Experten-Laien-Kommunikation


Experten-Laien-Kommunikation

Experten-Laien-Kommunikation beschreibt die Interaktion zwischen Experten und Laien. Aufgefasst werden Experten als Spitzenkönner oder Leute mit professionellem Wissen. Laien sind Menschen, die in Bezug auf die Wissensdomäne der Experten keine systematische Ausbildung vorweisen können.

Ziel der Experten-Laien-Kommunikation ist es, Laien zu selbstständigen Entscheidungen zu befähigen, die sie auf Grundlage der Information durch Experten treffen können.

Die Experten-Laien-Kommunikation steht in Zusammenhang mit Wissenstransfer und kann daher als zentrales Thema der Informations- und Wissensgesellschaft angesehen werden. Wichter/Antos haben für Wissenstransfer als Forschungsgebiet die Disziplin der Transferwissenschaft ins Leben gerufen. Für eine Thematisierung des Wissenstransfers und eine möglichst rasche Umsetzung in alle Schul- und Hochschulfächer plädiert Joachim Grzega.

Spezielle Ausprägungen der Experten-Laien-Kommunikation sind die PUSH-Bewegung (Public Understanding of Science and Humanities), der Wissenschaftsjournalismus und die Populärwissenschaftliche Literatur.

Phasen der Experten-Laien-Kommunikation

Die Psychologen Riklef Rambow und Rainer Bromme unterscheiden drei Phasen der Experten-Laien-Kommunikation:[1]

  1. Explikation von Konzepten und Prozessen, die in der kreativen Problembewältigung weitgehend implizit bleiben
  2. radikale Selektion und Umstrukturierung im Hinblick auf die Laienperspektive
  3. Finden neuer Formulierungen, Prägung neuer Begriffe, Wahl guter Beispiele und Bilder und somit Herstellung von Bezügen zum Alltagsverständnis der Laien

Abbruch der Experten-Laien-Kommunikation und Entstehung sozialer Konflikte

Hauptartikel: FAKKEL

Innerhalb der Experten-Laien-Kommunikation kann es auf vielfältige Weise zu Konflikten kommen, etwa wenn Laien die Autorität von Experten nicht mehr anerkennen. Verhaltensmuster und Ursachen sind in der Sozialpsychologie verschiedentlich untersucht worden. Bekannt ist u. a. der 1999 beschriebene Dunning-Kruger-Effekt.

In der Katastrophensoziologie wird aus dem Abbruch positiver Interaktion und dem Übergang zum sozialen Konflikt zwischen Experten und Laien von Lars Clausen die Entstehung von Katastrophen abgeleitet.

Literatur

  • Rainer Bromme, Regina Jucks, Riklef Rambow: Wissenskommunikation über Fächergrenzen: Ein Trainingsprogramm. In: Wirtschaftspsychologie. Heft 3/2003, S. 94–102.
  • Rainer Bromme, Regina Jucks, Riklef Rambow: Experten-Laien-Kommunikation im Wissensmanagement. In: G. Reinmann, Heinz Mandl (Hrsg.): Der Mensch im Wissensmanagement: Psychologische Konzepte zum besseren Verständnis und Umgang mit Wissen. Verlag Hogrefe, Göttingen 2004, S. 114–126.
  • Lars Clausen: Reale Gefahren und katastrophensoziologische Theorie. In: Lars Clausen, Elke M. Geenen, Elísio Macamo (Hrsg.): Entsetzliche soziale Prozesse. LIT-Verlag, Münster 2003, ISBN 382586832X.
  • Joachim Grzega: Socioeconomic Linguistics (or Linguistic Socioeconomics)–a New Field of European and Global Research and Teaching.” In: Journal for EuroLinguistiX Band 2, 2005, S. 19–43.
  • Riklef Rambow, Rainer Bromme: Was Schöns 'reflective practitioner' durch die Kommunikation mit Laien lernen könnte. In: G. H. Neuweg (Hrsg.): Wissen – Können – Reflexion: Ausgewählte Verhältnisbestimmungen. Studienverlag, Innsbruck 2000, S. 245–263.
  • Sigurd Wichter: Experten- und Laienwortschätze. Umriss einer Lexikologie der Vertikalität. [Reihe Germanistische Linguistik 144], Verlag Niemeyer, Tübingen 1994.
  • Sigurd Wichter, Gerd Antos (Hrsg.): Wissenstransfer zwischen Experten und Laien: Umriss einer Transferwissenschaft. In: [Transferwissenschaften 1]. Verlag Lang, Frankfurt (Main).

Einzelnachweise

  1. Riklef Rambow & Rainer Bromme: Was Schöns "Reflective Practitioner" durch die Kommunikation mit Laien lernen könnte, Überschrift 5. Welches Wissen wird für die Verständigung mit den Laien benötigt?. In: (Hrsg.): Wissen - Können - Reflexion. Ausgewählte Verhältnisbestimmungen. Studienverlag, Innsbruck und Wien 2000, S. 201–219, online verfügbar auf einer Webseite der Westfälischen Wilhelms-Universität

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