Flugmodell

Flugmodell
Ferngesteuertes Modellflugzeug Twin Star im Platzüberflug

Ein Flugmodell ist ein Fluggerät, das zum Zweck des Sports oder der Freizeitgestaltung betrieben wird. Sofern es sich um ein ferngelenktes Modell handelt, wird es in der Regel in Sichtweite seines Steuerers betrieben [1]. Es handelt sich dabei entweder um die vorbildähnliche Verkleinerung eines personentragenden Fluggeräts oder um ein reines Zweckmodell, das in dieser Erscheinung nur im Modellflug vorkommt.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

TAM 5 von Maynard Hill, 2003
Ein Langstreckenrekordmodell [2] in klassischer Balsa- und Folienbauweise.

Flugmodelle werden im Rahmen des Modellflugs als Hobby gebaut und geflogen und in nationalen oder internationalen Wettbewerben als Sport betrieben.

Flugmodelle sind im Handel sowohl als Bausatz oder -kasten oder auch in verschiedenen Abstufungen als „fast flugbereit“ (ARF für almost ready to fly), „flugbereit“ (RTF für ready to fly) oder „flugbereit mit eingebautem Funkempfänger“ (RTB für ready to bind (als binding wird die Herstellung der Funkverbindung zwischen Sender und Empfänger verstanden) zu beziehen. Sie werden auch von Modellbauern selbst entwickelt und gebaut. Flugmodelle gibt es in vielen Varianten. In vielen Sparten werden Wettkämpfe um Bestleistungen ausgetragen – bis hin zu Weltmeisterschaften – wobei die einzelnen Kategorien meist noch in weitere Klassen unterteilt sind.

Flugmodelle gibt es in Größen von wenigen Zentimetern bis zu Spannweiten von mehreren Metern. Die Mehrzahl der Modellsegler haben eine Spannweite zwischen 1,3 und 4 Metern. Motorgetriebene Flugmodelle haben zumeist Spannweiten zwischen 0,8 und 2 Metern. Die Palette der zur Zeit zur Verfügung stehenden Antriebe umfasst Gummimotoren, Elektroantriebe, Kolbenmotoren, Pulsstrahltriebwerke und Gasturbinen.

Als Gnumpf wird ein bestimmter Typ eines einfachen, robusten und leicht zu fliegenden Modellflugzeugs mit breiten Tragflächen bezeichnet.

Historisch gesehen ist der Modellflug älter als die personentragende Luftfahrt und wird vom Internationalen Luftsportverband FAI als ein eigener Zweig der Luftfahrt angesehen.

Geschichte

Die Geschichte des Flugmodells ist eng mit der Geschichte der Luftfahrt verbunden. Lange vor den ersten bemannten Flügen wurden die Grundlagen des Fliegens bereits mit Flugmodellen erprobt. Im folgenden eine (sicher unvollständige) Liste aus der Geschichte der Luftfahrt.

Der Mathematiker und Philosoph Archytas von Tarent, * 428 v. Chr., gilt als Erbauer eines flugfähigen Vogelmodells (die berühmte Taube von Archytas). Im vierten Jahrhundert v. Chr. spielen chinesische Kinder bereits mit einem Spielzeug, das als erstes bekanntes Modell eines Hubschraubers (Drehflügelflugzeug) angesehen werden kann. Der chinesische Kreisel bestand aus einem runden Stab, in den kreuzförmig leicht angestellt Vogelfedern eingesteckt waren. Durch Drehung des Rundstabs zwischen beiden Handflächen erzeugen die Federn schließlich genug Auftrieb, um den Kreisel in die Luft steigen zu lassen.

