Esperanto


Esperanto
Esperanto
Projektautor Ludwik Lejzer Zamenhof
Jahr der Veröffentlichung 1887
Sprecher Einige tausend Muttersprachler;[1] verschiedene Schätzungen für Esperanto als Zweitsprache, z. B. 500.000[2] und 2 Millionen.[3]
Linguistische
Klassifikation
Besonderheiten Substantive, Adjektive, Verben und
abgeleitete Adverben sind an
charakteristischen Endungen erkennbar.(*)
Sprachcodes
ISO 639-1:

eo

ISO 639-2:

epo

ISO 639-3:

epo

Symbole
Esperantoflagge Jubiläumssymbol
Esperanto-Flagge Esperanto-Ei
Textprobe
La akcento estas sur la antaŭlasta silabo. La kernon de la silabo formas vokalo. Vokaloj ludas grandan rolon en la ritmo de la parolo. Substantivoj finas per -o, adjektivoj per -a. La signo de la pluralo estas -j. La pluralo de „lasta vorto“ estas „lastaj vortoj“.

Esperanto ist die am weitesten verbreitete internationale Plansprache. Doktoro Esperanto (Esperanto: „Hoffender“) war das Pseudonym, unter dem Ludwik Lejzer Zamenhof 1887 die Grundlagen der Sprache veröffentlichte. Seine Absicht war, eine leicht erlernbare, neutrale Sprache für die internationale Verständigung zu entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Esperanto

Am 26. Juli 1887 veröffentlichte Ludwik Lejzer Zamenhof in Warschau eine Broschüre mit den Grundlagen der neuen Sprache. 1889 folgte eine Adressenliste mit den ersten Anhängern, außerdem wurde die auf Esperanto in Nürnberg herausgegebene Zeitschrift La Esperantisto gegründet. Bis gegen 1900 entwickelte sich die Sprache Esperanto nur sehr langsam.

Bereits 1898 hatte jedoch Louis de Beaufront eine französische Esperanto-Gesellschaft gegründet, die später der erste Esperanto-Landesverband wurde. Dank de Beaufronts Aktivitäten wuchs die Esperanto-Bewegung zwischen 1900 und 1914, und viele der noch heute bestehenden Organisationen entstanden, darunter der 1908 gegründete Esperanto-Weltbund. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es Verbände oder zumindest Ortsgruppen auf allen Kontinenten. Nach 1907 gab es sogar Pläne, einen Esperanto-Staat mit dem Namen Amikejo (Esperanto für: „Ort, an dem sich Freunde treffen“) zu gründen.

Zwischen den beiden Weltkriegen vergrößerte sich die Sprachgemeinschaft weiter. In mehr als einem Dutzend Ländern kam es aber zu politischen Behinderungen. Im nationalsozialistischen Deutschland wurde die Betätigung verboten, die Verbände wurden aufgelöst. Unter Josef Stalins Herrschaft in der Sowjetunion war die Bewegung zwar nicht ausdrücklich verboten, doch starben vermutlich einige tausend Esperantisten, die wegen „staatfeindlicher Aktivitäten“ erschossen wurden oder in Lagern ums Leben kamen.[4]

Zentralkomitee und Länderrat der Esperanto-Bewegung, im April 1926 auf einer gemeinsamen Sitzung in Locarno (Schweiz)
Ausstellung über Hundert Jahre Esperanto-Weltbund, Rotterdam 2008

Während des Kalten Krieges dauerte es längere Zeit, bis die osteuropäischen Staaten wieder Esperanto-Verbände zuließen. Eine Ausnahme bildete Jugoslawien, wo bereits 1953 ein Esperanto-Weltkongress stattfand. 1959 fand in Warschau der erste Weltkongress in einem Land des Ostblocks statt. Nach und nach entwickelten sich Kontakte und Zusammenarbeit zwischen den Landesverbänden in Ost und West. In den 1960er Jahren gründeten sich die ersten dauerhaften Landesverbände in Afrika, in den 1970er Jahren kam es zu einem Aufschwung der (weit älteren) Verbände in Lateinamerika. 1980 durfte der chinesische Landesverband dem Esperanto-Weltbund beitreten.

