Ferdinand Keller (Altertumsforscher)


Ferdinand Keller (Altertumsforscher)
Ferdinand Keller
Ferdinand Kellers Planskizze der Pfahlfunde beim Grossen und Kleinen Hafner sowie der Siedlungsreste am Alpenquai und beim Bauschänzli, um 1868/69

Ferdinand Keller (* 24. Dezember 1800 in Marthalen; † 21. Juli 1881 in Zürich) war ein Schweizer Archäologe und Altertumsforscher. Er begründete die urgeschichtliche Forschung in der Schweiz.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Im Winter 1854/55 wurden aufgrund des aussergewöhnlich tiefen Wasserstandes an verschiedenen Seen des schweizerischen Mittellandes Hafenanlagen erweitert und Versuche unternommen, die Gunst der Stunde zur Landgewinnung zu nutzen. Bei diesen Arbeiten stiess man in Meilen am Zürichsee auf Reste von Holzpfählen, Keramik, Knochen und weiteren Siedlungsresten. Ferdinand Keller entwickelte basierend auf diesen Funden seine Pfahlbautheorie, die zu einem eigentlichen Pfahlbaufieber und zur Entdeckung von Dutzenden Pfahlbausiedlungen an den Seen des Schweizer Mittellandes und am Bodensee in den folgenden Jahrzehnten führte.

Bereits in den späten 1860er Jahren wurden, bei Ausbaggerungen im Zusammenhang mit dem Bau der Seequaianlagen, verschiedene prähistorische Siedlungen in der Stadt ZürichKleiner und Grosser Hafner sowie beim Bauschänzli und Bürkliplatz (Alpenquai) – entdeckt und vermutlich 1868/69 von Ferdinand Keller dokumentiert. Keller schreibt 1872 in seinem Bericht an die Antiquarische Gesellschaft in Zürich: «Als eine freundliche Vergünstigung betrachteten wir die Erlaubnis, dass die Maschine (Bagger) etwa zwei Tage lang auf dem grossen Hafner sich bewegen durfte, um daselbst tiefe Furchen zu ziehen.» Seine 1879 publizierte Profilskizze des Seegrundes zeigt von oben nach unten eine 45 Zentimeter dicke Steinschicht, Kulturschicht (15 cm) sowie Sand, Schlamm und Lehm. Keller verwies auf eine Vielzahl von im Seegrund liegenden Pfählen. Weitere Untersuchungen folgten in geringem Umfang um das Jahr 1883, wobei über 50 Bronze- und mehr als 100 Steinbeilklingen zum Vorschein gekommen sein sollen (die Mehrzahl der Funde ging verloren).[1]

Die ursprüngliche Pfahlbautheorie von Ferdinand Keller mit ihren ausschliesslich auf Pfählen im Wasser errichteten Bauten gilt als wissenschaftlich veraltet,heute spricht man meist von Feuchtbodensiedlungen.

Ferdinand Keller war der Gründer und erste Präsident der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Außerdem war er Ehrenmitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.

Schriften (Auswahl)

  • Das Panorama von Zürich. Schilderung der in Zürichs Umgebungen sichtbaren Gebirge, nebst Beschreibung der im Jahr 1837 ausgeführten Ersteigung des Tödiberges. Orell, Füssli und Compagnie, Zürich 1840

Literatur

  • Gerold Meyer von KnonauKeller, Ferdinand. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 15, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 563–568.
  • Bernhard von Arx: Die versunkenen Dörfer. Ferdinand Keller und die Erfindung der Pfahlbauer. Unionsverlag, Zürich 2004
  • Antiquarische Gesellschaft in Zürich (Hrsg.): Pfahlbaufieber. Von Antiquaren, Pfahlbaufischern, Altertümerhändlern und Pfahlbaumythen. Beiträge zu "150 Jahre Pfahlbauforschung in der Schweiz," Chronos, Zürich 2004

Weblinks

 Commons: Ferdinand Keller, Archaeologist – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Ferdinand Keller – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Dr. Walter Drack: Zürcher Denkmalpflege, 6. Bericht 1968/1969. Direktion der öffentlichen Bauten des Kantons Zürich (Hrsg.), Zürich 1973.

Wikimedia Foundation.