Frankfurter Grüngürtel


Frankfurter Grüngürtel
Grüngürtel-Logo

Der Frankfurter Grüngürtel (abweichende Schreibweise in Werbemitteln der Stadt Frankfurt: GrünGürtel) ist ein ringförmig um die Kernstadt von Frankfurt am Main verlaufender Freiraum. Er umfasst 8.000 Hektar, was etwa einem Drittel des Frankfurter Stadtgebiets entspricht. Als Landschaftsschutzgebiet ist er von der Stadtbebauung ausgenommen und ist größtenteils natürlich belassen. Der Frankfurter Grüngürtel wurde 1991 als einer der ersten Grüngürtel der Welt mit einer Verfassung begründet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Enkheimer Ried im Stadtteil Bergen-Enkheim
Naturschutzgebiet Riedwiese an der Grenze von Niederursel und Heddernheim
Renaturierter Teil des alten Bonameser Flugplatzes

Als Frankfurter Grüngürtel wird heute der äußere, dritte und einzig geschlossene Grüngürtel der Stadt bezeichnet. Ein Vorläuferentwurf geht zurück auf 1925, als der von der Gartenstadtbewegung beeinflusste Stadtbaurat Ernst May ein bereits vor ihm existierenden Konzept für ein Groß-Frankfurt aufgrund eines radial aufbauenden Trabantenstadt-System überarbeitete [1]. Um ein Börsen- und Handelszentrum als Kernstadt lagerten sich in diesem Entwurf im Osten und Westen große Industriegebiete und im Norden und Süden Wohngebiete. Der Main, den May eindeichen wollte, sollte durch Bebauung fließen. Der Gartenstadt-Terminus „Grüngürtel“ wurde zwar für das die Trabanten umgebende Grün verwendet, jedoch von 1925 bis 1930 kein geschlossener Grüngürtel geplant oder geschaffen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten sich die Folgen des fehlenden Grüngürtel für Frankfurts Stadtentwicklung. Der dtv-Atlas Stadt [2] dazu:

„Wegen seiner zentralen Lage und der Nähe zur alten Hauptstadt Bonn wurde Frankfurt ab 1948 der bevorzugte Standort der Geld- und Kreditwirtschaft. Tert. Siedlungsdruck auf die Innenstadt und die Kommunalpolitik lassen innerhalb der Wallanlagen und an ihrem Rand die Unterwanderung von Wohnflächen durch Büronutzung zu; es folgt deren Umwidmung in Kerngebiet. Die Bürger beginnen deshalb ab 1970 unüberhörbar zu protestieren, bes. im Westend, wegen der Hochhausbebauung im Niddatal und der Waldrodungen für die Startbahn West. In vielen Städten, z.B. München, Stuttgart, Karlsruhe, wächst der Widerstand der Wohnbevölkerung gegen diese Tertiärisierung der Flächennutzung. Politik, Landesplanung und Wissenschaft bieten keine Lösungen. Till Behrens weist [3] als Einzelner einen Weg aus dem „Chaos zur Idealstadt“"

Der Architekt und Stadtplaner Till Behrens setzte sich ab den 1960er Jahren mit Nachdruck für neue Zuordnungen von Bebauung zu Freiraum ein. Sein Konzept sah vor, vorhandene Restgrünflächen zu durchgehenden Landschaftsbändern zu verbinden und sie beidseitig mit Randbebauung zu begleiten. Sein Entwurf sollte urbane und ländliche Räume trennen. Die land-, forst- und wasserwirtschaftlich gepflegten Produktions-, Belüftungs- und Erholungsflächen zwischen den „Wohnbändern“ sollte Landwirten die Existenz und den Steuerzahlern fast kostenfreie fachmännische Freiraumpflege sichern. [4].

Die hessische Landesregierung zeichnete Behrens' Konzept 1991 als „Rahmengebendes Gesamtkonzept…[5] aus. In den folgenden Jahren kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Behrens und der Frankfurter Stadtverwaltung, da der Planer der Stadt vorwarf, über das Grüngürtel-Projekt-Büro willkürlich über ihr nicht gehörendes geistiges Eigentum zu verfügen.

Verlauf

Der Grüngürtel verläuft von der Niddamündung in den Main im Stadtteil Höchst (Wörthspitze) durch das Niddatal nach Nordosten bis Berkersheim und führt dann mit großflächigem Ackerland – entlang der Grenze zu Bad Vilbel – über den Lohrberg, Berger Rücken, den Berger Hang hinunter zum Enkheimer Ried und Enkheimer Wald, um nach der Unterbrechung durch das Endstück der A 66 an den Mainbogen zu gelangen, der dort die Grenze zu Offenbach am Main bildet. Danach wird er auf südlicher Mainseite (ab Stadtgrenze Offenbach) durch den Seehofpark weitergeführt bis zum Frankfurter Stadtwald, der ebenfalls zum größten Teil zum Naturpark gehört. Schließlich erreicht der Grüngürtel das Naturschutzgebiet Schwanheimer Dünen auf der dem Ausgangspunkt gegenüberliegenden südlichen Mainseite .

Unterbrochen wird der Ring vom Stadtteil Höchst im Westen.