Planophore
Modellflugzeug von Alphonse Pénaud, 1871
  • 1804: Sir George Cayley baut, aufbauend auf seinem Flugzeugkonzept von 1799, ein erfolgreiches Gleitflugmodell.
  • 1811: Albrecht Ludwig Berblinger (Schneider von Ulm) misslang die Vorführung seines nachgewiesenerweise flugfähigen Hängegleiters wegen ungünstiger Windverhältnisse.
  • 1848: John Stringfellow lässt in einer Fabrikhalle ein dampfgetriebenes Modellflugzeug rund 36 m weit frei fliegen.
  • 1857: Nach erfolgreichen Modellversuchen erhalten die französischen Brüder du Temple de la Croix ein Patent über ein Motorflugzeug.
  • 1871: Der Franzose Alphonse Pénaud baut seine Planaphore, ein freifliegendes Motorflugmodell mit Gummimotorantrieb.
  • 1875: Der Engländer Thomas Moy erprobt ein gefesseltes Motorflugmodell mit Dampfmaschinenantrieb und 4 m Spannweite.
  • 1877: Erster Flug eines dampfgetriebenen Modellhubschraubers von Enrico Forlanini
  • 1879: Der Franzose Victor Tatin baut ein Motorflugmodell mit Luftschrauben und Druckluftmotor, das erfolgreich Bodenstarts ausführt.
  • 2003: Das Flugmodell Trans-Atlantik-Modell 5 von Maynard Hill überquert im nonstop Flug den Nordatlantik.

Das Bauen von Flugmodellen als Hobby (oder Beruf) wurde schon vor dem Ersten Weltkrieg populär. Bereits 1913 erschien ein Buch von P. L. Biegenwald mit dem Titel „Flugmodellbau“. Als Antrieb wurde in erster Linie der Gummimotor beschrieben und der mögliche Einsatz von Pressluft-, CO2- und Verbrennungsmotoren genannt. Der Elektromotor wurde für Flugmodelle für völlig ungeeignet gehalten. Im Bildband des Deutschen Historischen Museums „Das XX. Jahrhundert – Fotografien zur deutschen Geschichte“ findet sich auf Seite 91 ein Foto aus Berlin, datiert 1919, auf dem etwa zehn startbereite Wasser-Flugmodelle, offensichtlich mit Gummimotor, abgebildet sind. Baumaterialien waren anfänglich vor allem Sperrholz, dünne Kiefernleisten und Papier zwecks Tragflächenbespannung („Spannpapier“), später verbreitet Balsaholz, und heute vor allem Kunststoffe wie Faserverbund- und Schaumstoff-Formteile sowie „Bügelfolie“ zur Bespannung.

In den 1930er Jahren wurden Verbrennungsmotoren für Flugmodelle eingeführt, bekannt war damals z. B. der „Kratmo“. Die ersten erfolgreichen Versuche mit Funkfernsteuerungen wurden in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre durchgeführt. Nach 1950 wurden Funkfernsteuerungen durch kommerzielle Fertigung weiter verbreitet, zuerst als Röhrengeräte, die große und schwere Batterien benötigten, später mit Transistoren . Aber erst die Mitte der 1960er eingeführten Proportionalanlagen, bei denen jedes Ruder genau dem Ausschlag der Knüppelbewegung am Sender folgt, womit sich insbesondere Flugmodelle präzise und sicher steuern lassen, machten den Modellflug wirklich populär.

Einteilungen

Die internationale Interessenvertretung CIAM der FAI ( Commission Internationale Aeromodelling der Fédération Aéronautique Internationale) unterteilt Klassen, nach denen Wettkämpfe ausgetragen oder Rekorde registriert werden.

Jegliche Art von Flugmodellen sind in Klassen eingeteilt, z. B. nach dem Flugprinzip (leichter/schwerer als Luft), dem Antrieb (ohne Antrieb, Verbrennungs- oder Elektromotorantrieb, Raketenantrieb), der Steuerung (ohne Steuerung, leinengesteuert, ferngesteuert, programmgesteuert) oder dem Einsatz (Segler, Kunstflugmodelle, Speedmodelle, Scalemodelle, Senkrechtstarter).

Flugprinzip

Leichter als Luft

Modelle mit statischem Auftrieb:

Schwerer als Luft – dynamischer Auftrieb

Schwerer als Luft – Rückstoßantrieb

Steuerung

Freifliegende Flugmodelle

Freifliegende Modelle fliegen ohne Steuerung durch einen Piloten, jedoch sind Eigensteuerungen (Magnetsteuerung) möglich.