Nach dem Fall der Berliner Mauer stieg die Zahl der Landesverbände im Weltbund, nicht nur wegen der Neubildung von Staaten.

Zur Europawahl 2004 trat mit Europa – Demokratie – Esperanto in Frankreich erstmals eine Partei an, deren politisches Ziel die Durchsetzung der Sprache Esperanto ist; sie erhielt 0,15 % der Stimmen. Zur Europawahl 2009 trat Europa – Demokratie – Esperanto als sogenannte politische Vereinigung[5] mit dem Nobelpreisträger Reinhard Selten als Spitzenkandidat[6] auch in Deutschland an und erreichte bundesweit 11.772 Stimmen, was im amtlichen Endergebnis mit 0,0 % der Stimmen ausgewiesen wird.[7]

Sprache

Hauptartikel: Sprachaufbau des Esperanto

Die Wörter bestehen überwiegend aus unveränderlichen Wortelementen (Morpheme), die aneinandergefügt werden. So wird beispielsweise die Mehrzahl eines Substantivs oder Adjektivs und vieler Pronomen durch das Anhängen eines -j gebildet: domo (Haus), domoj (Häuser). Dieses Prinzip wird in der Sprachwissenschaft agglutinierend (anklebend) genannt. In anderen Sprachen kann sich auch der Stamm eines Wortes ändern. Ein Beispiel dafür ist in der deutschen Sprache die Mehrzahl Häuser . Esperanto wird also in diesem Beispiel wie im englischen verwandt: Einzahl house, Plural houses.

Darüber hinaus war der Schöpfer des Esperanto Zamenhof um eine Regelmäßigkeit im Sprachaufbau bemüht. Für die Deklination von Substantiven und die Konjugation von Verben gibt es jeweils nur ein Schema. Beispielsweise wird das in vielen Sprachen unregelmäßige Verb „sein“ im Esperanto nach demselben Schema konjugiert wie alle anderen Verben:

  • mi estas „ich bin“,
  • vi estas „du bist“
  • li estas „er ist“
  • ŝi estas „sie ist“

Zur besseren Erkennbarkeit haben einige Wortarten bestimmte Endungen. -o beispielsweise ist die Endung für Substantive: domo „Haus“; -a ist die Endung für Adjektive: doma „häuslich“ usw.

Die meisten Esperanto-Wörter entstammen dem Latein oder romanischen Sprachen wie dem Französischen. Ein ziemlich großer Anteil kommt aber auch aus germanischen Sprachen, vor allem dem Deutschen und Englischen (je nach Sprachkorpus wird dieser Anteil auf fünf bis zwanzig Prozent geschätzt). Dazu gibt es eine Reihe von Wörtern aus slawischen Sprachen, besonders dem Polnischen und dem Russischen. Außerdem wurden Wörter aus dem Griechischen entlehnt.

Die Schreibweise ist phonematisch, das heißt, dass jedem Schriftzeichen nur ein Phonem (Sprachlaut) und jedem Phonem nur ein Schriftzeichen zugeordnet ist. Sie verwendet Buchstaben des lateinischen Alphabets, ergänzt durch Überzeichen (diakritische Zeichen). Beispielsweise entspricht ŝ dem deutschen sch und ĉ dem tsch (z. B. in ŝako „Schach“ und Ĉeĉenio „Tschetschenien“). (Siehe auch Esperanto-Rechtschreibung.)

Sprachgemeinschaft

Einige der Teilnehmer der Internationalen Woche (Xanten, 2005/2006)

Die Sprachgemeinschaft ist über alle Kontinente verteilt. Zwei Drittel der etwa 5.500 Mitglieder des größten Dachverbandes, desEsperanto-Weltbundes leben in Europa. Das Jahrbuch 2009 der UEA verzeichnet Delegierte aus 102 Ländern.

