Farīd-ad-Dīn ʿAṭṭār

Farīd-ad-Dīn ʿAṭṭār
Das Mausoleum von Fariduddin Attar in Nischapur.

Fariduddin Attar (persischفرید الدین عطارFarīdo d-Dīn ’Attār [færiːdoˈdːiːn æˈtːɔːr]; * ca. 1136 in Nischapur (Persien); † ca. 1220 oder 3. November 1221) war ein islamischer Mystiker (siehe auch Sufismus) und persischer Poet während der mongolischen Invasion in Persien.

Er ist unter den großen klassischen Dichtern Persiens der in Europa am wenigsten bekannte. Seinem radikalen Gottesbild widmet deshalb 2005 der deutsch-iranische Schriftsteller und Islamwissenschaftler Navid Kermani sein Buch Der Schrecken Gottes und vergleicht dessen Revolte gegen das Leid mit dem biblischen Ijob.

Bevor er zum Sufismus findet, ist er Besitzer einer Drogerie, daher sein Rufname Attar („der Drogist“). Eine ähnliche oder ergänzende Deutung seines Namens ist, dass er als Arzt tätig war. Auch wenn seine Werke im Westen nicht sehr bekannt sind, so nimmt Attars Dichtung über Jahrhunderte hinweg Einfluss auf einige Mystiker sowohl östlicher als auch westlicher Herkunft. Außerdem gilt er als einer der wichtigsten Figuren des Sufismus. Er wirft ein neues Licht auf die Lehre, indem er wie niemand vor ihm den Pfad (Tariqa) mit der Kunst eines Geschichtenerzählers beschreibt.

Eines der berühmtesten seiner 114 Werke ist das Mantiq ut-tair („Die Vogelgespräche“). Dieses Epos berichtet von tausend Vögeln, die eine Reise durch sieben Täler zum Vogelkönig, dem Simurgh, unternehmen. Eine gefährliche und schwere Reise, bei der lediglich nur dreißig der Vögel es ins letzte Tal schaffen. Dort erkennen die Vögel im König ihre eigene Identität; Attar benutzt hier ein Wortspiel, denn der Name des Vogelkönigs bedeutet simurgh, dies ist eine Sagengestalt, vermutlich der Phönix. Wenn man den Namen aber si murgh schreibt, wird hieraus „dreißig Vögel“. Eine französische Teilübersetzung dieses Werks wird im Jahr 1653 in Lüttich veröffentlicht. 1678 wird es ins Lateinische übertragen. Hadayatullah Hübsch hat aus dem Stoff ein Hörspiel gemacht. Jorge Luis Borges verwies in seinen Schriften gelegentlich auf das Werk, insbesondere in seiner vermeintlichen Besprechung des fiktiven Buches Der Weg zu Al-Mutasim.

Attars Werk Tadhkirat al-auliya ist eine Sammlung von Heiligenlegenden, deren Erzählungen alle späteren Generationen an Sufis tief beeinflusst. Sie beinhaltet auch eine Biographie des berühmten Mystikers al-Halladsch, die das Bild dieses Märtyrers in der späteren persischen, türkischen und indischen Poesie stark prägt.[1]

Weitere bekannte Werke Attars sind Ilahiname, in dem ein König seine sechs Söhne von weltlichen Begierden abzuhalten versucht, und Musibatname, das von Erlebnissen in einer vierzig Tage dauernden Klausur (siehe auch Tekke) berichtet.

Der berühmte Sufi Dschalal ad-Din Rumi, der Attar in jungen Jahren begegnet, wird von diesem in seine Lehren eingeweiht. Dabei bezeichnet er später Attar als seine eigene Seele; und er bekennt, dass er alles, was er über die Wahrheit sagt, von Attar gelernt hat. Außerdem urteilt er über ihn: „Attar durchquerte die sieben Städte der Liebe, wir sind nur bis zur nächsten Straßenecke gekommen.“[2]

Selbst der Tod Attars klingt wie eine Lehrgeschichte des Sufismus, weswegen eher vermutet wird, dass es sich dabei um eine Legende handelt: Als er während des Mongolensturms im 13. Jahrhundert gefangengenommen wird, bietet jemand 1000 Silberstücke für ihn. Attar rät aber seinem mongolischen „Besitzer“, nicht auf den Handel einzugehen, da der Preis nicht stimme. Der Mongole beherzigt dies und verkauft ihn nicht. Später kommt ein weiterer Mann und bietet einen Sack Stroh für Attar, der diesmal sagt, dass das genau sein Preis sei, denn mehr sei er nicht wert. Als der Mongole dies hört, gerät er in Wut und schlägt ihm den Kopf ab.[3]

Literatur

  • Navid Kermani: Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte. C. H. Beck Verlag, München 2005, ISBN 3-406-53524-0, (Besprechungen)
  • Kenneth Avery, Ali Alizadeh (Hgg.): Attar: Fifty Poems of Attar, re-press 2007, ISBN 9780980305210, Online (PDF, Open Access).

Quellen

  1. Annemarie Schimmel: Gärten der Erkenntnis (München 1982), S.119
  2. M. Bayat/M. A. Jamnia: Geschichten aus dem Land der Sufis (Frankfurt am Main, Juni 1998), S.55
  3. Idries Shah: Die Sufis (München 1976), S.99

Weblinks


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