Eurodance


Eurodance

Eurodance [ˈjʊəɹəʊˌdæns] (engl. „Eurotanz“, auch Dancefloor [ˈdænsflɔː], engl. „Tanzfläche“) bezeichnet eine Stilrichtung innerhalb der elektronischen Tanzmusik, die zwischen 1992 und 1995 vor allem in Europa sehr populär war und zahlreiche Charterfolge hervorbrachte. Charakteristisch ist eine Kombination aus Dance-Rhythmus, Pop-Refrain und Rap-Strophe.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Eurodance-Titel ähneln sich untereinander vom Konzept her sehr stark. Verwendet werden in aller Regel, von den Vocals abgesehen, ausschließlich elektronische Klänge, wie in allen Bereichen der elektronischen Tanzmusik. Der typische Rhythmus ist ein Dance-Beat im 4/4-Takt bei 110 bis 160 BPM. Die Refrain-Melodie ist harmonisch und wird meist durch Strophen mit Rapeinlagen unterbrochen. Typisch ist ein Wechselspiel zwischen einer weiblichen Singstimme (Refrain) und männlichem Sprechgesang (Strophe). Wenn keine Rapeinlagen vorkommen, wird der Titel meist von nur einem Sänger oder Sängerin gesungen, wobei die Rapparts durch gesungene Strophen ersetzt werden. Auf den Refrain folgen häufig einprägsame instrumentelle Akkordmuster. Nicht selten werden auch Reggae-Elemente verwendet. Die Texte sind bis auf wenige Ausnahmen in englischer Sprache gehalten. Besungene Themen sind Liebe, Musik, Tanzen und Feiern. Normalerweise repräsentieren ausschließlich die Sänger(innen) und Rapper, selten mehr als 3 Mitglieder, das Dance-Projekt in der Öffentlichkeit, während die Produzenten der Musik im Hintergrund bleiben.

Geschichte

Der Begriff „Eurodance“ entstand erst nach dem kommerziellen Abebben dieses Genres. Der Name wurde für Sampler gewählt, auf denen ehemalige Charterfolge nochmals vermarktet wurden. Zuvor wurde diese Musikrichtung häufiger als Dancefloor oder einfach Dance bezeichnet.

Musikalisch liegen die Ursprünge des Eurodance im Italo-Disco- bzw. Euro-Disco-Sound der 1980er-Jahre, der sich noch stark am Synthie Pop orientierte. Auch der in der ersten Hälfte der 1980er populäre Tanzsound des Hi-NRG hatte einen deutlichen Einfluss auf die spätere elektronische Tanzmusik. Gegen Ende der 1980er wurden in den Discotheken Europas zunehmend House und Techno populär, die auch auf kommerzielle Popmusik Einfluss nahmen. Besonders hervorzuheben ist dabei die „pumpende“ Bassdrum und die Computer-orientierte Produktionsweise (in den 1980er Jahren wurde in der Elektronischen Musik noch hauptsächlich mit Hardware-Sequencern gearbeitet).

Die Produzenten stammten in der Regel aus europäischen Ländern, insbesondere Italien, Schweden, den Niederlanden und Deutschland. Die Interpretenbesetzung der Dance-Acts war hingegen oftmals international. Vor allem die Rapper der deutschen Dance-Formationen waren häufig in Deutschland stationierte GIs.

Das Konzept selber (männlicher Rapper weiblicher Gesang / Refrain) wurde erstmals bei Twenty 4 Seven eingesetzt. Von den Kritikern wurde das Konzept damals als One Hit Wonder, das keine Zukunft habe, bezeichnet. Der Erfolg dieses Konzeptes sollte sich jedoch erst ab 1992/1993 einstellen

Zu den ersten erfolgreichen Veröffentlichungen mit den eurodancetypischen Merkmalen zählen Rhythm Is a Dancer von SNAP!, It’s My Life von Dr. Alban und More and More vom Captain Hollywood Project. Ein früher Eurodance-Titel, der ohne Rap-Einlagen auskommt, ist What Is Love von Haddaway. Diese Titel waren so erfolgreich (alle Nummer-eins-Hits in Deutschland außer Haddaway; Platz 2), dass das Konzept anschließend vielfach von anderen Produzenten übernommen wurde. Weit verbreitet war der Stil zwischen 1993 und 1995 mit dem Höhepunkt im Jahr 1994, als der Großteil der Chart-Hits diesem Genre zugeordnet werden konnte. Sehr beliebt war der Stil ebenfalls bei Fahrgeschäften auf Jahrmärkten und wurde daher abwertend auch Kirmestechno genannt. Danach wurden von VIVA, im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren, kaum noch Eurodance-Nummern in die Playlist aufgenommen. Die Verkaufszahlen sanken deutlich und nur noch vereinzelt gelang der Einstieg in die Charts.