Für Esperantosprecher werden lokale, nationale und internationale Kongresse, Seminaren, Kulturveranstaltungen und Feste angeboten. Darüber hinaus gibt es Internetforen und Chaträume, die auf Esperanto angeboten werden.

Ein internationaler Gastgeberdienst namens Pasporta Servo informiert über Esperantosprecher, die bereit sind, andere Esperanto-Sprecher kostenlos für eine kurze Zeit bei sich übernachten zu lassen; Esperantosprecher sind auch bei anderen Gastgeberdiensten wie CouchSurfing zu finden. Brieffreundschaften auf Esperanto vermitteln beispielsweise der Korrespondenzdienst Koresponda Servo Mondskala[8] und Edukado.net.[9] Weit wichtiger als Brieffreundschaften ist heute aber die Kommunikation per Internet über E-Mail, Mailingliste oder Voice over IP.

Die größten Esperanto-Organisationen in Deutschland sind der Deutsche Esperanto-Bund (DEB) sowie die Jugendorganisation Deutsche Esperanto-Jugend (DEJ) mit ihren Orts-, Regional- und Landesverbänden. Der größte weltweite Dachverband heißt Universala Esperanto-Asocio (UEA, Esperanto-Weltbund) mit Sitz in Rotterdam. Die DEJ ist als nationaler Verband der UEA-Jugendorganisation TEJO angeschlossen.

Veranstaltungsorte des Esperanto-Weltkongresses, der jährlich größten Veranstaltung mit je nach Land etwa tausend bis dreitausend Teilnehmern, waren zuletzt Białystok (2009), Havanna (2010) und Kopenhagen (2011).[10] Die nächsten Weltkongresse werden in Hanoi (2012) und Reykjavik (2013) stattfinden. Daneben finden jährlich Hunderte kleinere und regionale Veranstaltungen statt, von einem Wochenende in Finnland mit zwei Dutzend Teilnehmern bis zum Asiatischen Esperanto-Kongress mit mehreren hundert Gästen[11].

Anzahl der Sprecher

Über die weltweite Zahl der Sprecher liegen keine gesicherten Daten vor. Anhaltspunkte können die Mitgliedschaft in Esperantoverbänden sowie Volkszählungen in einzelnen Ländern geben.

Der Esperanto-Weltbund hatte 2008 insgesamt 5.702 Einzelmitglieder (davon 534 aus Deutschland) und 12.492 zusätzliche Mitglieder über seine weltweiten Landesverbände (davon 832 über den Deutschen Esperanto-Bund).[12]

Bei der Volkszählung in Litauen 2001 gaben 844 Personen an, Esperanto zu sprechen (von 3,5 Mio. Einwohnern, d.h. 242 pro Million Einwohner). Esperanto belegte damit Platz 16 unter den von Litauern gesprochenen Fremdsprachen.[13] In Ungarn, wo Esperanto an den Universitäten Wahlpflichtfach ist, gaben bei der Volkszählung 2001 insgesamt 4.575 Personen an, dass sie Esperanto sprechen (von 10,2 Mio. Einwohnern, d.h. 448 pro Million Einwohner).[14] Dort belegte Esperanto Platz 16 unter den beherrschten Fremdsprachen. Die ungarischen Volkszählungen zeigen auch ein Anwachsen der Zahl der Esperantosprecher an: 1941 wurden 942 Esperantosprecher gezählt, 1990 waren es 2 083 und 2001 dann 4 575.

