Epiphanius von Pavia


Epiphanius von Pavia
Christus mit den hll. Epiphanius und Godehard (Hildesheim, Basilika St. Godehard)

Epiphanius von Pavia (* 439 in Pavia; † 21. Januar 496 ebendort) war von 466 bis zu seinem Tod Bischof von Pavia und ist ein Heiliger der Katholischen Kirche.

Leben

Seine Bedeutung liegt in der politischen Rolle, die er im Übergang vom zerfallenden weströmischen Reich zum neuen ostgotischen Königreich und in den gewaltsamen Auseinandersetzungen der Zeit spielte. Sowohl der vorletzte weströmische Kaiser Julius Nepos als auch der Ostgotenkönig Theoderich beauftragten ihn als Gesandten mit wichtigen Verhandlungen. Wiederholt gelang es ihm, Übereinkünfte und Interessenausgleiche zu erzielen, die der Bevölkerung zugute kamen, und Schaden abzuwenden oder zu mildern. Dabei wirkte die Autorität der katholischen Kirche als staats- und volkstumsunabhängiger Institution mit seiner persönlichen Charakterstärke zusammen.

Schon sein Schüler, Amtsnachfolger und Biograph Ennodius von Pavia zeichnet Epiphanius als Heiligen. Sein Grab wurde bald zum Wallfahrtsort. Zahlreiche Heilungswunder wurden ihm zugeschrieben.

Im Jahr 963 kam der größte Teil der Epiphanius-Reliquien durch Bischof Othwin nach Hildesheim. Die Überlieferung zeichnet diese Translation als eine abenteuerliche Raubgeschichte. Historisch gehört sie in den Rahmen zahlreicher paralleler, oft ebenfalls als Diebstahl stilisierter Reliquienüberführungen aus Italien in den Norden des Reiches, wo die Missionskirchen und neu gegründeten Bistümer himmlische Helfer und irdisches Prestige suchten. Eine solche Überführung als unter schwierigsten Bedingungen geglückten Raub darzustellen, unterstrich die Einwilligung und Mitwirkung des betreffenden Heiligen.

Im Hildesheimer Dom ruhen die Epiphaniusreliquien zusammen mit denen anderer alter Bistumspatrone in einem kostbaren vergoldeten Schrein unter dem Hauptaltar.

Aus der Verbindung durch den hl. Epiphanius ist eine Städtepartnerschaft zwischen Hildesheim und Pavia erwachsen.

Der Gedenktag des hl. Epiphanius ist der 21., in Hildesheim der 22. Januar.

Literatur

  • Förster: Epiphanius, Bischof von Ticium (Pavia). In: Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche (RE). 3. Auflage. Band 5, Hinrichs, Leipzig 1898, S. 421–422.
  • Bernhard Gallistl, Epiphanius von Pavia, Schutzheiliger des Bistums Hildesheim, Hildesheim 2000
  • Bernhard Gallistl, Ein neuer Textfund zur Translatio S. Epiphanii in der Hildesheimer Dombibliothek. In: Jahrbuch für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim 74 (2006) S. 123-152; -
  • Martina Giese, Der Transitus sancti Epiphanii und die Translatio sancti Epiphanii. Neue Handschriftenfunde, DA 64/2 (2008) S. 519-546
  • Elisabeth Hermann-Otto. The social and political activities of Saint Epiphanius, bishop of Pavia. In: Studia Patristica 29. Leuven 1997, 46-51.

Weblinks


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