Enschede


Enschede
Gemeinde Enschede
Flagge der Gemeinde Enschede
Flagge
Wappen der Gemeinde Enschede
Wappen
Provinz Overijssel
Bürgermeister Peter den Oudsten
Sitz der Gemeinde Enschede
Fläche
 – Land
 – Wasser
142,75 km²
140,95 km²
1,8 km²
CBS-Code 0153
Einwohner 157.797 (31. Dez. 2010[1])
Bevölkerungsdichte 1.105 Einwohner/km²
Koordinaten 52° 13′ N, 6° 54′ O52.2236111111116.8955555555555Koordinaten: 52° 13′ N, 6° 54′ O
Bedeutender Verkehrsweg A35, N18
Vorwahl 053
Postleitzahlen 7500-7549
Website www.enschede.nl
Lage von Enschede in den Niederlanden

Enschede [ˈɛnsxəde:] ( anhören?/i) (Niedersächsisch: Eanske), in der Provinz Overijssel ist eine Großstadt im Osten der Niederlande und hat (Stand 31. Dezember 2009) 157.321 Einwohner. Insbesondere in den ländlichen Regionen Enschedes sprechen viele Alteingesessene bis heute ihre westfälische Mundart des Niedersächsischen (Nedersaksische taal).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Stadt gehört zur Region Twente zwischen Hengelo und der deutsch-niederländischen Grenze. Die östliche Nachbarstadt ist Gronau in Westfalen.

Geschichte

Enschede entwickelte sich im Frühmittelalter aus einer niederdeutschen Siedlung an der Handelsstraße zwischen Deventer und den östlichen Nachbarorten. Der Name Enschede geht wahrscheinlich auf das niederdeutsche „An de Schede“ hochdeutsch „an der Scheide“, und deutete damit nach gängiger Theorie auf das angrenzende Moorgebiet, dem Amtsvenn hin.

Im Jahre 1325 erhielt Enschede offiziell die Stadtrechte durch den Bischof von Utrecht Jan van Dienst verliehen. Mit der Loslösung der niederländischen Provinzen vom Deutschen Reich im 16. Jahrhundert entstand in der Nähe dieser Stadt eine neue Grenze, die sich mitten durch das niedersächsische Sprachgebiet zog und später als niederländisch-deutsche Grenze bezeichnet wurde. Heute gehören zu Enschede auch einige Dörfer der Umgebung, darunter Glanerbrug und Boekelo, dessen große Salzfabrik Im Jahre 1952 ins nahe Hengelo umgesiedelt ist.

1862 wurde Enschede durch einen Großbrand nahezu völlig zerstört. Als sich kurz darauf der Engländer Thomas Ainsworth, Erfinder eines neuen Verfahrens für die Weberei, hier ansiedelte, entwickelte sich die Stadt zum bedeutendsten niederländischen Standort der Textilindustrie, wovon auch die angrenzende deutsche Stadt Gronau nachhaltig profitierte. Die Region verfügte über traditionsgemäß erfahrene Fachkräfte in der Hausweberei, die für geringe Entlohnung arbeiteten. Die Rohstoffe für die Textilindustrie, unter anderem Baumwolle, wurden aus der damaligen Kolonie Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien, eingeführt. Während der Blütezeit zählte Enschede 75 Textilfabriken. Mit der Unabhängigkeit Indonesiens 1947 und wegen der ab etwa 1965 immer größer werdenden Billigkonkurrenz aus Südostasien verschwand die Textilindustrie schließlich aus der Region. In der alten Janninksfabrik an der Haaksbergerstraat wurde ein Textilmuseum eingerichtet, in dem die alten Zeiten nachvollzogen werden können.

In den 1990er Jahren gab es Überlegungen zum Zusammenschluss von Enschede mit Hengelo und Borne zu einer „Twentestad“. Ende 2001 schlossen die Gemeinderäte dieser drei Kommunen gemeinsam mit Almelo einen Kooperationsverbund unter dem Namen Netwerkstad Twente. Die Netwerkstad arbeitet wiederum mit Münster und Osnabrück im Städtedreieck MONT (Münster, Osnabrück, Netwerkstad Twente) zusammen.

Explosion der Feuerwerksfabrik im Mai 2000

Am 13. Mai 2000 zerstörte die Explosion der Feuerwerkskörperfabrik S.E. Fireworks einen Großteil des Ortsteils Roombeek; 23 Menschen verloren bei der Katastrophe ihr Leben, darunter vier Feuerwehrleute.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Straßenverkehr

Die Stadt an der A 35/N 35, einer Abzweigung der niederländischen A 1 (BAB 30) (Autobahn AmsterdamHengeloOsnabrückBerlin) liegt etwa 65 Kilometer nordwestlich von Münster und ca. 80 km westlich von Osnabrück. Von Enschede führen der N 18 nach Doetinchem und die B 54 nach Münster.

Eisenbahnverkehr

Der Bahnhof Enschede wird von IC-Zügen nach AmersfoortAmsterdam/Rotterdam/Den Haag und dem Stoptrein nach AlmeloZwolle und nach AlmeloDeventer Apeldoorn bedient. Die Euregio-Bahn Enschede–GronauMünster (Westfalen) bedient täglich im Stundentakt das Münsterland, außerdem fahren Regionalbahnen über Gronau und Coesfeld nach Dortmund. An dieser Strecke liegt auch der Haltepunkt Enschede De Eschmarke.
In den Regionalzügen nach Deutschland gelten der regionale Münsterland-Tarif (Verkehrsgemeinschaft Münsterland), der NRW-Tarif und auch das „Wochenendticket“ der DB.

