Fischer-Weltgeschichte


Fischer-Weltgeschichte

Die Fischer Weltgeschichte ist eine zwischen den Jahren 1965 und 1981 in der Fischer-Bücherei beziehungsweise dem Fischer Taschenbuchverlag erschienene Gesamtdarstellung in 36 Bänden. Die über 80 beteiligten Autoren behandeln die Weltgeschichte von der Urgeschichte bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Überblick

Die Fischer Weltgeschichte wurde nach einem neuen Konzept erstellt, nach dem nicht mehr die Ereignisgeschichte dominieren sollte (obwohl auch dieser teils breiten Raum zugestanden wurde), sondern auch der Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte gebührend Rechnung getragen wurde. Das zweite Merkmal ist die Darstellung der Weltgeschichte durch ein internationales Autorenkollektiv: Während manche Bände nur oder hauptsächlich von ein oder zwei Autoren verfasst wurden, waren für andere mehrere Autoren verantwortlich. Zu den teils sehr namhaften Autoren gehören Hermann Bengtson, Pierre Grimal, Moses I. Finley und Fergus Millar, die Beiträge für den Bereich Altertum beisteuerten. Jacques Le Goff verfasste Bd. 11 über das Hochmittelalter, Wolfgang J. Mommsen wiederum widmete sich dem Zeitalter des Imperialismus und Reinhart Koselleck beschäftigte sich mit den „europäischen Revolutionen“. Herbert Franke war Mitautor des China-Bandes, während Claude Cahen einen der beiden Islam-Bände verfasste. Insgesamt waren über 80 Fachwissenschaftler an der Erstellung des Werks beteiligt, das von vornherein als Taschenbuchreihe angelegt war.

Gerade die Bände, die sich mit den (nach dem europäischen Verständnis) „Randzonen“ der Weltgeschichte befassen (China, Japan, Indien oder Zentralasien), stellten seinerzeit Desiderate im deutschsprachigen Raum dar. Die auf ihren Gebieten sehr angesehenen Autoren bürgen im Allgemeinen für kompetente Darstellungen, verfasst nach wissenschaftlichen Standards; die Beiträge wurden teilweise mit Anmerkungsapparaten versehen. Jahrzehnte nach ihrem Entstehen können sie freilich nicht mehr repräsentativ für die moderne Forschung sein, womit die Fischer Weltgeschichte wenigstens in Teilen überholt ist. Dennoch liefert sie auch heute noch eine insgesamt zuverlässige und faktenreiche Gesamtdarstellung. In naher Zukunft ist nicht mit einem ähnlichen Großprojekt zu rechnen.

Das Werk wurde in verschiedenen Besprechungen sehr positiv bewertet, was auch zahlreiche Nachdrucke belegen. Unter dem Titel Weltbild Weltgeschichte erschien vor einigen Jahren eine inhaltlich identische Neuausgabe. Seit 2004 ist die Fischer Weltgeschichte auch in einer digitalen Edition erhältlich.