Bei ethnologue.com werden zwei Millionen angegeben [3]. Diese Zahl umfasst auch diejenigen, die Esperanto schon seit längerer Zeit nicht mehr aktiv sprechen. Sie entstammt dem World Almanac von Sidney S. Culbert.[15]

Lebende Sprache

Zwar kann keine verlässliche quantitative, jedoch eine Aussage qualitativer Art getroffen werden, basierend auf der Untersuchung der Sprachpraxis. Die Sprechergemeinschaft des Esperantos war und ist ausreichend groß, um die Sprache in einer bereits viele Jahrzehnte währenden Kontinuität anzuwenden und weiterzuentwickeln. Esperanto gehört nicht zu den vom Aussterben bedrohten Sprachen. Im Internet und bei Computerprogrammen wird Esperanto als Option angeboten, ebenso wie bei fast jeder populären Open-Source-Software, so etwa bei Firefox.[16][17] Auch die Wikipedia wird in Esperanto angeboten: So waren im November 2011 über 155.000 Artikel verfügbar.[18]

Beispiele für Esperanto-Sprecher

Esperanto als zweite Muttersprache

Es gibt eine geringe Anzahl Familien, in denen Esperanto gesprochen wird und auch die Kinder – neben einer anderen Sprache – mit Esperanto aufwachsen. Laut dem Linguisten Harald Haarmann wird Esperanto von „etlichen tausend Menschen“ weltweit als Muttersprache gesprochen.[1] Die ungarische Volkszählung 2001 ergab dort 168 Esperanto-Muttersprachler.[20].

Die erste bekannte Esperanto-Muttersprachlerin war die 1904 geborene Emilia Gastón.[21]In Deutschland gehören Margarete Bläsing (verh. Klünder) (*1914) und Ino Kolbe (1914–2010) zu den ersten Esperanto-Muttersprachlerinnen.[22] Die Weitergabe von Esperanto von einer Generation zur nächsten funktioniert teilweise bereits seit hundert Jahren. So wohnt in der Nähe von Münster eine Familie, in der Esperanto nunmehr in der vierten Generation gesprochen wird.[23]

Esperanto im Gebrauch

Vortrag in der Sommer-Universität auf dem Esperanto-Weltkongress 2008

Nach der direkten Kommunikation unter Esperantisten ist die Esperanto-Literatur der häufigste Anwendungsbereich. Ein Nebenbereich dessen ist die Esperanto-Musik, das heißt Musik mit Texten in dieser Sprache.

Seit den 1920er Jahren gibt es regelmäßige Radio-Sendungen auf Esperanto, heutzutage beispielsweise seit 1964, also seit über 45 Jahren aus Peking von Radio China International, von Radio Vatikan aus der Vatikanstadt sowie von Radio Habana Cuba aus Havanna. Es wurden Spielfilme auf Esperanto hergestellt, wie Inkubo mit William Shatner. Generell ist die Filmproduktion auf Esperanto unterentwickelt, ähnlich wie das Fernsehen. Im Internet gab es zunächst private Seiten, später kamen größere Projekte hinzu (2001 die Esperanto-Wikipedia).

Verschiedene Esperanto-Fachverbände beschäftigen sich mit einzelnen Themen, so dass auch Wissenschaftssprache auf Esperanto entsteht. Auf den Esperanto-Weltkongressen gibt es eine Sommer-Universität mit Vorträgen aus unterschiedlichen Wissensgebieten.

Verfolgung, Unterdrückung, Diskriminierung

Siehe auch Geschichte des Esperanto: Behinderungen, Verbote und Verfolgung.

Verfolgung und Unterdrückung

Esperanto wurde in seiner Geschichte in etwa einem Dutzend Ländern verfolgt oder unterdrückt. In der Sowjetunion wurden ab 1937 viele Esperantosprecher unter der Anklage, sie würden einer „internationalen Spionageorganisation“ angehören (dem Esperanto-Weltbund u. a.), zu Lagerhaft verurteilt; viele kamen um oder wurden erschossen.[24] Die Verfolgung dauerte bis in die fünfziger Jahre, eine Esperanto-Organisation konnte erst in den sechziger Jahren wieder gegründet werden. Weitere Unterdrückungen gab es in Osteuropa ab etwa 1948, so in der DDR, Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien; die Unterdrückung endete in den meisten Fällen in den fünfziger und sechziger Jahren, in Rumänien erst um 1990; noch 1982 wurden dort Esperanto-Gruppen aufgelöst.[25]