Indoor Flyer der F1D-Klasse
DAeC 2002

Freifliegende Modelle werden durch die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) in folgende Klassen eingeteilt:

  • F1A – Segelflugmodelle (A-2 Klasse)
  • F1B – Flugmodelle mit Gummimotor („Wakefield“)
  • F1C – Flugmodelle mit Verbrennungsmotor bis 2,5 cm³ („I“ – früher Römisch 1 genannt)
  • F1D – Saalflugmodelle
  • F1E – Segelflugmodelle mit Selbststeuerung, z.B. Magnetsteuerung Magnetflug
  • F1G – Flugmodelle mit Gummimotor („Coupe d’hiver“)
  • F1H – Segelflugmodelle (A-1 Klasse)
  • F1J – Flugmodelle mit Verbrennungsmotor bis 1,0 cm³ (1/2 A Klasse)
  • F1K – Flugmodelle mit CO2-Motoren
  • F1L – Saalflug, EZB-Modelle
  • F1M – Saalflugmodelle (Beginner)
  • F1N – Saalfluggleiter für Handstart
  • F1P – Flugmodelle mit Verbrennungsmotor bis 1,0 cm³, max 1500 mm Spannweite und min. 26 dm² Tragflächeninhalt
  • F1Q – Flugmodelle mit Elektromotor, Batteriegewicht max 120 g Ni. oder 90 g Li.
  • Segler haben meist etwa zwei Meter Flügelspannweite. Gestartet wird mit Hochstartleine. Alle Freiflugmodelle müssen mit einem Zeitschalter ausgerüstet sein (siehe Programmgesteuerte Modelle). Meist wird u.a. das Höhenleitwerk des Modells angesteuert, um eine Zwangslandung einzuleiten, die ein Davonfliegen bei starker Thermik verhindert.
  • Selbststeuernde Hangsegler; vor dem Handstart wird das kompassgesteuerte Seitenruder so eingestellt, dass das Modell fest in die Himmelsrichtung gegen den Hangaufwind fliegt und bei Abweichungen durch die Magnetsteuerung wieder in die eingestellte Flugrichtung zurück kehrt.
  • Motorsegler
  • Gummimotormodell
  • Saalflugmodelle sind extrem leichte Modelle (erreichbar sind Massen unter 1 Gramm, aber für Wettkampfklassen sind 1,2 Gramm Mindestmasse vorgeschrieben), angetrieben mit Gummimotor. Die Modelle „schleichen“ durch die Luft. Je nach Hallenhöhe sind in der Wettkampfklasse Flugzeiten bis 30 min erreichbar. Wegen der erforderlichen Hallenhöhe und Luftruhe werden Wettkämpfe häufig auch im Salzbergwerk ausgetragen.
  • Papierflieger sind Flugobjekte, welche vorwiegend aus Papier bestehen.
    • Papierflugzeuge sind „normale“ Modellflugzeuge aus Papier, Karton und Pappe.
    • Faltflieger bestehen aus einem, selten aus mehreren Bogen Papier. Auch in dieser Klasse werden Weltrekorde geführt (z. B. GBdR – längste Flugdauer: 27,9 s, Takuo Toda, 11. April 2009)
  • Raketen sind mit Raketenmotor betriebene Flugmodelle. Meist in der klassischen Raketen-Variante, vereinzelt jedoch auch umgebaute Segelflugmodelle.
  • Gas- oder heißluftgefüllte Ballone und Luftschiffe
  • Lifter

Leinengesteuerte Modelle / Fesselflieger

Bei leinengesteuerten Fesselflugzeugen hält der „Pilot“ das motorisierte Modell mit ausgestrecktem Arm an etwa 15–25 m langen Steuerleinen (straff gespannte dünne Stahlseile), die das Höhenruder bedienen und führt das Modell per Zentrifugalkraft im Kreis, wobei er sich synchron mitdreht.

