Franz Xavier von Bourbon-Parma


Franz Xavier von Bourbon-Parma

Prinz Franz Xavier von Bourbon-Parma (voller Name: Franz Xavier Karl Maria Anna Ludwig de Bourbon-Parma y Braganza) (* 25. Mai 1889 in der Villa Pianore, Lucca; † 7. Mai 1977 in Chur, Schweiz) war ab 1959 Titularherzog von Parma, Piacenza und Guastalla und Oberhaupt des Hauses Bourbon-Parma, spanischer carlistischer Thronprätendent von 1952-1975 als „Francisco Javier I.“ und ab 1964 Herzog von Molina.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Franz Xavier war der sechste Sohn des letzten regierenden Herzog Robert I. von Bourbon-Parma (1848-1907) und seiner zweiten Ehefrau Infantin Maria Antonia von Portugal, Tochter des portugiesischen König Michael I. und seiner Gattin Prinzessin Adelheid von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.

Zusammen mit seinen insgesamt einundzwanzig Geschwistern - darunter der letzten österreichischen Kaiserin, Zita von Bourbon-Parma - wuchs er in Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und England auf. Trotz Thronverlust seines Vaters genoss die Familie ein beträchtliches Vermögen, darunter Immobilien bei Schwarzau am Steinfeld (Österreich), Villa Pianore (Italien) und das Château de Chambord (Frankreich). Nach dem Tod seines Vaters verklagte er zusammen mit seinem Bruder Sixtus Ferdinand seinen älteren Halbbruder Elias von Bourbon-Parma, aus der ersten Ehe, um einen größeren Anteil des herzöglichen Vermögen. Doch ein französisches Gericht in Paris entschied gegen die jüngeren Bourbonen-Prinzen.

Ehe und Nachkommen

Am 12. November 1927 heiratete er in Lignières/Frankreich Prinzessin Marie Madeleine von Bourbon-Busset (1898-1984), Tochter des Grafen Georges d` Lignières (1860-1932) und seiner Frau Jeanne de Kerret (1866-1958). Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor:

Politisches Leben, Zweite carlistische Dynastie

Die Organisation des Karlismus

Während des Ersten Weltkrieges kam es innerhalb des Karlismus zu Meinungsverschiedenheiten über die Stellung Spaniens zu den kriegführenden Mächten. Schließlich propagierte man die Neutralität, wenn auch die Sympathien der meisten Karlistenführer auf Seite Österreich-Ungarns und Deutschlands standen. Die Diktatur Miguel Primo de Rivera (1870-1930) bedeutete nach Ansicht des Karlismus die Bankrotterklärung der liberalen Monarchie alfonsinischer Richtung. Obwohl der Karlismus die Diktatur ablehnte und sie bloß nach der Ansicht des spanischen Staatsphilosophen Juan Donoso Cortés als (1809-1853) das „kleinere Übel“ betrachtete, glaubte er doch, sein Programm besser durchsetzen zu können. Die Schlagkraft des Karlismus erlitt aber große Beeinträchtigung, da in den baskischen Provinzen eine eigene baskisch-nationale Bewegung entstand, der sich eine Reihe von ehemaligen Anhängern des Karlismus anschloss, da sie an der Verwirklichung des karlistischen Gedankens verzweifelten, aus Spanien eine bundesstaatlich organisierte Monarchie zu machen.

Die Ausrufung der Zweiten spanischen Republik 1931 und das Ende der alfonsinischen Monarchie rief den karlistischen Thronprätendenten auf den Plan. Er protestierte feierlich gegen die Ausrufung der Republik und gegen die Änderung der spanischen Nationalfarben. Die Vertreibung von König Alfons XIll. schien auch eine Versöhnung der beiden streitenden Linien des spanischen Königshauses herbeizuführen. Don Jaime, der damals in Paris weilte, empfing am 22. September 1931 den Besuch des gestürzten Königs. Nach einem unbestätigten Gerücht soll damals Alfons XIII. Don Jaime als den Chef des Königshauses anerkannt haben. Der karlistische Zweig des spanischen Bourbonenhauses starb in direkter Linie aus, als der karlistische Thronanwärter Don Alfonso Carlos von Bourbon und Österreich am 2. Juli 1936 in Wien einem Verkehrsunfall zum Opfer fiel.

Mit dem Tod Prinz Alfonso Carlos (I.) von Bourbon (1849-1936), Herzog von San Jaime, der letzte unbestrittene Erbe der Karlistdynastie, erlosch die erste karlistische Dynastie. Er war ein Sohn des Prinzen Juan von Bourbon-Braganza und Infantin Maria das Nieves von Portugal, Tochter des portugiesischen Königs Michael I. und seiner Gattin Prinzessin Adelheid von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.

Prinz Alfonso Carlos hatte 1936 seinen Cousin, Prinz Franz Xavier, zum Nachfolger und Regent ernannt, da er die karlistischen Ideale teilte. Am 30. Mai 1952 erhob Franz Xavier jedoch Anspruch auf den spanischen Thron und begründete somit die zweite karlistische Dynastie: als "Francisco Javier I."