In Deutschland gab es 1935 einen Erlass, der Esperanto-Unterricht in Schulen untersagte: „Die Pflege künstlich geschaffener Welthilfssprachen wie der Esperantosprache hat im nationalsozialistischen Staate keinen Raum.“[26]Dabei kam es auch zu Bücherverbrennungen.[27]Die Unterdrückung dauerte bis zum Ende der nationalsozialistischen Diktatur 1945.

In Spanien hatten Esperantosprecher ab 1936 und bis etwa 1950 mit Schwierigkeiten zu kämpfen; 1937 verbreitete eine Radiostation in Córdoba, dass dort „alle Sektenmitglieder, Freimaurer und Esperantisten wegen Teilnahme an antinationalen Aktivitäten ihre verdiente Strafe erhalten“ hätten.[28] In Portugal wurden Esperanto-Gruppen 1936 aufgelöst; das Verbot wurde 1948 erneuert und erst 1972 beendet.[29] Weitere Behinderungen von Esperanto-Organisationen durch staatliche Behörden gab es u. a. in Japan, wo 1931 Leiter von Esperanto-Kursen in Fabriken festgenommen wurden.[30] In Frankreich erteilte 1922 der Minister für Unterricht, Léon Bérard, den Schulrektoren die Weisung, für Esperanto-Unterricht keine Schulräume mehr bereitzustellen;[31] der Erlass wurde 1924 wieder aufgehoben.

Einschätzungen Dritter

Bewertungen durch Behörden und Ministerien

Das französische Bildungsministerium teilte am 20. April 2010 mit, Esperanto könne nicht als Schulfach angeboten werden, da die Anzahl der Sprecher nicht mit der von beispielsweise spanisch, russisch oder arabisch konkurrieren könne.[32]

Ein Vertreter des britischen Department for Children, Schools and Families erklärte 2008 laut BBC[33] zur Frage der Zulassung des Esperanto als Schulsprache, dass Esperanto es Schülern nicht erlaube, „ein Interesse an der Kultur anderer Nationen zu entwickeln“ oder „mit Muttersprachlern zu kommunizieren“, weil es „keine zugehörige Kultur“ oder ein Mutterland habe.

Die Kultusministerkonferenz der Bundesrepublik Deutschland hat die Einführung von Esperanto als Pflichtfach mit Beschluss von November 1954 abgelehnt; erneuert im September 1961. "Gegen den Unterricht von Esperanto in freiwilligen Arbeitsgemeinschaften bestehen keine Bedenken." [34]

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus teilte 1980 mit, dass über die Einrichtung von freien Arbeitsgemeinschaften am Gymnasium hinaus „in der gymnasialen Oberstufe Esperanto durchaus als Grundkursfach gewählt werden“ kann, „sofern sich genügend Interessenten für diesen Unterricht finden.“ Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass nicht beabsichtigt sei, aufgrund des anzunehmenden geringen Umfangs der Nachfrage eine Lehrplanbefähigung für Esperanto zu schaffen. In der Antwort verweist das Ministerium darüber hinaus darauf, dass an der grössten Volkshochschule Bayerns in München keine Esperantokurse angeboten würden, während bei entsprechender Nachfrage ...auch Esperanto-Kurse angeboten würden.[35]

