Es ist alles eitel


Es ist alles eitel

Es ist alles eitel ist ein Sonett des barocken Dichters Andreas Gryphius aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Er schrieb es im Jahre 1637.

Inhaltsverzeichnis

Formanalyse

Das Gedicht Es ist alles eitel besteht aus vier Strophen: Die beiden ersten sind jeweils vierzeilig, die beiden letzten haben jeweils drei Verse. Die äußere Form entspricht damit der eines Sonetts: Zwei Quartette und zwei Terzette. Das Reimschema lautet: a-b-b-a, a-b-b-a, c-c-d, e-e-d. Die Quartette bestehen also aus einem umarmenden Reim, die Terzette beginnen mit einem Paarreim und werden in ihrem dritten Vers reimmäßig verbunden (Schweifreim). Versmaß ist der Alexandriner, ein sechshebiger jambischer Vers mit 12 oder 13 Silben.

Struktur

In dem zweiten Vers findet sich eine Personifikation der Eitelkeit, die im ersten Vers benannt wird. Genauso, wie das Glück im achten Vers vermenschlicht wird. Ein besonderes Merkmal des Alexandriners ist seine Mittelzäsur nach der dritten betonten, bzw. sechsten Silbe. Dadurch wird der einzelne Vers sozusagen in zwei Teile geteilt, wobei der zweite Teil den ersten inhaltlich bestätigt/verstärkt (Parallelität) oder im Gegensatz zu ihm steht (Antithese). In diesem Sonett sind die Verse sieben und zwölf parallel, zum Beispiel Vers 12:

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind

Das Werturteil „Nichtigkeit“ wird durch die dreifache inhaltliche Erweiterung „Schatten/Staub/Wind“ und das Attribut „schlecht“ negativ verstärkt. Zugleich findet sich in diesem Vers das rhetorische Stilmittel der Akkumulation. Es überwiegen jedoch die antithetischen Verse (V. 2, 3, 5, 6, 8), die teilweise zwei oder sogar drei Gegensatzpaare beinhalten, zum Beispiel Vers 2:

Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein

Der Gegensatz besteht hier zwischen den Pronomina, den Zeitwörtern und den Verben links und rechts der Zäsur (des Kommas). Damit erweist sich das vorliegende Sonett als typisches Barockgedicht, da die Barockzeit stark von dem Bewusstsein der Gegensätzlichkeit und Vergänglichkeit des Menschen und der Schöpfung geprägt ist.

Bedingt durch den strophischen Aufbau und unterstützt durch das Reimschema erhält das Gedicht formal eine weitere Zäsur nach der zweiten Strophe. Die beiden Quartette werden durch den gleichen umarmenden Reim a-b-b-a miteinander verbunden. Die beiden Terzette werden durch den jeweiligen Endreim des dritten Verses (d-d) miteinander verbunden; darüber hinaus schließt die dritte Strophe mit einem Komma und geht dadurch syntaktisch in die vierte Strophe über. Das lässt vermuten, dass die Quartette und die Terzette auch inhaltlich eine Einheit bilden.

Interpretation

Der dargestellten äußeren Form entspricht der inhaltliche Aufbau. Das vorliegende Sonett ist ein argumentativer Text. In Vers 1 stellt der Dichter eine These auf, die die gleiche Aussage enthält, wie der Titel des Sonetts: Auf dieser Welt ist Alles nur Eitelkeit, hier steht Eitelkeit in seiner alten Bedeutung Vergänglichkeit. Die übrigen sieben Verse der beiden Quartette enthalten eine Aneinanderreihung von Einzelbeobachtungen, dass alles irdische Tun vergeblich und vergänglich ist: Bauwerke werden zu Ruinen, Städte werden wieder vergehen – ja nicht einmal Erz und Stein sind unvergänglich. Konstruktionsprinzip dieser fünf Beispielsätze ist der Parallelismus (Was-Wo-Was-Was). Daraus stellt der Dichter als Fazit die rhetorische Frage, wie der Mensch – der nur ein „Spiel der Zeit“ ist – denn überhaupt Bestand haben kann. Die Antwort ergibt sich von selbst, wird jedoch abschließend vom Dichter noch einmal besonders hervorgehoben. Der Mensch mit all seinem Tun ist nur eine Schlechte Nichtigkeit, nur Schatten, Staub und Wind. Parallel dazu ist die Aussage Als eine Wiesenblum, die man nicht wieder findt! Das ist eine Reminiszenz an die biblische Aussage in Psalm 103: Des Menschen Tage sind wie Gras, er blüht wie die Blume des Feldes. Fährt aber der Wind darüber, ist sie dahin. Der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr.

Das wird solange der Fall sein, wie er in seiner Eitelkeit und Überheblichkeit immer noch denkt, er sei das Größte und Bedeutsamste in der Welt. Erst wenn er das betrachtet, „was ewig ist“ (Seele/Jenseits/Gott), wird er seine Hybris ablegen. Nur dann kann er die Unvergänglichkeit gewinnen.

In diesem abschließenden Vers zeigt sich das christliche Weltbild des Dichters. Der Text soll die Leser seiner Zeit dazu bringen, sich auf das Wesentliche des menschlichen Lebens, das ewige Leben nach dem Tod, zu konzentrieren und allem Irdischen zu entsagen (Weltüberwindung). Diese Weltverneinung resultiert aus der Erfahrung der Unsicherheit des Lebens im Zeitalter des Barock. Der Dreißigjährige Krieg mit all seinen Schrecken und Folgen (Tod, Pest, Hungersnot) hat Andreas Gryphius zu dieser Haltung gebracht, die beispielsweise auch in seinem Sonett Tränen des Vaterlandes zum Ausdruck kommt.

Zusammenfassung/Fazit

Es ist alles eitel ist ein typisches Barockgedicht. Es hat die Form eines Sonetts und spiegelt im Vanitas-Motiv die Weltsicht der Barockzeit wider.

Das Gedicht im Wortlaut

„Du sihst / wohin du sihst, nur eitelkeit auff erden.
Was dieser heute bawt / reist jener morgen ein:
Wo itzund städte stehn / wird eine wiesen sein,
Auff der ein schäffers kind wird spilen mitt den heerden.

Was itzund prächtig blüht sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht vnd trotzt ist morgen asch und bein.
Nichts ist das ewig sey / kein ertz kein marmorstein.
Itzt lacht das Gluck vns an / bald donnern die beschwerden.

Der hohen thaten ruhm mus wie ein traum vergehn.
Sol denn das spiell der zeitt / der leichte mensch bestehn.
Ach! was ist alles dis was wir für köstlich achten,

Als schlechte nichtikeit / als schaten, staub vnd windt.
Als eine wiesen blum / die man nicht wiederfindt.
Noch wil was ewig ist kein einig mensch betrachten.“

Weblinks

 Wikisource: Es ist alles eitel – Quellen und Volltexte

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