  • Fesselflieger werden durch die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) in folgende Klassen eingeteilt:
    • F2A-FAI Speed- oder Geschwindigkeitsmodelle
    • F2B – Kunstflugmodelle
    • F2C – Mannschaftsrennen
    • F2D – Combat- oder (zu deutsch) Fuchsjagdmodelle
  • Kunstflug
  • Fuchsjagd – an zwei Flugmodellen wird jeweils (gleich lang) ein meterlanger Krepppapierstreifen befestigt. Die beiden Gegner stehen gemeinsam in der Kreismitte und versuchen, dem anderen von dessen Schleppe mit dem eigenen Propeller möglichst viel wegzuschneiden.
  • Speed- oder Rennmodell – nur das Tempo zählt. Die Modelle sind oft asymmetrisch und haben nur eine Tragfläche an der Kreisinnenseite und das Höhenruder auf der Kreisaußenseite.
  • Vorbildgetreue Nachbauten bzw. Modelle
SIAI-Marchetti SF 260 als Original und als ferngesteuertes Modell

Ferngesteuerte Flugmodelle

Ein ferngesteuertes Modellflugzeug ist ein Modellflugzeug, das mit einem Empfänger (Receiver, RX) ausgerüstet ist und mit Hilfe eines Senders (Transmitter, TX) per Trägersignal drahtlos (ohne feste Verbindung) ferngesteuert wird. Im allgemeinen kommen Funksignale als Trägersignal zum Einsatz (RC-Flugzeug, engl. radio controlled, siehe auch Funkfernsteuerung), jedoch sind auch andere physikalische Prinzipien (optisch, akustisch) möglich.

Der Sender schickt ein Funksignal zum Empfänger im Flugmodell, das die Stellung der Steuerknüppel oder Schalter am Sender überträgt. Der Empfänger steuert dann die elektronischen/mechanischen Rudermaschinen (Servos) an, die z. B. die Ruderflächen bewegen.

  • Ferngesteuerte Flugmodelle werden durch die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) in folgende Klassen eingeteilt:
    • F3 – Fernlenkflug
      • F3A – Ferngelenkte Motor-Kunstflugmodelle bis zu einem Gewicht von 5 kg
      • F3A-X – Ferngelenkte originalähnliche Motor-Kunstflugmodelle bis zu einem Gewicht von 10 kg
      • F3B – Ferngelenkte Thermik-Segelflugmodelle
      • F3C – Hubschrauber
      • F3D – Pylon-Rennmodelle
      • F3F – Ferngelenkte Hang-Segelflugmodelle
      • F3G – Ferngelenkte Motorsegler
      • F3H – Segelflugmodelle – Überlandrennen
      • F3I – Ferngelenkter Segelflugmodellschlepp
      • F3J – Ferngelenkte Thermik-Segelflugmodelle – Dauerflug
      • F3K – Handstart-Segelflugmodelle
      • F3P – Indoor Kunstflugmodelle
      • F3S – Speedflugmodelle
    • F4 (A-H) - Vorbildgetreuer Modellflug („Scale“)
    • F5 – Funkferngesteuerte Flugmodelle mit Elektromotor
      • F5A – Kunstflugmodelle
      • F5B – Motor-Segelflugmodelle
      • F5C – Hubschrauber
      • F5D – Pylonrennmodelle
      • F5E – Solar-Flugmodelle
      • F5F – Zehn-Zellen-Klasse
  • Segler
  • Motorsegler; z. T. mehrere Meter Spannweite, oft mit Elektromotor
  • Kunstflug- bzw. 3D-flugfähige Modelle, die sich durch große Ruder und große Ruderausschläge auszeichnen, um möglichst wendig zu sein. 3D-flugfähige Modelle haben eine Motorisierung, die das Flugzeug senkrecht nach oben treiben kann, d. h. der Schub ist größer als das Eigengewicht. Sie dienen hauptsächlich dazu, spektakuläre Schauflüge vorzuführen, allerdings leidet darunter oft die Eignung für sauberen Kunstflug. Modelle für klassischen (dynamischen) Kunstflug haben daher gemäßigte Rudergrößen und eine etwas andere Gesamtauslegung um klassische Kunstflugfiguren besser vorzeigen zu können.
  • Pylon-Renn-Modelle. Flugmodelle die auf maximale Geschwindigkeit ausgelegt sind und die bei Pylon-Rennen eingesetzt werden.
  • Vorbildgetreue Nachbauten (Flugzeugmodelle); auch häufig als Scale-Modelle bezeichnet. Angestrebt ist der maßstäblich genaue Nachbau. Aus aerodynamischen Gründen würden maßstäblich präzise verkleinerte Tragflächenprofile aber die Flugfähigkeit beeinträchtigen. Daher wird ein Profil verwendet, das im entsprechenden Reynolds-Zahlbereich die Flugfähigkeit sichert, ohne die Optik zu weit zu verfälschen.
Shockflyer EXTRemA 330S
von Ikarus (0,8 m Spannweite)
  • Modell-Airliner
  • Slowflyer und Park Flyer, leichte und langsam fliegende Modelle, auch als Trainer.
  • Indoor-Modelle, extrem leichte und wendige Modelle, die beim Hallenfliegen in Innenräumen oder Sporthallen eingesetzt werden.
  • Shock Flyer, eine spezielle Indoor-Bauart. Leicht und sehr wendig, mit leistungsstarken Motoren, daher 3D-tauglich.
  • Raketenflugzeuge (oder auch Raketengleiter), umgebaute Flugzeugmodelle mit Fernsteuerung.
  • Modellhubschrauber, Unterscheidung zwischen Trainermodellen zum sportlichen Einsatz (3D, Kunstflug) und Scalemodellen als detaillierte Nachbauten der Originalhubschrauber.
  • Motorschirm-Modelle
  • Ferngesteuerte, gas- oder heißluftgefüllte Luftschiffe und Ballone
  • Ferngesteuerte Lifter

