Finnische Zentrumspartei

Finnische Zentrumspartei
Suomen Keskusta
Centern i Finland
Logo der Suomen Keskusta
Mari Kiviniemi, Juni 2010
Partei­vorsitzende Mari Kiviniemi
General­sekretär Timo Laaninen
Stell­vertretende Vorsitzende Tuomo Puumala, Timo Kaunisto und Annika Saarikko
Gründung 1906
Haupt­sitz Apollonkatu 11 A
FIN - 00100 Helsinki
Parlamentsmandate 35 von 200 (Eduskunta, 2011)
Mitglieder­zahl 163 000 (2011)
Internationale Verbindungen Liberale Internationale (LI)
Europapartei ELDR
EP-Fraktion ALDE
Website www.keskusta.fi
Keskusta-Stand in Jyväskylä

Die finnische Zentrumspartei (finnisch Suomen Keskusta, abgekürzt Kesk.; schwedisch Centern i Finland), bis 1965 Landbund (finn. Maalaisliitto; schwed. Agrarförbundet) ist eine bäuerlich-liberale Zentrumspartei in Finnland. Sie ist Mitglied in der Europäischen Liberalen, Demokratischen und Reformpartei (ELDR), der europäischen Vereinigung der liberalen Parteien.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Landbund wurde 1906 gegründet, um eine politische Vertretung für die ländliche Bevölkerung zu schaffen. Bei den ersten Wahlen zu einem finnischen Reichstag im März 1907 erhielt die Partei 5,75 % der Stimmen. Die dominierenden Parteien im damals noch zum Russischen Zarenreich gehörenden Finnland waren neben der Sozialdemokratischen Partei Finnlands die Finnische Partei und die Jungfinnische Partei, die ihre Wähler in bewusst finnischen Kreisen fanden und unter anderem die Stärkung der finnischen Sprache verfolgten. Auch die Schwedische Volkspartei hatte mit einem Stimmenanteil von über 12 % einen verglichen mit heute hohen Wähleranteil. Bis zum Revolutionsjahr 1917 konnte der Landbund seinen Stimmenanteil bei den fast jährlich stattfindenden Parlamentswahlen auf über 12 % steigern. Als im November 1917 Pehr Evind Svinhufvud von der Jungfinnischen Partei erstmals ein finnisches Regierungskabinett bildete, gehörte der Landbund der Regierung an. Die Partei unterstützte die Bildung einer Republik und stellte sich damit gegen eine mögliche Monarchie.

Bei den ersten Wahlen nach der Unabhängigkeit konnte der Landbund seinen Stimmenanteil stark erhöhen und wurde hinter der Sozialdemokratischen Partei zweitstärkste Kraft. 1922 wurde mit Kyösti Kallio erstmals ein Landbund-Mitglied finnischer Ministerpräsident. Lauri Kristian Relander wurde 1925 zum Staatspräsident gewählt und als 1937 Kyösti Kallio Staatspräsident wurde, hatten bereits sechs Kabinette unter der Führung von Politikern des Landbundes regiert (viermal unter Kallio, zweimal unter Juho Sunila).

Nach dem Krieg wurde der Landbund fester Bestandteil zahlreicher Koalitionen. In den 1950er, 1960er und 1970er Jahren stellte die Partei mit Urho Kekkonen, Vieno Sukselainen, Martti Miettunen, Ahti Karjalainen und Johannes Virolainen gleich mehrfach den Ministerpräsidenten. Urho Kekkonen wurde zudem im Jahr 1956 der dritte und bislang letzte Staatspräsident vom Landbund.

Die Partei hat einen ursprünglich agrarischen Hintergrund, öffnete sich jedoch seit den 1960er Jahren auch für urbane liberale Wählerschichten was mit der Umbenennung der Partei 1965 in Zentrumspartei auch äußerlich vollzogen wurde. Bis heute gibt es jedoch interne Unterschiede zwischen dem ländlichen und dem städtischen Flügel der Partei. Im Jahr 1959 splittete sich eine Kekkonen-kritische Gruppe ab, die später die populistische Protestpartei Landpartei Finnlands bildete und bei den Parlamentswahlen 1970 über 10 % der Stimmen holen konnte. Die Zentrumspartei fiel bei diesen Wahlen erstmals seit 1922 unter die 20-%-Marke und bei den folgenden Wahlen hatten sich ihr Wahlergebnisse bei etwa 17,5 % eingependelt.