Entlang der Nidda:

Grüngürteltier

Gernhardt-Eschen und Grüngürteltier-Stele an der Wörthspitze
Das Grüngürteltier auf der Robert-Gernhardt-Brücke über die Nidda am alten Flugplatz Bonames

Das Wappentier des Grüngürtels ist das Grüngürteltier. Der Frankfurter Zeichner und Dichter Robert Gernhardt rief es 2001 als Zeichnung ins Leben und schenkte es dem Frankfurter Umweltamt, um den Grüngürtel zu fördern. Gernhardt nannte sein Geschöpf dasipus franconia und charakterisierte es als Kreuzung aus Wutz, Molch und Star. Es taucht heute überall im Grüngürtel in vielfältiger Form auf und wurde von der Firma Steiff als auf 1500 Exemplare limitiertes Kuscheltier für das Frankfurter Umweltamt gefertigt.

An der Wörthspitze, wo Gernhardt nach eigener Aussage das Grüngürteltier das erste Mal erblickte, wurden am 1. April 2001 drei Eschen zu Ehren des Künstlers gepflanzt und eine Grüngürteltier-Stele errichtet. Eine künstlerische Bronzeskulptur des Grüngürteltieres[6] ist auf der Brüstung einer Fußgängerbrücke zum Alten Flugplatz Bonames zu besichtigen (siehe nebenstehendes Foto).

Radrundweg

Ein etwa 75 Kilometer langer ausgeschilderter Radrundweg führt einmal um Frankfurt durch den Grüngürtel. Von der Wörthspitze in Höchst führt der Weg entlang der Nidda flussaufwärts bis nach Berkersheim. Von dort geht es über den Heiligenstock, den Lohrberg und Berger Rücken leicht bergauf bis zum höchsten Punkt Frankfurts an der Berger Warte und vorbei am Vilbeler Wald. Steil bergab geht es dann den Berger Südhang hinunter durch den Enkheimer und Fechenheimer Wald zum Mainufer. Entlang des Fechenheimer Mainbogens und dem Offenbacher Hafen führt der Radweg weiter nach Oberrad. Von Oberrad geht es südlich der Stadtteile Sachsenhausen, Niederrad und Schwanheim durch den Stadtwald bis zur Schwanheimer Düne und von dort mit der Mainfähre Höchst über den Main zurück zum Ausgangspunkt an der Niddamündung.

Rundwanderweg

Grüngürtel-Logo als Wegweiser des Wanderwegs in Frankfurt-Rödelheim

Der Rundwanderweg folgt grob dem Verlauf des Radrundwegs. Größere Abweichungen gibt es nur zwischen dem Fechenheimer Wald und Oberrad (durch den Riederwald und Ostpark), an den Schwanheimer Dünen und am Heiligenstock. Dadurch verkürzt sich die Route auf etwa 62 Kilometer. Zur Motivation, den gesamten Rundweg in einzelnen Etappen zurückzulegen, hat das Umweltamt der Stadt Frankfurt einen Wanderpass herausgebracht. Entlang der gesamten Route sind Stempelstelen verteilt, an denen der Pass abgestempelt und somit der Fortschritt dokumentiert werden kann.

Quellenwanderweg

Der Quellenwanderweg im Frankfurter Grüngürtel ist ein ausgeschilderter Wanderweg, der von Seckbach in östlicher Richtung an den Hängen des Lohrbergs über das Enkheimer Ried und den Berger Hang bis zum Schelmenborn in Bergen (Bergen-Enkheim) an zwanzig Quellen vorbei führt.

Einzelnachweise

  1. Wirtschaftsdeputation Frankfurt am Main 1924, aus Behrens T.:Grüngürtel – Frankfurt am Main. Die Stadt wieder bewohnbar machen , Walldorf / Hessen 1992, Vorwort
  2. Hotzan J., dtv-Atlas 3. Aufl. München 2004, S. 62 f
  3. Behrens T.: Grüngürtel. Wachstumsorientierte Stadtpolitik und zusammenhängende Grünräume Frankfurt Main 1988 – Ders.: Grüngürtel – Frankfurt am Main . Die Stadt wieder bewohnbar machen. Walldorf Hessen 1992 S. 42
  4. Ders.: Wohnen am Grünen soll Frankfurt wieder bewohnbar machen. In FAZ Nr. 142 v. 23. Juni 1989 S. 54
  5. Hessischer Landeswettbewerb 1990,91 – „Ortsränder und Ortseingänge“ Mitglieder der Landesbewertungskommission B 2 (Verteiler –VC 11 – 61 d 02-37 – 1-90) , Hessisches Ministerium des Innern in Zusammenarbeit mit: dem Hessischen Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz, dem Hessischen Städtetag, dem Hessischen Gemeindebund und dem Hessischen Landkreistag, Landessieger Till Behrens, Frankfurt am Main, mit „Grüngürtel“.
  6. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Hessen II. Regierungsbezirk Darmstadt. (Bearb.: Folkhard Cremer u. Tobias Michael Wolf), 3. Aufl., München 2008, S. 296.

Literatur

  • Till Behrens: Grüngürtel. Verlag Dieter Fricke Frankfurt am Main 1988
  • Till Behrens, Grüngürtel Frankfurt in Garten und Landschaft heft 4/89, München
  • Till Behrens, Vom Chaos zur Idealstadt in Deutsches Architektenblatt DAB, 5/91, Berlin
  • Lucius Burckhardt, Till Behrens: Grüngürtel. Frankfurt am Main. Die Stadt wieder bewohnbar machen., Verlag Jochen Rahe 1992, ISBN 978-3-9803080-1-4
  • Jochen Rahe, Grüngürtel in werk + zeit Heft 1/88 ,Frankfurt am Main
  • Jochen Rahe und Till Behrens, Die Frankfurter Mainufer – Museen – Grün - Verkehr in Frankfurter Forum für Stadtentwicklung, Forumsschrift No. VIII, Januar 1980, Frankfurt am Main

Weblinks

 Commons: Frankfurter Grüngürtel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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