2003 veröffentlichten mehrere Eurodance-Interpreten wie etwa SNAP! (Rhythm Is a Dancer 2003), Culture Beat (Mr. Vain Recall) oder Masterboy (Feel the Heat of the Night 2003) neue Versionen oder Remixe ihrer größten Hits. Ein richtiges Comeback gelang aber niemandem.

Aus der Eurodance-Zeit sind DJ BoBo und Scooter zwei der wenigen Künstler, die bis heute erfolgreich in regelmäßigen Abständen Singles und Alben veröffentlichen, welche aber großteils anderen Genres der elektronischen Tanzmusik wie z.B. HandsUp oder Jumpstyle angehören.

Ähnlich wie die 1980er-Jahre oft mit dem Synthie Pop assoziiert werden, wird Eurodance heute oft – neben anderen Stilrichtungen wie Techno – als typische Musik der 1990er-Jahre angesehen. Dies äußert sich beispielsweise auf sogenannten „90er Jahre-Partys“, auf denen Eurodance eine der meistgespielten Stilrichtungen ist. Im Radio jedoch ist die Musikrichtung aus den Programmen der großen Radiosender praktisch vollkommen verschwunden.

Verwandte Stile

Bevor Eurodance erfolgreich wurde, gab es bereits Musikrichtungen mit ähnlichen Stilelementen. Mehrere der späteren Eurodance-Formationen veröffentlichten zuvor Titel in einem Stil, der auch als Hip House bezeichnet wird. Zu diesen Formationen zählen Technotronic (Pump Up the Jam, This Beat Is Technotronic), SNAP! (The Power, Ooops Up) und Twenty 4 Seven (I Can’t Stand It). Bei diesen Titeln gibt es bereits ein Wechselspiel zwischen Gesangs- und Rapeinlage, allerdings ist der eurodanceartige Techno-Rhythmus noch nicht vorhanden und die Refrains sind meist weniger poppig. Technolastiger sind The KLF (What Time Is Love?) und The Shamen (Love Sex Intelligence).

Etwa zeitgleich zur Erfolgswelle des Eurodance gab es einige Dance-Formationen aus den USA, die international erfolgreich waren. Der Sound dieser Interpreten liegt jedoch eher beim House. Bekannte Interpreten sind Reel 2 Real (I Like to Move It), 20 Fingers (Short Dick Man) und The Outhere Brothers (Boom Boom Boom).

Mit nachlassendem Erfolg des typischen Eurodance-Konzepts war ein ähnlicher Sound zunehmend erfolgreich. Dieser verzichtete jedoch auf Rapeinlagen, war schneller und verwendete gepitchte Stimmen für Gesangseinlagen. Bekannte Vertreter dieses häufig als Happy Hardcore bezeichneten Sounds sind Mark ’Oh (Tears Don’t Lie), Dune (Hardcore Vibes), Interactive (Living Without Your Love) und Scooter (Endless Summer). Ein anderer eurodanceähnlicher Sound behielt die Rapeinlagen bei, tauschte jedoch die Techno- gegen Hip-Hop-Beats und brachte Interpreten wie C-Block (Time Is Ticking Away), Down Low (Jonny B), T.C.A Microphone Mafia (Mic Mafia) und Nana (Lonely) hervor. Gelegentlich schafften jedoch auch nach 1997 noch typische Eurodance-Titel den Sprung in die Charts, vor allem solche von Modern Talking, die sich nach ihrer Wiedervereinigung im Jahr 1998 diesem Musikstil widmeten.

Bekannte Titel

Nummer-eins-Hits der Media-Control-Charts in Deutschland (mit Verweilzeit auf Platz 1):

Bekannte Interpreten

Insgesamt gibt es eine sehr große Anzahl an Interpreten dieses Genres. Viele konnten jedoch keine großen Charterfolge im deutschsprachigen Raum verzeichnen und werden deswegen an dieser Stelle nicht aufgelistet. Neben Eurodance haben mehrere der genannten Formationen auch noch Titel in anderen Stilrichtungen veröffentlicht.

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