Foelke Kampana

Foelke Kampana
Foelke Kampana Denkmal in Dornum

Foelke Kampana oder Folkeldis Kampana (* um 1355 in Hinte; zwischen dem 16. August 1417 und dem 4. August 1419), bekannt als Quade Foelke, war die Frau des ostfriesischen Häuptlings Ocko I. tom Brok. Wegen ihrer angeblichen Grausamkeit ist sie noch heute legendär in Ostfriesland.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Im Jahre 1377 heiratete Foelke Kampana Ocko I. tom Brok, Häuptling des Brokmer- und des Auricherlands in Ostfriesland. Aus dieser Ehe stammen:

Ocka wurde von Lütet und dessen Vater, Hero Attena von Dornum, 1397 wegen angeblichen Ehebruchs erwürgt und erschlagen. Dies mag wohl legitim gewesen sein, denn bei Ehebruch der Frau war die mittelalterliche Strafe die Steinigung; eine „humanere“ Todesart war die Garrotte, der Würgepfahl.

Daneben hatte Ocko I. tom Brok den unehelichen Sohn Widzeld († 1399 - andere Schreibweise: Widzelt). Da im Heiligen Römischen Reich der Vater alle Rechte über die Kinder ausübte, während die Mutter keinerlei Rechte auf die Kinder besaß, wurde der Sohn Widzelt am eigenen Hof (Olde Borg - heute Oldeborg im Südbrookmerland) erzogen.

Ockos jüngerer Bruder Ihmel starb am 24. Juni 1372 durch einen Sturz vom Pferd. Ocko I. trat die Häuptlingsherrschaft nach dem Tode seines Vaters († 1376 auf Olde Borg) Keno Hilmerisna tom Brook an, konnte aber zuerst nicht aus Italien zurückkommen, da er als Condottiere vertraglich gebunden war.

Quade Foelke

Zu ihrem Namen kam Quade Foelke (quade = niederdeutsch für „böse“) 1397 durch das wohl bekannteste - und auch literarisch verarbeitete - Familiendrama der ostfriesischen Geschichte: Der Sohn des Erbauers der Norderburg Lütet erschlug - angeblich auf Anraten seiner Schwiegermutter - seine Gemahlin Ocka wegen angeblicher Untreue und Aufsässigkeit. Daraufhin zeigte sich die Schwiegermutter Foelke Kampana, Ehefrau des Häuptlings Ocko I. tom Brok, von ihrer starken Seite und übernahm kurzerhand die Burg. Sowohl Lütet als auch sein Vater wurden auf Befehl der Schwiegermutter enthauptet.

Die Legende geht an der Wahrheit vorbei und diffamiert Foelke als bösartige Person. Dies zu tun, entsprach durchaus dem Zeitgeist, in welchem Frauen häufig Opfer von Verleumdungen wurden. Foelke hatte offiziell nichts mit der Hinrichtung zu tun, wenngleich sie Einfluss genommen haben mag. Es hätte nämlich auch die Möglichkeit der Begnadigung und Verbannung gegeben. Keno II. hatte Lütet und Hero von Dornum zum Tode verurteilt. Ockas Bruder, Keno II., nahm 1410 die Norderburg ein, die Hero Attena gehörte und ließ Lütet und Hero Attena im Burghof köpfen, weil sie widerrechtlich Piraten aufgenommen hatten.

Außerdem wird Foelke vorgeworfen, sie habe ihre beiden Neffen im Kerker elendig verhungern lassen. Auch dies trifft nicht zu: Unter der Jahreszahl 1370 folgt, dass Folkmar Allena zum Schwert gegriffen hat, um Addas Erbansprüche durchzusetzen. Occo siegte und soll angeblich Ayelt, Folkmars Sohn (Folkmars Söhne hießen aber Haro und Ihmel) und Haro Ayelts (Sohn von Ockos Schwester Elbrig von Groß-Valdern und Haro Ayelts von Groß-Faldern) gefangengenommen haben, welche Foelke im Gefängnis verhungern lassen haben soll. Dies lässt sich nicht belegen, denn Haro Ayelts von Faldern (Elbrigs Ehemann) unterzeichnete 1379 den Friedensvertrag mit Folkmar. Beide Ayelte sind in späteren Annalen genannt. 1370 war Foelke noch nicht mit Ocko verheiratet.