Programmgesteuerte Modelle

In der einfachsten Form besteht eine Programmsteuerung aus einem mechanischem oder elektronischen Zeitschalter. Diese sind in fast allen Freiflugklassen üblich, um unter anderem nach Ablauf der maximalen Wettkampfwertungszeit eine zuverlässige Landung sicherzustellen. Komplexe Formen dieser Zeitschalter können durchaus mehrere Funktionen (Höhenruder, Seitenruder) steuern und dadurch komplexere Flugabläufe (Flugphasen) zum Beispiel in der Startphase (bunten) realisieren.

Die Miniaturisierung von Navigations-, Funk- und Computer-Komponenten erlaubt auch für den Modellflug Autopilot- und Programm-Steuerungen. Die selbststeuernden Freiflugmodelle unterscheiden sich von den gesteuerten Modellen dadurch, dass nach dem Start und damit dem Beginn des freien Fluges keine Beeinflussung der Modelleinstellungen durch einen Piloten möglich ist.

Ein bekanntes Beispiel ist das Trans-Atlantik-Modell 5 aus dem Jahr 2003, das über 99 Prozent seines Transatlantikfluges programmgesteuert absolviert hat.

Fernsteuerungen

Es gibt unterschiedliche Erscheinungsformen von Fernsteuerungen. Eine Fernsteuerungsanlage besteht im Prinzip immer aus einem Sender mit eigener Stromversorgung, einem Empfänger, den Rudermaschinen (Servos) und der Stromversorgung für den Empfänger und die Servos. Man unterscheidet zum Hand, -Pult oder Pistolensendender. Mit zwei Steuerknüppeln mit je zwei Freiheitsgraden lassen sich die vier wichtigsten Steuereingaben an die Steuerfunktionen des Flugmodells weitergeben. In der Regel sind das Höhe, Seite, Quer und Motor beim Flächenflugzeug und Nick, Roll, Yaw und Pitch beim Hubschrauber. Weitere Funktionen können über Schalter, Dreh - oder Schieberegler aktiviert werden.

