Ezzonen


Ezzonen

Die Ezzonen (die Nachfolger Ezzos) waren im ostfränkisch-deutschen Reich des 10. und 11. Jahrhunderts als lothringische Pfalzgrafen die wichtigsten Stellvertreter des Königtums an Mittel- und Niederrhein.

Geschichte

Die Ezzonen als lothringische Pfalzgrafen werden am Ende des 9. Jahrhunderts in der Person eines Erenfrid am Mittelrhein, in Alzey, historisch greifbar. Vielleicht hatten sie Vorfahren, die der karolingischen Reichsaristokratie angehörten. Der politische Aufstieg dieses Adelsgeschlechts lässt sich dann gut anhand der von ihnen kumulierten Grafschaften nachvollziehen.

  • Hermann I.: Um die Mitte des 10. Jahrhundert tritt uns mit Hermann Pusillus (der Zarte) (948) ein Graf im Auelgau entgegen, sein Nachfahre Erenfrid war schon Graf mehrerer Komitate, u.a. in der Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft (950). Dessen Sohn Hermann (970, 989–996) wird erstmals als lothringischer Pfalzgraf bezeichnet und stand somit in der Nachfolge der Konradiner, die dieses Amt, das in der Königspfalz in Aachen seinen Mittelpunkt hatte, vermutlich zu Beginn des 10. Jahrhunderts ausgeübt hatten und die mit Otto und Eberhard in einer Königsurkunde vom 3. August 904 als Grafen im Keldachgau bzw. in der Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft belegt sind, mit Konrad, dem späteren ostfränkischen König (911–918), als Kaiserswerther Laienabt in einer Urkunde vom 26. Juli 910. Der Ezzone Hermann verfügte entlang von Nieder- und Mittelrhein über die Grafschaften im Bonn-, Auel-, Eifel- und Zülpichgau. Er verfügte auch in der Nachfolge seines Vaters über die Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft (976).
  • Ezzo: Pfalzgraf Ezzo (996–1034) erreichte dann um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert eine herzogsgleiche Stellung. Die Machtstellung Ezzos beruhte auf seiner nachweisbaren Königsnähe, auf seinen ehelichen Beziehungen zum ottonischen Herrscherhaus. Dennoch scheiterten – nach der fundatio monasterii Brunwilarensis, der ezzonischen Hauschronik - nach dem Tod Kaiser Ottos III. (983–1002) ezzonische Ansprüche auf die Nachfolge im Königtum an der Wahl des Bayernherzogs Heinrich (II., 1002–1024) zum König. Über zehn Jahre sollte der Widerstand Ezzos gegen den neuen Herrscher dauern, ehe es nach einem Gefecht bei Odernheim (1011) zu einer Verständigung zwischen Pfalzgraf und König kam. Im Zuge einer Einigung sind Kaiserswerth, Duisburg und das umliegende Reichsgut an Ezzo verschenkt worden (nach 1016). Auch beim Dynastiewechsel von den Ottonen zu den Saliern (1024) sind die Ezzonen übergangen worden, doch wird es wohl zu einer Übereinkunft zwischen Ezzo und Konrad II. (1024–1039) gekommen sein.
  • Otto I.: In der Pfalzgrafschaft ist Ezzos jüngster Sohn Otto (1035–1045) nachgefolgt, der 1045 im Austausch gegen Kaiserswerth und Duisburg das Herzogtum Schwaben erhielt.
  • Heinrich I. der Wahnsinnige: Ottos Nachfolger war Heinrich (ab 1045; abgesetzt 1060; †1061), Sohn Graf Hezelins (1020-n. 1033), des Bruders Ezzos. Er übernahm die Pfalzgrafschaft, aber scheiterte in seiner Politik am Widerstand des Kölner Erzbischofs Anno II. (1056–1075).
  • Hermann II.: Heinrichs Sohn und Nachfolger Hermann ist ab 1064 als Pfalzgraf nachweisbar. Er musste sich mit einer gegenüber dem Kölner Erzbischof Anno II. reduzierten Machtstellung begnügen. Dies betraf insbesondere die südlichen der ezzonischen Grafschaften. Hermann war in der Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft noch vertreten (1065, 1071) und blieb Graf im Ruhrgau und Zülpichgau. Im Brabantgau wurde er durch Heinrich IV. eingesetzt (ab 1085/1086 Landgrafschaft Brabant) und gründete die Abtei Affligem. Mit seinem Tod (Dalhem, 20. September 1085) erlischt das Geschlecht der Ezzonen-Hezeliniden. Trotz ihrer überragenden Stellung im lothringisch-rheinischen Raum sind die Pfalzgrafen beim Aufbau einer regionalen Machtstellung gescheitert an den ottonischen und salischen Königen, an den Kölner Erzbischöfen, gescheitert aber auch am Amtscharakter der Pfalzgrafschaft.

Die späteren, nicht-ezzonischen Pfalzgrafen von Heinrich II. von Laach (1085–1095) bis Konrad von Staufen (1156–1195) haben – zumindest am Niederrhein – niemals die politische Wirksamkeit der Ezzonen-Hezeliniden entfalten können. Dies zeigt sich schon daran, dass in der 2. Hälfte des 11. und im 12. Jahrhundert pfalzgräfliche Stellvertreter die Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft zwischen Rhein, Ruhr und Wupper, also eine der nördlichen Grafschaften im pfalzgräflichen Machtkomplex verwalteten, so zu 1067, 1093 oder zur Mitte des 12. Jahrhunderts.

Siehe auch: Stammliste der Ezzonen

Pfalzgrafen von Lothringen

Ezzonen:

  • Hermann I. (989–996)
  • Ezzo (996–1034)
  • Otto I. (1035–1045; †1047)
  • Heinrich I. (1045–1060; †1061), 1060 abgesetzt
  • 1060–1064: vakant
  • Hermann II. (1064–1085), zwischen 1060 und 1064 als nur Gaugraf unter Vormundschaft des Kölner Erzbischofs Anno II.

Fortsetzung durch die Pfalzgrafen bei Rhein. Siehe auch: Pfalzgraf

Literatur

  • Klaus Gereon Beuckers: Die Ezzonen und ihre Stiftungen. Eine Untersuchung zur Stiftungstätigkeit im 11. Jahrhundert. In: Kunstgeschichte. Band 42, Lit , Münster / Hamburg 1993, ISBN 3-89473-953-3 (Zugleich Dissertation an der Universität Bonn 1993).
  • Ruth Gerstner: Die Geschichte der lothringischen Pfalzgrafschaft (von den Anfängen bis zur Ausbildung des Kurterritoriums Pfalz). Rheinisches Archiv 40, Bonn 1941.
  • E. Kimpen: Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft, Mitteilungen des Österreichischen Instituts für Geschichtsforschung. XII. Ergänzungsband, Innsbruck 1933, S. 1–91.
  • Ursula Lewald: Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechts, Rheinische Vierteljahrsblätter 43, 1979, S. 120–168
  • F. Steinbach: Die Ezzonen. Ein Versuch territorialpolitischen Zusammenschlusses der fränkischen Rheinlande, Collectanea Franz Steinbach. Aufsätze und Abhandlungen zur Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, geschichtlichen Landeskunde und Kulturraumforschung, ed. F. Petri en G. Droege, Bonn 1967, S. 64–81.
  • F. J. van Droogenbroeck: De betekenis van paltsgraaf Herman II (1064–1085) voor het graafschap Brabant. Eigen Schoon en De Brabander 87, Brüssel 2004, S. 1–166.

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