1990 wurde Esko Aho Parteivorsitzender. Ein Jahr später erreichte unter ihm die Zentrumspartei mit 24,8 % das stärkste Ergebnis seit 1930 und Aho wurde schließlich zum Ministerpräsident gewählt. Die Aufnahme Finnlands in die Europäische Union 1995 wird oft als sein Verdienst angesehen. Trotzdem war die Zentrumspartei besonders um die Jahrtausendwende eher EU-skeptisch eingestellt.

Bei den Parlamentswahlen im Jahr 2007 erreichte sie 23 % der Stimmen. Mit 51 Sitzen wurde sie stärkste Partei im finnischen Parlament und führende Kraft der Regierungskoalition mit der Nationalen Sammlungspartei, dem Grünen Bund und der Schwedischen Volkspartei. Sie stellte die Ministerpräsidentin Mari Kiviniemi und sieben weitere Minister der finnischen Regierung. Bei den Wahlen im Jahr 2011 erreichte das Zentrum das schlechteste Ergebnis seit 1917. Mit 15,8 % war die Partei hinter der Sammlungspartei, den Sozialdemokraten und den rechtspopulistischen Basisfinnen nur noch viertstärkste Kraft geworden.

Bei den Europawahlen 2009 erreichte die Zentrumspartei einen Stimmenanteil von 19 % (3 Sitze). 2004 waren es noch 23 % (4 Sitze) gewesen. Sie gehört aufgrund der Mitgliedschaft in der ELDR der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa an.

Mit 163 000 Mitgliedern (Stand 2011) ist sie die mit Abstand mitgliederstärkste Partei in Finnland, wobei sie jedoch im Zeitraum von 2008 bis 2011 rund acht Prozent ihrer Mitglieder verlor (zuvor 176 000).[1]

Wahlergebnisse

Ergebnisse bei Reichstagswahlen

Jahr Mandate Stimmen  %
1907 9 51.242 5,75 %
1908 10 51.756 6,39 %
1909 13 56.943 6,73 %
1910 17 60.157 7,60 %
1911 16 62.885 7,84 %
1913 18 56.977 7,87 %
1916 19 71.608 9,00 %
1917 26 122.900 12,38 %
1919 42 189.297 19,70 %
1922 45 175.401 20,27 %
1924 44 177.982 20,25 %
1927 52 205.313 22,56 %
1929 60 248.762 26,15 %
1930 59 308.280 27,28 %
1933 53 249.758 22,54 %
1936 53 262.917 22,41 %
1939 56 296.529 22,86 %
1945 49 362.662 21,35 %
1948 56 455.635 24,24 %
1951 51 421.613 23,26 %
1954 53 483.958 24,10 %
1958 48 448.364 23,06 %
1962 53 528.409 22,95 %
1966 49 503.047 21,23 %
1970 36 434.150 17,12 %
1972 35 423.039 16,41 %
1975 39 484.772 17,63 %
1979 36 500.478 17,29 %
1983 38 525.207 17,63 %
1987 40 507.460 17,62 %
1991 55 676.717 24,83 %
1995 44 552.003 19,85 %
1999 48 600.592 22,40 %
2003 55 689.391 24,69 %
2007 51 640.428 23,11 %
2011 35 463.160 15,8 %

Ergebnisse bei Kommunalwahlen

Jahr Mandate Stimmen  %
1950 121.804 8,09 %
1953 282.331 16,04 %
1956 366.380 21,91 %
1960 401.346 20,44 %
1964 413.561 19,28 %
1968 3533 428.841 18,93 %
1972 3297 449.908 17,99 %
1976 3936 494.423 18,43 %
1980 3889 513.362 18,72 %
1984 4052 545.034 20,21 %
1988 4227 554.924 21,10 %
1992 3998 511.954 19,22 %
1996 4459 518.305 21,81 %
2000 4625 528.319 23,75 %
2004 4425 543.885 22,77 %
2008 3518 512.220 20,09 %

Ergebnisse bei Wahlen zum Europaparlament

Jahr Mandate Stimmen  %
1996 4 548.041 24,36 %
1999 4 264.640 21,30 %
2004 4 387.217 23,37 %
2009 3 316.798 19,03 %

Liste der Parteivorsitzenden

Weblinks

Einzelnachweise

  1. kauppalehti.fi: Perussuomalaisilla hurja tahti: "Jäseniä tulee ovista ja ikkunoista" /(13. März 2011, abgerufen am 24. Juli 2011)

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