Franz Beyschlag


Franz Beyschlag

Franz Beyschlag (* 5. Oktober 1856 in Karlsruhe; † 23. Juli 1935 in Berlin) war Professor für Geologie an der Bergakademie Berlin und Vorsitzender der Preußischen Geologischen Landesanstalt.

Lebenslauf

Beyschlag kam als Sohn eines Hofpredigers und Theologen in Karlsruhe zur Welt und zog mit seinem Vater im Alter von vier Jahren nach Halle, wo er auch die Schule besuchte. Er interessierte sich für die Bergbaukunde und ging in das Rheinland, um in den Steinkohlegruben dort praktische Erfahrungen zu sammeln. Danach studierte er an der Universität Halle, der Bergakademie Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin und schloss sein Studium 1881 am Oberbergamt Halle ab. Dann arbeitete er als Bergreferendar und promovierte schließlich zum Dr. phil. Beyschlag lag daran, die neuesten Erkenntnisse der Geologie zu popularisieren; dazu fertigte er für das Landwirtschaftliche Institut der Universität Halle aus natürlichem Gestein ein Tiefenprofil in Form einer Mauer an, die einen Schnitt durch die Erdkruste nachbildete; eine ähnliche Wand entstand 1894/1895 im Berliner Humboldthain. Danach wurde er Mitarbeiter von Prof. Dr. Weiss an der Berliner Mineraliensammlung.

1883 wurde er Bezirks- 1889 auch Landesgeologe. Im Jahr 1888 wurde er zum Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina gewählt. Bis 1901 beschäftigte sich Beyschlag vor allem mit der Anfertigung geologischer Karten und war einer der bedeutendsten geologischen Kartographen seiner Zeit. Daneben hielt er ab 1892 auch Vorlesungen an der Bergakademie Berlin, das durch ihn neben der Bergakademie Freiberg zum zweiten deutschen Zentrum der Bergstättenkunde in Deutschland aufstieg.

1898 wurde er dort als Professor für Geologie berufen. Schließlich wurde Beyschlag auch Vorsitzender der Preußischen Geologischen Landesanstalt als Nachfolger von Heinrich Ernst Beyrich. Er setzte sich insbesondere für die praktische wirtschaftliche Umsetzung geologischer Kenntnisse im Zeitalter der Industrialisierung ein. Hierfür fertigte er auch sein bedeutendstes Werk an, die Karte der nutzbaren Lagerstätten Deutschlands, bestehend aus 76 Einzelblättern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts drängten die staatlichen Stellen in Deutschland auf eine möglichst genaue Bestandsaufnahme der Rohstofflagerstätten, vor allem, um den Bedarf für die Schwer- und insbesondere die Rüstungsindustrie bestimmen zu können. Beyschlag, obschon eigentlich Gelehrter, verstand sich dabei auch als treuer Diener des Staates.

Sein Sohn, Bernhard Beyschlag wurde am 14. Juni 1900 geboren. Dieser studierte Maschinenbau und Physik in Berlin, promovierte und eröffnete auf Sylt eine Fabrik für passive Widerstände.

Franz Beyschlag wurde auf dem Friedhof Wilmersdorf in Berlin beigesetzt.

Erfolge

Seine Untersuchungen zu Salz-, Eisenerz-, Bauxit-, Gold-, Erdöl- und Grundwasservorkommen in Deutschland waren bahnbrechend. Viele seiner über 100 Veröffentlichungen erschienen in der von ihm herausgegebenen „Zeitschrift für praktische Geologie“, wobei er sich auch etwa mit den geologischen Aspekten der Eisenbahntrassierung oder mit Umweltschäden infolge des Bergbaus auseinandersetzte.

Seine Arbeiten konzentrierten sich jedoch nicht allein auf Deutschland: In den Jahren 1893 bis 1913 führte er das bereits 1881 begonnene Projekt der Carte Géologique internationale de l'Europe fort, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Geologische Karte der Erde folgte. Präsident der Geologischen Landesanstalt war Beyschlag bis 1923. Daneben engagierte er sich auch in der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, deren Vorstand er seit 1893 angehörte und die er zeitweise als Vorsitzender auch leitete.

Ehrungen

In Berlin-Schulzendorf wurde die Beyschlag-Siedlung und ein darunter durchführender Autotunnel nach Franz Beyschlag benannt.


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