Busverkehr

Der Busverkehr in Enschede wird von einem dichten Stadtbusnetz erschlossen, das die Connexxion betreibt. Regionalbusse fahren im dichten Taktverkehr in alle umliegenden Städte.

Flugverkehr

Nördlich von Enschede befindet sich ein kleiner Flughafen, der Enschede Airport Twente.

Ansässige Unternehmen

In Enschede sind gegenwärtig mehrere grenzüberschreitend aktive IT-Unternehmen angesiedelt, aber auch handwerkliche Siebdruckereien.

Aktuell ist folgendes Projekt in Planung welches das höchste Gebäude der Stadt werden soll: New Dish Hotel Tower (ca. 130 m).

Märkte

  • Enschede Innenstadt, H.J. van Heekplein, jeden Dienstag und Samstag von 8 bis 17 Uhr.

Bildung

Enschede besitzt mehrere Hochschulen. Die bekannteste ist die auf Technik ausgerichtete Universität Twente, die im Ruf steht, zu den besten Europas zu gehören. Weiter sind zu nennen:

Saxion Universities (Fachhochschule)
ArtEZ Art & Design Enschede (vormals AKI, Akademie für Kunst und Industrie)
ArtEZ Conservatorium Enschede
Volksuniversität
Internationales Institut für Geo-Information, Wissenschaft und Erdbeobachtung (Sektion des International Training Center)

Von den etwa 44.000 Studierenden in der Stadt kommen wegen der Grenznähe viele aus dem westfälischen Münsterland, aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim.

Sehenswürdigkeiten, Kultur, Erholung

Rathaus von Enschede
  • Rijksmuseum Twenthe, nördlich des Hauptbahnhofs, mit vielen Gemälden aus der Periode von 1550 bis heute
  • die vom bekannten Architekten Karel P.C. de Bazel entworfene, 1928 erbaute und 2004 restaurierte Synagoge
  • die Jacobuskirche mit ihrer Kuppel, die an eine russisch-orthodoxe Kirche erinnert
  • das von Friedhoff 1932 entworfene Rathaus
  • der vielbesuchte Markt am Samstag und Dienstag, der auch viele Deutsche anzieht, am Van-Heek-Platz im Südosten der Innenstadt
  • das Stadtmuseum Twentse Welle, ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH). Es zeigt die Geschichte der Stadt und deren Umgebung, so wie die Entwicklung der Textilindustrie der Gegend. Aus dem ehemaligen Jannink-Werk wurden funktionstüchtige Maschinen und andere Erinnerungen an diesen Erwerbszweig mitgenommen. Das Museum steht nordwestlich des Rijksmuseum Twenthe im nach der Feuerwerkkatastrophe vom Jahr 2000 neu gestalteten Viertel Roombeek.
  • die in Enschede ansässige „Nationale Reise-Oper“ (Nationale Reisopera) und das landesweit bekannte „Orchester des Ostens“ (Orkest van het Oosten) bespielen das neue Stadttheater Muziekkwartier (Musikviertel) mit Theater, Konzerthalle usw. östlich des Bahnhofs.
  • der Profi-Fußballverein FC Twente trägt seine Heimspiele im Stadion De Grolsch Veste westlich der Stadt aus. Das Stadion liegt bei der Universität Twente und hat einen eigenen Bahnhof.
  • seit 2008 hat die Stadt eine Eishalle, wo u.a. Eisschnelllauf betrieben werden kann.
  • die waldreiche Umgebung der Stadt ist auch für Radtouren geeignet.

Deutsch-niederländische Musikgeschichte

Charakteristisch für die Musikkultur von Enschede (und Gronau) war bis 1945 (und zum Teil bis in die 1960er Jahre hinein) die deutsch-niederländische Verbindung, die sich aus der historischen Zusammenarbeit im Grenzraum und der im 19. und 20. Jahrhundert prägenden Textilindustrie ergab. Vor allem in der Umbruchszeit nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich in Gronau und Enschede eine enge und erfolgreiche deutsch-niederländische Kultur-Kooperation, die sich über Streichquartette, Salonorchester und Hotdance-Kapellen bis hin zu Sinfonieorchestern und einer Operettengesellschaft mit eigenen Uraufführungen steigerte. Das heutige Orkest van het Oosten erhielt aus dieser Musikszene wichtige Impulse; die Reisopera hatte in der 1935 gegründeten Enschedesch Opera en Operette Gezelschap einen Vorläufer. Zugleich fand der Jazz ab 1920 begeisterte Anhänger. Noch heute bietet die Nachbarstadt Gronau ein breites kulturelles Spektrum und ist wegen der ungewöhnlich dichten Laienmusikvereinslandschaft sogar für wissenschaftliche Untersuchungen interessant. Enschede entwickelt sich mit dem Neubau seines „Muziekkwartiers“ zu der Musikstadt im Osten der Niederlande.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter

Literatur

  • Herbert Wagner: Die Gestapo war nicht allein... Politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch-niederländischen Grenzgebiet 1929-1945. LIT - Verlag. Münster 2004 (enthält u. a. Überfall auf NL, Judenverfolgung, Textilarbeiterstreik, Onderduiker, Verzetbeweging).
  • Alfred Hagemann/Elmar Hoff (Hg.): Insel der Träume. Musik in Gronau und Enschede (1895-2005), Essen 2006.

Weblinks

 Commons: Enschede – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsstatistik, 29. März 2011Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande

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