Die Karlisten in der Zeit des Franquismus (1936-1975)

Prinz Alfonso Carlos (I.) de Bourbon y Österreich-Este (1849-1936), der letzte Prätendent des karlistischen Zweiges der Bourbonen, hatte kurz vor seinem Tod noch selbst seinen Cousin Prinz Franz Xavier von Bourbon-Parma als Regenten bestimmt, da dieser der am nächsten verwandte Bourbone war, der die karlistischen Ideale hochhielt. Franz Xavier, ein Bruder der letzten österreichischen Kaiserin Zitas, kehrte während des Zweiten Weltkriegs nach Belgien zurück, in dessen Armee er während des Ersten Weltkriegs gedient hatte. Dort wurde er demobilisiert, woraufhin er sich dem französischen Widerstand anschloss. Von den Nationalsozialisten gefangen genommen, wurde er in Natzweiler und Dachau interniert, wo die amerikanischen Truppen ihn 1945 befreiten. Nach der Wiedereinführung der Monarchie im Jahr 1947 verkündete Franz Xavier im Jahr 1952 als "Francisco Javier" öffentlich seinen Anspruch auf den spanischen Thron und begründete somit die zweite karlistische Dynastie der Bourbon-Parma.

Dieser Rang wurde ihm und seinem Sohn Carlos-Hugo von Bourbon-Parma von Graf Juan von Barcelona (1913-1993) und Vater des derzeitigen Königs von Spanien, Juan Carlos I. (* 1938), streitig gemacht, weil Franz Xavier unstandesgemäß geheiratet hatte und wie sein Sohn nicht die spanische Staatsbürgerschaft besaß. Francisco Franco (1892-1975) selbst äußerte sich nicht zu den Ansprüchen Franz Xavier und Carlos-Hugos, weil dies seinen Bestrebungen entgegen kam, Uneinigkeit unter den spanischen Monarchisten zu stiften. Insbesondere war Franco daran gelegen, dass sich die spanischen Monarchisten nicht hinter dem Grafen von Barcelona vereinten, welcher sich ausdrücklich für die Schaffung einer parlamentarischen Demokratie ausgesprochen hatte, während Franco von einem künftigen König die volle Identifizierung mit dem Movimiento Nacional erwartete.

Obwohl der Umstand, dass ihnen keine spanische Staatsbürgerschaft zukam, keineswegs unumstritten war (der nie aufgelöste Vertrag von Aranjuez von 1801 sicherte allen Prinzen von Bourbon die spanische Staatsbürgerschaft zu), stellten Franz Xavier und Carlos-Hugo einen Antrag auf Einbürgerung. Franco tat das Seine, eine Entscheidung über diesen Antrag immer weiter hinauszuzögern (zu einer Einbürgerung kam es im Falle Carlos-Hugos darum erst am 5. Januar 1979). Davon abgesehen ließ er keine Gelegenheit verstreichen, die verschiedenen Thronanwärter gegeneinander auszuspielen. Als etwa Juan Carlos sich 1962 zu seiner Heirat mit der griechischen Prinzessin Sophia von Griechenland nach Athen begab, lud Franco den inzwischen in Madrid lebenden Carlos-Hugo zu einem Treffen ein, wonach er den Grafen von Barcelona wissen ließ, dass er sich nun einen anderen Kandidaten überlegt habe. Allerdings begann Carlos-Hugo in diesen Jahren von Franco abzurücken und griff Juan Carlos als dessen angebliche Marionette an. Juan, den Grafen von Barcelona, bezeichnete er als Liberalen, Zentralisten sowie als Günstling des Kapitalismus und des Establishments. Carlos-Hugos Anhänger sahen sich deshalb dazu veranlasst, Juan Carlos bei öffentlichen Auftritten mit faulem Gemüse zu bewerfen.

1964 heiratete Carlos Hugo Prinzessin Irene von Oranien-Nassau. In den Flitterwochen ließ sich Irene in einem Bikini ablichten, einem Kleidungsstück, welches in Spanien damals als obszön betrachtet wurde. Franco nutzte die öffentliche Empörung, um Carlos-Hugo dadurch herabzusetzen, dass er die Einladung zu einer Audienz mit Prinzessin Irene der Niederlande und ihr Mann übertiteln ließ. Daraufhin brach Carlos-Hugo sowohl mit Franco als auch mit seinem traditionalistischen Vater und begann, einen linken Kurs zu verfolgen. In der Volksabstimmung von 1966, welche einer Verfassungsreform (Ley Orgánica del Estado) galt, rief Franz Xavier seine Anhänger dazu auf, mit "Ja" zu stimmen. Carlos-Hugo stellte daraufhin seinen Vater dadurch bloß, dass er ihm öffentlich die "Legitimität durch Taten" absprach. Damit war der Bruch innerhalb der carlistischen Bewegung besiegelt. Franz Xavier tat ein Weiteres und bekundete seine Unterstützung für den baskischen und katalanischen Separatismus. Franco, dem das zu viel war, ließ daraufhin alle Prinzen von Bourbon-Parma aus Spanien ausweisen. Carlos-Hugo und mit ihm seine Anhänger verfolgten nach seinem Bruch mit Franco 1967 die Idee eines partikularistischen Sozialismus. Letztlich zerschlugen sich die Hoffnungen der Karlisten erneut, als Franco sich unter den vielen in Frage kommenden Prätendenten für den Enkel Alfons XIII., Juan Carlos, entschied.

Am 8. April 1975, noch vor Francos Tod, dankte Franz Xavier zugunsten seines Sohns Carlos-Hugo ab.

Literatur

  • Beate Hammond, Maria Theresia, Elisabeth, Zita - Jugendjahre großer Kaiserinnen, Ueberreuter Verlag 2004
  • José Navarro Cabenes: Apuntes bibliográficos de la prensa Carlista. Valencia, 1917.
  • Constancio: El Tradicionalismo Español, San Sebastián 1934.
  • Elias Franciscode Tejada: EI monarquia tradicional, Madrid.
  • Herrero Galindo: Breve historia del Tradicionalismo Español, Madrid 1956.
  • Evaristo Casarlego: La verdad des Tradiclonalismo, Madrid

Weblink


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