Bände der Fischer Weltgeschichte

  • Band 1: Vorgeschichte, Hrsg.: Marie-Henriette Alimen, Marie-Joseph Steve
  • Band 2: Die altorientalischen Reiche I: Vom Paläolithikum bis zur Mitte des 2. Jahrtausends, Hrsg.: Elena Cassin, Jean Bottéro, Jean Vercoutter
  • Band 3: Die altorientalischen Reiche II: Das Ende des 2. Jahrtausends, Hrsg.: Elena Cassin, Jean Bottéro, Jean Vercoutter
  • Band 4: Die altorientalischen Reiche III: Die erste Hälfte des 1. Jahrtausends, Hrsg.: Elena Cassin, Jean Bottéro, Jean Vercoutter
  • Band 5: Griechen und Perser: Die Mittelmeerwelt im Altertum I, Hrsg.: Hermann Bengtson
  • Band 6: Der Hellenismus und der Aufstieg Roms: Die Mittelmeerwelt im Altertum II, Hrsg.: Pierre Grimal
  • Band 7: Der Aufbau des römischen Reiches: Die Mittelmeerwelt im Altertum III, Hrsg.: Pierre Grimal
  • Band 8: Das römische Reich und seine Nachbarn: Die Mittelmeerwelt im Altertum IV, Hrsg.: Fergus Millar
  • Band 9: Die Verwandlung der Mittelmeerwelt, Hrsg.: Franz Georg Maier
  • Band 10: Das frühe Mittelalter, Hrsg.: Jan Dhondt
  • Band 11: Das Hochmittelalter, Hrsg.: Jacques Le Goff
  • Band 12: Die Grundlegung der modernen Welt: Spätmittelalter, Renaissance, Reformation, Hrsg.: Ruggiero Romano, Alberto Tenenti
  • Band 13: Byzanz, Hrsg.: Franz Georg Maier
  • Band 14: Der Islam I: Vom Ursprung bis zu den Anfängen des Osmanenreiches, Hrsg.: Claude Cahen
  • Band 15: Der Islam II: Die islamischen Reiche nach dem Fall von Konstantinopel, Hrsg.: Gustav Edmund von Grunebaum
  • Band 16: Zentralasien, Hrsg.: Gavin Hambly
  • Band 17: Indien: Geschichte des Subkontinents von der Induskultur bis zum Beginn der englischen Herrschaft, Hrsg.: Ainslie T. Embree, Friedrich Wilhelm
  • Band 18: Südostasien vor der Kolonialzeit, Hrsg.: John Villiers
  • Band 19: Das Chinesische Kaiserreich, Hrsg.: Herbert Franke, Rolf Trauzettel
  • Band 20: Das Japanische Kaiserreich, Hrsg.: John Whitney Hall
  • Band 21: Altamerikanische Kulturen, Hrsg.: Laurette Séjourné
  • Band 22: Süd- und Mittelamerika I: Die Indianerkulturen Altamerikas und die spanisch-portugiesische Kolonialherrschaft, Hrsg.: Richard Konetzke
  • Band 23: Süd- und Mittelamerika II: Von der Unabhängigkeit bis zur Krise der Gegenwart, Hrsg.: Gustavo Beyhaut
  • Band 24: Die Entstehung des frühzeitlichen Europa 1550–1648, Hrsg.: Richard van Dülmen
  • Band 25: Das Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung 1648–1779, Hrsg.: Richard van Dülmen
  • Band 26: Das Zeitalter der europäischen Revolution 1780–1848, Hrsg.: Louis Bergeron, François Furet, Reinhart Koselleck
  • Band 27: Das bürgerliche Zeitalter, Hrsg.: Patrik Verley, Jean-Pierre Daviet, Guy Palmade
  • Band 28: Das Zeitalter des Imperialismus, Hrsg.: Wolfgang J. Mommsen
  • Band 29: Die Kolonialreiche seit dem 18. Jahrhundert, Hrsg.: Wolfgang J. Mommsen
  • Band 30: Die Vereinigten Staaten von Amerika, Hrsg.: Willi Paul Adams
  • Band 31: Rußland, Hrsg.: Carsten Goehrke, Manfred Hellmann, Richard Lorenz, Peter Scheibert
  • Band 32: Afrika, Hrsg.: Pierre Bertaux
  • Band 33: Das moderne Asien, Hrsg.: Lucien Bianco
  • Band 34: Das Zwanzigste Jahrhundert I: Europa 1918–1945, Hrsg.: R. A. C. Parker
  • Band 35: Das Zwanzigste Jahrhundert II: Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, Hrsg.: Wolfgang Benz, Hermann Graml
  • Band 36: Das Zwanzigste Jahrhundert III: Weltprobleme zwischen den Machtblöcken, Hrsg.: Wolfgang Benz, Hermann Graml

Die einzelnen Bände unterscheiden sich hinsichtlich Konzeption und Stil zum Teil sehr stark. Der Band 2 (Altorientalische Reiche I), herausgegeben von Elena Cassin, Jean Bottéro und Jean Vercoutter, ist beispielsweise sehr faktenreich und konzentriert in der Darstellung, so dass ein Handbuchcharakter erreicht wird, während Claude Cahen (Band 14, Islam I) Wert auf eine gut lesbare, mehr erzählende Überblicksdarstellung legt. Band 21 (Altamerikanische Kulturen) von Laurette Séjourné gibt sich sehr emanzipatorisch und nennt die weißen Eroberer "Wolfsrudel" (S. 11); die Darstellung selbst beschreibt das Thema in seinen Einzelthemen, als einen Zustand. Richard Konetzke ist in seiner zeitnahen und ebenfalls synchronistisch konzipierten Darstellung (Band 22, Süd- und Mittelamerika I) viel zurückhaltender mit Kritik an den Weißen. Andere Bände hingegen beschreiben nicht nur vergangene Zustände, sondern auch und vor allem Entwicklungen in der Zeit, zum Beispiel Band 14 (siehe oben) oder Band 30 (Die Vereinigten Staaten von Amerika).

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