegs, den Erzherzogin Maria Theresia um ihre Erbländer zu führen hatte, war Enns im Jahr 1741 16 Wochen lang durch churbayrische und französische Truppen besetzt.

In den Napoleonischen Kriegen waren 1805 und 1809 französische Truppen in Enns einquartiert. Nach der Schlacht von Ebelsberg, das wenige Kilometer westlich von Enns liegt (und heute zum Stadtgebiet von Linz gehört), gab es von 4. bis 6. Mai 1809 heftige Kämpfe an der Ennsbrücke. Napoleon war für drei Tage im Schloss Ennsegg einquartiert.

Nach diesen kriegerischen Zeiten folgte vom Vormärz an eine Zeit des Aufschwungs. Da man befürchtete, die Fuhrwerke könnten nicht mehr durchkommen, wurden 1845 bis 1849 die Stadttore abgebrochen, dann auch die Ringmauern bis auf heute noch sichtbare Reste entfernt. Seit am 15. Dezember 1858 die Kaiserin-Elisabeth-Bahn von Wien nach Linz (im August 1860 bis Salzburg und München verlängert) mit einer Station in Enns eröffnet wurde, ist die Stadt an die modernen Verkehrsnetze angebunden. Die Brunnen am Hauptplatz wurden um 1900 abgetragen.

Enns lag von 1945 bis 1955 in der US-amerikanischen Besatzungszone; das östlich benachbarte Niederösterreich war von der Roten Armee besetzt. Die Enns bildete eine Zonengrenze, an der die sowjetischen Soldaten bis 1954 strenge Kontrollen durchführten und so manchen Reisenden verhafteten. Im Unterschied zu Deutschland blieb aber ganz Österreich als einheitlicher Staat erhalten. In den sechziger Jahren wurde die Westautobahn errichtet. Sie verläuft, mit einer Abfahrt (Enns-Süd), südlich des Ennser Stadtzentrums. Im Oktober 2010 wurde die B309-Anschlussstelle Enns-West eröffnet. Sie verbindet die Schnellstraße (B309 nach Steyr) mit der Westautobahn (A1) und der B1. 2005 wurde die Schnellfahrtrasse der neuen Westbahn im Abschnitt um Enns errichtet; sie besitzt in Enns keine Station.

Neu Gablonz

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele der vertriebenen Deutschböhmen in Enns eine neue Heimat. Die Schmuckindustrie (Bijouterie) aus dem nordböhmischen Gablonz (Jablonec nad Nisou) fand in Enns zur neuen Blüte und bot vielen Menschen einen gesicherten Arbeitsplatz. 1947 wurde die Gablonzer Genossenschaft mbH gegründet, eine Gemeinschaft aller Schmuckproduzenten, die bis zum heutigen Tag unter der Marke Gablonzer ® von Enns aus Mode- sowie Silberschmuck in alle Welt vertreibt. Seit 1. März 2006 befindet sich die Gablonzer Genossenschaft im Schloss Ennsegg.

Eine weitere Ansiedlung gleichen Namens ehemaliger Gablonzer gibt es im oberösterreichischen Kremsmünster und in Bayern eine als Neugablonz.

Politik

Gemeinderat: Der Gemeinderat besteht aus 37 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2009 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:

Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner
1869 5.624
1880 5.733
1890 6.001
1900 5.552
1910 5.799
1923 5.630
1934 6.679
1939 7.419
Jahr Einwohner
1951 8.446
1961 8.919
1971 9.678
1981 9.729
1991 10.190
2001 10.610
2008 11.227
. .

Bürgermeister: Bürgermeister ist Franz Stefan Karlinger von der SPÖ.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahl von Enns hat sich im 20. Jahrhundert fast verdoppelt. 1900 hatte die Gemeinde 5552 Einwohner, 2001 dann 10.610 Einwohner.

Städtepartnerschaften

Sehenswürdigkeiten

Schloss Ennsegg

Das Stadtbild von Enns ist durch Bauten der Renaissance und des Barock, mit Teilen einer mittelalterlicher Stadtbefestigung.

  • Stadtbefestigungsresten von 1193
  • Stadtplatz mit dem Stadtturm (1568)
  • Schloss Ennsegg: erstmals genannt um 900, nach 1565 stark erneuert
  • Basilika St. Laurenz mit den einzigen sichtbaren Ausgrabungen aus dem römischen Lauriacum
  • Stadtpfarrkirche St. Marien: um 1270, ehemalige Minoritenkirche des Ennser Franziskanerklosters, mit der Wallseerkapelle: um 1340, eines der kunsthistorisch bedeutendsten Bauwerke der Gotik in Oberösterreich
  • Museum Lauriacum (Römermuseum am Hauptplatz von Enns)

Die Stadt ist Mitglied im Verband Kleine historische Städte.

Kultur

  • d'Zuckerfabrik: Veranstaltungsraum
  • Theater im Hof, Enns: Seit 2006 in der k. u. k. Reithalle beheimatete Sommerbühne. Hat sich den Klassikern der Theaterliteratur verschrieben. Zeigte u.a. Romeo und Julia, Faust 1, Hamlet und Geschichten aus dem Wiener Wald.
  • Theater Sellawie, Enns: Amateurtheater, Momentan im Kellergewölbe des Schlosses Ennsegg

Bildung

  • Enns ist Sitz der Heeresunteroffiziersakademie (HUAk)
  • In Enns gibt es zwei Volksschulen, zwei städtische Hauptschulen, eine polytechnische Schule und ein Bundesrealgymnasium.

Sport und Freizeit

Enns verfügt über mehrere Sportvereine (Basketballklub, Fußballklub, Volleyballverein, zwei Tennisvereine, Faustballklub, Turnverein, Ausdauersportverein). Als Freizeitangebot bietet Enns eine Kletterwand und ein Freibad mit Sauna.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt:

Ehrenbürger:

Einzelnachweise

  1. Karl Oettinger, Renate Wagner-Rieger, Franz Fuhrmann, Alfred Schmeller: Reclams Kunstführer Österreich, Band I (Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland), 4. Auflage, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1974, ISBN 3-15-008605-1, S. 81 f.
  2. Ennsegg. In: burgen-austria.com
  3. Ernst Theodor Gaupp: Deutsche Stadtrechte des Mittelalters, mit rechtsgeschichtlichen Erläuterungen. Zweiter Band, Breslau 1852, s. 206-224,online
  4. Stadtrecht. In: Österreich-Lexikon, online auf aeiou. Vergl. auch Liste der Städte in Österreich

Weblinks

 Commons: Enns – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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