Frederik Pohl


Frederik Pohl
Frederick Pohl, 2008

Frederik Pohl (* 26. November 1919) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Autor. Pohl ist mit Dr. Elizabeth Anne Hull verheiratet und lebt in Palatine, Illinois.

Mit dem Roman Man Plus (1976) gewann er den Nebula-Preis, mit dem Roman Gateway (1977) den Nebula- und den Hugo-Preis (die beiden wichtigsten Preise der Science-Fiction-Literatur).

Pohl ist einer der am meisten ausgezeichneten Science-Fiction-Autoren. Er gewann insgesamt sechsmal den Hugo Award (als einziger als Herausgeber und Autor), dreimal den Nebula Award (inklusive des Grand Master für sein Lebenswerk), zweimal den John W. Campbell Award, den französischen Prix Apollo, sowie den jugoslawischen Vizija. Weitere Auszeichnungen bekam er für sein Wirken außerhalb der Science-Fiction, unter anderem den United Nations Society of Writers Award.

Sein erster Text, ein Gedicht, ist im Jahre 1937 in der Science-Fiction-Zeitschrift Amazing Stories unter dem Pseudonym Elton V. Andrews erschienen. In den 1960er Jahren war er auch als Herausgeber tätig, so bei dem Magazin Galaxy. Einige seiner Romane werden der Sub-Gattung Space Opera zugerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Pohl wurde am 26. November 1919 geboren. Schon in jungen Jahren musste er mehrmals umziehen. Sein Vater arbeitete an verschiedenen Stellen, Pohl lebte daher in Texas, Kalifornien, New Mexico und in der Nähe des Panamakanals. Als Pohl etwa sieben Jahre alt war, zog die Familie nach Brooklyn. Er besuchte dort die gut angesehene Brooklyn Technical High School, musste aber während der Weltwirtschaftskrise mit vierzehn Jahren die Schule abbrechen, um arbeiten zu gehen. Noch während seiner Teenagerzeit schloss er eine lebenslange Freundschaft mit Isaac Asimov, der wie er der New Yorker Science-Fiction-Fangruppe der Futurians angehörte.

Im Jahr 1936 schloss sich Pohl einer kommunistischen Gruppe namens Young Communist League an und wurde später Vorsitzender der Ortsgruppe in Brooklyn. Es wird manchmal behauptet, dass die Vorsitzenden der Gruppe ihn wieder aus der Gruppe herausgedrängt hätten, da sie befürchteten, dass das Gedankengut der Science-Fiction die Jugend verderbe. Pohl selber sagte, dass er die Parteilinie nach dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 nicht länger unterstützen konnte und deshalb freiwillig gegangen sei.

Von 1939 bis 1943 war Pohl Herausgeber zweier Pulp-Magazine – der Astonishing Stories und der Super Science Stories.[1] In seiner Biografie schreibt Pohl jedoch, dass er seine Mitarbeit etwa zur Zeit der deutschen Invasion der Sowjetunion im Jahr 1941 einstellte.

Pohl war mehrere Male verheiratet. Seine erste Frau, Leslie Perri, war ebenfalls Mitglied der Futurians, sie heirateten im August 1940, ließen sich aber noch während des Krieges scheiden. Pohl heiratete daraufhin Dorothy LesTina in Paris im August 1945. Beide waren zu dieser Zeit mit der amerikanischen Armee in Europa stationiert. 1948 heiratete er wieder, diesmal Judith Merril, mit der er eine Tochter, Ann, hatte. Merril und Pohl ließen sich 1953 scheiden. Von 1953 bis 1982 war Pohl mit Carol Metcal Ulf verheiratet. Seit 1984 ist Pohl mit der Science-Fiction-Herausgeberin Elizabeth Anne Hull verheiratet.

Pohl ist der Großvater der Autorin Emily Pohl-Weary.

Vom April 1943 bis zum November 1945 diente Pohl als Meteorologe in der US Army und wurde bis zum Sergeant befördert. Nach seiner Ausbildung in Illinois, Oklahoma und Colorado war er hauptsächlich in Italien stationiert.

Pohl begann seine Karriere als Buchhändler und -Agent im Jahr 1937, es stellte jedoch nur einen Nebenberuf dar, bis er nach dem Krieg hauptberuflich in diesem Gewerbe arbeitete. Er resümierte, dass er wohl „über die Hälfte aller erfolgreicher Science-Fiction-Autoren verkaufte“ („representing more than half the successful writers in science fiction“). Für kurze Zeit war er der einzige Agent, den Asimov je hatte. Mit Beginn der 1950er Jahre ging seine Firma jedoch bankrott.

Er arbeitete daraufhin mit seinem Freund Cyril M. Kornbluth (ebenfalls Mitglied der Futurians) an verschiedenen Kurzgeschichten und Romanen. Darunter war ein Roman, der von einer Welt handelt, die von Werbefirmen regiert wird, The Space Merchants (den daran anknüpfenden Roman The Merchants' War schrieb Pohl allein, da Kornbluth mittlerweile verstorben war). Dieser Roman ist nicht zu verwechseln mit Pohls The Merchants of Venus von 1972, der den Turbokapitalismus kritisiert und zum ersten Mal die Hitschi einführt, die in der Gateway-Trilogie noch eine Rolle spielen.

Eine Anzahl von Pohls Kurzgeschichten werfen einen satirischen Blick auf das Konsumverhalten und die Werbung der 1950er und 1960er: "The Wizard of Pung's Corners" handelt von komplexer militärischer Hardware, die gegen Bauern mit Schrotflinten wehrlos ist. In "The Tunnel Under the World" wird ein ganzes Dorf für Marktforschungszwecke gefangen gehalten.