Magnetsteuerung

Die Richtungssteuerung erfolgt direkt oder indirekt mittels Magnete durch das Erdmagnetfeld (Kompass). Der Übergang zur Programmsteuerung (z. B. Steuerung mittels elektronischem Kompass) ist fließend. In den 1960er Jahren wurde von der Firma Graupner ein sehr elegantes und leistungsfähiges Modell namens „COBRA“ auf den Markt gebracht.

Leinenfernsteuerung (Fesselflug)

Fernsteuerung des Modells erfolgt mittels zwei oder mehrerer Leinen (meist Stahlseile). Dazu bewegt sich das Modell zwangsläufig auf einer Kreisbahn um den Piloten. Aufgrund der Beschränkung auf wenige Leinen sind nur ein bis zwei Steuerfunktionen (Höhenruder, Motordrossel) üblich.

Infrarot (Licht) Fernsteuerung

Übertragung der Steuerfunktionen mittels eines modulierten Lichtsignals (z. B. Infrarot). Da Lichtsignale genehmigungsfrei sind wird diese Art der Fernsteuerung gern bei Spielzeugmodellen, aber auch bei Indoor-Modellen eingesetzt.

Funkfernsteuerung

Übertragung der Steuerfunktionen mittels eines hochfrequenten elektromagnetischen Feldes (HF) durch eine Funkfernsteuerung.

Funkfernsteuerungen für (Flug)Modelle unterliegen bestimmten gesetzlichen und regulatorischen Vorschriften. In Europa (EU) ist allgemein der Frequenzbereich 35 MHz-A mit 20 belegbaren Kanälen für Flugmodelle reserviert. Andere Frequenzbereiche (27, 35-B, 40, 41, 72, 75, 433 MHz, 2,4 GHz) sind eventuell länderspezifisch unterschiedlich zugelassen oder nicht ausschließlich Flugmodellen vorbehalten. Seit einigen Jahren wird vermehrt die Signalübertragung im 2,4 Ghz Bereich genutzt, wodurch Störungen durch Kanaldoppelbelegung vermieden werden können.

Um eine Kanaldoppelbelegung zu vermeiden, ist die Verwendung einer Frequenztafel gemäß Luftfahrtrecht vorgeschrieben.

Programmsteuerung

Die einfachste Form der Programmsteuerung sind einfache (mechanische) Zeitgeber. Diese werden häufig in Freiflugklassen (F1) zur Beendigung des Fluges nach Ablauf der maximalen Wertungszeiten benutzt.

Die Miniaturisierung von Navigations-, Funk- und Computer-Komponenten erlaubt auch für den Modellflug komplexere Autopilot- und Programm-Steuerungen. In Stabilisierungskreiseln kommen moderne Techniken der Mikromechanik zur Verwendung (MEMS Technologie).

Sonstige Fernsteuerungen

Andere mögliche Fernsteuerungen arbeiten z. B. akustisch (Ultraschall), sind aber heute ungebräuchlich.

Antrieb

Model Aircraft Engines.JPG

Der Antrieb erfolgt meist durch einen oder mehrere von einem Modell-Motor angetriebene Propeller. Anfangs wurden vor allem Gummimotoren, dann Pressluft- und CO2-Motoren eingesetzt. Später kamen Verbrennungsmotoren und inzwischen schon zu einem hohen Prozentsatz Elektromotoren zum Einsatz. Selbst bemannte Flugzeuge gibt es als Elektroflugzeuge.

Weiterhin haben Modelle mit Turbinenantrieb ihr Nischendasein verlassen und bieten vor allem mit ihrem vorbildgetreuen Klang eine eigene Faszination.

Eine spezielle Abart des Antriebs mit Verbrennungsmotor oder Elektromotor ist der Impellerantrieb. Sie erlauben einen Antrieb ohne sichtbaren Propeller, aber ohne den Aufwand eines Turbinenantriebs. Für spezielle Zwecke kommt auch der Rückstoßantrieb in Form von Schwarzpulvertreibsätzen, Wasser-, Dampf- oder Druckluftraketen zum Einsatz.