Einschätzungen durch Nicht-Esperanto-Sprecher

Wolf Schneider veröffentlichte in der NZZ im Oktober 1994 einen Artikel „Nachruf aufs Esperanto“ ; der Artikel wurde 2009 in einem Buch des Rowohlt-Verlags nachgedruckt[36]. Dort formuliert Schneider, dass der Bedarf an einer Kunstsprache noch nie so gering wie heute sei. Die Frage, warum man die Kunstsprachen allesamt für tot erklären dürfe, beantwortet er auf mehreren Ebenen. Neben der fehlenden Wärme und Macht der Kunstsprachen schreibt er, diese verfügten weder über Aura noch Tiefe. Dem Esperanto wirft er darüber hinaus vor, es verlange eine komplizierte Deklination. Im übrigen seien Weltsprachen immer durch militärische, kulturelle, wirtschaftliche Übermacht entstanden. Dies alles fehle dem Esperanto und sei zugleich dessen drastischster Nachteil.[37]. - Zu dem Artikel von Wolf Schneider schrieb Sabine Fiedler, dass er eine vernichtende „Karikatur des Esperanto“ sei, „die auf Irrtümern, falschen Informationen, täuschenden Vergleichen, Halbwahrheiten und irrtümlichen Beurteilungen wegen fehlender Kenntnisse“ beruhe; es handele sich um „ein bedauerliches Beispiel eines Autors, der seine Vorurteile ausdrückt ohne sich über das Thema zu informieren (...).“[38]

Bewertungen durch Sprachwissenschaftler

Kritik

Hauptartikel: Kritik an Esperanto

Sonstige Verwendung

Esperanto als Stilmittel

Ferner wurde die Sprache zuweilen in der Kunst eingesetzt. Einige Beispiele: In Charles Chaplins Der große Diktator sind die Ladenaufschriften im jüdischen Ghetto auf Esperanto,[39] und in Idiot's Delight mit Clark Gable wird in einer unbenannten europäischen Diktatur Esperanto gesprochen – man wollte nicht ein bestimmtes Land darstellen und wich daher auf die neutrale Sprache aus. Ähnlich war es bei Street Fighter (1994) und Blade: Trinity (2004). Wegen des internationalen und exotischen Anklangs verwendete Michael Jackson Esperanto-Sätze als Einleitung für den Werbespot zu seinem Album HIStory,[40] .

In der Science-Fiction-Literatur wird Esperanto vereinzelt als die Einheitssprache einer fernen Zukunft genutzt, beispielsweise im preisgekrönten Flusswelt-Zyklus von Philip José Farmer.[41] Auch im Stahlrattenzyklus des SF-Autors Harry Harrison spielt Esperanto die Rolle einer intergalaktischen Verkehrssprache. Teilweise sind Orte und Personen mit Esperantoworten benannt. Um diesen Verfremdungseffekt bei der Übersetzung der Werke ins Esperanto beizubehalten, wichen die Übersetzer in diesen Fällen auf Volapük aus.

Metaphorischer und sonstiger Gebrauch des Wortes „Esperanto“

Metaphorisch gebraucht man das Wort mitunter abwertend. Beispielsweise wurde Java als das „Esperanto der Programmiersprachen[42], BASICODE als „Esperanto für Computer“[43] und der Euro als „Esperanto-Währung“[44] bezeichnet.

Literatur

Sprachwissenschaft

  • Benoît Philippe: Sprachwandel bei einer Plansprache am Beispiel des Esperanto. Hartung-Gorre, Konstanz 1991.
  • Detlev Blanke: Internationale Plansprachen. Eine Einführung. Akademie-Verlag, Berlin 1985.
  • Detlev Blanke; Sabine Fiedler (Hrsg.): Interlinguistische Beiträge. Zum Wesen und zur Funktion internationaler Plansprachen. Peter Lang, Berlin u. a. 2006, ISBN 3-631-55024-3.
  • Pierre Janton: Einführung in die Esperantologie. 2. Auflage. Olms, Hildesheim 1993, ISBN 3-487-06541-X.

Geschichte

  • Ulrich Lins: Die Gefährliche Sprache. Die Verfolgung der Esperantisten unter Hitler und Stalin. Bleicher, Gerlingen / Stuttgart 1988, ISBN 3-88350-023-2.
  • Marcus Sikosek: Die neutrale Sprache. Eine politische Geschichte des Esperanto-Weltbundes. Skonpres, Bydgoszcz 2006, ISBN 978-83-89962-03-4 (Deutsch, mit Zusammenfassungen in Niederländisch und Esperanto).