Von den späten 1950ern bis 1969 war Pohl Herausgeber der Zeitschriften Galaxy und If. Unter seiner Leitung gewann If den Hugo Award für das Beste Professionelle Magazin in den Jahren 1966, 1967 und 1968. [2] Als seine Assistentin bei beiden Magazinen wirkte Judy-Lynn del Rey.

Mitte der 1970er kaufte und edierte Pohl Romane für den Verlag Bantam Books, die unter dem Titel Frederik Pohl Selections veröffentlicht wurden. Die bekanntesten waren Samuel R. Delanys Dhalgren und The Female Man von Joanna Russ. Etwa zur selben Zeit schrieb Pohl auch selber Bücher, so zum Beispiel Man Plus und die Gateway-Trilogie, inklusive des Romans The Heechee Annals. Er gewann den Nebula Award für Man Plus (1976) und den ersten Roman der Gateway-Trilogie, Gateway (1977). Gateway gewann außerdem den Hugo Award als bester Roman im Jahr 1978. Zwei seiner Kurzgeschichten waren ebenfalls erfolgreich: "The Meeting" (mit Kornbluth) gewann den Hugo im Jahr 1973 und "Fermi and Frost" im Jahr 1986. Ein weiterer erwähnenswerter Roman ist Jem, der den National Book Award gewann.

Im September 2005 publizierte Pohl den Roman Generations. Seit November 2006 schrieb er an einem Roman, der von Arthur C. Clarke begonnen wurde. Dieses Buch mit dem Titel The Last Theorem wurde 2008 veröffentlicht, wenige Monate nach dem Tod von Arthur C. Clarke.

Pohls Werke umfassen nicht nur Science-Fiction, sondern auch Artikel für die Magazine Playboy und Family Circle. Zeitweise war er verantwortlich für die Einträge zu Kaiser Tiberius in der Encyclopædia Britannica.

Pohl war von den 1950ern bis in die 1970er ein regelmäßiger Gast in der Radiosendung von Long John Nebel. Außerdem war Pohl der achte Präsident der Science Fiction and Fantasy Writers of America, ein Posten, den er 1974 antrat. Pohl lebte in Red Bank (New Jersey), wohnt aber zurzeit in Palatine, Illinois.

Werke (Auswahl)

  • The Space Merchants (1953, dt. Eine Handvoll Venus und ehrbare Kaufleute 1971) gemeinsam mit Cyril M. Kornbluth
  • Undersea Quest (1954, dt. Duell in der Tiefe, Jim Eden Trilogie Teil 1)
  • Gladiator-at-Law (1955, dt. Gladiator des Rechts 1962 und Die gläsernen Affen o. J.) gemeinsam mit Cyril M. Kornbluth
  • Preferred Risk (1955, dt. Der Wohlfahrtskonzern 1981) gemeinsam mit Lester del Rey
  • Undersea Fleet (1956, dt. Städte unter dem Ozean, Jim Eden Trilogie Teil 2)
  • Slave Ship (1957, dt. Venus nähert sich der Erde 1976)
  • Undersea City (1958, dt. Alarm in der Tiefsee, Jim Eden Trilogie Teil 3)
  • Drunkard’s Walk (1960, dt. Tod den Unsterblichen 1972)
  • The Reefs of Space (1963, dt. Riffe Im All 1966, gemeinsam mit Jack Williamson, Starchild Trilogie Teil 1)
  • A Plague of Pythons (1965, Die Macht der Tausend 1968)
  • Starchild (1965, dt. Sternengott, Star Child Trilogie Teil 2)
  • The Age of Pussyfoot (1969, Die Zeit der Katzenpfoten 1970)
  • Rogue Star (1969, dt. Outsider Stern, Star Child Trilogie Teil 3)
  • Man Plus (1976, dt. Der Plus-Mensch 1978, auch unter dem Titel Mensch+) (Nebula)
  • Gateway (1977, dt. Gateway 1978) (Hugo, Nebula)
  • Jem (1979, dt. Jem – Die Konstruktion einer Utopie 1980) (mit dem Preis Best SF Hardcover National Book Award ausgezeichnet)
  • Beyond the Blue Event Horizon (1980, dt. Jenseits des blauen Horizonts 1981) (Gateway-Trilogie Teil 2)
  • The Cool War (1980, dt. Der lautlose Krieg 1982)
  • Starburst (1982, dt. Sternsplitter 1983)
  • Heechee Rendezvous (1984, dt. Die Rückkehr nach Gateway 1986) (Gateway-Trilogie Teil 3)
  • Black Star Rising (1985, dt. Der schwarze Stern der Freiheit 1988)
  • The Last Theorem (2008, dt. Das letzte Theorem 2009) gemeinsam mit Arthur C. Clarke

Literatur

  • Albrecht Fritzsche: Der zweifelhafte Reiz, Bücher zu Filmen zu schreiben. Frederik Pohl, oder Wie man als Schriftsteller seinen Lebensunterhalt verdient. In: Die Welten der Science Fiction. 15 Annäherungen an das erfolgreichste Genre unserer Zeit, Corian-Verlag Meitingen, 1988. ISBN 3-89048-313-5

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Frederik Pohl: Chasing Science. Locus Online (October 2000). Abgerufen am 29. Dezember 2010.
  2. The Hugo Awards by Category. worldcon. Abgerufen am 29. Dezember 2010.

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