Eine spezielle Form des Antriebs ist der elektrostatische Antrieb nach dem Biefeld-Brown-Effekt beim Lifter.

  • Propeller: Wandelt eine axiale Drehbewegung in eine Vortriebskraft in Achs-Richtung der Drehachse um. Der Propeller bewegt sich dabei frei in der Luft oder ist ummantelt ohne Leitschaufeln zu besitzen (Mantelpropeller). Ein Spezialfall ist der Hubrotor eines Hubschraubers.
  • Impeller: Wandelt ebenfalls eine meist axiale Drehbewegung in eine Vortriebskraft um. Bei einem axialen Impeller wird die Luftmasse durch einen ummantelten Rotor beschleunigt. Ein System aus Leitschaufeln Stator entzieht den Luftstrom die Drallströmung. Der Rotor und die Leitschaufeln des Impellers ähneln prinzipiell den bei Turbinen üblichen Turbinenrädern und -schaufeln.
  • Verbrennungsmotor: Kolbenmotor oder Wankelmotor mit einem oder mehreren Zylindern und mit unterschiedlichem Hubraum. Je nach Zündprinzip werden verschieden Motorentypen unterschieden (Selbstzündermotor, Glühkerzenmotor, Ottomotor). Motoren mit mehreren Zylindern werden oft nach deren Anordnung benannt (z. B. Sternmotoren).
  • Elektromotor: Konventionelle Bürstenmotoren oder leistungsstarke bürstenlose Elektromotoren (Brushlessmotoren) als Innen- Außenläufer oder innendrehende Außenläufer. Historische Kurznotiz: Erst der Einsatz von Samarium-Cobalt bei den vom Dipl.-Phys. Heinz Keller gebauten Keller Motoren verhalfen den "eher schwächlichen Treiblingen zu bislang ungekanntem Temperament" (Zitat aus 30 Jahre Retrospektive des DMFV). Keller Motoren wurden ehemals von Robbe vertrieben. Die entsprechenden Motor-Modelle waren (lt. Übersichtstabelle des Robbe-Hauptkataloges 1991, Seite 389; ohne Unterkategorien wie KE25-4,-5,..,-12): KE22, KE25, KE35, KE40, KE50, KE70, KE80, KE100 und KE240. Die Firma Keller Motoren existiert schon lange nicht mehr (Stand 2009). Inzwischen werden von anderen Herstellern Motoren mit den bisher leistungsfähigsten Dauermagneten aus Neodym-Eisen-Bor gebaut.
  • Strahltriebwerk/Turbine: Modellgasturbinen, die im Prinzip wie ihre großen Vorbilder als ein- und zweistufige Strahltriebwerke arbeiten.
    • Turbojet: Der Vortrieb wird ausschließlich durch den Abgasstrom der Turbine bestimmt.
    • Turbofan: Die Turbine treibt einen Impeller an, der den Hauptanteil des Vortriebs liefert.
    • Turboprop: Die Turbine treibt einen Propeller an, der für den Hauptteil des Vortriebs verantwortlich ist.
  • Staustrahltriebwerk/Pulsstrahltriebwerk: Pulsstrahltriebwerke wurden z. B. im Zweiten Weltkrieg bei der Fieseler Fi 103 verwendet. Nach diesem Prinzip arbeitende Funktionsmodelle werden auch in Modellflugzeugen eingesetzt. Aufgrund ihrer hohen Lautstärke ist der Einsatz von Pulsstrahltriebwerken starken Einschränkungen unterworfen.

Rechtliches

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Flugmodelle, die den Luftraum nutzen, gelten in Deutschland rechtlich als Luftfahrzeuge und bilden eine eigene Luftfahrzeugklasse. Der Betrieb von Flugmodellen wird durch § 16 der Luftverkehrsordnung (LuftVO) geregelt.

Flugmodelle mit einer Masse von weniger als 5 kg (Ausnahme: Raketenantrieb) können ohne spezielle Aufstiegserlaubnis mit einem Mindestabstand von 1,5 km zu Flugplätzen geflogen werden. Beim Einsatz eines Verbrennungsmotors muss dabei auch noch ein Mindestabstand von 1,5 km zu Wohngebieten eingehalten werden. Geeignete Modellfluggelände werden oft von Modellbauvereinen betrieben.