Friedensvertrag

Die Urkunde hat folgenden Inhalt:

„Folckmarus Allena, Häuptling zu Oisterhuisen, und Habbo und ENNO, Vizedekane in Hinte, beurkunden die Absprache einer Ehe zwischen Ayelt Allena (1409 durch Keno II hingerichtet) zu Oisterhusen und Ocka, Tochter des Haro Ayelts u. Elbrig tom Brook, Häuptlings zu Grote Valderen, womit die Fehde zwischen Haro Ayelts und Folkmar Allena beigelegt ist. Siegelankündigung der Aussteller; ENNO benutzt das Siegel des Habbo mit. Datum in Oisterhuisen anno Domini dusent drehundert negen und soventich den derden dach na S.Andreas apostoli dach (2.Dez. – Freitag 1379)*“

Ostfriesisches Urkundenbuch I. Nr.137

Foelke, die noch einmal nach dem Tode ihres Sohnes die Vormundschaft für ihren Enkel Ocko führt, tritt bei der jeweiligen Vormundschaft für ihren Sohn Keno und ihren Enkel Ocko II. in der Überlieferung vollständig in den Hintergrund. Die Fama hat sie mit Zügen ausgestattet, die sie als grausame Frau erscheinen lassen. Aber in Berichten, deren Wahrheit nicht zweifelhaft ist, kann man an ihr nur Eigenschaften nachweisen, die der Zeit angehören. So hat sie Kirchen und Klöster reichlich bedacht und auch Wallfahrten unternommen, wie z.B. nach Lutter (Königslutter oder Lutter am Barenberg). Nach außen war Widzelt der Vertreter seines Bruders und später bei ihrem Enkel war dies häufig Focko Ukena.

Wieder erscheint Foelke als hinterhältige Person, als Widzelt in der brennenden Kirche zu Detern umkommt. Es heißt, sie habe ihren Stiefsohn ermorden lassen, um ihren Sohn Keno an die Macht kommen zu bringen, weil Widzelt nicht zum Rücktritt bereit gewesen sei. Dies ist eher unwahrscheinlich, da Widzelts Politik an die Bestrebungen anderer Häuptlinge angelehnt war. Er erscheint z. B. oft in enger Allianz mit Folkmar Allena. Ferner deuten seine Taten nicht auf usurpatorische Gedanken hin. Es scheint aber doch wohl zuzutreffen, dass Widzelt aufgrund eines Komplotts umgekommen ist. Aber da gab es andere Machthaber, die Interesse daran hatten, einen Halbwüchsigen an der Macht im Brokmerland zu wissen, z. B. kam es der Hanse außerordentlich gut zu Pass, wie deren weitere Vorgehensweise bestätigt.

Literatur

  • Mathilde Raven, Die quade Foelke (hist. Roman, Emden 1887)
  • Siever Johanna Meyer-Abich, Foelke Kampana, Norden 1943, 1967, 1990
  • M. Klinkenborg, Geschichte der ten Broks, Norden 1895
  • Eggerik Beninga, Cronica der Fresen Teil I u.II Aurich 1961
  • Houtrouw, Ostfriesland, Aurich 1889
  • Klopp, Geschichte Ostfrieslands, 3 Bde., Osnabrück 1854/58
  • Wiarda, Ostfrs. Geschichte, 11 Bde., 11 Bde. Aurich 1791/1819
  • Ubbo Emmius, Rerum Frisicarum historia
  • Ostfrs. Urkundenbuch I-III, Ostfrs. Landschaft Aurich
  • Gittermann, Kleine Geschichte von Ostfriesland, Hannover 1823

Weblinks


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