Wörterbücher

  • Erich-Dieter Krause: Großes Wörterbuch Esperanto-Deutsch. Buske, Hamburg 1999, ISBN 3-87548-193-3.
  • Erich-Dieter Krause: Großes Wörterbuch Deutsch-Esperanto. Buske, Hamburg 2007, ISBN 978-3-87548-466-3.
  • Ulrich Matthias, Dietrich M. Weidmann: Kleines Wörterbuch Deutsch-Esperanto / Esperanto-Deutsch. Marix, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-182-7.
  • tatoeba Vielsprachiges Sätze-Wörterbuch. Esperanto ist darin mit vielen Beispielsätzen vertreten.

Lehrbücher

  • Detlev Blanke, Till Dahlenburg: Konversationsbuch Deutsch-Esperanto. Enzyklopädie, Leipzig 1990, ISBN 3-324-00508-6.
  • Klaus Dahmann, Thomas Pusch: Esperanto Wort für Wort. Band 56, Kauderwelsch, 1998, ISBN 3-89416-246-5 (Sprachführer mit Grammatik und Wortliste).
  • Eckhard Bick u. a.: Tesi, la testudo. Esperanto-Lehrbuch / Intensa lernolibro. 3. Auflage. EsperantoLand, Berlin 2006.
  • Dirk Willkommen: Esperanto-Grammatik. Eine Lerner- und Referenzgrammatik. 2. Auflage. Buske, Hamburg 2007, ISBN 3-87548-244-1.
  • Hermann Göhl: Ausführliche Sprachlehre des Esperanto. Lehr- und Nachschlagewerk für Fortgeschrittene. Esperanto-Verband im Kulturbund der DDR, Berlin (Ost) 1989 (Eine sehr detaillierte Darstellung der Struktur des Esperantos, der 2. Nachdruck der Auflage von 1932).

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Esperanto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Esperanto – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Esperanto – Zitate
Wikibooks Wikibooks: Esperanto – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise

  1. a b Harald Haarmann: Kleines Lexikon der Sprachen. Von Albanisch bis Zulu. Beck Verlag, München 2001 (S. 115–116): Esperanto wird „auch von etlichen tausend Menschen in der Welt (z. B. in Ungarn, Österreich, Bulgarien, Japan, USA) als Muttersprache erlernt“. „Inzwischen gibt es Muttersprachler der zweiten und sogar dritten Generation.“ Online bei fischer-zim.ch.
  2. Detlev Blanke: Internationale Plansprachen. Berlin 1985, S. 289
  3. a b ethnologue.com
  4. Siehe Ulrich Lins: Die gefährliche Sprache. Die Verfolgung der Esperantisten unter Hitler und Stalin. Bleicher, Gerlingen 1988. Das Zitat gegen Esperanto aus Hitlers Mein Kampf findet sich auf S. 92, das Verbot in deutschen Schulen auf S. 104, das Verbot für Parteigenossen, Mitglied in Esperanto-Verbänden zu sein, auf S. 110, von dem Himmlerschen Erlass mit der Aufforderung zur Selbstauflösung des DEB ist auf S. 111 zu lesen. In der Sowjetunion waren die entsprechenden Dokumente geheim; ein Befehl von 1940 aus Litauen listet „Esperantisten“ unter den zu verhaftenden Personengruppen (S. 222).
  5. Bundeszentrale für politische Bildung: Europa – Demokratie – Esperanto (EDE)
  6. Bundeswahlleiter: Wahlbewerber EDE
  7. Bundeswahlleiter: Endgültiges Ergebnis der Europawahl 2009
  8. Koresponda Servo Mondskala
  9. Edukado.net
  10. UEA.ORG: Retaj arkivoj pri kongresoj
  11. Siehe "Plena kalendaro de Esperanto-aranĝoj"; Entwicklung der Treffen in Deutschland s. "Statistiko de Esperantujo", Treffen.
  12. Esperanto-Weltbund
  13. Litova Stelo, 1/2004, S. 24 (hier irrtümlich 858 Personen angegeben) und Mail-Mitteilung des Litauischen Amts für Statistik.
  14. Ungar. Stat. Amt ; nach einer anderen Seite, Volkszählung 2001 (Bewohner nach Sprachkenntnissen), waren es 4565.
  15. Vgl. Brief von Culbert an World Almanac, der die Quelle für ethnologue.com ist. Zu Culberts Methoden siehe auch [1] und [2]
  16. Mozilla Firefox auf Esperanto (offiziell)
  17. Anleitung zum Herunterladen einer Esperanto-Sprachpaket-Erweiterung für Firefox
  18. Wikipedia Esperanto
  19. http://www.dieterwunderlich.de/Daniel-Tammet.htm
  20. 4575 Personen gaben an, Esperanto zu sprechen, davon 4407 als Fremdsprache, somit 168 als Muttersprache, laut dem Ungarischen Amt für Statistik
  21. Laut Jahrbuch Welt-Esperantobund, Jarlibro 1966, Rotterdam, S. 81
  22. Vgl. Tagesspiegel Berlin
  23. Grenzenlos kommunizieren. n-tv.de, Vermischtes vom 1. Mai 2008
  24. Ulrich Lins: Die gefährliche Sprache. Gerlingen 1988, S. 225 u. a.
  25. Ulrich Lins: La danĝera lingvo. Moskau 1990, S. 491
  26. Ulrich Lins: Die gefährliche Sprache. Gerlingen 1988, S. 104
  27. , Abschnitt 1.4, eingesehen am 2. Oktober 2011
  28. Ulrich Lins: Die gefährliche Sprache. S. 122
  29. Ulrich Lins: Die gefährliche Sprache. S. 121
  30. Ulrich Lins: La danĝera lingvo. S. 173
  31. Ulrich Lins: Die gefährliche Sprache. S. 56
  32. „L'espéranto qui ne dispose pas encore du statut de langue maternelle […]“ Antwort auf eine Anfrage in der Nationalversammlung
  33. BBC: "Esperanto does not allow pupils to develop an interest in the culture of other nations or to communicate with native speakers as it does not have an associated culture or homeland," says a spokesman.
  34. Antwort auf eine Anfrage von 1980, Seite 2
  35. Antwort vom 4.7.1980 auf eine Anfrage im Bayerischen Landtag, Drucksache 9/6006, S. 2
  36. Wolf Schneider. Gewönne doch der Konjunktiv! Reinbek bei Hamburg, 2009, S. 106 ff. Vgl. Inhaltsverzeichnis
  37. Alles in NZZ Folio 10/94, abgerufen am 8. April 2011
  38. Sabine Fiedler, Interlingvistiko/esperantologio kiel fako en universitatoj – spertoj el Leipzig, in: Informilo por Interlingvistoj, n-ro 65 (2/2008), S. 8
  39. Vgl. z. B. den Ausschnitt aus dem Film.
  40. Vgl. den Filmanfang. Der gesprochene Text lautet: „[…] nacioj de la mondo konstruas ĉi tiun stultaĵon en la nomo de tutmonda patrineco kaj amo kaj la (?) forto de muziko.“ („Die […] Nationen der Welt erbauen diese Dummheit im Namen der Mutterschaft und Liebe auf der ganzen Welt und der (?) Kraft der Musik.“)
  41. Vgl. Artikel in Fictionfantasy.
  42. Vgl. Der Spiegel vom 18. März 1996, abgerufen am 20 März 2011.
  43. Vgl. z.B. die Seite zu Basicode.
  44. Vgl. Handelsblatt, 16. März 2010, abgerufen am 20. März 2011.

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