Flugmodelle mit einer höchstzulässigen Startmasse über 25 kg müssen einzeln zugelassen werden (§ 1 Abs. 1 der Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (LuftVZO)). Es gelten ähnliche Zulassungsvorschriften wie bei manntragenden Flugzeugen. Der Betrieb derartiger Flugmodelle setzt den Besitz eines Modellpilotenscheins voraus und ist nur auf dafür zugelassenen Fluggeländen möglich.

In Deutschland sind seit dem 1. Juli 2005 Flugmodelle laut Luftverkehrsgesetz nicht mehr von der Versicherungspflicht für Luftfahrzeuge ausgenommen. Daher gelten seither für Flugmodelle die gleichen Ansprüche an die Haftpflichtversicherung wie für manntragende Flugzeuge, dies betrifft vor allem die Haftungssummen. Während die speziellen Modellflugversicherungen sich schnell an die neuen Anforderungen angepasst haben, haben viele allgemeine Versicherer die neuen Regelungen ignoriert oder die Versicherung von Modellflugzeugen ganz aus der allgemeinen Haftpflichtversicherung gestrichen. Wer ohne oder ohne ausreichende Haftpflichtversicherung ein Flugmodell im öffentlichen Luftraum betreibt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Informationen zu Modellflugversicherungen geben zum Beispiel folgende Verbände: DMFV, DAeC.

Literatur

  • Werner Frings: Modellmotoren praxisnah. Wellhausen & Marquardt Medien, Hamburg 2007, ISBN 978-3-939806-00-4 (Modell-Aviator-Fachbuch).
  • Gerald Kainberger: Das große Buch des Modellflugs. Theorie, Technik, Praxis. Verlag für Technik und Handwerk, Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-88180-793-7 (vth-Fachbuch).
  • Manfred-Dieter Kotting: Moderne Fernsteuerungen für RC-Flugmodelle. Empfänger, Servos, Zubehör. Verlag für Technik und Handwerk, Baden-Baden 2008, ISBN 978-3-88180-780-7 (vth-Fachbuch = FMT-Fachbuch).
  • Lothar Schäfer: Aerobatic-Workbook. Basiswissen für Kunstflieger. Wellhausen & Marquardt Medien, Hamburg 2009, ISBN 978-3-939806-13-4 (Modell-Aviator-Edition).
  • Dieter Schlüter: Hubschrauber ferngesteuert. Mit Schlüter-Comeback-Benzinhubschrauber und Kommentaren zur Weiterentwicklung. 14. überarbeitete und erweiterte Auflage. Neckar-Verlag, Villingen-Schwenningen 2007, ISBN 978-3-7883-4126-8 (Modell-Fachbuch).
  • Martin Simons: Modellflug-ABC. Grundlagen, Aerodynamik & Tipps. Verlag für Technik und Handwerk, Baden-Baden 2006, ISBN 3-88180-735-7 (FMT-Fachbuch).
  • Michal Šíp: Das große Handbuch Modellflug. Geramond, München 2008, ISBN 978-3-7654-7348-7 (Modell-Aviator-Edition).
  • Alasdair Sutherland: Grundlagen des Modellfliegens. Mehr wissen, besser fliegen. Verlag für Technik und Handwerk, Baden-Baden 2001, ISBN 3-88180-711-X (vth-Fachbuch = FMT-Fachbuch).
  • Heinrich Voss: Modell-Turbinen praxisnah. Wellhausen & Marquardt Medien, Hamburg 2010, ISBN 978-3-939806-04-2 (Modell-Aviator-Edition).

Weblinks

 Commons: Models of aircraft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. § 1 Abs. 1 Nr. 8, LuftVZO
  2. Der Rekord wurde 2009 von der FAI aberkannt, da die Kategorie "autonomuos flight" nicht mehr dem Modellflug zugehörig gilt

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